Titel: Ueber die Kunst große Lasten fortzuschaffen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 51, Nr. LXXII./Miszelle 7 (S. 313)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj051/mi051072_7

Ueber die Kunst große Lasten fortzuschaffen.

Ist es nicht höchst sonderbar und merkwürdig, fragt ein Hr. Bergein im Mechanics' Magazine, No. 544, daß manche halbbarbarische Völker in der Kunst große Lasten fortzuschaffen, Größeres leisten, als die civilisirten Europäer mit allen ihren Fortschritten in der Mechanik und mit all ihren vervollkommneten Maschinen? Ohne in eine Erörterung über diese schon oft aufgestellte und eben so oft widerlegte Behauptung einzugehen, führt derselbe folgende Beispiele für deren Wahrheit an, die auch wir einer Mittheilung werth halten, da sie wenigstens einen interessanten Beleg für den Zustand der Gießereien in Ostindien geben. Die berühmte Kanone Malik-e-meridan oder der sogenannte Lord of the Field zu Berjapoor, der bei einer Länge von 14 Fuß 9 Zoll eine Bohrung von 2 Fuß 5 Zoll im Durchmesser hat, und an welchem die Dike des Metalles 14 Zoll mißt, wurde zu Ahmednuggur, also 150 engl. Meilen von den Bastionen von Berjapoor, auf denen er gegenwärtig liegt, gegossen, und doch mußten die Engländer ihren Vorsaz diese Kanone nach England zu transportiren, wegen der außerordentlichen Größe und Schwere derselben aufgeben. Dasselbe war auch mit der großen Kanone von Agra der Fall, die leider kürzlich in Trümmer zersprang. – Zu Rangoon im Birmanischen war eine große Anzahl von Seeleuten und Arbeitern 14 Tage lang beschäftigt, die große Gloke von dem berühmten Tempel an den nur einige Yards entfernten Fluß, und dann in eine in demselben liegende Brigg zu schaffen. Sie brachten sie auch richtig an den Fluß, statt sie aber in die Brigg zu heben, ließen sie sie mitten im Flusse versinken, in welchem sie sie nach mehreren fruchtlosen Versuchen den ungebildeten Birmanen überließen. Nach drei Tagen war die Gloke von diesen Leuten nicht nur aus dem Flusse herausgeschafft, sondern auch schon wieder in ihrer früheren Stellung in der Höhe des Tempels sichtbar!

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