Titel: Programm der von der Société d'encouragement pour l'industrie nationale in der Generalsizung vom 24. December 1833 für die Jahre 1834, 35, 36 und 37 ausgeschriebenen Preise.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 51, Nr. LXXXVII./Miszelle 2 (S. 389–393)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj051/mi051087_2

Programm
der von der Société d'encouragement pour l'industrie nationale in der Generalsizung vom 24. December 1833 für die Jahre 1834, 35, 36 und 37 ausgeschriebenen Preise.

Preise für das Jahr 1834.

Mechanische Künste.

1) Preis von 2000 Franken für Fabrikation von Nähnadeln.

2) Zwei Preise, jeden zu 12,000 Fr., für Mittel zur Sicherstellung gegen die Explosionen der Dampfmaschinen und des Dampfkessels.

Chemische Künste.

3) Preis von 6000 Fr. für die Verbesserung von Eisengußwerken.

4) Preis von 5000 Fr. für die Beschreibung der Verfahrungsarten zum Bleichen der Zeuge, welche zur Fabrikation der Indiennen bestimmt sind; ferner der Zubereitung der Farben und ihrer Anwendung, und endlich aller Maschinen, welche zu diesen verschiedenen Arbeiten benuzt werden.

5) Preis von 2000 Fr. für die Fabrikation von chinesischem Papiere.

6) Zwei Preise (einer von 6000 und einer von 3000 Fr.) für die Erfindung |390| eines Verfahrens, nach welchem sich der Kleber bei der Stärkefabrikation vortheilhaft sammeln, und das Wasser der Stärke und Stärkmehlfabriken benuzen läßt.

7) Preis von 4000 Fr. auf die Fabrikation von wohlfeilen Kerzen.

Oekonomische Künste.

8) Preise von 1000 und 4000 Fr. für die Errichtung von Runkelrüben-Zukerfabriken mit landwirthschaftlichen Unternehmungen verbunden.

9) Preis von 3000 Fr. für Fabrikation von Gefäßen, in welchen sich Nahrungsmittel durch mehrere Jahre unverändert aufbewahren lassen.

Preise, welche auf das Jahr 1834 verschoben wurden.

Mechanische Künste.

10) Fünf Preise (von 2000, 4000, 3000, 2000 und 2500 Fr.) für die Fabrikation von Röhren für Wasserleitungen.

Chemische Künste.

11) Preis von 3000 Fr. auf Entdekung und Ausbeutung von Steinbrüchen, welche Steine zum Steindruke liefern.

12) Zwei Preise für Verbesserungen im Steindruke; nämlich einen von 600 Fr. für eine leicht ausführbare Vorschrift zur Verfertigung der besten lithographischen Kreide; und einen von 1500 Fr. für eine Schwarzmethode, welche die Walze übertrifft.

13) Preis von 2000 Fr. für den Steindruk mit Farben.

14) Preis von 2400 Fr. für die Entdekung eines Verfahrens, nach welchem man die Verfälschung des Getreidemehles mit Erdäpfelsazmehl erkennen kann.

15) Preis von 6000 Fr. für Erfindung eines Verfahrens, wodurch man dem Saz- oder Stärkmehle die Eigenschaft mittheilen kann, ein Brod zu geben, welches eben so gut aufgeht oder gähn, wie das Brod aus Weizenmehl.

16) Drei Preise (von 1500, 1200 und 1000 Fr.) für die Verfertigung von metallenen Rüstungen und Amianthgeweben, um gegen die Wirkung der Flammen zu schüzen, und für ein Verfahren organische Gewebe unverbrennlich zu machen.

17) Preis von 3000 Fr. für Errichtung einer Fabrik, in welcher feuerfeste Schmelztiegel im Großen erzeugt werden.

18) Drei Preise (von 3000, 3000 und 4000 Fr.) für Verbesserungen im Baue der Oefen.

19) Preis von 2000 Fr. für eine Substanz, welche den Fischleim oberste Hausenblase zu ersezen vermag.

20) Preis von 2400 Fr. für eine andere Spiegelbelegung, als die bisher bekannten.

21) Preis von 3000 Fr. für Entdekung eines Metalles oder einer Legirung, welche sich nicht so leicht wie Stahl und Eisen oxydirt, und welche sich zu den Maschinen und Geräthen, die zur Zerkleinerung weicher Nahrungsmittel dienen, benuzen läßt.

22) Preis von 1200 Fr. für Reinigung von Rinden, aus denen Papier verfertigt werden kann.

Oekonomische Künste.

23) Preis von 2000 Fr. auf Aufbewahrung des Eises.

Landwirthschaft.

24) Preis von 1500 Fr. auf Anpflanzung von Papiermaulbeerbäumen.

Preise für das Jahr 1835.

Chemische Künste.

25) Preis von 3000 Fr. für Ersezung der Holzschnitte durch autographische Zeichnungen und Lettern.

(Die Gesellschaft ertheilt diesen Preis in ihrer Generalversammlung des zweiten Semesters 1835 demjenigen Concurrenten, der die definitive Anwendung der autographischen Zeichnungen und Lettern in gedrukten Werken durchsezte. Die Concurrenten müssen ein vollkommenes Gelingen ihrer Methode in drei Werken, welche zusammen aus 40 Drukbogen bestehen und von denen 1500 Exemplare abgezogen werden mußten, beweisen. Die Abdrüke der Zeichnungen und der Lettern müssen sowohl in Hinsicht auf Wohlfeilheit, als in Hinsicht auf Reinheit der Formen einen Vergleich mit den Holzschnitten auszuhalten im Stande seyn.)

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Landwirthschaft.

26) Preis von 1500 Fr. für die Bestimmung der Wirkung des Kalkes als Dünger.

Preise, welche auf das Jahr 1835 verschoben wurden.

27) Sieben Preise auf Verbesserungen in der Fabrikation von Dachziegeln, Baksteinen, Bodenplatten und anderen Gegenständen aus gebranntem Thone.

(Die Gesellschaft hat dieß Mal, in Betracht, daß die Ziegelfabrikation theils wegen der Beschaffenheit des Thones an verschiedenen Orten, theils wegen mancherlei Localverhältnisse und örtlicher Gebräuche sehr verschieden betrieben wird; in Betracht, daß, wenn es auch viele Orte gibt, an welchen das gesammte Verfahren bei der Ziegelfabrikation mehr oder minder große Verbesserungen erheischt, es deren doch auch viele gibt, an welchen bloß einige der dabei gebräuchlichen Operationen eine Vervollkommnung erfordern; und in Betracht endlich, daß es bei einem so höchst wichtigen Industriezweige am besten seyn dürfte, den Fabrikanten frei zu lassen ihre Forschungen auf diesen oder jenen Gegenstand, je nachdem sie es für dringender halten, zu leiten; statt des früheren großen Preises folgende 7 kleinere Preise ausgeschrieben.

1. Verfahren, nach welchem das Zertheilen oder Mahlen des Thones, wenn dieses nöthig ist, auf eine wohlfeilere und vollkommnere Weise geschehen kann, als bisher.

Die Gesellschaft ertheilt demjenigen einen Preis von 500 Fr., der entweder in einer bereits bestehenden oder in einer neuen Fabrik irgend ein neues Verfahren einführt, nach welchem der Thon, im Falle dieß wegen seiner Zähigkeit nöthig ist, auf eine wohlfeilere oder vollkommnere Weise zerkleinert werden kann, als bisher. Die Gesellschaft hat hierbei vorzüglich jene Thonarten im Auge, an welchen diese Zertheilung wegen ihrer seifenartigen Consistenz und wegen ihrer großen Zähigkeit ziemlich langwierig und schwierig ist. Sie schreibt in Hinsicht auf das anzuwendende Mittel und auf die Natur des Verfahrens keine Bedingung vor; sie verlangt bloß, daß dasselbe bei gleicher Vollkommenheit wohlfeiler, oder bei gleichen Kosten vollkommener sey, als das gewöhnliche Verfahren, welches bekanntlich darin besteht, daß man entweder den frischen Thon mit Hülfe eines Messers mit zwei Handhaben in mehr oder minder dike Schnitte zerschneidet, oder daß man den troknen Thon zerstößt und hierauf die nöthige Zeit über einweicht. In dem zwischen dem alten und neuen Verfahren anzustellenden Vergleiche muß durch authentische Zeugnisse auseinander gesezt werden, welches die Vortheile oder Nachtheile und endlich der Arbeitslohn bei dem alten Verfahren waren, und wie sich diese Umstände bei dem neuen Verfahren gestalten. Es müssen der Gesellschaft ferner Muster der nach dem alten und nach dem neuen Verfahren fabricirten Gegenstände vorgelegt werden, und zwar sowohl in rohem, als in gebranntem Zustande. Auch muß die Beschaffenheit und Consistenz des Thones genau angegeben, und durch Muster erwiesen werden. Ist das neue Verfahren ein mechanisches, so ist eine genaue Zeichnung und Beschreibung der Vorrichtung beizubringen.

2. Vermengen und Kneten des Thones.

Die Gesellschaft ertheilt demjenigen einen Preis von 500 Fr., der unter den obigen Umständen und Bedingungen irgend ein Verfahren ausfindig macht, und in Anwendung, bringt, nach welchem das Vermengen und Kneten oder Verarbeiten des Thones auf eine wohlfeilere oder vollkommnere Weise geschieht, als bisher.

3. Neues Verfahren beim Formen.

Die Gesellschaft ertheilt demjenigen einen Preis von 500 Fr., der unter den oben angegebenen Umständen und Bedingungen irgend ein Verfahren erfindet und in Ausführung bringt, wodurch das Formen oder Modeln der Dachziegel, Baksteine, Bodenplatten und anderer Töpferarbeiten wohlfeiler oder besser geschehen kann, als bisher.

4. Verfahren beim Glätten und Ueberarbeiten.

Die Gesellschaft ertheilt einen Preis von 500 Fr. für die Erfindung und Ausführung einer Methode, nach welcher die Ziegel, Baksteine etc. auf eine wohlfeilere |392| oder bessere Weise gestattet und überarbeitet werden können, als nach den bisherigen Verfahren. Die neue Methode muß auch in Betreff der Regelmäßigkeit und Gleichförmigkeit der Ziegel und Baksteine etc. so viel als möglich sicherstellen. – Die Gesellschaft erklärt, daß diejenigen, welche eine Methode die Zigel zu formen erfinden, bei welcher das Glätten und Ueberarbeiten ohne Nachtheil gänzlich überflüssig wird, auch um diesen Preis concurriren können.

5. Brennen der Ziegel und Töpferwaaren.

Die Gesellschaft ertheilt demjenigen einen Preis von 1000 Fr., der den Brennproceß der Ziegel und Töpferwaaren vollkommner, sicherer, gleicher und wohlfeiler macht, sey es durch eine Verbesserung der Oefen oder durch ein besseres Verfahren beim Einsezen in den Ofen, bei der Leitung des Feuers, bei der Anwendung des Brennmateriales etc. Die Concurrenten müssen außer den oben genannten Documenten auch noch Grundrisse, Durchschnitte und Profile ihrer Oefen, so wie verificirte Beschreibungen ihrer Einsezmethode, der Beschaffenheit und Menge des Brennmateriales, der Leitung des Brandes und des Feuers beibringen. – Im Falle die Concurrenten, die Vortheile, welche sich in Hinsicht auf das Brennen noch erreichen lassen, nur zum Theil erzielen; im Falle sich ihre Verbesserungen z.B. nur auf den Ofenbau beschränken, behält sich die Gesellschaft vor, auch nur die Hälfte des oben bestimmten Preises zu vertheilen.

6. Glasiren.

Die Gesellschaft ertheilt dem Erfinder einer Methode, nach welcher das Glasiren der Ziegel und Töpferwaaren wohlfeiler und besser bewerkstelligt werden kann, als bisher, einen Preis von 1000 Fr. Man wünscht, daß bei dem neuen Verfahren die Notwendigkeit eines zweiten Brennens umgangen wird. Die dazu gehörigen Maschinen, so wie die Anwendungsweise derselben müssen genau beschrieben werden, so wie auch die Einrichtung des Ofens und das Verfahren beim Brennen. Im Falle durch die neue Methode nur ein Theil der gesezten Aufgabe erreicht wird, behält sich die Gesellschaft vor den Preis zu theilen.

7. Ausbeutung der Thongruben.

Die Gesellschaft schreibt, in Erwägung, daß man den Thon in der Nähe von Paris und in vielen anderen Gegenden in unterirdischen Gruben oder Stollen gräbt; daß dieser unterirdische Bau meistens sehr kostspielig und doch ungenügend ist, und daß derselbe theils wegen des Wassers, welches häufig in den Thonlagern vorkommt, theils aus anderen Ursachen häufig den Arbeitern sehr gefährlich wird, einen Preis von 500 Fr. für denjenigen aus, der in der Gegend von Paris oder in irgend einer anderen Gegend, in der man Thon von ähnlicher Beschaffenheit gräbt, ein Verfahren in Anwendung bringt, nach welchem das Thongraben mit mehr Sicherheit, Leichtigkeit und Ersparnis bewerkstelligt wird, als bisher. In der hierüber einzusendenden Abhandlung, welche mit Zeichnungen zu begleiten ist, muß angegeben werden: 1) Die Lagerung der Thonart, von der es sich handelt; die Tiefe, in welcher das Lager vorkommt, so wie dessen Mächtigkeit und die Beschaffenheit der oberhalb befindlichen Lager; 2) die gegenwärtig gebräuchliche Methode, so wie die Werkzeuge, deren man sich bei derselben bedient, die Nachtheile, die sie besonders in Hinsicht auf die Sicherheit der Arbeiter mit sich bringt, und die Kosten, die sie veranläßt, und 5) endlich die Details der neuen Methode, mit den dazu erforderlichen Werkzeugen, den Vortheilen, welche sie gewährt, und den Kosten. Auch sind Muster von dem Thone und von den Fabrikaten, die daraus verfertigt werden, beizufügen.)

28) Preis von 12,000 Fr. auf Maschinen zum Hecheln des Flachses.

Chemische Künste.

29) Preis von 3000 Fr. auf Flaschen für schäumende Weine.

Preise, welche auf das Jahr 1836 verschoben wurden.

Chemische Künste.

30) Preis von 2000 Fr. für die Fabrikation künstlicher Steine, welche die lithographischen Steine zu ersezen im Stände sind.

31) Preis von 1000 Fr. für Uebertragung alter Kupferstiche auf lithographische Steine.

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32) Preis von 6000 Fr. für Ersezung des Röstens des Hanfes und Flachses durch bessere Verfahrungsarten, als die bisherigen sind.

Landwirthschaft.

33) Zwei Preise (von 3000 und 1500 Fr.) für Bepflanzung abschüssiger Gründe.

Preise für das Jahr 1837.

Landwirthschaft.

34) Drei Preise (jeder aus einer goldenen Medaille im Werthe von 500 Fr. bestehend) für den Anbau der Föhre, der schottischen Föhre und der corsicanischen Föhre.

Das Programm, in welchem alle diese Preisaufgaben ausgeschrieben sind, lautet übrigens, mit Ausnahme der beiden Stellen, die wir den mittheilten, wörtlich so, wie das im vergangenen Jahre, welches unsere Leser aus dem Polyt., Journale Bd. XLVIII. S. 310 kennen. Die allgemeinen Bedingungen sind gleichfalls aus den früheren Programmen bekannt; wir bemerken daher nur noch, daß alle Gegenstände, die zur Erwerbung von Preisen im Jahre 1834 bestimmt sind, vor dem 1. Julius 1834 an den Secretär der Gesellschaft zu Paris, rue du Bac, No. 42, Hôtel de Boulogne, eingesendet werden müssen.

Die Summe der Preise, welche die Gesellschaft in ihrem diesjährigen Programme ausschrieb, beläuft sich auf 158,800 Fr. Die Regierung trug hierzu nur 6000 Fr. (die Hälfte des Preises auf verbesserte Hechelmaschinen) bei, und die Bäkerinnung zu Paris 2400 Franken.

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