Titel: Romershausen's selbstthätiges Sicherheitsschloß.
Autor: Romershausen, Elard
Fundstelle: 1834, Band 52, Nr. XXV. (S. 106–110)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj052/ar052025

XXV.  Romershausen's selbstthätiges Sicherheitsschloß, nach neuester Verbesserung.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Ein in Bd. L. S. 358 dieses Journals beschriebenes Sicherheitsschloß für Gewehre von C. Grafen v. Forgach, dessen lange frei liegende und mit der linken Hand zu bewegende Hebel, die Einfachheit und Dauer des Gewehres und bei leicht möglichem Hängenbleiben die Sicherheit gefährden – veranlaßt den Verfasser, Jagdfreunde und Gewehrfabrikanten hier nochmals auf sein selbstthätiges Sicherheitsschloß für Percussionsgewehre aufmerksam zu machen. Ob es gleich die allgemeine Zwekmäßigkeit desselben bereits vielfach verbreitet hat, und dieser vom Verfasser zuerst angeregte Gegenstand15) überhaupt ein allgemeineres Interesse gefunden hat, so scheint man doch bei der fortdauernden Angabe von allerlei, an sich unthätigen Sicherheitsschiebern, Hähnen und Kappen etc. den eigentlichen Werth und Zwek seiner Vorrichtung immer noch zu verkennen. – Alle diese Dinge nuzen bei der Jagd selbst, wo doch die meiste Gefahr vorhanden ist, zu gar nichts, ja! bei ihrer scheinbaren |107| Sicherheit befördern sie sogar oft noch die Fahrlässigkeit in der Führung der Gewehre, wenn sie nicht selbstthätig sind, also von dem Schüzen erst angelegt oder beseitigt werden müssen; denn welcher praktische Jäger möchte wohl z.B. im Laufe der Hühner- oder Schnepfenjagd etc. mit dem Sicherheitshahn das Zündhütchen bedekt halten können, um ihn im plözlichen Moment des Schusses zuvor erst wieder zur Seite zu legen? – Oder, welcher auch der vorsichtigste, ist sich nicht bewußt im raschen Laufe des Treibjagens, bei dem Andrange des Wildes, wohl manchmal selbst bei gespanntem Hahne des zweiten Rohres, geladen – noch weniger aber der Sicherheitskappe dabei gedacht zu haben? – Diana ergreift so ganz den Geist und Sinn ihrer wahren Verehrer und bietet ihnen oft so schnelle und begünstigende Ueberraschungen, daß diese jeden Augenblik zu ihrem Dienste bereit seyn müssen und Alles – selbst des eigenen Lebens vergessen, um diese Lichtblike ihrer Gunst nicht zu verscherzen. – Daher muß jedes, zur Jagd wirklich brauchbare Gewehr, welches zugleich absolute Sicherheit gewähren soll – ganz ohne den Willen und das Bewußtseyn des Schüzen, selbstthätig über ihm wachen. Es ist aber von allen Kundigen bereits anerkannt, daß die Selbstthätigkeit aller solcher Vorrichtungen auf keinem einfacheren Wege, als auf dem von mir angegebenen, erreicht werden kann. Sie ist so ganz unabhängig vom Bewußtseyn des Schüzen und ohne alle Störung für den Gebrauch des Gewehres, daß ein Jäger, wie ich mich mehrfach überzeugt habe, tagelang ein solches Gewehr führen kann, ohne daß ihm diese Sicherheitsvorrichtung nur bemerklich geworden wäre.

Um indessen sowohl die Anfertigung dieser selbstthätigen Sicherung zu vereinfachen und sie ohne die früher nothwendige Veränderung der Gewehrschlösser, auf leichterem und billigerem Wege herzustellen, als auch um sie den weniger Einsichtigen durch wirkliche, fortdauernd ununterbrochene Verdekung der Zündhütchen selbst, äußerlich anschaulicher zu machen, theile ich hier noch folgende wesentliche Verbesserung dieser Vorrichtung mit.

Fig. 28 der beigefügten Zeichnung bietet zuvor eine allgemeine Ansicht dieser Einrichtung für Percussionsgewehre dar. Die Sicherung geschieht hier, wie bei dem sogenannten Sicherheitshahn, durch Verdekung des Zündhütchens vermittelst einer stählernen Hülse d, welche sich an einer unterhalb angebrachten Achse g bewegt. Die obere gewölbartige Höhlung derselben dekt das Zündhütchen fortdauernd und bewahrt es vor jeder Berührung von Außen; nur im Moment des Schusses, wenn der Schüze das Gewehr anlegt und |108| dabei den Gewehrhals umfassend, unbewußt den Bügel a niederdrükt, schiebt die im Innern liegende, hier aber um der Deutlichkeit willen durchscheinend gezeichnete Stange bc, diese Hülse hinweg in die Lage gm, wodurch das Zündhütchen frei wird und von dem niederschlagenden Hahn getroffen werden kann. So wie aber der Schüze das Gewehr absezt, bringt die Feder o die einfache Hebelvorrichtung sogleich von selbst wieder in die vorige Sicherungslage und das, nach aufgezogenem Hahne neu aufgesezte Zündhütchen ruht wieder in seinem schüzenden Gewölbe. Außer dem Gebrauch greift der niedergelassene Hahn mit seiner Höhlung über die, auf diesem Gewölbe oberhalb hervorstehende Warze e und hält die ganze Vorrichtung auch von Oben unverrükt16), wobei also' auf keine mögliche Weise die Sicherung durch einen äußern Zufall aufgehoben werden kann.

Nach dieser allgemeinen Ansicht zeigen nun die Figuren 29, 30 und 31 die leichte Anfertigung dieser Sicherheitsvorrichtung in ihren einzelnen, mit gleichen Buchstaben bezeichneten Theilen, vollständiger.

Fig. 29 stellt die Sicherheitshülsen m m für ein Doppelgewehr in der Vorderansicht dar.

hh sind die gewölbartigen Höhlungen, welche sich von dieser Seite über die Zündhütchen legen.

ee die obern Warzen, welche der hohle Hammertheil des niedergelassenen Hahnes faßt.

r eine unter dem Schafte eingelassene Welle, auf deren vierkantig vorstehendem Zapfen die herablaufenden Wangen der Sicherheitshülsen bei g vermittelst einer Schlußschraube zu beiden Seiten befestigt werden.

d der auf der Welle r angebrachte Zapfen, welcher in seiner obern Spaltung d, die nach dem Gewehrhalse hinlaufende Stange d b (Fig. 28) aufnimmt, welche der Welle bei dem Niederdruk des Bügels a die erforderliche geringe Drehung zur Beseitigung der Sicherheitshülsen mittheilt.

Diese ganze Vorrichtung wird am bequemsten gleich auf einer verlängerten Abzugsplatte angebracht, wie sie Fig. 30 in der Seitenansicht und Fig. 31 in der innern Ansicht von Oben darstellt, und alsdann unterhalb des Schlosses in den Schaft eingelassen.

xx ist diese Abzugsplatte.

gg sind die Ansäze zu beiden Seiten mit ihren Zapfenlöchern, |109| worin die durchgehende Welle r liegt, deren außerhalb vorstehender vierseitiger Ansaz, zur Aufnahme der herablaufenden Seitenwangen der Sicherheitshülsen bei g sichtbar sind.

d ist der in der Mitte dieser Welle angebrachte Zapfen, in dessen Spaltung die sich um einen Stift drehende Stange d b befestigt ist.

Diese schmale Stange d b findet bei dem Doppelgewehre hinreichenden Raum zwischen den beiden Abzügen (deren Oeffnungen c c angibt) nach b hinzulaufen, wo die durchbrochene Abzugsplatte in ihrem unterhalb angebrachten Ansaze s, den Drehpunkt des mit dem Gewehrbügel verbundenen Hebels asb hat. Der durchgehende Hebelarm s b trägt nämlich in einer ähnlichen Spalte, bei b das andere Ende der Stange db, und die Feder o hält den Hebel in der Lage, daß die Sicherungshülse das Zündhütchen verdekt, bis ein Druk auf a die Stange b d etwas vorwärts schiebt und die dadurch bewirkte geringe Achsdrehung der Welle r das Zündhütchen (wie Fig. 28 bei g m zeigt) frei macht:17)

n ist endlich die bekannte Einrichtung im Gewehrhalse, wodurch das Gewehr außer dem Gebrauche verschlossen und für jeden Dritten ganz unbrauchbar gemacht werden kann.

Bei Holzbügeln erhält der hintere am Gewehrhalse feststehende Theil der Länge nach einen Einschnitt, in welchen der Hebel a paßt, und nur so weit nach Außen vorsteht, daß er durch den Angriff bei dem Schießen in Bewegung gesezt wird.

Die Feder, welche die Vorrichtung bewegt, darf nur von geringer Stärke und der bewegliche Bügel a, Fig. 28, muß mehr hakenförmig seyn, so daß die Bewegung schon durch das Anziehen des Gewehres erfolgt, ohne daß ein besonderer Druk nothwendig ist.

Da nun diese Darstellung, nach seitheriger Erfahrung, vollkommen genügend ist, einen jeden Stahlarbeiter zur Ausführung dieser einfachen Vorrichtung in Stand zu sezen – da sie durchaus keine kostbarere Veränderung der Gewehrschlösser erfordert und zu demselben Preis, wie der unthätige Sicherheitshahn gefertigt werden kann – da sie ferner eine fortwährende absolute Sicherheit gewährt und doch das Gewehr in jedem Moment schußfertig hält, so hofft der Verfasser, durch dieses nun in jeder Hinsicht vollendete selbstthätige Sicherheitsschloß die vielen immer noch fortdauernden Unglüksfälle durch Percussionsgewehre mit und ohne Sperren, nun baldwirksamer beseitigt zu sehen, und bittet jeden Menschenfreund, in seinem |110| Kreise zur baldigen Verbreitung dieser, sowohl für die öffentliche Sicherheit, als für Familienwohl hochwichtigen Angelegenheit, wohlwollend mitzuwirken.

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Vergl. Romershausen's selbstthätiges Sicherheitsschloß für Feuergewehre, zur Verhütung von Unglüksfällen durch zufälliges Losgehen derselben. Gedrukt bei Hrn. Alter in Zerbst, 1826. u. Polyt. Journ. Bd. XXIV. S. 496.

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Hier sind also bei dem Doppelgewehre drei abgesonderte Kräfte wirksam, um das zufällige Losgehen zu verhüten, nämlich die Feder o und die beiden Schlagfedern. Alle drei müssen zuvor beseitigt werden, wenn der Schuß erfolgen soll, und es ist nicht denkbar, daß irgend ein zufälliger Druk von Außen so ganz verschiedene Richtungen haben könnte, diese dreifache Sicherung aufzuheben.

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Es ist von selbst einleuchtend, daß durch Verdoppelung der Vorrichtung die Sicherheit für jeden Hahn gesondert bewirkt werden kann – welches noch vorzüglicher ist.

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