Titel: Ueber die Ziegelfabrikation in Frankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 52, Nr. XXXI./Miszelle 12 (S. 156–157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj052/mi052031_12

Ueber die Ziegelfabrikation in Frankreich.

Bei dem Concurse, den die Société d'encouragement auf das Jahr 1833 für Verbesserungen in der Ziegelfabrikation ausgeschrieben hatte, meldeten sich nur drei Bewerber, und von diesen wurde nach dem Berichte des Hrn. de la Morinière, den man im Bulletin de la Société d'encouragement, December 1833, S. 427 nachlesen kann, keiner des Preises würdig befunden. Der erste der Concurrenten blieb seine versprochene Abhandlung schuldig, obschon er in der Nähe von Paris eine nach seiner Methode arbeitende Fabrik errichtet haben soll. Der zweite, Hr. Gérard Marécat, Ziegelfabrikant zu Montbréhin (Aisne), erfüllte zwar die von der Gesellschaft geforderten Bedingungen größten Theils, konnte aber doch den Preis nicht erhalten, indem die von ihm angebrachten Verbesserungen viel zu unbedeutend sind. Die Zubereitung des Thones geschieht nämlich in seiner Fabrik mittelst einer horizontalen eisernen Welle, welche mit eisernen Messern oder Schneid-Instrumenten besezt ist, durch ein Gespann in Bewegung gesezt wird, und sich in einem Troge ohne Boden umdreht. Dieses Verfahren ist zwar in Frankreich nicht allgemein verbreitet, allein man bedient sich desselben in der Pfeifenfabrik zu Arras, in Holland und an anderen Orten; auch ist es bereits in mehreren Werken und Journalen beschrieben, und zwar hie und da (wie im Bulletin vom Jahre 1813, S. 177) unter dem Namen der Kinsley'schen Maschine. Die übrigen Werkzeuge, deren sich Hr. Marécat in seiner Fabrik bedient, bieten gar nichts Neues dar, und auch sein Ofen kommt dem gewöhnlichen Ofen gleich, nur ist das Gebälke des Daches nicht aus Holz, sondern aus Eisen erbaut. Obschon nun Hr. Marécat keine neuen Verbesserungen anbrachte, so hat er doch die Ziegelfabrikation in seiner Gegend auf eine höhere Stufe von Vollkommenheit gebracht, und dadurch die Bewohner derselben in den Stand gesezt, sich das nöthigste Baumaterial wohlfeiler und besser zu verschaffen, als bisher, so zwar, daß die Dekung eines Hauses mit Ziegeln gegenwärtig daselbst wohlfeiler zu stehen kommt, als ein Strohdach. Die Gesellschaft hat daher Hrn. Marécat in Ansehung dieser seiner Verdienste ihre silberne Medaille zweiter Classe zuerkannt. – Der dritte Concurrent endlich hat der Gesellschaft nichts weiter als eine Zeichnung mit erklärender Beschreibung eingesandt, die noch keineswegs zur Preisbewerbung berechtigt. Nach dieser Zeichnung besteht die zur Zubereitung |157| des Thones dienende Maschine aus einem horizontal angebrachten hölzernen Fasse, in welchem sich eine mit Messern besezte und durch einen Laufriemen in Bewegung gesezte Welle dreht. In dieses Faß wird der Thon von Oben hinein gebracht, durch eine unten befindliche Oeffnung hingegen wieder entfernt. Die Maschine zum Formen der Ziegel besteht aus zwei Tangenten-Cylindern, welche horizontal in einem hölzernen Gebälke aufgezogen sind. Der erste dieser Cylinder ist seinem ganzen Umfange nach mit zwei Reihen eiserner Model besezt, deren beweglicher Boden mittelst einer Spiralfeder beständig gegen die Achse angezogen wird, so zwar, daß zwischen ihr und den Rändern der Model ein Raum bleibt, der der Dike, die man dem Ziegel geben will, entspricht. Der zweite Cylinder, der aus Holz zu bestehen scheint, geht durch einen mit Wasser gefüllten Trog. An seiner Achse sowohl als an jener des ersten Cylinders befindet sich eine Rolle von einem und demselben Durchmesser, und über diese Rollen läuft ein Laufband, welches so gekreuzt ist, daß sich der Cylinder mit den Modeln nach der der Bewegung des glatten Cylinders entgegengesezten Richtung bewegt. Der Thon befindet sich in einem Gefäße über den beiden Cylindern, und soll, wie der Erfinder annimmt, durch diese Art von Strekwerk in die Model gepreßt werden. So wie die Model an dem unteren Theile des Apparates anlangen, begegnet ein bewegliches Querstük, an welchem die Boden der Model befestigt sind, und dessen Enden über die Enden des Cylinders hinausragen, gebogenen eisernen Stüken, welche die Ziegel aus den Modeln treiben, und so wie die Model wieder leer sind, wird das Querstük wieder frei, die Federn können wieder ihre Wirkung auf die beweglichen Boden ausüben, und Alles gelangt wieder in die Stellung, die es vor dem Füllen der Model hatte. Die aus den Modeln fallenden Ziegel gelangen auf endlose Tücher, welche sich über Walzen bewegen, und die durch ein Laufband, welches über den Modelcylinder läuft, in Bewegung gesezt werden. – Auch diese Maschine ist dem Principe nach nicht neu, indem bereits in England sowohl als in Frankreich schon eine ähnliche in Vorschlag gebracht wurde.

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