Titel: Neueste Dampfwagenfahrten auf gewöhnlichen Landstraßen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 52, Nr. LXXIII./Miszelle 1 (S. 394)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj052/mi052073_1

Neueste Dampfwagenfahrten auf gewöhnlichen Landstraßen.

An einem der lezten Tage des Monates April l. J. vollbrachte, dem Glasgow Argus zu Folge, einer der Wagen der Dampfwagen-Compagnie von Schottland die ausgezeichnetste und genügendste Leistung, die je von einem Dampfwagen auf einer gewöhnlichen Landstraße erreicht wurde. Der Wagen fuhr nämlich an einem Tage 6 Mal zwischen Glasgow und Paisley, eine Streke von 46 englische Meilen, in 4 1/2 Stunden hin und her. Zu jeder Fahrt waren im Durchschnitte 41 Minuten nöthig, die Geschwindigkeit betrug also 10 Meilen in der Stunde. Den Tag vorher machte derselbe Wagen dieselbe Fahrt 4 Mal, und zwar mit gleicher Geschwindigkeit. Auch die übrigen Wagen der Gesellschaft legen täglich einige Male dieselbe Streke mit nicht viel schlechteren Resultaten zurük, so daß also die Dampfwagenfahrt zwischen Glasgow und Paisley als vollkommen etablirt betrachtet werden kann. – Auch der berühmte, und durch die vielen Ankündigungen und Abbildungen bereits allgemein bekannt gewordene Dampfwagen des Dr. Church zu Birmingham ließ sich, der Birmingham Gazette zu Folge in den lezten Wochen zum ersten Male auf den Straßen sehen. Er lief mit 40 Passagieren beladen eine nicht unbedeutende Streke weit mit einer Geschwindigkeit von 15 bis 20 engl. Meilen in der Stunde, als der hintere Theil des Wagens beim Umkehren an den Fußsteig stieß, und eine Kleinigkeit an einer der Klappen brach. Man hielt es am gerathensten unter diesen Umständen die Maschine nicht weiter zu treiben, um ja keinen größeren Unfall zu veranlassen; der Wagen wurde daher an Striken heimgezogen, um, wer weiß wann, eine neue Spazierfahrt zu bestehen. – Nicht günstiger war das Resultat, zu welchem die Brüder Heaton zu Birmingham bei ihren lezten Probefahrten gelangten. Hr. Baddeley schreibt nämlich in einem Briefe an den Redacteur des Mechanics' Magazine, den man in Nr. 560 dieser Zeitschrift bekannt gemacht findet, daß sich aus den lezten Versuchen mit der neuen und kräftigeren Maschine der Patentträger ergab, daß das Gewicht, die Abnüzung der Maschine und der Verbrauch an Dampf weit größer waren, als man es voraussah, oder erwartete. Die HH. Heaton kamen daher hienach zu dem Schlusse: daß es unmöglich sey auf den. gewöhnlichen Landstraßen mit einer Geschwindigkeit von 10 Meilen in der Stunde mit Dampfwagen zu fahren, indem die Abnüzung der Maschinerie und mehrere andere Ausgaben dabei so groß seyen, daß der Ertrag von dergleichen Fahrten nie von Vortheil seyn könne, und daß eine langsamere Fahrt weder den Reisenden, noch den Unternehmern conveniren kann. Die Compagnie, die sich zur Ausführung der Heaton'schen Dampfwagen gebildet hatte, wird hienach demnächst beschließen, was in dieser Sache weiter zu thun ist. – In wiefern sich diese Resultate mit den oben angegebenen und zu Glasgow erzielten vereinen lassen, muß die Zeit lehren.

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