Titel: Ueber Goyon's Methode Möbel und Metalle zu puzen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 51, Nr. CV./Miszelle 4 (S. 461–462)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj051/mi051105_4

Ueber Goyon's Methode Möbel und Metalle zu puzen.

Der Bulletin de la Société d'encouragement October 1833, S. 352 enthält einen Bericht des Hrn. Mérimée über Hrn. Goyons Methode, Möbeln, Marmor, Vergoldungen, polirte Metalle etc. zu puzen, welche Hr. d'Arcet bereits im Jahre 1824 ausführlich beschrieben hat, und welche ihrer Vortheile ungeachtet, in Deutschland noch wenig bekannt zu seyn scheint. Hr. Mérimee hat es nicht für nöthig erachtet, in seinem Berichte noch ein Mal auf die Bereitungs- und Anwendungsart der Präparate, deren sich Goyon bedient, zurükzukommen, und wir können daher unseren Lesern nur folgende Notizen darüber mittheilen. Die Commission der Société d'encouragement begab sich in das Louvre und in das Museum, wo Hr. Goyon mehrere alte Möbeln gepuzt hatte, und überzeugte sich, daß dieselben wie neu aussahen, und der in diesen Gebäuden in jeder Hinsicht bemerkbaren Restauration große Ehre machten. Alte vergoldete Broncearbeiten glänzten, als wären sie neu vergoldet; die kupfernen Beschläge an den Kasten etc. sahen wie vergoldet aus, und alles Holzwerk war wie neu polirt. Die Commission ließ mehrere Gegenstände in ihrer Gegenwart puzen, und überzeugte sich, daß dieses Verfahren eben so wirksam, als einfach und schnell ausführbar ist. Ein Arbeiter puzte nämlich innerhalb 9 Stunden eine Commode, eine Bettstelle aus Acajouholz, einen Waschtisch, 2 Lehnstühle, einen Ruhsiz, 6 Stühle, 2 Leuchter und eine Kamineinfassung; früher hatte ein Arbeiter zum Puzen der Commode, der Bettstelle und des Waschtisches allein zwei Tage gebraucht. Das Verfahren Goyon's eignet sich auch sehr gut zur Entfernung der Oehlfleken, welche nicht selten nach einiger Zeit an der Politur mancher Möbel zum Vorschein kommen; diese Fleken verschwinden nämlich schnell nach Anwendung seiner Composition, und selbst |462| die matten Stellen lassen sich nach einigen Tagen ganz entfernen, wenn man sie öfter mit einem weichen Tuche abreibt. Hr. Goyon versichert zwar, daß alle Metalle nach seiner Methode gereinigt werden können; dieß leidet jedoch bei dem von Schwefel geschwärzten Silber und auch bei rostig gewordenem Stahle eine Ausnahme, denn hier leistet seine Composition nichts weiter, als daß sie den Glanz bewahrt, und daß sie den Stahl bis auf einen gewissen Grad gegen den Rost schüzt. Ganz besonders eignet sich die zum Puzen der Metalle bestimmte Composition, welche aus einer erdigen, als Politur dienenden, und mit Terpenthinöhl angerührten Substanz besteht, zum Reinigen der messingenen Gegenstände, weil das flüchtige Oehl das Oxyd dieses Metalles schnell auflöst, und weil das auf diese Weise polirte Messing seinen Glanz länger beibehält, indem der Terpenthin eine äußerst dünne firnißartige Schichte zurükzulassen scheint. – So einfach das Goyon'sche Verfahren auch ist, so fordert es doch einige Uebung, und daher ziehen es viele Leute in Paris vor, ihre Möbeln jedes Mal von den Arbeitern des Erfinders puzen zu lassen. Namentlich ist dieß im Palais royal der Fall, wo die messingenen Verzierungen der Boutiken täglich von 2 Arbeitern gepuzt werden. – Eine ausführliche Beschreibung des ganzen Verfahrens kann man im Bulletin vom J. 1824, März, S. 87 nachlesen.

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