Titel: Ueber die Behandlung des Hanfes in Massachusetts.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 52, Nr. XVIII./Miszelle 20 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj052/mi052018_20

Ueber die Behandlung des Hanfes in Massachusetts.

Der Hanfbau hat seit den lezten Jahren in einigen Gegenden der Vereinigten Staaten einen bedeutenden Aufschwung erhalten, und schon hat sich zu Northampton in Massachusetts eine Compagnie gebildet, welche sichs zum Zweke gemacht hat, große an den Ufern des Connecticut gelegene Ländereien zum Hanfbaue zu benuzen. Der Erfolg dieser Unternehmung war in den ersten Jahren so günstig, daß man mit Recht erwarten darf, daß die Vereinigten Staaten in Kürze Rußland nicht mehr für ihren Bedarf an Hanf zu Tauwerken und Segeltuch |80| zinsbar seyn werden. Die. Compagnie von Northampton behandelt den auf ihren Ländereien gezogenen Hanf auf folgende Weise. Die Hanfstängel werden, nachdem sie aus der Erde gezogen, auf großen Trokenböden getroknet, damit sie weder dem Winde, noch dem Regen ausgesezt sind, und nicht flekig werden, sondern eine schöne goldgelbe Farbe behalten. Zwei bis drei Tage vor dem Brechen bringt man sie hierauf in eine Trokenstube, und wenn man glaubt, daß sie in dieser so troken geworden, daß sich die Rinde leicht von dem holzigen Theile ablöst, bringt man sie in eine von den HH. Hines und Bain erfundene Maschine. Diese Maschine besteht aus 6 Paar gerieften, horizontal angebrachten, und in einem beinahe 4 Fuß langen Rahmen aufgezogenen Walzen von 4 Fuß Länge und 6 Zoll im Durchmesser. Alle diese Walzen sind bis auf das vorderste Paar, welches aus Gußeisen besteht, aus hartem Holze verfertigt; die Cannelirungen oder Riefen sind an jedem Paare eigens graduirt, und an dem Ende einer jeden Walze befindet sich ein Rad, in welches ein anderes Räderwerk eingreift. An dem oberen Ende der Maschine werden die Hanfstängel auf ein Tuch gelegt, von wo sie dann auf dieselbe Weise in die Maschine gelangen, auf welche die Wolle in eine Kardätschmaschine gebracht wird. Die Cannelirung der Walzen ist so genau graduirt, daß der Hanf bei seinem Durchgange durch die Maschine immer in gleicher Richtung bleibt, bis er endlich am Ende der Maschine auf ein zweites Tuch gelangt, von welchem er dann durch einen Arbeiter weggeschafft wird. Die Hanfstängel, welche durch die Maschine laufen, erleiden in jedem Zolle Länge 160 Walzenschläge, so daß die Rinde also beinahe vollkommen von allen Agen gereinigt wird. Der durch die Maschine gegangene Hanf wird in Bündel gebunden, welche man so lange in reinem Wasser röstet, bis der schleimige Bestandtheil der Rinde gänzlich aufgelöst worden. Ist dieß der Fall, so wird er dann getroknet, und noch ein Mal in der beschriebenen Maschine behandelt, um ihm mehr Weiche zu geben. Die Maschine der HH. Hines und Bain arbeitet mit solcher Geschwindigkeit, daß täglich 2000 Pfd. Hanf darin behandelt werden können, und dieß ohne allen Nachtheil für die Stärke der Faser, und mit weniger Verlust an Material, als beim Brechen des Flachses mit den Handmaschinen Statt findet. (Recueil industriel. December 1833, S. 175.)

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