Titel: Das neue Versammlungshaus und die große Orgel zu Birmingham.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 52, Nr. LVIII./Miszelle 10 (S. 317–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj052/mi052058_10
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Das neue Versammlungshaus und die große Orgel zu Birmingham.

Das Mechanics' Magazine enthält in seiner Nr. 554 eine Beschreibung und Abbildung der neuen Stadthalle zu Birmingham, welche aus der Feder des Hrn. Baddeley geflossen, und aus der wir Folgendes ausheben. Dieses herrliche, zu öffentlichen Versammlungen und musikalischen Festen bestimmte Gebäude ist in erhabenem griechischen Style aus Baksteinen erbaut und mit Marmor, der an der Küste von Anglesea gebrochen wird, belegt. Seine Höhe beträgt von der Straße bis zum Giebel 83 Fuß, seine Länge hingegen mißt mit Einschluß der Projection des aus Bogengängen bestehenden Unterbaues 160 Fuß. Die Säulen, die auf der oberen Fläche der Platform stehen, und welche gleichfalls aus Marmor bestehen, sind mit ihren Sokeln und Gebälken 45 Fuß hoch, sie sind gerieft und nach derselben Ordnung gebaut, wie die Säulen an dem Tempel des Jupiter Stator; die Gebälke haben viele Verzierungen, jedoch nicht in so hohem Grade, wie dieß bei dem Originale der Fall ist. Der Unterbau hat 23 Fuß Höhe; der Giebel, der das Frontispiz bildet, ist 15 Fuß hoch. Der Plan zu dem Gebäude wurde von Hrn. Harris entworfen; ausgeführt ist es hingegen von den Baumeistern Hanson und Welsh von Liverpool. Man gestattete 18 Monate Zeit zur Vollendung, und die Kosten beliefen sich auf 18,000 Pfd. Sterl., obschon der Marmor von dem Besizer des Steinbruches unentgeldlich abgegeben wurde, bloß um seinen Steinbruch bekannt zu machen. Bei dem Baue selbst entwikelten die Baumeister sehr große mechanische Talente und großen Sinn für Ersparnisse. Die Baksteine wurden gleich an Ort und Stelle, und zwar aus dem Thone, den man beim Ausgraben des Grundlagers gewann, fabricirt. Die Steine wurden mittelst einer Maschine, die von einer Dampfmaschine getrieben wurde, geschnitten und bearbeitet, und auf dieselbe Weise wurden auch die Riefen oder Canellirungen in den Säulen angebracht. Die Spannbalken und die Hauptbalken des Dachstuhles wurden mit Hülfe eines eigenen krahnartigen Hebels vom Boden zum Dache emporgehoben. Der Saal oder die Halle, die sich in diesem Gebäude befindet, ist größer, als irgend einer der größten Säle Europa's; sie ist nämlich 140 Fuß lang, 65 Fuß breit, und eben so hoch; sie faßt nicht weniger als zwischen 3 und 4000 sizende oder 10,000 stehende Personen; alle ihre Dimensionen sind vortrefflich berechnet, und nirgendwo findet sich eine Säule oder irgend ein anderes Hinderniß gegen die freie Circulation des Schalles. Längs den Seiten der Halle laufen Corridors, und von diesen führen Treppen an die Gallerten, von denen sich an jeder Seite zwei schmale, im Grunde aber eine breite befindet. Da die Halle großen Theils auch zu musikalischen Festen bestimmt ist, so ist das eine Ende derselben mit einem Orgelplaze und mit allen übrigen, zu einem Orchester erforderlichen Dingen ausgestattet. – So merkwürdig wie das Gebäude selbst ist jedoch auch die Orgel, die darin aufgestellt werden soll, und welche an Größe wenigstens alle übrigen berühmten Orgeln Englands und des Kontinents, und selbst jene von York, Haarlem und Rotterdam übertreffen wird. Das Orgelhaus wird 40 Fuß Breite und 45 Fuß Höhe haben. Die größte, metallene Diapasonpfeife soll 5 Fuß 3 Zoll im Umfange und 36 Fuß in der Höhe bekommen, und die größte hölzerne Diapasonpfeife wird innen einen Flächenraum von beinahe 200 Kubikfuß haben. Die ganze Orgel bekommt 10 offene Diapasons und alle übrigen Theile werden damit im Verhältnisse stellen; auch wird sie 5 Reihen Schlüssel bekommen. Die Oberfläche der Gebläse, die die Orgel mit Wind versehen, wird gegen 380 Fuß betragen. Die beste Idee mag man sich von der Größe dieses Instrumentes machen, wenn man bedenkt, daß dasselbe nicht weniger als 40 Tonnen wägen wird. Uebrigens wird es auch noch in anderer Hinsicht merkwürdig werden, indem Hr. Drury im Sinne hat, das Instrument zur Vervielfältigung seiner Kräfte und Töne auch noch mit seinen berühmten musikalischen Gloken auszustatten! Das Mechanics' Magazine gibt bei dieser Gelegenheit eine vergleichende Uebersicht der Dimensionen der vorzüglichen Theile der berühmten Orgeln von Haarlem und York, aus denen der Vorzug der lezteren in Hinsicht auf Größe hervorgeht.

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