Titel: Ueber verschiedene astronomische und chronometrische Instrumente.
Autor: Héricart de Thury, Louis Etienne François
Fundstelle: 1834, Band 52, Nr. III. (S. 6–14)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj052/ar052003

III. Bericht des Hrn. Héricart de Thury über verschiedene von Hrn. Henry Robert, Uhrmacher zu Paris, erfundene astronomische und chronometrische Instrumente.

Aus dem Bulletin de la Société d'encouragement. Septbr. 1833, S. 292.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Die Instrumente, welche Hr. Henry Robert, Uhrmacher zu Paris, Palais-Royal, Galerie de Valois No. 164, der Gesellschaft vorlegte, sind: 1) eine astronomische Wage; 2) ein tragbarer Meridian; 3) ein chronometrischer Zähler, und 4) eine Vorrichtung, mit deren Hülfe sich die Stokuhren luftdicht verschließen lassen. Ueber alle diese verschiedenen Gegenstände habe ich nun die Ehre der Gesellschaft im Namen der Commission der mechanischen Künste folgenden Bericht zu erstatten.

1. Von der astronomischen Wage.

Die astronomische Wage des Hrn. Robert ist ein Instrument von neuer Erfindung, mittelst welchem man, wenn es frei an seiner Kette aufgehangen ist, die Stunde, die Minute, die Secunde, und selbst den Augenblik beobachten kann, in welchem die Sonne Vormittags beim Emporsteigen auf irgend einer Höhe über dem Horizonte anlangt, und mittelst welchem sich erkennen läßt, wann die Sonne des Nachmittags durch dieselbe Höhe geht. Der Augenblik, in welchem die Sonne durch den Meridian geht, und in welchem sie folglich am höchsten steht, findet zu einer Zeit Statt, welche von den des Morgens und des Abends beobachteten Höhen gleich weit entfernt ist. Es sind zwar bei genauen astronomischen Beobachtungen hieran einige kleine Correctionen zu machen, allein diese kommen hier nicht in Betracht.

Von dem Gebrauche dieser Wage. Die astronomische Wage wird mit ihrer Kette an einem fixen Punkte so aufgehängt, daß das Glas gegen die Sonne gerichtet, die eingetheilte Platte hingegen nach der entgegengesezten Richtung geneigt ist, und daß sie mit dem Horizonte einen solchen Winkel bildet, daß die Sonnenstrahlen auf die eingetheilte Platte fallen. Man nimmt dann eine gute Uhr, und beobachtet und notirt die Stunde, Minute und Secunde des Eintrittes der Lichtpunkte auf die Linien der eingetheilten Platte und den Augenblik des Austrittes eben dieser Linien. Des Nachmittags macht man dann dieselbe Beobachtung, um hierauf die mit den verschiedenen Linien angestellten Beobachtungen zu vergleichen, |7| und das Mittel daraus zu ziehen. Man zählt dann die Zeit, welche zwischen den beiden entsprechenden Beobachtungen verfloß, und rechnet die Hälfte dieser Zeit zu den Stunden der ersten Beobachtung. Gibt die Summe dieser Zeit nicht genau 12 Uhr oder Mittag, so geht die Uhr um die Differenz zu spät; beträgt die Summe hingegen über 12 Uhr, so geht die Uhr um die ganze Differenz zu früh.

Diese Methode, den wahren Mittag zu beobachten, gewährt den Vortheil, daß man die Stunde ohne Rüksicht auf die Breite des Ortes der Beobachtung erfährt; daß man mehrere Beobachtungen macht, um das Mittel aus denselben zu ziehen; daß man aller Schwierigkeiten, die das Ziehen eines Meridians mit sich bringt, überhoben ist, und daß man die wahre Stunde öfter erhält, als durch die Beobachtung des Durchganges der Sonne durch den Meridian, weil dieser Durchgang nur einen Augenblik beträgt, dessen Beobachtung durch eine leichte Wolke oder durch verschiedene andere Umstände vereitelt werden kann.

Das einfache und sinnreiche Instrument des Hrn. Robert dürfte zwar bei seiner Anwendung einige Schwierigkeiten darbieten, welche durch die in unserem Clima so häufigen Veränderungen, durch die die Wiederholung der des Morgens gemachten Beobachtung Abends unmöglich wird, bedingt sind; allein wir glauben dessen ungeachtet, daß die astronomische Wage bei ruhigem Wetter sehr vortheilhaft benuzt werden kann. Der Preis dieses Instrumentes ist sehr mäßig; denn eine Wage von 0,30 bis 0,35 Meter oder von beiläufig einem Fuße, welche selbst für einen sehr ungeübten Beobachter 10 Secunden angibt, kostet nur 30 Franken; eine Wage von 0,45 bis 0,50 Meter oder beiläufig 18 Zoll, welche 5 Secunden angibt, kostet nur 36 Franken.

Man sieht dieses Instrument in Fig. 15 abgebildet.

A ist eine hohle messingene Röhre, die in der Mitte ihrer Länge mit einem Zapfenbande C versehen ist, in welchem sich das Richtscheit CD dreht. An dem Ende B befindet sich ein Objectivglas, dessen Brennweite gleich BF ist.

E ist eine Kette, an welcher das Instrument frei aufgehängt werden kann.

Will man eine Beobachtung machen, so gibt man der Röhre AB eine größere oder geringere Neigung, damit deren Achse mit der Höhe der Sonne S correspondire.

I I' ist ein an dem unteren Theile der Röhre angebrachter Ausschnitt, der zum Theil von der schief geneigten eingetheilten Platte G, auf welcher die gekreuzten Linien, die man aus dem in Fig. 16 abgebildeten Theile der Röhre ersieht, gezogen sind. Auf diese Linien |8| fällt im Augenblike des Durchganges der Sonnenstrahl, der durch die Linse eingetreten.

2. Von dem tragbaren Meridian.

Die beste Methode zur Bestimmung der genauen Zeit ist die Beobachtung des Durchganges der Sonne durch den Meridian. Der Grad der Genauigkeit hängt von der Empfindlichkeit des Instrumentes und der Gewandtheit des Beobachters ab. Man bedient sich zu diesen Beobachtungen eines Meridian- oder Passage-Fernrohres, mit welchem man wegen seiner Dimensionen und wegen der Sorgfalt, die auf dessen Stellung verwendet wird, selbst Zehntelsecunden bemessen kann: ein Resultat, welches sich mit sehr kleinen Instrumenten nicht erreichen läßt.

Man trifft im Handel meistens nur schlecht verfertigte und schlecht gestellte Sonnenquadranten, welche bald unbrauchbar werden. Für das gewöhnliche Publicum, welches die Zeit zur Regulirung seiner Arbeiten nur auf 4 bis 5 Minuten zu wissen verlangt, reicht ein Quadrant dieser Art hin; allein zwischen dem Astronomen, der die Zehntheile der Secunden wissen will und muß, und zwischen der Masse des Publicums, der es auf 5 Minuten nicht ankommt, gibt es eine Classe von Menschen, die die Sonnenzeit genau wissen müssen, und diese Classe bilden die Uhrmacher, und zwar besonders die Uhrmacher auf dem Lande. Eben so gibt es viele Leute, die sich mit Mechanik und verschiedenen Wissenschaften beschäftigen, und welche Instrumente besizen, mit denen die Zeit genau gemessen werden kann, und bei denen es öfter darauf ankommt, deren Gang und deren Genauigkeit zu erweisen.

In Ermangelung von besseren und vorzüglich von wohlfeileren Instrumenten bedient man sich nun gegenwärtig zu diesem Behufe verschiedener mehr oder weniger vollkommener Vorrichtungen, mit denen man jedoch kaum eine größere Genauigkeit, als eine von 15 Secunden erreichen kann, und welche daher in vielen Fällen nicht genügen. So durchlöchert z.B. der eine Blechplatte, befestigt sie in einer Mauer, und verzeichnet darnach so gut als möglich eine Mittagslinie. Ein anderer hängt ein Senkblei auf, und bemerkt die Stelle, auf welche der Schatten der Schnur im Augenblike des Mittags fällt. Andere errichten Zeigerstangen, und ziehen dann mit ihrem Regulator, der selbst oft nicht genau ist, die Stunden und deren Unterabtheilungen.

Alle diese Methoden, die zwar an und für sich gut sind, gewähren jedoch keine hinreichende Genauigkeit, weil man wegen des Halbschattens kein reines Bild zu sehen im Stande ist. So ist |9| z.B. der große Meridian von Saint-Sulpice, troz aller Sorgfalt und Vorsicht, die man beim Ziehen desselben verwendet, doch nur so genau, daß man die Sonnenzeit höchstens bis nahe an 3 Secunden darnach nehmen kann.

Der tragbare Meridian des Hrn. Robert ist nun nach dem Principe der großen Durchgangs- oder Passage-Instrumente erbaut; er besteht aus einem Diopter-Lineale oder einer Alhidade, welches auf einem Gestelle ruht, und sich auf demselben in einer Fläche bewegt, die so wenig Veränderungen ausgesezt ist, als es bei einem so kleinen Instrumente möglich ist. An dem einen Ende dieser Alhidade befindet sich eine Linse, deren Brennweite der Länge der Alhidade gleich ist; an dem anderen Ende hingegen ist ein Stük angebracht, an welchem der gegen die Linse gerichtete Theil in Form einer schiefen Fläche, die mit der Bewegungsfläche der Alhidade einen Winkel von 30° bildet, geschnitten ist. Auf dieser schiefen Flache befindet sich eine sehr feine Linie aus Platin, und diese Linie sowohl als die optische Achse der Linse befinden sich in einer Fläche, welche mit der Bewegungsfläche der Alhidade parallel läuft.

Der Fuß oder der Träger der Alhidade ist so eingerichtet, daß er jedes Mal, so oft man ihn auf ein eigens hierzu bestimmtes Gesimse bringt, welches an dem Gesimse eines Fensters befestigt wird, genau wieder dieselbe Stellung annimmt, die ihm das erste Mal gegeben wurde. Zur Regulirung seiner senkrechten Stellung und seiner Stellung im Meridian dienen drei Füße und drei Stellzapfen.

Dieses Instrument gibt, so klein es ist, und mit einer Linse von 7 Zoll 6 Linien Brennweite, wenn der Beobachter nur einige Uebung hat, die Zeit mit einer Genauigkeit, welche nahe an 4 Secunden beträgt. Seine Empfindlichkeit hat einen zweifachen Grund: 1) gibt die Linse ein reines Bild, bei welchem die Ungewißheit wegfällt, die der lästige Halbschatten, den man mit den durchlöcherten Blechen, den Senkbleien, den Zeigerstangen etc. erhält, mit sich bringt, und 2) wird das Bild nicht von einer Fläche aufgenommen, die gegen die Richtung der Strahlen des leuchtenden Punktes senkrecht ist, sondern von einer Platte, die mit dieser Richtung einen Winkel von beiläufig 30° bildet. Diese Fläche ist zwei Mal so lang als hoch; während also das Bild der Sonne hier die ganze schiefe Fläche durchläuft, würde dasselbe nur die Höhe dieser Fläche durchwandern, wenn es, wie dieß sonst gewöhnlich der Fall ist, auf eine Fläche fiele, die senkrecht gegen die Richtung der Lichtstrahlen gestellt ist. Die Geschwindigkeit des Bildes ist also für das Auge des Beobachters eine doppelt so große; und in Folge dieser Einrichtung erhält |10| man mit einer Alhidade von 0,20 Meter eine eben so große Empfindlichkeit, als man sonst nur mit einer von 0,40 Meter zu erzielen im Stande wäre. Wie groß der Vortheil ist, wenn man mit kleineren Instrumenten denselben Zwek erreichen kann, wie mit größeren, weiß Jedermann.

Ein Meridian, der so empfindlich ist, daß man mit Leichtigkeit noch 4 Secunden damit schäzen kann, kostet bei Hrn. Robert 80 Franken; und dieser gewandte Künstler hofft sogar deren Preis noch auf 50 Fr. erniedrigen zu können. Die Commission zweifelt daher nicht an der günstigen Aufnahme, die dieses Instrument finden wird, um so mehr, da dasselbe nicht leicht durch ein anderes, welches in Hinsicht auf Einfachheit, Genauigkeit, Leichtigkeit des Gebrauches und Wohlfeilheit gleich große Vortheile gewährt, ersezt werden dürfte.

Man sieht diesen Meridian in Fig. 17 im Aufrisse, und in Fig. 18 im Grundrisse. Er besteht aus einem Diopterlineale oder einer Alhidade AB, welche sich um die Achse C bewegen läßt. An ihrem Ende A ist eine Linse angebracht, deren Brennweite gleich AB ist. An dem Ende B ist ein Metallstük angebracht, welches an der der Linse gegenüber liegenden Seite eine schiefe Fläche I, Fig. 18, darbietet. Diese schiefe Fläche ist bronzirt, und auf ihr befindet sich eine weiße Linie aus Platin. Wenn das Bild der Sonne durch diese Linie in zwei gleiche Theile getheilt wird, so befindet sich dieses Gestirn in der Fläche des Meridians.

M ist eine Tafel mit drei eisernen Füßen, die in das Gesims eines Fensters eingelassen sind. Auf dieser Tafel sind die beiden Klöze TT, gegen welche sich die Stellzapfen bb stemmen, befestigt.

P ist der auf der Tafel M ruhende Fuß des Instrumentes. Der Ständer oder Träger P' ist an seinem oberen Theile mit einer Scheibe D versehen, durch welche die Achse C, um die sich die Alhidade dreht, geht. V, V sind Stellschrauben, durch welche das Instrument in eine senkrechte Fläche gestellt werden kann.

b, b, b sind die an dem Fuße P angebrachten Stellzapfen, welche, indem sie sich gegen die beiden Klöze TT stemmen, als Abzeichen dienen, damit das Instrument genau wieder die Stellung erhält, die man ihm gab, nachdem man es nach dem Aufsezen auf die Tafel M orientirt hat.

3. Von dem chronometrischen Zähler und der tragbaren Pendeluhr mit Weker.

Die Vorrichtung, deren sich Hr. Robert bei seiner tragbaren Wekerpendeluhr und seinem Zähler bedient, besteht in einem doppelten Sekundenzeiger nach Art derjenigen, welche die französischen Uhrmacher |11| aiguilles trotteuses zu nennen pflegen. Einer dieser Zeiger bleibt nämlich augenbliklich stehen, so wie die Hand auf einen eigens zu diesem Zweke eingerichteten Vorfall oder Ausheber wirkt; sein Zifferblatt hat eine Eintheilung, durch welche die Bruchtheile der Secunden in Fünfteln angegeben werden. Dieser Zeiger bleibt unbeweglich, während der Beobachter die Zeit, die er andeutet, aufzeichnet: so wie dieß geschehen, und so wie der Vorfall mit der Hand nach entgegengesezter Richtung bewegt wird, so beginnt der Zeiger rasch zu springen, bis er jenen Zeiger, der seinen Lauf unterdessen fortsezte, wieder eingeholt, wo er sich dann so lange gemeinschaftlich mit diesem lezteren bewegt, bis man zum Behufe einer neuen Beobachtung wieder dasselbe Verfahren beginnt. Mit Hülfe dieses Instrumentes lassen sich ohne Mühe und mit großer Genauigkeit alle jene Beobachtungen anstellen, bei welchen die Astronomen, Ingenieure und Mechaniker die Zeit zu messen pflegen.

Die sogenannten Zähler (compteurs) sind kleine Reisependeluhren; sie bestehen: 1) aus einem Gehwerke, welches zum Messen der Zeit dient. 2) Aus einem Nebenmechanismus, durch welchen ein Zeiger in dem Augenblike, in welchem man auf einen Vorfall oder Ausheber drükt, stehen bleibt, und auf einem Zifferblatte die Secunde und deren Bruchtheile, in Fünfteln ausgedrükt, andeutet. Dieser Zeiger kommt später wieder in Gang, und durchläuft mit einem Sprunge den Bogen des Zifferblattes, der die Zeit angibt, während welcher er stehen geblieben ist. 3) Aus einem Wekerschlagwerke, welches sich zu einer voraus bestimmten Zeit vernehmen läßt, und welcher des Morgens als Weker, oder zu anderen Zeiten dazu dienen kann, den mit anderen Arbeiten beschäftigten Beobachter aufmerksam zu machen, daß die Zeit, zu welcher eine Beobachtung gemacht werden soll, gekommen ist.

Hr. Robert ändert diese Art von Schlagwerk nach Geschmak und nach Umständen verschieden ab. Für Leute, die sich desselben selten bedienen, wendet er z.B. einen einfachen Weker an, wie man sich dessen gewöhnlich bedient, und welcher aus einem Räderwerke besteht, das jedes Mal, so oft man gewekt werden will, aufgezogen und auf den Augenblik, zu welchem das Schlagwerk abgehen soll, gerichtet wird. An den Uhren für Leute, die jeden Tag zu einer und derselben Stunde aufstehen müssen, bringt er einen Weker mit dreifacher Wirkung an, der jeden Morgen um dieselbe Stunde abgeht, so lange er nicht anders gestellt wird. Will man nicht gewekt seyn, so dreht man den Zeiger des Wekers auf das Wort Silence (Schweigen); befürchtet man aber, daß man z.B. auf einer Reise oder bei einer sonstigen wichtigen Gelegenheit bei dem Reveil ordinaire (dem gewöhnlichen |12| Weker) verschlafen könnte, so richtet man denselben Zeiger auf die Worte grand reveil (großer Weker), wo dann gewiß zur verlangten Stunde ein solcher Lärm entstehen wird, daß selbst der stärkste Schläfer darüber erwachen müßte.

4) Endlich bestehen diese Zähler aus einem Räderwerke für das Schlagwerk, ähnlich jenem der gewöhnlichen Stokuhren. Diese Vorrichtung verträgt sich besser mit dem einfachen Weker, als mit dem Weker mit dreifacher Wirkung.

Uebrigens lassen sich auch noch alle übrigen in der Uhrmacherkunst gebräuchlichen Vorrichtungen, wie z.B. eine der gewöhnlichen Repetition ähnliche Repetition, das große Schlagwerk etc. an den Zählern anbringen.

Die Preise dieser Pendeluhren des Hrn. Robert sind folgender Maßen fixirt:

1) Eine einfache Reisependeluhr mit Zähler, welche 8 Tage geht, kostet 300 Franken.

2) Eine ähnliche Pendeluhr mit einfachem Weker kostet 350 Fr.

3) Eine ähnliche Pendeluhr mit dreifachem Weker kostet 500 Fr.

4) Eine ähnliche Pendeluhr, welche die ganzen und halben Stunden schlägt, die aber keinen Weker hat, kostet 350 Fr.

5) Eine ebensolche Pendeluhr, die aber auch noch einen einfachen Weker hat, kostet 400 Fr.

Fig. 19 zeigt das Zifferblatt dieses Zählers.

A ist der Minuten- und B der Stundenzeiger.

E ist ein Zeiger, dem man dreierlei verschiedene Stellungen geben kann. Wird er auf das Wort Reveil gerichtet, so läßt sich das Schlagwerk alle 24 Stunden ein Mal zu einer im Voraus bestimmten Stunde vernehmen, ohne daß man die Feder deßhalb täglich aufzuziehen braucht. Richtet man den Zeiger hingegen auf das Wort Grand reveil, so dauert der Lärm viel länger, und richtet man ihn endlich auf das Wort Silence, so bleibt das Schlagwerk selbst dann still, wenn der Wekerzeiger über den Punkt O gegangen.

R ist ein Wekerzeiger, welcher sich innerhalb 24 Stunden ein Mal umdreht; er deutet die Zeit an, um welche der Weker abgehen soll.

S sind zwei über einander befindliche und mit einander gehende Secundenzeiger. Rükt man den Riegel von V nach V', so bleibt einer dieser Zeiger stehen, und deutet die Bruchtheile der Secunden in Fünfteln an. Man notirt sich dann den Augenblik der Beobachtung, und schiebt hierauf den Riegel wieder von V' nach V zurük, wo dann der stehengebliebene Zeiger mit einem Sprunge den Zeiger einholt, der sich indessen vorwärts bewegte, und denselben nicht mehr verläßt, ausgenommen man verschiebt den Riegel V neuerdings wieder.

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4. Von dem Apparate, womit sich die Stokuhren luftdicht verschließen lassen.

Der Glasgloken oder gläsernen Gehäuse, die man gewöhnlich über die Stokuhren zu stürzen pflegt, ungeachtet, dringt, wie Jedermann weiß, immer Staub in das Innere dieser Uhren. Wie gut man die Uhren selbst auch verschloß, und wie genau die Glasstürze und sonstigen gläsernen Gehäuse auch passen mochten, so brachte man es bisher doch nicht dahin, diesem fatalen Uebel abhelfen zu können. Dieses Eindringen des Staubes geschieht hauptsächlich dann, wenn sich die Luft im Inneren der Uhr mit der äußeren Luft in den Gemächern ins Gleichgewicht zu sezen sucht; so des Morgens, wo die Fenster geöffnet und die Zimmer gelüftet werden, und wo dann die kühle Luft in das Innere der Uhren einströmt, und von den feinen, in der Luft schwebenden, unsichtbaren Staubtheilchen mit sich führt. Welche Wirkung dieser eindringende Staub auf die zarten Theile einer Uhr mit der Länge der Zeit hervorbringen muß, ergibt sich schon aus einer Betrachtung der diken Staubschichte, die sich täglich auf den Möbeln unserer Zimmer anhäuft, besonders wenn sich in diesen Zimmern zahlreiche Gesellschaften versammeln, oder wenn dieselben mit Teppichen, diesen wahrhaften Staubbehältern, belegt sind.

Durch das Ausfindigmachen einer Methode, nach welcher sich die Stokuhren durch eine einfache, wohlfeile, leicht anwendbare und folglich Jedermann brauchbare Methode so viel als möglich luftdicht verschließen ließen, würde also der Uhrmacherkunst ein großer und längst gefühlter Dienst geleistet werden. Hr. Robert hat dieser Aufgabe durch die von ihm ausgedachte, und der Gesellschaft vorgelegte sinnreiche Vorrichtung genügend entsprochen.

Sein Verfahren besteht darin, daß er den Rand oder den unteren Theil der Glasgloken oder Ballons nicht mit dikem Sammt oder dergleichen, sondern mit einem elastischen Wulste umgibt, welcher fest in den kegelförmigen Theil des Sokels einpaßt, so daß er an seinem ganzen Umfange so stark gegen den Sokel oder Untersaz drükt, daß die Luft nur in Folge eines sehr starken Drukes zwischen den beiden Theilen durchzudringen im Stande ist.

Der Sokel oder der Untersaz ist hohl, oder bildet ein Gehäuse, welches aus einer Zarge, einem Boden und einem Dekel besteht. Er ist durch eine Scheidewand oder durch einen Sak aus gummirtem Taffet in zwei Theile getheilt. Der Boden und der Dekel sind mit einer Oeffnung versehen; die Oeffnung im Boden stellt die Verbindung zwischen der äußeren Luft und dem unter der Scheidewand befindlichen Theile des Sokels her, während die Oeffnung im Dekel die Verbindung zwischen der Luft in der Gloke und jener in dem hohlen oder oberen Theile |14| des Sokels vermittelt. In Folge dieser eben so einfachen als sinnreichen Vorrichtung kann sich bei den in den Zimmern eintretenden Veränderungen der Temperatur das Gleichgewicht zwischen der die Gloken umgebenden Luft und jener Luft, die sich in den Gloken selbst befindet, sehr leicht herstellen, und zwar ohne daß Staubtheilchen unter die Gloke eindringen können. Erleidet nämlich die im Inneren enthaltene Luft in Folge der Erhöhung der Temperatur eine Ausdehnung, so gibt die Scheidewand aus Wachstaffet nach und senkt sich in den unteren Theil des Sokels oder Untersazes herab; wird die Luft hingegen verdichtet, so steigt die Scheidewand so lange empor, bis das Gleichgewicht gehörig hergestellt ist.

Dieser vortreffliche Apparat des Hrn. Robert eignet sich nicht nur zum Verschließen der Stokuhren, sondern man kann damit auch alle anderen Mechanismen und Instrumente, und überhaupt alle Gegenstände von Werth gegen die nachtheilige Einwirkung des Standes schüzen. Ebenso lassen sich zerfließende oder verwitternde Salze oder manche andere Präparate, viele Gegenstände in den Laboratorien, in den Magazinen, in den physikalischen Cabinetten, und in den Naturaliensammlungen etc. auf keine andere Weise besser aufbewahren. Der ganze Apparat, für den wir Hrn. Robert großen Dank schuldig sind, kommt nicht hoch zu stehen, und kann allen Gegenständen, für welche er bestimmt ist, welche Dimensionen dieselben haben mögen, angepaßt werden. Ebenso läßt er sich ohne große Ausgaben auch an den bereits vorhandenen gewöhnlichen Sokeln oder Untersäzen anbringen.

Man sieht die Vorrichtung in Fig. 20 abgebildet. CC ist eine Glasgloke, welche gegen ihren unteren Theil hin mit einem elastischen Wulste bb, der in den kegelförmigen Theil des Sokels einpaßt, versehen ist. Dieser Wulst drükt so stark gegen den Sokel, daß keine Luft zwischen den beiden Theilen durchdringen kann.

MNOP ist der hohle Theil des Untersazes oder Sokels, der durch eine Scheidewand aus Wachstaffet ST in zwei Theile getheilt ist.

R ist eine Oeffnung, welche die Verbindung zwischen der Luft in der Gloke und der Luft, die in dem hohlen Theile des Sokels enthalten ist, herstellt.

H ist eine Oeffnung, durch welche die Luft in der unteren Höhle des Sokels mit der äußeren atmosphärischen Luft communicirt.

Die Commission schlägt der Gesellschaft vor, Hrn. Robert für seine Mittheilungen zu danken, ihm besonders zu seinem sinnreichen Apparate die Stokuhren luftdicht abzuschließen Glük zu wünschen, und seine Erfindungen durch den Bulletin bekannt zu machen.

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