Titel: Bourdon's gläserne Dampfmaschine und andere Apparate aus Glas.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 52, Nr. LVIII./Miszelle 4 (S. 314–316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj052/mi052058_4

Bourdon's gläserne Dampfmaschine und andere Apparate aus Glas.

Um einen angehenden Mechaniker, Physiker etc. in der Maschinenlehre zu unterrichten, um diesen Unterricht für die Mehrzahl leicht und schnell faßlich zu machen, ferner um dem Zöglinge auch die volle Ueberzeugung von der Wirkungsart einer Maschine zu geben, ist es nicht immer genug, wenn man ihm die mathematischen und physischen Principien, auf denen die Maschinen beruhen, auseinandersezt, wenn man ihn mit den einzelnen Theilen derselben bekannt macht, und wenn man ihn endlich gar noch eine wirklich arbeitende Maschine zeigt. Die Wirkungsart vieler Maschinen wird im Gegentheile häufig dunkel bleiben, so lange man das, was im Inneren derselben vorgeht, nicht physisch anschaulich |315| machen kann. Zu diesen Maschinen gehört z.B. hauptsächlich die Dampfmaschine, die leider in Deutschland noch immer so wenig verbreitet, und so wenig gekannt ist, daß Leute, die ihre Fabriken durch Dampfmaschinen betreiben wollen, meistens zugleich mit den Maschinerien auch einen Maschinisten mit aus dem Auslande kommen zu lassen gezwungen sind. Wir haben zwar mehrere und gute Werke über Dampfmaschinen, allein aus diesen wird der Anfänger nimmermehr hinreichend Belehrung schöpfen, und eben so wenig wird er es auf unseren polytechnischen Schulen, oder gar erst auf unseren Universitäten, selbst wenn man in diesen Anstalten eine ernstliche Behandlung dieses wichtigen Gegenstandes beabsichtigte, zur gründlichen und auf Ueberzeugung gestüzten Kenntniß bringen. Der Grund dieses Mißstandes lag bisher, die Zwekmäßigkeit des Lehrvortrages vorausgesezt, in der Unmöglichkeit den Schüler durch einen der besten aller Lehrmeister – die Anschauung – zu überzeugen. Diesem Uebelstande dürfte jedoch, Dank sey es den Bemühungen des Hrn. Bourdon zu Paris, rue de Vendôme No. 13, für die Zukunft abgeholfen seyn. Hr. Bourdon hat der Société d'encouragement zu Paris nämlich ein Modell einer Dampfmaschine vorgelegt, an welchem alle Theile aus Glas verfertigt sind, welches wie eine vollkommene, im Großen gebaute Dampfmaschine arbeitet, und an welchem sämmtliche Theile und die Verrichtungen, die während der Thätigkeit der Maschine in ihnen vorgehen, genau beobachtet werden können. Das Modell dient zur Demonstration der Maschinen mit hohem sowohl, als niederem Druke, es ist mit einem Condensator, einer Pumpe für das kalte Wasser und einer Luftpumpe ausgestattet; kurz es enthält alle Details der Dampfmaschinen bis auf den Speisungsapparat, der übrigens zur Erläuterung des Spieles der Maschine nicht nöthig ist, und der um so leichter entbehrlich ist, als das Modell nur kurze Zeit über zu arbeiten braucht. Um zu zeigen, auf welche Weise eine Dampfmaschine mit hohem Druke arbeitet, braucht man nur einen Hahn umzudrehen, den Dampf in die freie Luft, und nicht in den Verdichter entweichen zu lassen, und die Stangen der Pumpe für das kalte Wasser und für die Luftpumpe loszumachen. Die Gefüge und Verbindungen der einzelnen Theile der Maschinerie sind natürlich hie und da anders gebaut, als im Großen, wo diese Theile aus Metall verfertigt sind; es erforderte dieß die Natur des Glases und die Verschiedenheit der Ausdehnung bei verschiedener Temperatur: eine Schwierigkeit, die Hr. Bourdon an seinem Modelle glüklich überwunden hat. Die Commission der mechanischen Künste, welche von der Gesellschaft mit der Prüfung dieses Modelles beauftragt war, hat mehrere Versuche mit demselben angestellt, und durch Hrn. de la Morinière einen äußerst günstigen Bericht hierüber erstatten lassen, der im Bulletin de la Société d'encouragement, November 1833 abgedrukt ist. Sie spricht in diesem Berichte die Ueberzeugung aus, daß Modelle dieser Art nicht bloß unendlich viel zur Belehrung jener, die sich einst dem Maschinenbaue widmen, beitragen, sondern auch zum Unterrichte für alle Gewerbsleute, die sich der Dampfmaschine einst als Triebkraft bedienen wollen, unentbehrlich seyn wird, sie wünscht daher, daß alle physikalische Cabinette, alle Laboratorien, und alle Maschinen-Sammlungen an den polytechnischen Anstalten sich beeilen möchten, sich ähnliche Modelle anzuschaffen, – ein Wunsch, den auch wir den Leitern und Vorständen unserer polytechnischen Schulen dringend an's Herz legen. Es wäre allerdings viel leichter ein Modell einer Dampfmaschine aus Metall herzustellen; allein ein solches würde beim Unterrichte bei weitem nicht dieselben Dienste leisten, und überdieß schwer: in gutem Zustande zu erhalten seyn, indem die Metalle von dem Dampfe und dem Wasser leicht angegriffen werden, so daß zur Reinigung eines solchen Modelles allein schon ein gewandter Arbeiter nöthig wäre. Man könnte zwar einwenden, daß ein derlei gläsernes Modell sehr leicht zerbrechen oder zerspringen kann, allein dem ist nicht so, wenn man nur einige Vorsicht anwendet. Man braucht, wenn das Wasser zum Sieden gekommen, die Maschine nur einige Augenblike lang mit der Hand zu treiben, um sämmtliche Theile gleichzeitig zu erhizen, und um folglich allem Zerspringen vorzubeugen. Ist dieß geschehen, so kann die Einsprizung sehr leicht regulirt werden, indem man sieht, was in dem Verdichter vorgeht. – Hr. Bourdon beschränkte sich übrigens nicht auf die Dampfmaschine allein; sein Laboratorium enthält noch mannigfache andere, aus Glas verfertigte Maschinen, wie z.B. verschiedene, mit seltenem Talente gearbeitete Pumpen, ja er hat sogar eine hydraulische Presse aus Glas verfertigt, |316| die bei ihren kleinen Dimensionen eine ganz bedeutende Wirkung hat. Die Gewandtheit und Erfahrung, die er sich in der Behandlung des Glases erworben, und einige Verbesserungen, die er neuerlich an seiner gläsernen Dampfmaschine angebracht, lassen ihn sogar hoffen, daß es ihm gelingen werde, kleine derlei Maschinen zum Betriebe von Drehbänken oder ähnlichen Apparaten, deren man zu manchen Versuchen, die man bei Hause anstellen will, bedarf, herzustellen! Die Gesellschaft hat beschlossen Hrn. Bourdon in Betracht der wesentlichen Dienste, die seine Modelle beim Unterrichte der Techniker leisten werden und leisten müssen, ihre Medaille zuzuerkennen.

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