Titel: [Hare, Bemerkungen über einige Explosionen.]
Autor: Hare,
Fundstelle: 1834, Band 52, Nr. XIX. (S. 81–82)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj052/ar052019

XIX. Bemerkungen über einige Explosionen, welche sich auf amerikanischen Dampfbooten ereigneten. Von Hrn. Dr. Hare, Professor der Chemie an der Universität von Pennsylvanien.

Im Auszuge aus dem Recueil de la Société polytechnique, No. 2. Februar 1834, S. 96.

Man hat bei Gelegenheit der Erklärung der Ursachen der Explosionen, welche sich auf mehreren nordamerikanischen Dampfbooten, und namentlich auf dem Aetna, ereigneten, einige Behauptungen aufgestellt, welche gänzlich mit den Gesezen der Physik im Widerspruche stehen. Man behauptete, daß diese Explosionen durch irgend eine außerordentliche Revolution der gasförmigen Elemente des Wassers oder selbst durch die Entzündung des Wasserdampfes hervorgebracht worden seyn konnten. Nach meiner Ansicht fand der Unfall auf dem Dampfboote Aetna nur deßhalb Statt, weil einer seiner Kessel in einem Momente, in welchem er nicht genug Wasser enthielt, zu stark erhizt worden. Rothglühendes Eisen kann nämlich, indem die Hize die Zähigkeit der Metalle bedeutend vermindert, bekanntlich durch eine Kraft getrennt werden, der es bei einer niedrigeren Temperatur in keinem Falle nachgeben würde. Die Dampfkraft in dem Kessel des Aetna wurde notorisch oft so weit getrieben, daß der Druk des Dampfes 150 Pfd. auf den englischen Quadratzoll betrug. Ein Kessel von 12 Fuß 6 Zoll Länge auf 2 Fuß 9 Zoll im Durchmesser hat eine Oberfläche von mehr als 15,000 Quadratzoll, und multiplicirt man diese Oberfläche mit 150 Pfd., als dem Druke, der auf den Zoll kommt, so muß der Kessel in diesem Falle einem Druke, der über 2,250,000 Pfd. beträgt, Widerstand leisten. Die plözliche Einwirkung einer solchen Kraft auf die sie umgebenden Körper war gewiß mehr als hinreichend, um die fürchterliche Explosion, die das Dampfboot Aetna zerstörte, hervorzubringen.

Die Vervollkommnung der Mittel, durch welche der innere Zustand eines Kessels angedeutet wird, und durch welche man erfährt, ob sich die Quantität des in ihm enthaltenen Wassers dergestalt vermindert hat, daß ein Theil des Metalles, welches der Einwirkung des Feuers ausgesezt ist, nicht mehr davor geschüzt wird, ist gewiß von größter Wichtigkeit. Ich schlug daher folgende Methode zur Andeutung |82| der Höhe des Wasserstandes in diesem Gefäße vor. Man soll innen in dem Kessel eine hohle Kugel anbringen, welche auf dem Wasser schwimmt, und welche, wenn dieses Wasser unter das erforderliche Niveau herabsinkt, einen kleinen Hahn öffnen würde, durch welchen auf den vorderen Theil des Kessels ein Strom Dampf geleitet würde.

Ich behaupte übrigens keineswegs, daß es nicht noch eine Menge anderer Ursachen, aus denen ein Kessel zerspringen könne, gäbe. In England z.B. soll ein Dampfkessel von außerordentlicher Kraft zersprungen seyn, weil die Sicherheitsklappe von einem Arbeiter in einem Augenblike festgehalten wurde, in welchem ein anderer Arbeiter das Spiel der Maschine unterbrach; auf dem Susquehanna soll aus gleicher Veranlassung ebenfalls eine Explosion Statt gefunden haben. Die Sicherheit hängt auf den Dampfbooten eben so gut, wie auf den übrigen Fahrzeugen großen Theils von der Klugheit und Wachsamkeit des Capitäns und von der Disciplin der Bemannung ab. Ein Dampfboot kann aller Vorsichtsmaßregeln ungeachtet eine Explosion erleiden, so gut als ein anderes Fahrzeug bei aller Klugheit und Besonnenheit scheitern kann. Da an den Dampfbooten die Unfälle jedoch jedes Mal um so unbedeutender sind, je geringer der Druk des Dampfes ist, so scheint es, es wäre am besten, wenn man den Druk nie höher als auf 8 Pfd. per Quadratzoll triebe. Ein solcher Druk reicht für ein gut gebautes Boot hin, wie dieß der Trenton von Philadelphia beweist, der, obgleich der Dampf in seinem Kessel nur einen Druk von 8 Pfd. auf den Quadratzoll ausübt, doch mit einer Geschwindigkeit von 11 engl. Meilen in der Stunde fährt. Selbst bei einem so niederen Druke müßte der Kessel jedoch noch mit einer Sicherheitsklappe ausgestattet und Vorsorge getroffen seyn, daß die Arbeiter diese Klappe weder überladen, noch nach Belieben festhalten könnten.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: