Titel: Barrau's Säe- und Gätmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 52, Nr. LXXXII. (S. 439–447)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj052/ar052082

LXXXII. Beschreibung der Säemaschine und der Gätmaschine des Hrn. Barrau.

Aus dem Recueil industriel. Januar und Februar 1834.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

Die Säemaschine, auf welche sich Hr. Barrau im J. 1830 in Frankreich ein Patent geben ließ, und die er gegenwärtig unter dem Namen Semoir-Barrau verkauft, besteht aus zwei Theilen. Der erstere dieser Theile ist das Gehäuse oder das Kästchen, in welchem sich der Drehapparat (der sogenannte Bürsten- oder Siebhälter (broche-brosse) und der auszubauende Samen befinden. An dem vorderen Theile dieses Kästchens befindet sich eine Handhabe, mittelst welcher es dem Säer leicht wird, mit der einen Hand den Apparat vor sich zu fixiren; zu beiden Seiten sind aber noch zwei andere Henkel angebracht, durch die man einen Tragriemen laufen läßt. Die hintere Wand des Kästchens ist bogenförmig gekrümmt, damit sie sich besser an den Körper des Säers anlegt. Bei dem kleinen, an der oberen Seite angebrachten Thürchen kann man den nach dem Ausbauen bleibenden Ueberrest des Samens herausnehmen. Unten von dem Kästchen laufen die Röhren aus, an welche die Verlängerungen, von denen sogleich die Sprache seyn wird, angesezt werden. Dergleichen Röhren sind eine, drei oder fünf angebracht, und der Rauminhalt des Kästchens selbst ist der Zahl dieser Röhren |440| angemessen. Dasselbe faßt, wenn es nur eine Röhre hat, 6 Liter; bei drei Röhren 12 Liter, und bei fünf Röhren 15 Liter; dieß ist nämlich im Durchschnitte die Quantität, welche nöthig ist, um vierzig Minuten lang mit der Maschine säen zu können. – Der zweite Theil des Apparates besteht aus Röhren oder Verlängerungen der erwähnten Röhren, die sich nach Belieben ansezen oder abnehmen lassen.

An dem Ende der einzigen Röhrenverlängerung, oder, wenn deren mehrere vorhanden sind, am Ende der mittleren ist ein Rad angebracht. Wenn die beiden Mündungen dieser Röhren in einander gestekt sind, so schiebt man den oberhalb befindlichen Riegel darüber, damit sich das Rad nicht werfen kann. Sämmtliche Röhren haben am Ende ein kleines Knie. Die Seitenröhren, d.h. die neben der mittleren Röhre befindlichen Röhren, können durch einen einfachen Handgriff mehr nach Innen oder nach Außen gewendet werden, so daß sie den Samen in größerer oder geringerer Entfernung von der mittleren Röhre entleeren. Da die mittlere Röhre das Gewicht des Samens und des gußeisernen Rades trägt, so verbindet man die übrigen Röhren durch einen dünnen Eisenstab mit 3 oder 5 Ringen, je nach der Größe des Säeapparates; diese Vorrichtung hindert übrigens nicht, daß man die Seitenröhren wie gesagt einander nach Belieben nähern oder von einander entfernen kann. Fig. 53, 54 und 55 werden das bisher Erwähnte Jedermann deutlich und anschaulich machen. Hr. Barrau verfertigte seine Apparate bisher, um sie wohlfeiler liefern zu können, aus Weißblech; doch kann man von ihm auf Verlangen auch kupferne Säemaschinen erhalten.

Sämmtliche Mündungen öffnen und schließen sich zu gleicher Zeit und mit großer Genauigkeit mittelst einer einzigen horizontalen Platte, welche sich im Inneren des Kästchens in Falzen bewegt; auf diese Weise wird die Quantität des herabfallenden Samens so regulirt, daß kein zufälliger Wechsel in derselben Statt finden kann. Zwei kleine Löcher, die sich in der erwähnten Schiebewand des Apparates befinden, deuten an, um wie viel man dieselbe zum Behufe des Durchganges verschiedener Samen bewegen müsse. Bei dem ersten Loche ist nämlich für die feineren Samen, wie z.B. für den Reps, den Klee, den Luzernerklee, die Rüben etc. eine Oeffnung von beiläufig einer Linie in der Breite geöffnet. Bei dem zweiten Loche beträgt die Mündung zwei Linien; man bedient sich ihrer zum Anbaue des Rokens, der Esparsette u. dergl. Bei dem dritten Loche, welches für die Gerste, den Hafer, die Erbsen, die Runkelrüben etc. in Anwendung kommt, ist die Mündung drei Linien weit geöffnet; bei dem vierten Loche erhält man zum Anbaue des Mays oder türkischen |441| Weizens, der Bohnen und Kernbohnen etc. eine Mündung von vier Linien; bei dem fünften Loche ergibt sich eine Mündung von fünf Linien, die sich für große Bohnen, und wenn man es nur etwas weiter öffnet, selbst zum Anbaue von Eicheln eigner; bei dem sechsten Loche endlich hat man die größte Weite erreicht. Die Schiebewand kann übrigens auch ganz herausgezogen werden, was jedoch nur mit Vorsicht und in außerordentlichen Fällen geschehen soll, wie z.B. wenn ihre freie Bewegung durch Anhäufung von Staub oder dergl. beeinträchtigt seyn sollte. Die Oeffnungen am Boden des Kästchens, und jene, die sich in der Schiebewand befinden, sind einander gleich, und daher wäre es ganz unnüz, wenn man leztere weiter heraus bewegen würde, als zum Durchgange der verschiedenen Samen eben nöthig ist.

Ungeachtet aller Sorgfalt, die der Erfinder auf die Verfertigung seiner Säeapparate verwendet, geschieht es zuweilen, daß, wenn man sich der Maschine mit mehreren Röhren bedient, durch die eine Röhre etwas mehr oder weniger Samen ausgestreut wird, als durch die übrigen. Sollte nun dieß nur davon herrühren, daß sich nicht mehr so viel Samen in dem Drehapparate befindet, als nöthig ist, um denselben gänzlich zu bedeken, so müßte man sich, so lange bis man am Ende des Feldes angelangt ist, wo man die Maschine wieder füllen kann, des Reservevorrathes, den der Säer in einem kleinen Sake oder in einer Schürze mitträgt, bedienen.

Sollte das richtige Verhältniß zwischen der Größe sämmtlicher Oeffnungen der Schiebewand durch irgend einen Zufall in Unordnung gerathen seyn, so müßte man sich bei allen nach jener Oeffnung richten, die am wenigsten Samen ausstreut, und die Schiebewand etwas höher emporziehen, als es eigentlich für die übrigen Oeffnungen nöthig wäre. Man wird selbst in diesem Falle im Vergleiche der Aussaat mit der Hand noch eine bedeutende Quantität Saatkorn ersparen.

Die Vorrichtung zum Umdrehen besteht aus zwei Theilen, nämlich aus dem Schafte, den man bei dem oberen Thürchen in das Kästchen bringt, und aus der Kurbel, welche mit einem hölzernen Griffe versehen ist, und außerhalb des Kästchens an dem einen Ende des Schaftes angebracht wird. Das Hin- und Hergleiten des Schaftes in dem Kästchen wird dadurch verhindert, daß man durch das andere, der Kurbel entgegengesezte Ende einen kleinen eisernen Zapfen stekt.

Wenn nun dieses Kästchen mit Samen gefüllt worden, so hängt man es mittelst des Tragriemens um, und unterstüzt es mit der einen Hand an seinem vorderen Henkel, während man mit der anderen |442| die Kurbel dreht, und dabei in der Furche, in der das Rad läuft, vorwärts schreitet. Auf diese Weise wird der Samen, je nachdem die Kurbel schneller oder langsamer umgedreht wird, mehr oder weniger dicht auf den Boden gestreut werden. Als allgemeine Regel kann man, wenn es sich um den Ausbau von Getreide handelt, annehmen, daß bei 4 bis 5 Umdrehungen der Kurbel in einer Streke von 6 bis 7 Fuß oder von 3 Schritten eines Menschen von mittlerer Größe, je nach der Qualität des Getreides 120 bis 150 Körner zu Boden fallen. Soll die Aussaat regelmäßig werden, so muß man darauf sehen, daß die Kurbel gleichmäßig und nicht stoßweise gedreht werde; lezteres ist hingegen beim Ausbaue von Runkelrüben, welche in gewissen Entfernungen von einander gebaut werden müssen, nothwendig.

In Gegenden, wo man in die Furchen zu säen, und die Aussaat mit dem Pfluge zu bedeken pflegt, reicht eine Säemaschine mit einer einzigen Röhre hin. Der Samen, der in die eine Furche gebaut worden, wird hiebei alsogleich durch das Ziehen der nächsten Furche mit Erde bedekt, wobei jedoch der Samen nicht mehr als 2 bis 4 Zoll tief unter die Erde kommen soll. Es läßt sich dieß, wie bekannt, leicht dadurch erreichen, daß man die Pflugschar höher stellt.

Bei der Aussaat von kleinen Samen, die gewöhnlich auf gut geeggtem Boden gebaut, und die dann so leicht als möglich mit Erde bedekt werden, geschieht das Ausstreuen des Samens mit der neuen Säemaschine ebenfalls sehr leicht, obschon der Säer hier nicht durch die Furchen in seinem Gange geleitet wird. Man braucht nämlich den auszusäenden Samen nur mit Gyps oder Kalk zu vermengen, wo man dann die bereits besäeten Linien sogleich an der Farbe erkennen wird. Hat man einen sogenannten Furchenzieher, so ist die Arbeit noch einfacher, denn dann läßt man das Rad nur in den beliebig entfernten Furchen laufen.

Im Falle man die Mündung der Röhre an ihrem Ende zu groß fände, und im Falle man dieselbe verkleinern wollte, um zu verhindern, daß die kleinen Samen beim Herabfallen auf den Boden nicht zu sehr aus einander geworfen werden, könnte man diese Oeffnung leicht durch einen Stöpsel, der mit einem dem fraglichen Zweke entsprechenden Ausschnitte versehen ist, verkleinern. Der Ausschnitt des Stöpsels wüßte jedoch nach Unten gegen das Rad hin gerichtet seyn, damit das Herabfallen der Samen dadurch begünstigt wird, und damit in den Enden der Röhren keine Anhäufung von Samen erfolgen könne. Eben so kann man, wenn nur kleine Quantitäten dieser kleinen Samen ausgebaut werden sollen, dadurch verhindern, |443| daß sich diese Samen nicht zu sehr auf dem Boden des Kästchens zerstreuen, daß man kleine, dünne, hölzerne Scheidewände in dasselbe bringt, um die Samen auf diese Weise mehr gegen die Röhren zu leiten. Eine solche Scheidewand, dergleichen sich Jedermann leicht selbst verfertigen kann, und welche sich leicht mittelst kleiner Keile oder Zweke fixiren läßt, sieht man in Fig. 56.

Man hat gegen diesen Säeapparat eingewendet, daß man sich bei demselben auf die Sorgfalt und auf den guten Willen des Säers verlassen müsse, wenn man keine unbesamten Stellen haben wolle, und daß selbst unter dieser Voraussezung der Ausbau ungleich wird, je nachdem der Säer langsamer oder schneller dreht, langsamer oder schneller geht. Man sagte endlich, daß das Umdrehen der Kurbel mit der Hand für einen Arbeiter, der an der Regelmäßigkeit und dem Gelingen der Aussaat kein wesentliches Interesse hat, zu langweilig und zu ermüdend sey, und daß sein Gang während des Säens ein viel regelmäßigerer seyn würde, wenn er die Kurbel nicht zu drehen brauchte, und beide Arme zur Unterstüzung des Kästchens verwenden könnte. Um nun auch diesen Einwürfen zu begegnen, hat der Erfinder eine Vorrichtung angebracht, in Folge deren es frei steht, die Kurbel mit der Hand oder auf andere Weise umdrehen zu lassen. Er bringt nämlich zwei Rollen an, von denen die eine an der Seite des Rades, die andere hingegen an dem einen Ende der Welle der Kurbel aufgezogen ist, und läßt über diese beiden Rollen, wie man aus Fig. 55 sieht, eine Kette oder auch ein Laufband laufen. Da die untere Rolle im Grunde der Kehle vier, die obere hingegen nur zwei Zoll im Durchmesser hat, so macht leztere zwei Umdrehungen, während erstere nur eine macht; und hat das Rad der Säemaschine 10 Zoll im Durchmesser, so durchläuft dasselbe bei jeder Umdrehung eine Linie von 30 Zollen oder von 2 1/2 Fuß, d.h. die Länge eines Schrittes eines Mannes von mittlerer Größe. Gesezt also, man will Getreide von mittlerer Größe ausbauen, und zwar so, daß in einer geraden Linie von 30 Zollen nicht mehr als 50 Körner gepflanzt werden, so hat man nichts weiter zu thun, als die Schiebewand auf das zweite Loch zu stellen.

Auf dieselbe Weise und mit eben der Sicherheit läßt sich die Besamung auch in allen übrigen Fällen reguliren, ohne daß man lange herumzutappen brauchte. Da dieser ganze zulezt beschriebene Apparat jedoch beim Ausbaue von Runkelrüben, Mays, Stekbohnen, Erbsen, Bohnen, die in größeren Zwischenräumen gepflanzt werden, nicht nöthig ist, so braucht man für diese Fälle nur die Kette abzunehmen, und die Kurbel dafür absazweise, je nachdem es erforderlich ist, mit der Hand zu drehen.

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Bekanntlich sind die Felder nie so eben, als daß sie nicht hie und da Vertiefungen hatten, und bekanntlich pflegt man in diese Niederungen oder tieferen Stellen, in denen sich das Wasser länger hält, zur Vorsorge eine größere Quantität Samen zu bauen. Damit dieß nun auch bei der Anwendung dieser Säemaschine geschehen könne, braucht man die Schiebewand, wenn man an diese Niederungen gelangt, nur etwas weniger zu heben, damit mehr Samen austreten kann, und sie hierauf wieder in ihre frühere Stellung zu bringen.

Wenn man sich der Säemaschine mit mehreren Röhren bedient, so wird es nicht selten geschehen, daß, wenn man gegen das eine seitliche Ende des Feldes kommt, nicht mehr so viele Furchen da sind, als die Säemaschine Röhren hat. Will man nun in die bereits besäeten Furchen nicht abermals Samen fallen lassen, so brauchte man nichts weiter, als die Verlängerungen der überflüssig gewordenen Röhren abzunehmen, und die Mündungen derselben an dem Kästchen mit Korkstöpseln zu verschließen. Da dieß jedoch im Allgemeinen zu umständlich und zu unbequem befunden werden dürfte, so hat Hr. Barrau seine Maschine auch noch mit einer anderen Vorrichtung ausgestattet, nämlich mit Schiebewänden, die zum Auswechseln bestimmt, und für alle Arten des Ausbaues berechnet sind. So braucht man z.B. in dem eben erwähnten Falle nur die Schiebewand, deren man sich bisher bediente, zu entfernen, und dafür eine andere für den fraglichen Fall passende an Ort und Stelle zu bringen, wobei nichts weiter zu beobachten, als daß man das Kästchen so hält, daß der Samen indessen nicht bei den geöffneten Mündungen ausfallen kann. Hat man ferner z.B. mit einer Säemaschine mit 3 Röhren Getreide in Furchen gebaut, die 6, 7, 8 oder 9 Zoll von einander entfernt sind, und will man hierauf mit derselben Maschine Runkelrüben oder andere Samen, die in 18 bis 20 Zoll weit von einander entfernten Linien gesäet werden sollen, bauen, so nimmt man die Schiebewand mit 2 Oeffnungen und bringt sie an die Stelle der Schiebewand mit 3 Oeffnungen, so daß die Samen also nur durch die beiden äußersten Oeffnungen entweichen können. Hat man eine Säemaschine mit 5 Röhren, so kann man auch mit dieser, wenn man will, nur eine oder drei Furchen besäen; man braucht nämlich für diese Falle nur die entsprechenden Schieberwände einzusezen. Alle diese verschiedenen Schiebewände lassen sich vorne an dem Kästchen befestigen, damit man sie jederzeit in Bereitschaft hat. Hieraus erhellt, daß derjenige, der eine Säemaschine mit 5 Röhren hat, eigentlich einer Maschine mit einer, zwei oder drei Röhren nicht bedarf, indem sich erstere allen vorkommenden Fällen anpassen läßt. Am gesuchtesten dürfte jedoch die Maschine mit 3 Röhren werden, |445| weil auch diese wie eine Maschine mit zwei oder mit einer Röhre benuzt werden kann, und dabei leichter ist, als eine mit 5 Röhren. Mit zwei solchen Maschinen können 2 Weiber oder 2 Knaben an einem Tage 10 bis 12 Morgen Akerlandes besäen. Ein guter Säemann besäet zwar diese Streke, wenn er aus der Hand säet, gleichfalls in einem Tage; allein er verbraucht wenigstens noch ein Wal so viel Saatkorn.

Zu bemerken ist noch, daß man, wenn man eingekalktes Saatkorn ausbaut, der Bürsten- oder Siebhälter, den man nach Belieben herausnehmen und einsezen kann, nach Beendigung der Arbeit ab, waschen und abtroknen muß, indem man die Borsten desselben auf diese Weise Jahre lang in gutem Zustande erhalten kann. Auch ist sehr zu berüksichtigen, daß der Säer bei dieser Maschine von dem Staube des eingekalkten Getreides durchaus nicht belästigt wird.

Außer dieser Säemaschine hat Barrau auch eine Vorrichtung zum Gäten erfunden, die sich, wie er glaubt, vorzüglich für solche Länder eignen dürfte, in denen man Mangel an Arbeitern leidet. Diese Vorrichtung, die man in Fig. 57 abgebildet sieht, hat einige Aehnlichkeit mit einem Schubkarren oder mit einer Scharre, die mit einem Rade versehen ist. Vor dem Rade befindet sich nämlich ein Kopf, der wie der Kopf eines Rechens gebaut ist, und in welchem sich bei einer Länge von 30 Zollen 19 Löcher befinden. In diese Löcher wird eine beliebige Anzahl langer, starker, eiserner Zahne eingesezt, indem man dieselben in einer beliebigen Höhe mittelst Drukschrauben fixirt, deren Kopf durchlöchert ist, damit man sie nach Art der Schlüssel einer Bettlade mittelst eines Sförmigen Eisens drehen kann. Da sich alle diese Zähne nach Belieben entfernen oder einsezen lassen, so ist man auf diese Weise im Stande die Zwischenräume zwischen den Furchen zu gäten, ohne daß man Gefahr läuft, zugleich auch die guten Pflanzen zu beschädigen, besonders wird dieß der Fall seyn, wenn die Furchen beim Ausbaue regelmäßig gezogen wurden. Die Zähne, deren man nicht bedarf, und sogar alle, wenn man die Vorrichtung auf das Feld fährt oder wenn man davon heimkehrt, werden in einen eigenen hölzernen Behälter, der eigens hiezu angebracht ist, gelegt. Eben so soll man in diesem Behälter eine Zange, einen Hammer und das Sförmige Eisen vorräthig haben, um das Instrument jederzeit nach Belieben mit Zähnen versehen zu können.

Die Dimensionen dieser Gätmaschine sind, wie die Zeichnung zeigt, für die Kraft eines Menschens berechnet. Der Erfinder will sie von keinem Zugthiere gezogen haben, weil die Wanzen von diesen zu sehr zusammengetreten werden. Es ist, wie er sagt, zwar |446| wahr, daß ein Mensch nicht so viel leisten wird, als ein Pferd; allein dafür erspart man auch die Kosten des Pferdes, welches doch immer wieder von einem Menschen geleitet werden muß. Ein Arbeiter kann mit dieser Maschine 2 bis 3 Furchen auf ein Mal, und je nach der Beschaffenheit des Bodens des Tages 1 bis 2 1/2 Morgen Landes gäten. Der Arbeit mit derselben wird regelmäßig und vollkommen ihrem Zweke entsprechen; es handelt sich nämlich hier nicht um ein tiefes Umbrechen der Erde, nicht um ein Anhäufeln des Getreides, sondern bloß um ein Ausreißen, Durchneiden oder Umstürzen des Unkrautes, damit die guten Pflanzen freier wachsen und gedeihen können.

Der Erfinder hat vierekigen senkrechten Zähnen oder Nägeln den Vorzug vor horizontalen schneidenden Klingen gegeben, weil erstere tiefer in die Erde eindringen und sie folglich besser umarbeiten; weil die Arbeit mit denselben nicht so mühsam ist, und nicht so leicht durch Hindernisse, die der Maschine in den Weg kommen, unterbrochen wird, und endlich weil man, wenn einer der Zähne bricht, leicht durch einen anderen vorräthigen Zahn aushelfen kann.

Die Zähne sind beiläufig 2 Zoll weit von einander entfernt, und dringen gegen 2 Zoll tief in die Erde, so daß das Unkraut mithin dergestalt getroffen wird, daß es nothwendig abstirbt, oder daß die guten Pflanzen, die unberührt blieben, dasselbe folglich bei weitem überwachsen und endlich ganz verdrängen. Man läßt in vielen Gegenden im Frühjahre die Egge über das Getreide, und namentlich über die Haferfelder gehen; wäre es nicht besser, wenn man auch hier die Gätmaschine des Hrn. Barrau anwendete, bei deren Benuzung nicht so viele Pflänzchen von den Pferden zusammengetreten würden?

Die Arbeit mit dieser Gätmaschine wird auch noch dadurch bedeutend erleichtert, daß unter den beiden Griffen oder Sterzen derselben zwei durch ein Querstük verbundene Füße angebracht sind, die dem Arbeiter gestatten, in der Mitte der Arbeit auszuruhen, gleichwie man beim Fahren eines einfachen Schubkarrens ausruhen kann. Wenn man die Maschine zwei Mal nach einander oder zu verschiedenen Zeiten über eines und dasselbe Feld gehen läßt, so soll man jedes Mal die Richtung verändern, d.h. wenn die Maschine z.B. das erste Mal von Süden gegen Norden lief, so soll man sie das zweite Mal von Norden gegen Süden laufen lassen, weil die Erde auf diese Weise besser aufgelokert, und das Unkraut sicherer getroffen wird. Es ist übrigens ganz gleich, ob der Arbeiter das Instrument vor sich her schiebt, oder ob er es rüklings gehend nachzieht. Daß man bei nassem Boden nicht gäten soll, ist bekannt, und eben so versteht sich von selbst, daß man, wenn es die |447| Natur des Bodens erfordert, zwischen je 2 oder 3 Zähnen einen ausnehmen muß.

Die Gätmaschine arbeitet um so leichter und um so genauer, je gerader die Furchen gezogen sind, und je mehr die Zwischenräume zwischen denselben gleich sind; übrigens kann der Arbeiter dieselbe auch eben so gut wie einen Schubkarren durch etwas buchtige Furchen ziehen oder schieben, wenn diese nur einiger Maßen parallel mit einander laufen. Man kann sich dieser Maschine auch sehr gut statt der gewöhnlichen Egge oder statt des Rechens bedienen, um Samen, der auf gut zubereitetem, sandigen und nicht grobscholligen Boden ausgebaut worden, mit Erde zu bedeken; man beläßt ihr in diesem Falle entweder alle ihre Zahne, oder man entfernt je nach Umständen und nach Beschaffenheit des Bodens die abwechselnden Zähne. Der Erfinder bemerkt übrigens, daß man sich zu diesem Behufe sehr gut auch eines eisernen Rechens bedienen kann, und daß dieß besonders in solchen Gegenden, in welchen es an männlichen Arbeitern gebricht, sehr vortheilhaft ist. Er versichert, daß er einen großen Theil seiner Felder von Weibsleuten besäen läßt; d.h. ein Weib streut den Samen mittelst seiner oben beschriebenen Säemaschine aus, und ein anderes zieht die Furchen mit dem eisernen Rechen zu, wobei es jedes Mal in der vierten Furche geht, und die drei vor ihr befindlichen Furchen auf ein Mal überfährt.

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