Titel: Ueber die erdigen Bestandtheile, welche die Pflanzen während ihres Wachsthumes aus dem Boden aufsaugen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 52, Nr. XXXI./Miszelle 14 (S. 157–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj052/mi052031_14

Ueber die erdigen Bestandtheile, welche die Pflanzen während ihres Wachsthumes aus dem Boden aufsaugen.

Hr. Dr. Charles Daubeny, Professor der Chemie zu Oxford, hielt im December 1833 vor der Linnaean Society zu London einen äußerst interessanten Vortrag über den Grad der Auswahl, den die Pflanzen in Hinsicht auf die erdigen Bestandtheile, mit denen ihre absorbirenden Oberflächen in Berührung kommen, ausüben. Das Wesentlichste dieses Aufsazes, der in den Abhandlungen der Gesellschaft bekannt gemacht werden soll, ist Folgendes: Der gelehrte Hr. Professor wollte durch Versuche, die mehr entscheidend waren, als die bisherigen, ausmitteln, ob die Pflanzen unter allen Umständen jene erdigen und alkalischen Substanzen, die man in ihnen antrifft, zu erzeugen vermögen. Er baute daher ein bestimmtes Gewicht Samen von einer und derselben Pflanze in Erde, deren Bestandtheile bekannt waren, und brachte diese Erde in höchst fein zertheiltem Zustande in Gefäße, die innen mit Zinkblech ausgefüttert waren. Von diesen Gefäßen wurde je eines im Garten dem Regen und Staube ausgesezt, das andere hingegen in einem Glase gegen beides geschüzt. Die angewendeten Erden bestanden aus ausgewaschenem Seesande, Carrara-Marmor und schwefelsaurem Strontian. Die in jedem Gefäße gewachsenen Pflanzen wurden einzeln eingeäschert und deren Asche einzeln chemisch analysirt. Die im Freien gewachsenen Pflanzen gaben mehr Asche als jene, die im Glashause gezogen worden; in beiden Fällen enthielten jedoch |158| die gezogenen Pflanzen weit mehr erdige Bestandtheile, als die Samen, aus denen sie erzogen worden. – Da Hr. Daubeny aus diesen Versuchen ersah, daß die im schwefelsauren Strontian gezogenen Gewächse nichts von dieser Erde enthielten, so suchte er zu ermitteln, ob dieß bloß der Unauflöslichkeit des Strontians oder einer specifischen Kraft der Pflanze, diese oder jene Bestandtheile zurükzustoßen, zuzuschreiben sey. Er zog daher das nächste Jahr ganz gleiche Pflanzen in Sand, Carrara-Marmor, schwefelsaurem Strontian und Schwefelblumen, und begoß dieselben mit einer schwachen Auflösung von salpetersaurem Strontian. In allen diesen Fällen fand eine Zunahme von Kalkerde in den gezogenen Pflanzen Statt, und diese Zunahme war an den im schwefelsauren Strontian und im Carrara-Marmor gewachsenen am größten, in den im Schwefel erzogenen hingegen am geringsten. Die größte Quantität Strontian, welche er jedoch selbst bei diesem Verfahren in der Asche zu entdeken im Stande war, betrug nie über 0,4 Gran, so daß der Verf. hienach sowohl, als nach vielen anderen Versuchen zu dem Schlusse kam, daß die Schwämmchen oder Spongiolen der Wurzeln der Pflanzen den Strontian selbst in aufgelöstem Zustande entweder gar nicht, oder in weit geringerer Menge aufnehmen, als die Kalkerde. – Hr. D. bewies ferner durch einen Versuch, daß die Abwesenheit des Strontians in den festen Theilen der Pflanze nicht der Ausscheidung desselben zuzuschreiben sey, sondern daß gar nichts davon aufgenommen werde. Die Aufnahme von verschiedenen schädlichen und stark auf die Pflanze einwirkenden Körpern, die man beobachtet hat, und die mit dem Verhalten gegen den Strontian im Widerspruche zu stehen scheinen, erklärt D. dadurch, daß die Schwämmchen durch diese Gifte in ihrer Structur verändert werden, wo dann die Aufnahme dieser Gifte nur mehr durch die Thätigkeit der Haarröhrchen erfolgt. – Im Ganzen zieht der Verf. den Schluß, daß seine Versuche zwar nicht der Ansicht zu Gunsten kommen, nach welcher die Pflanzen ihre erdigen Bestandtheile selbst dann, wann ihnen dieselben nicht von Außen geliefert werden, erzeugen können; daß sie jedoch auch keineswegs das Gegentheil beweisen. Sie scheinen übrigens entschiedener zu beweisen, daß die Pflanzen wenigstens bis auf einen gewissen Grad die Fähigkeit besizen, die ihnen dargebotenen Substanzen auszuwählen, und daß ihre erdigen Bestandtheile in Hinsicht auf Qualität oder Beschaffenheit durch irgend ein primäres Naturgesez bedingt seyn dürften, obschon die Quantität derselben allerdings davon abhängen würde, in welchem Maße ihnen diese Bestandtheile von Außen zugeführt werden. (Lond. and Edinb. Philos. Journ. and Philos. Magaz. Januar 1834, S. 53.)

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