Titel: Ruf des persischen Hofes in Hinsicht auf Förderung der Industrie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 52, Nr. XLVII./Miszelle 16 (S. 238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj052/mi052047_16

Ruf des persischen Hofes in Hinsicht auf Förderung der Industrie.

Ein Bewohner von Fars in Persien war so glüklich, vor einiger Zeit eine bedeutende Verbesserung in der Porzellan-Fabrikation zu erfinden. Sein Ruf verbreitete sich schnell im ganzen Lande und kam endlich auch zu Ohren des Hofes, der sehr darüber erfreut war, und sogleich einen Abgeordneten mit dem Auftrage absandte, den Erfinder nach Teheran zu citiren, damit er des Glükes theilhaftig werde, für den großmachtigsten Schah von Persien Porzellan zu fabriciren. Der Unglükliche, der da wußte, daß er in seiner neuen Stellung nicht nur für den Schah, sondern auch für alle seine Höflinge und Ober-Offiziere Porzellan zu verfertigen haben würde, ohne je eine andere Bezahlung, als manchmal eine ansehnliche Tracht Schläge zu erhalten, wurde durch die allerhöchste Gnade so consternirt, daß er auf ein Mittel dachte, sich derselben zu entziehen. Sein Erfindungsgeist ließ ihn in der Wahl dieses Mittels nicht anstehen; er suchte so viel Geld aufzutreiben, als er konnte, und bot diese Summe dem Minister an, wenn dieser die Gefälligkeit haben wolle, dem Schah begreiflich zu machen, daß der wirkliche Töpfer entlaufen sey, und daß er, der citirte Erfinder, nichts von der Porzellanfabrikation verstehe. Die Sache hatte nun gar keinen Anstand; der Erfinder kehrte mit heiler Haut, aber mit leerem Säkel heim, und schwor, in seinem Leben kein Stük Porzellan mehr zu verfertigen, und sich überhaupt keine Erfindung oder Verbesserung mehr einfallen zu lassen. (Aus Fraser's Persia im Mechanics' Magazine, No. 553.)

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