Titel: Ueber einige Verzinnungs-Methoden.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 52, Nr. XXXI./Miszelle 9 (S. 155–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj052/mi052031_9

Ueber einige Verzinnungs-Methoden.

Das Journal des connaissances usuelles enthält in seinen neuesten Heften mehrere Artikel über Verzinnungen, aus denen wir Folgendes mittheilen: 1) Vorschrift zu einer Verzinnung, die sich auf allen Metallen und selbst auf dem Gußeisen anbringen läßt. Man nehme 2 Pfund klein geschnittenes Zinn, 4 Unzen Eisenfeile, 4 Unzen gestobenes Krystallglas, 1 Unze Spiegelzinn (étain de glace) und 2 Unzen Borax und schmelze das Ganze in einem Tiegel zusammen. Man erhält hiedurch eine Legirung, deren man sich auf dieselbe Weise wie des gewöhnlichen Zinnes zur Verzinnung bedienen kann, mit dem Unterschiede jedoch, daß man hier, indem die Legirung strengflüssiger ist, als das Zinn, eine stärkere Hize nöthig hat. Wenn die Verzinnung mit dieser Legirung, die von allen Metallen und selbst vom Gußeisen sehr gut angenommen wird, vollbracht, so kann man noch eine Schichte reinen Zinnes auftragen, wodurch man eine sehr schöne und sehr dauerhafte Verzinnung erhält. Ein Kupferschmied zu Paris empfahl vor mehreren Jahren eine Verzinnung, welche aus 8 Theilen Zinn und einem Theile Eisen bestand und welche gleichfalls als sehr dauerhaft gepriesen wurde; es scheint jedoch nicht, daß dieselbe allgemeiner in Aufnahme kam, obschon sie noch gegenwärtig von einigen Kupferschmieden als ein Geheimniß angewendet wird. – 2) Eine andere als sehr dauerhaft und wohlfeil geschilderte Methode ist folgende: Man schlägt das zu verzinnende Gefäß, nachdem es vollkommen blank gemacht worden, auf dem Amboße, damit dessen innere Oberfläche uneben werde und die Verzinnung leichter annehme. Dann bringt man auf die gewöhnliche Weise eine erste, aus sehr reinem Zinne bestehende Schichte an, wobei man statt des Colophoniums Salmiak zusezt. Auf diese erste, als Grund dienende Schichte, die sehr glatt und eben seyn muß, trägt man hierauf eine zweite härtere, aus 2 Theilen Zinn und 3 Theilen Zink bestehende Legirung auf, der man sehr weich anzufuhlenden Salmiak zusezt. Nachdem diese Schichte, um ihr mehr Festigkeit zu geben, mit einem hölzernen Hammer abgeklopft worden, reibt man die Verzinnung mit Spanischweih ab, wodurch sie eine schöne Politur erhält. Gegen dieses Verfahren läßt sich, wie wir glauben, in medicinisch-polizeilicher Hinsicht Vieles einwenden, und nie sollte man erlauben, daß eine solche Verzinnung an Küchengeräthen oder an Gefäßen, welche zur Aufbewahrung von Lebensmitteln dienen, angebracht werde. Denn wenn der Zink auch durch die Legirung mit Zinn viel von seiner großen Neigung zur Oxydation verliert, so wird es doch von Säuren leicht angegriffen, wodurch dann Salze entstehen, die in ihrer schädlichen Wirkung auf den menschlichen Organismus den Blei- und Kupfersalzen nur wenig nachstehen. Wir müssen daher durchaus vor diesem Verfahren warnen und bemerken nur, daß dasselbe ursprünglich aus England stammt, wo man die kupfernen Rohren der Dampfmaschinen, um sie gegen die schnelle Oxydation zu schüzen, innen mit einer Legirung aus Zink und Kupfer, Zink und Zinn u. dgl. auskleidet. – 3) Der Recueil de la Société polytechnique, Februar 1834, S. 84 endlich enthält eine Anzeige einer neuen Verzinnung, welche unter dem Namen Étamage polychrone in Paris, rue de Vaugirard No. 59, betrieben und bisher geheim gehalten wild Diese Verzinnung soll 1) 10 bis 15 Mal länger dauern als die gewöhnliche; 2) sich mit dem Kupfer und Messing so verkörpern, daß sie sich nur |156| sehr schwer davon ablöst; 3) nur bei einem hohen Hizgrade in Fluß gerathen; und 4) endlich wohlfeiler seyn, als die gewöhnliche Verzinnung. Die Verzinnung eines Küchengeräthes von mittlerer Größe soll nämlich nur 15 Sous kosten, und wer die Verzinnung selbst vornehmen will, erhält das Pfund der dazu nöthigen Legirung für 8 Franken.

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