Titel: Fortschritte der Colonisation auf Neu-Süd-Wallis.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 51, Nr. LXXXVII./Miszelle 12 (S. 399–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj051/mi051087_12

Fortschritte der Colonisation auf Neu-Süd-Wallis.

Die lobenswerthe Sitte der Engländer und zum Theil auch der Franzosen in jährlich erscheinenden sogenannten Almanacs, Annuals, Calendars u. dergl. Berichte über die wesentlichsten Erscheinungen in allen Zweigen der Wissenschaften und Künste, der Industrie, des Handels, der Fortschritte der Civilisation, der inneren Verwaltung etc. niederzulegen und bekannt zu machen, hat sich bei dem regen und ungehinderten Umschwunge der Presse in den englischen Staaten bereits |400| auf die Colonie Neu-Süd-Wallis ausgedehnt. Wir erhielten nämlich im Laufe des vorigen Jahres ein Werkchen dieser Art, welches 1833 unter dem Titel The New South Wales Calendar and General Post-Office Directory zu Sydney bei Stephens und Stokes in 8. erschien, und welches nicht bloß von totalem Interesse ist, sondern so viel Neues und Anziehendes über den Gang der Dinge auf Neu-Süd-Wallis enthält, daß wir wohl in Bälde einige ausführlichere Auszüge aus denselben in unseren der Verbreitung der Länder- und Völkerkunde gewidmeten Zeitschriften erwarten dürfen. Der interessanteste Aufsaz in diesem Kalender ist unstreitig die von dem hochwürdigen Caplane zu Newcastle N. S. W. Hrn. C. P. N. Wilton entworfene Skizze des gegenwärtigen Zustandes der Colonie, die für Leute von allen Fächern eben so überraschend, als anziehend seyn wird. Wir bedauern daher, daß wir uns nur auf folgende wenige, für den Techniker mehr interessante Notizen beschränken müssen. „Einen weiteren Beweis von den Fortschritten der Civilisation und der Wohlfahrt eines Landes, sagt Hr. Wilton S. 12, liefert unstreitig die Schnelligkeit und Sicherheit der Communicationsmittel, und auch in dieser Hinsicht kann Australien bereits mit vielen Ländern, in denen die Culturversuche um Jahrhunderte älter sind, in die Schranken treten. Die Ansiedler erhalten im Inneren der Colonie die Briefe sowohl als die Zeitungen regelmäßig an bestimmten Tagen und um bestimmten Preis, und die Bewohner von Sydney werden mit Ausnahme des Sonntags sogar täglich 2 Mal mit Zeitungen versehen. Zwischen der Haupstadt und einigen Städten im Inneren fahren regelmäßig Landkutschen, und in der Hauptstadt selbst gibt es eben st gut wie zu London sogenannte Hakneykutschen, denen bald auch Omnibus folgen werden. Zwischen Sydney und Newcastle fahren regelmäßig mehrere Handelsschiffe, und eben so fahren zwischen diesen beiden Orten und 38 Meilen stromaufwärts das Dampfboot Sophia Jane und das Dampfboot William the Fourth. Außerdem fuhr auch noch ein kleineres Dampfschiff zwischen Sydney und Paramatta hin und her; dieses ging jedoch in lezter Zeit nach Van Diemens Land ab, und an seine Stelle trat ein kräftiges von Pferden gezogenes Boot. Man darf hoffen, daß Sydney in Kürze auch noch ein größeres Dampfboot als die Sophia Jane besizen wird, indem sich eine Compagnie bildete, die ein solches von England kommen lassen will, im Falle es sich nicht vortheilhafter zeigen sollte, das Schiff in Sydney zu bauen, und bloß die Maschine aus England zu beziehen. Dieses Schiff soll nämlich hauptsächlich zum Transporte des Hornviehes aus dem Inneren des Landes eingerichtet werden. Die Benuzung der Kraft des Dampfes wirb bald auch in anderen Zweigen und in verschiedenen Fabriken allgemeiner werden, denn schon gegenwärtig baut man eine Mahl- und eine Sägmühle, die durch Dampf getrieben werden soll.“ Die wissenschaftliche Bildung scheint mit der industriellen gleichen Schritt zu halten, denn Hr. Wilton bemerkt in dieser Hinsicht: „Wer Vergnügen an der Lectüre hat, findet in Sydney drei Bibliotheken; wer sich in den Wissenschaften unterrichten will, kann Vorträge über Naturgeschichte, Chemie, Physik, Astronomie etc. besuchen, und eben so findet er bereits ein ganz ansehnliches Museum, welches schon viele zoologische, botanische und mineralogische Schäze enthält. Der Astronom kann in einem reichlich ausgestatteten Observatorium schöne Beobachtungen anstellen; der Botaniker wird mit Vergnügen durch die Beete des im Aufblühen begriffenen botanischen Gartens wandeln; der Freund der Landwirthschaft und Gartencultur wird sich in den Sizungen der landwirtschaftlichen Gesellschaft erfreuen, der Kaufmann hat seine Australian Society, seine Handelskammer und seine Assecuranzcompagnie. Endlich hat sich auch schon eine Art von Theater gebildet und die Liebhaber von Pferderennen haben in Sydney so gut ihre Clubs, wie in England.“ Besondere Erwähnung verdient endlich noch, daß die Reben und Südfrüchte in Sydney sehr gut gedeihen; Weingärten werden jährlich häufiger, so daß zu erwarten steht, daß der Australier bald einen Plaz unter den Weinen des englischen Marktes einnehmen dürfte. Einige ältere Colonisten haben auch schöne 20jährige Orangenwäldchen.

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