Titel: Bericht über neue Maschinen zum Kämmen oder Hecheln des Flachses.
Autor: Olivier, Th.
Fundstelle: 1834, Band 52, Nr. VII. (S. 43–52)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj052/ar052007

VII. Bericht, welchen Hr. Th. Olivier über die Preisbewerber erstattete, die im Jahr 1833 um den von der Société d'encouragement zu Paris ausgeschriebenen Preis auf die beste Maschine zum Kämmen oder Hecheln des Flachses concurrirten.

Im Auszuge aus dem Bulletin de la Société d'encouragement. December 1833, S. 431.

Die Gesellschaft hat bekanntlich einen Preis von 12,000 Franken auf eine Maschine ausgeschrieben, mit welcher der Flachs leicht, vollkommen und mit Vortheil gehechelt werden kann. Um diesen Preis haben sich nun im lezten Jahre 9 Concurrenten beworben, von denen jedoch 4 nicht zum Concurse zugelassen werden konnten, weil sie die im Programme (Polyt. Journ. Bd. XXXIX. S. 326) ausgeschriebenen Bedingungen nicht erfüllt hatten. Die 5 übrigen Concurrenten waren hiernach: Hr. Bricaille von Paris, rue Pierre-Levée No. 13, welcher eine arbeitende Maschine vorlegte; Hr. Girard, Bergingenieur zu Warschau, der eine Abhandlung, Zeugnisse, Zeichnungen, Muster, und ein Modell von 3/4 der natürlichen Größe, welches jedoch wie eine vollkommene Maschine zu arbeiten im Stande war, einsandte; Hr. Carl Schlumberger zu Charenton No. 38, der eine Abhandlung, eine Kiste mit Mustern von gehecheltem Flachse und dem dabei erzeugten Werge, und eine arbeitende Maschine vorlegte; Hr. David Bandeweghe zu Lille, welcher eine arbeitende Maschine und zwei Zeugnisse einsandte, und endlich Hr. Garnier, der gleichfalls eine arbeitende Maschine vorlegte. Dieser leztere konnte jedoch gleichfalls nicht zum Concurse zugelassen werden, da er seine Maschine nur einige Tage zu Paris aufgestellt ließ, so daß keine Versuche damit vorgenommen werden konnten, und da er später nichts mehr von sich und seiner Maschine hören ließ.

Die Commission der mechanischen Künste, welche aus Hrn. Saulnier, Hrn. Amédée Durand, und dem Berichterstatter bestand, hat, nachdem ihr auf ihr Ansuchen noch Hr. Labbé vom Comité der Landwirthschaft beigegeben worden, mit den vier ersteren |44| Maschinen mehrere vergleichsweise Versuche angestellt. Bevor ich jedoch zur Erörterung der Resultate dieser Maschinen übergehe, sey es mir erlaubt eine kurze Beschreibung derselben mitzutheilen, um das Princip, nach welchem sie arbeiten, offenkundig zu machen. Ich erlaube mir hierbei auch die Maschine des Hrn. Garnier zu beschreiben, indem dieselbe in mehreren Spinnereien wirklich angewendet werden soll.

Beschreibung der Maschine des Hrn. Garnier.

Diese Maschine besteht aus einem kastenartigen Gestelle, in welchem sich um eine horizontale Achse ein Mechanismus dreht, der aus zwei Rahmen besteht. Diese Rahmen drehen sich innerhalb einander, und führen an ihren, mit der Achse parallel laufenden Armen Kämme oder Hecheln, deren Nadeln immer feiner und feiner werden. Eiserne, in Ringen spielende Stäbe entfernen das zwischen die Hechelspizen gerathene Werg. Wenn die Hecheln am Grunde des Kreises, den sie durchlaufen, ankommen, so treten diese Stäbe aus der Stellung, die sie am Grunde der Hechelspizen inne hatten, heraus, und treiben das Werg auf diese Weise aus den Hecheln. Der Flachs läuft senkrecht durch die Maschine, und wird von Zwingen oder Zangen festgehalten, welche durch eine endlose Kette à la Vaucanson horizontal bewegt werden. Der Flachs wird in dieser Maschine im Zigzag gepeitscht; da ihn die Hecheln aber nach einander und mit einer raschen Bewegung bald oben, bald unten fassen, so ergibt sich eine bedeutende Menge Werg, welches obendrein nicht gesponnen werden kann, sondern in Floken, die aus sehr kurzen Fasern bestehen und viel Staub enthalten, zu Boden fällt.

Beschreibung der Maschine des Hrn. David Vandeweghe.

Diese Maschine besteht aus zwei senkrechten Tüchern ohne Ende, von denen beide mit Nadeln oder Hechelspizen besezt sind, die von Rechts nach Links in horizontaler Richtung an Dike abnehmen, und welche in dem Maße, als sie feiner und zarter werden, auch näher an einander stehen. Diese beiden Tücher werden mittelst gehöriger Räderwerke in Bewegung gesezt, und drehen sich in umgekehrter Richtung mit gleichen Geschwindigkeiten.

Der Flachs wird in Zwingen oder Zangen gebracht, die sich in horizontaler Richtung bewegen. Dieß wird durch eine Schraube ohne Ende bewerkstelligt, welche etwas länger ist als die Zwinge, so daß man, wenn die Zwinge nicht mehr von der Schraube geführt wird, vor ihr eine zweite Zwinge anbringt, welche gleichfalls durch eine ihrer Länge gleichkommende Streke von der Schraube ohne Ende geführt |45| wird, und während dieser Zeit die erste Zwinge vorwärts treibt, und so ferner.

Der Flachs wird von Oben nach Unten gehechelt, und die Hechelspizen durchlaufen denselben in seiner ganzen Länge. Die gröberen dieser Spizen rizen die Oberfläche des Flachses nur auf; so wie der Flachs hingegen vorwärts schreitet und der Wirkung von immer zarteren und zarteren Hechelspizen ausgesezt wird, dringen diese Spizen immer tiefer ein, bis die feinsten derselben endlich die ganze Flachsmasse durchdringen.

Das Werg rollt sich hierbei auf die Hecheltücher auf, und dringt zwischen die Hechelspizen ein. Die Tücher sind durch einen einige Centimeter breiten Zwischenraum, an welchem kleine Hechelspizen angebracht sind, in 2 oder 3 Streifen abgetheilt, so daß das Werg auf diese Weise in eben so viele Fließe getheilt wird. Jene Wergschichte, die sich auf dem Bande oder Streifen, in welchem sich die Hechelspizen von mittlerer Feinheit befinden, anhaust, ist schon von besserer Qualität; jene hingegen, die man auf dem Streifen, wo die feinsten Spizen angebracht sind, erhält, ist von der besten Qualität und kann mit einigem Vortheil versponnen werden.

Beschreibung der Maschine des Hrn. Girard.

Eine Kette à la Vaucanson führt in horizontaler Richtung die Zwingen, welche die Hanfbüschel festhalten. Der Flachs bewegt sich horizontal; seine Fasern hingegen befinden sich in einer senkrechten Stellung, und während seines Laufes wird er der Wirkung der Kämme oder Hecheln, deren Hechelspizen horizontal stehen, ausgesezt.

Die Hecheln oder Kämme bilden eine doppelte Reihe; der Flachs geht mitten zwischen denselben durch. Jede der Hecheln trägt drei Reihen von Hechelspizen und erhält mittelst gekrümmter Achsen oder Kurbeln eine kreisende Bewegung mitgetheilt, so daß jede Hechelspize einen Kreis beschreibt, dessen Fläche senkrecht steht.

Jede Hechelspize durchfährt den Flachs von Oben nach Unten, jedoch nur in einer geringen Streke seiner Länge; und da die Hecheln unter einander in einer senkrechten Fläche und parallel mit dem Flachsfließe angebracht sind, so wird der Flachs auf diese Weise in seiner ganzen Länge gehechelt, obschon jede Hechel nur auf einen Theil der Länge der Fasern einwirkt.

Hieraus erhellt, daß, indem eine und dieselbe Hechelspize den Flachs nicht in seiner ganzen Länge durchläuft, dessen Fasern mehr oder weniger vertheilt werden und eine Art von Nez bilden müssen.

Das Werg wird so zu sagen Faser für Faser von zwei Cylindern ergriffen, deren Achsen sich in einer und derselben horizontalen |46| Fläche befinden, und welche, indem sie eine Art von Strekwerk bilden, die kurzen Fasern, aus denen das Werg besteht, parallel neben einander legen. In dieser Richtung gelangen die Fasern dann auf eine große, unterhalb angebrachte Trommel, welche dieselben in Folge ihrer radförmigen Bewegung zu einem mehr oder weniger diken Fließe formt.

Ehe der Flachs der Einwirkung der Hecheln ausgesezt wird, wird derselbe gebrochen und mürbe gemacht, indem man ihn zwischen zwei eisernen Rahmen, die sich innerhalb einander in entgegengesezten Richtungen umdrehen, durchlaufen läßt. Der Flachs wird nämlich hierdurch im Zigzag gepeitscht, seine Fasern werden mehr parallel neben einander gelegt, und die äußeren Fasern, welche die härtesten sind und am schwersten von den Hechelspizen angegriffen werden, werden dadurch welcher gemacht, gebrochen und so zubereitet, daß die Hechelspizen leichter in dieselben eindringen können. Uebrigens nimmt sowohl die Dike der Hechelspizen als deren Entfernung von einander, von dem Eintritte des Flachses in die Maschine bis zum Austritte desselben allmählich ab.

Die Getriebe der Räderwerke können verändert werden, so daß man auf diese Weise sowohl die Geschwindigkeit der Umdrehung der Hechelspizen, als die Geschwindigkeit der Zwingen nach Belieben und nach Bedarf in jedem Verhältnisse erhöhen oder vermindern kann. Endlich kann man auch die Hecheln sehr leicht auswechseln, und andere von verschiedener Stärke einsezen, so daß sich die ganze Maschine also einer jeden Qualität von Flachs anpassen läßt.

Beschreibung der Maschine des Hrn. Schlumberger.

Diese Maschine ist nichts weiter als eine große Trommel, auf deren cylindrischer Oberfläche sich eine Reihe neben einander gestellter Hecheln befindet. Die Hechelspizen sind sämmtlich von gleicher Dike, gleichweit von einander entfernt, und nach der Richtung geneigt, nach welcher sich die Trommel um ihre horizontale Achse umdrehen muß. Der Erfinder hat aus der Erfahrung erkannt, daß diese Einrichtung besser ist, als jene, welche man ursprünglich anwendete, und nach welcher die Hechelspizen normalmäßig auf der cylindrischen Oberfläche der Trommel angebracht werden.

Diese Trommel fuhrt nun zwei Reihen kreisförmiger Hecheln, welche durch einen Zwischenraum von einigen Decimetern von einander getrennt sind, so daß zwei Arbeiterinnen zu gleicher Zeit arbeiten können.

Der Erfinder wendet keine Zangen oder Zwingen zum Fassen des Flachses an, sondern die Arbeiterinn faßt selbst den Flachsbüschel, und bietet die Spize des Flachses zuerst zwei horizontalen, cannelirten Cylindern |47| dar, deren radförmige oder kreisende Bewegung sie mittelst eines Aushebhebels nach Belieben abändern kann, je nachdem sie den Flachs vorwärts gelangen lassen und ihn der Wirkung der Hechelspizen aussezen, oder je nachdem sie denselben dieser Einwirkung entziehen will.

Diese cannelirten Cylinder verrichten hier zum Theil das Geschäft der beweglichen Rahmen des Hrn. Girard; die Flachsfasern werden dadurch parallel neben einander gelegt, die äußere Schichte wird dadurch gebrochen und der Flachs mithin weicher und milder.

Die Arbeiterinn läßt den von der Trommel ergriffenen Flachs durch die Wirkung der cannelirten Cylinder vorwärts gelangen, und derselbe wird hierbei nur an seinem äußersten Theile von den Hechelspizen gefaßt, so daß er also nur nach und nach in 3/4 seiner Länge der Einwirkung der Kämme oder Hecheln ausgesezt wird. Dir Hechelspizen bereiten mithin den Flachs allmählich so zu, daß sie vollkommner auf denselben einzuwirken im Stande sind.

Die Trommel erzeugt durch ihre ziemlich rasche Umdrehung in der Richtung ihrer Bewegung einen Luftzug, der den Flachs garbenförmig auszubreiten sucht, und der also zum Theil wenigstens das bewirkt, was der Arbeiter beim Hecheln des Flachses mit der Hand dadurch erreicht, daß er seinen Flachsbüschel auf die unbeweglichen Hecheln schwingt. Ueberdieß dient dieser Luftzug auch zur Entfernung und Wegschaffung der verschiedenen Hautchen und Agenstükchen etc., welche sich in Folge der schnellen und lebhaften Einwirkung der Hechelspizen von dem Flachse ablösen.

Das Werg begibt sich zwischen die Hechelspizen, und bildet daselbst ein Fließ, dessen Fasern gut geordnet und in paralleler Richtung mit einander gelegt sind. Jene Hechelspizen, welche durch irgend einen Zufall, oder durch den Widerstand, auf den sie trafen, und den sie nicht zu überwinden im Stande waren, verkrümmt wurden, können mittelst eines kleinen, sehr sinnreich gebauten Instrumentes schnell wieder in die gehörige Stellung gebracht werden.

Das Werg, welches diese Maschine liefert, enthält im Allgemeinen eine ziemlich bedeutende Menge langer Fasern, theils weil die Hechelspizen wegen der Geschwindigkeit, mit welcher sich die Trommel umdreht, nicht genug Zeit haben, um die äußere Schichte der Fasern (die wegen ihrer größeren Härte eine ziemlich geringe Geschwindigkeit erfordert), zu durchdringen, so daß diese äußeren Faserschichten mithin großen Theils ganz in das Werg gelangen; theils weil die Fasern nicht sämmtlich parallel laufen, sondern Zigzag Krümmungen machen, so daß die Hechelspizen die Fasern mit sich fortreißen, indem ihre Geschwindigkeit zu groß ist, als daß sich die Fasern |48| nach und nach so ordnen könnten, daß die Hecheln hindurchtreten können.

Beschreibung der Maschine des Hrn. Bricaille.

Auch diese Maschine besteht, so wie jene des Hrn. Schlumberger, aus einer Trommel, deren cylindrische Oberfläche über und über mit neben einander angebrachten Hecheln bedekt ist.

Der Flachs wird in großen Büscheln und nicht wie an den drei vorhergehenden Maschinen in kleinen Bündeln, in große Zwingen gebracht, so daß man, damit der Flachs durch und durch gekämmt werde, und damit die Hechelspizen gehörig in das Innere desselben eindringen können, die Zwingen oder Zangen umkehren muß. Damit der Flachs anfangs nur an seiner Spize, und dann nach und nach in 3/4 seiner Länge der Einwirkung der Nadeln ausgesezt werde, ist der Cylinder, in welchen die Hechelspizen eingepflanzt sind, zum Theil und an jener Seite, an welche der Flachs gebracht wird, mit einem Cylinder oder Gehäuse aus Kupfer- oder Eisenblech bedekt. Dieser Cylinder kann nämlich von dem Arbeiter mittelst eines Griffes in eine concentrische, der Bewegung der Trommel jedoch entgegengesezte, kreisende Bewegung versezt werden, so daß der Flachs auf diese Weise nach und nach und in einer immer größeren und größeren Länge der Einwirkung der Hechelspizen ausgesezt wird.

Wenn der Arbeiter den Flachs für hinreichend gehechelt hält, so sezt er den beweglichen kupfernen Cylinder in Bewegung, und befreit hierdurch nach und nach und allmählich die von den Hechelspizen ergriffenen Fasern. Diese Maschine ist hiernach ganz dieselbe, wie jene, die Hr. Ternaux in seiner Fabrik zu Saint-Ouen anwendete; Hr. Bricaille ließ seine Maschine, so wie er sie kaufte und brachte nicht die geringste Verbesserung daran an.

––––––––––

Mit jeder der Maschinen der vier erwähnten Preisbewerber wurden nun in Gegenwart der Commission und mehrerer Mitglieder der Gesellschaft dieselben Versuche angestellt, wobei die Maschinen entweder von den Concurrenten selbst oder von ihren Bevollmächtigten geleitet wurden. Eine jede Maschine mußte eine gleiche Quantität Flachs hecheln, welche zur Hälfte aus kurzem grauen, und zur Hälfte aus langem gelben Flachse bestand. Da die Maschine des Hrn. Girard jedoch nur ein Modell und in ihren Dimensionen um den vierten Theil kleiner war, als die wirkliche Maschine, so daß sie mithin nur kurzen Flachs zu hecheln im Stande war, so glaubte die Commission gestatten zu dürfen, daß, um dem Gange dieses Modelles |49| Regelmäßigkeit zu geben, die Versuche an demselben nur mit kurzem grauen Flachse angestellt würden.

Nach diesen Versuchen ist nun die Zeit, welche diese Maschinen zum Hecheln einer bestimmten Menge Flachs brauchen, beiläufig dieselbe; und es scheint, daß dieselben, wenn drei Menschen (die sich nach einander ablösen, und von denen zwei beständig an der Kurbel arbeiten, während der dritte die Aufsicht über die Arbeit führt, die Zwingen an Ort und Stelle bringt und die Flachsbüschel in denselben umkehrt, damit sie an beiden Enden sowohl, als in der Mitte gehörig gehechelt werden) an ihnen beschäftigt sind, beinahe zwei Mal so viel Arbeit liefern, als vier Arbeiter, welche 12 Stunden den Tag über mit der Hand hecheln.

Die Commission hat jedoch aus den unter ihren Augen angestellten Versuchen auch die Ueberzeugung gewonnen, daß die Concurrenten mehr die Quantität, als die Qualität des Productes ihrer Maschinen berüksichtigt haben dürften. Die Gesellschaft wird diese Ansicht durch den Ausspruch gerechtfertigt finden, den eine Commission Sachverständiger, welchen die Namen der Concurrenten nicht bekannt waren, und denen die mit den beschriebenen Maschinen gehechelten Flachsmuster zum Vergleiche, zur Beurtheilung und zum Verspinnen übergeben wurden, über diese Muster that. Der Ausspruch dieser Commission, welche aus den HH. John Collier, Saulnier dem älteren, Debergue, Lasgorraix und Cacan bestand, und welchen die Flachsmuster bloß mit No. 1, 2, 3 und 4 bezeichnet überliefert wurden, lautet nämlich im Auszuge folgender Maßen.

„Die Muster sind in Hinsicht auf ihren Werth und ihre Güte nach der Ordnung der Zahlen, mit denen sie bezeichnet sind, zu classificiren.“

„Der Flachs No. 1 ist besser gehechelt, als die übrigen Nummern. No. 2 und 3 kommen einander in Hinsicht auf die Vollkommenheit des Hechelns gleich; allein das Werg von No. 2 ist jenem von No. 1 gleich, und besser als jenes von No. 3. No. 4 steht in jeder Hinsicht unter den vorhergehenden Nummern.“

„Der Flachs, womit die Versuche angestellt worden, ist von zweierlei Art: der eine ist gelb und lang und für No. 10 (10,000 Meter auf das Pfund) geeignet; der andere hingegen ist grau und kurz, und gibt einen Faden von No. 16 (16,000 Meter auf das Pfund).“

„Der Flachs No. 1 enthält weniger Werg, als die übrigen Nummern; man bemerkt im Inneren etwas weniger von den Fasern |50| der äußeren Schichte und nur sehr wenig Agen, weßhalb er auch den ersten Plaz verdient.“

„Das Werg von No. 3 ist schlechter, als jenes von No. 1 und No. 2; seine Fasern sind nicht so gut der Länge nach geordnet, und etwas verfilzt, so daß sie sich nicht so gut verarbeiten lassen.“

„Die Commission glaubt, daß die ihrem Urtheile unterworfenen Muster, wenn sie in den Maschinen gesponnen werden, was den langen gelben Flachs betrifft, kein Garn von No. 10, und was den kurzen grauen Flachs betrifft, kein Garn von No. 16 geben dürften. Sie ist ferner der Ansicht, daß keines der fraglichen Muster den Bedingungen entspricht, welche die Gesellschaft in dem Programme des von ihr ausgeschriebenen Preises forderte.“

Keiner der Concurrenten hat also hienach den Anforderungen der Preisaufgabe Genüge geleistet. Die Commission glaubt jedoch, daß man, obschon es den angestellten Versuchen nach scheinen dürfte, daß der Flachs in den oben beschriebenen Maschinen nur aus dem Groben gearbeitet werden könne, und also einer nachträglichen Hechelung mit der Hand bedürfe, dennoch ein solches Unheil noch zurükhalten müsse. Die fraglichen Maschinen müssen nämlich zuverlässig ein besseres Resultat geben, als man bei den angeführten Versuchen erzielte; die Preisbewerber haben sich übereilt, und, wie gesagt, mehr auf die Quantität, als auf die Qualität des Productes ihrer Maschinen Bedacht genommen. Die Commission glaubt ferner, daß diese Maschinen noch keineswegs auf jenen Grad von Vollkommenheit, dessen sie fähig sind, gebracht worden, ohne daß sie jedoch damit behaupten will, daß sie bei gehöriger Vervollkommnung allen Anforderungen Genüge leisten dürften; sie hegt im Gegentheile in lezter Hinsicht noch mehrere Zweifel.

Die Commission hat den oben erwähnten Sachverständigen auch die Producte, die ihr einer der Preisbewerber zugleich mit seiner Maschine einsandte, zur Beurtheilung vorgelegt, und hierüber von denselben den Ausspruch erhalten: daß dieser Flachs, ohne noch ein Mal gehechelt werden zu müssen, zu No. 16 und zu No. 10 gesponnen werden könne; daß das Werg jedoch eine große Menge langer Flachsfasern enthalte. Sie fügten ferner bei, daß diese Muster mit derselben Maschine gehechelt zu seyn schienen, wie jene Muster, die ihnen früher unter No. 1 vorgelegt wurden (was vollkommen richtig war); daß das Werg von No. 1 aber besser war, als jenes der lezten Muster, weil es nur sehr wenig langen Flachs enthielt; und daß ihnen schiene, daß der Abfall, der sich beim Hecheln des Flachses mit der Maschine ergibt, weit größer seyn müsse, als jener, den man beim Hecheln mit der Hand zu erleiden pflegt.

|51|

Wenn nun die Commission auch gestehen muß, daß keiner der Preisbewerber ihrer Ansicht nach den ausgeschriebenen Preis verdiene, so muß sie nach reiflicher Untersuchung der Maschinen und ihrer Producte doch auch erklären, daß die vorgelegten Maschinen nicht in gleichem Range stehen, sondern in folgender Ordnung classificirt werden müssen:

1) Maschine des Hrn. Schlumberger;

2) Maschine des Hrn. Girard;

3) Maschine des Hrn. David Vandeweghe;

4) Maschine des Hrn. Bricaille.

Mit dieser Ordnung stimmt auch vollkommen jene überein, nach welcher die Sachverständigen die ihnen vorgelegten Muster classificirten.

Die Gesellschaft hat, indem sie einen Preis von 6000 Franken auf das Hecheln des Flachses mit Maschinen ausschrieb, beurkundet, welchen großen Werth sie auf die Lösung dieser Frage legt; die Regierung that dasselbe, indem sie diesen Preis noch um 6000 Fr. erhöhte. Zur Zeit als das Programm der Preisaufgabe verfaßt wurde, hatte man in Frankreich mit gutem Erfolge mehrere Baumwoll-Spinnmaschinen errichtet, und man machte sich auch an die Flachs-Spinnmaschinen. Die Engländer kaufen beinahe allen unseren rohen Flachs auf, verspinnen denselben bei Hause, und verkaufen hierauf ihre Fabrikate wieder auf unseren Märkten mit Vortheil. Die Flachs- und Hanfspinnerei mit Maschinen wäre gewiß eine der glüklichsten und vortheilhaftesten Eroberungen der französischen Industrie; denn jedes Land sollte trachten, die rohen Produkte seines Bodens auch selbst zu veredeln und zu verarbeiten, indem hiebei doppelter Gewinn und Vortheil ist. Wird aber das Hecheln mit Maschinen die Errichtung der Flachs- und Hanfspinnereien begünstigen? Ist es möglich mit einer Maschine dieselben Vortheile zu erzielen, die man beim gewöhnlichen Hecheln mit der Hand erreicht. Ein guter englischer Arbeiter hechelt mit Beihülfe zweier Kinder in jedem Tage von 12 Arbeitsstunden 60 Büschel Flachs von 44 Unzen, und man hat daher zu Glasgow, wo der Hauptsiz der englischen Spinnereien ist, das Hecheln mit Maschinen gänzlich aufgegeben. Es leuchtet auch ein, daß der Arbeiter, indem er den Büschel Flachs auf seine Hechel schwingt, denselben durch einen Kunstgriff garbenförmig ausbreiten kann, so daß er also in Form eines sehr dünnen Fließes der Einwirkung der Hechelspizen ausgesezt wird.

Es erhellt ferner, daß wenn der Arbeiter den Büschel Flachs durch die Hechel zieht, um das Werg aus demselben abzuscheiden, er je nach dem Widerstande, den er findet, eine größere oder geringere Gewalt anwendet. Er erhebt seine Hand mehr oder weniger, |52| je nach dem Widerstande, den er fühlt, damit sich die Fasern auf diese Weise entwirren, ohne zwischen den Hechelspizen abzureißen. Kann diese mit Verstand geleitete Wirkung und Thätigkeit der Hand wohl auch je durch eine Maschine ersezt werden? Die Commission betrachtet das fragliche Problem nach einer langen und allseitigen Prüfung desselben als sehr complicirt, und hält die vollkommene Lösung desselben für äußerst schwierig; sie wagt es jedoch nicht diese Lösung für unmöglich zu erklären. Die Maschine des Hrn. Schlumberger kommt in ihren Leistungen den Anforderungen der Gesellschaft schon sehr nahe; noch einige Schritte vorwärts, und das Ziel dürfte vielleicht erreicht werden. Die Commission schlägt daher vor, die Preisaufgabe für die nächsten Jahre zu erneuern, und den HH. Schlumberger, Girard und Vandeweghe, welche durch ihre Arbeiten so viel zur endlichen Lösung der Frage beitrugen, wenigstens einige Aufmunterung und Entschädigung zu geben. Sie beantragt daher, den beiden ersteren jedem 600, und dem lezteren 300 Franken zuzustellen.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: