Titel: Ueber ein neues Percussionsschloß für Kanonen von der Erfindung des Hrn. Obristen Jure.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 52, Nr. LXXIII./Miszelle 2 (S. 394–395)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj052/mi052073_2

Ueber ein neues Percussionsschloß für Kanonen von der Erfindung des Hrn. Obristen Jure.

Schon seit langer Zeit, sagt Hr. Préaux in einem Berichte über obige Erfindung des Hrn. Jure, fühlte man das Bedürfniß bei den Kanonen auf den Schiffen den Luntenstok, der so vielen Zufälligkeiten ausgesezt ist, durch eine Art von Schloß zu ersezen. Man versuchte während der Kriege der Republik und des Kaiserreiches verschiedene Vorrichtungen, brachte es aber bis zum J. 1820 nicht |395| weiter, als zu Schlössern mit Steinfeuer und endlich mit Percussion, Vom J. 1821 bis zum J. 1825 erschienen die Percussionsschlösser von Gerodias, die Percussions- und Communicationsschlösser von Romme, jene mit einem Percussionshahn und endlich jene des Schiffscapitäns de Montgery. Im J. 1826 wurde das Schloß des Schiffscapitäns de Venancourt bekannt, und im J. 1828 trat der Büchsenmacher Pottet mit seinem Hebel- und Schnellfederschloß hervor. Da die mit lezterem angestellten Versuche gelangen, so wollte man dasselbe allgemein einführen; allein es zeigte sich später, daß man bei dessen Armatur nicht vollkommen sicher sey, und daß es überdieß für die praktischen Kanoniere auch zu complicirt sey. Im Junius 1829 legte Schiffslieutenant Dagues de la Hellerie ein neues System Kanonen abzufeuern vor, welches jedoch nach den zu Rochefort damit angestellten Versuchen verworfen wurde. Im September desselben Jahres schlug Hr. Sonolet zu Rochefort einen neuen Hammer vor, bei dessen Anwendung man, wie er glaubte, das Zündpulver hätte entzünden können, ohne daß man irgend eine der Veränderungen, die Dagues an dem. Zündloche angebracht wissen wollte, nöthig gehabt hätte, allein auch die hiemit angestellten Versuche mißlangen. Im J. 1831 erschienen endlich die von Hrn. Pottet verbesserten Schlösser mit Hemmung oder Abfall, die Versuche, die man anfangs mit diesen anstellte, waren so günstig, daß man sie allgemein einzuführen gedachte; allein schon gegenwärtig ist auch dieses System so gefallen, daß jeder Marineofficier ein altes Schloß mit Steinfeuer oder sogar die Luntenstöke den Schlossern des Hrn. Pottet vorzieht. So stand es mit der Geschichte dieser Apparate in Frankreich, als Hr. Jure im J. 1832 mit seiner Erfindung auftrat, über welche Hr. Schiffscapitän Letourneur im Namen einer Commission, welche dieselbe zu Brest praktisch prüfte, einen so vortheilhaften Bericht erstattete, daß man in Kürze deren allgemeiner Anwendung entgegensehen darf. Die Vorrichtung des Hrn. Jure besteht in der Hauptsache aus einem Hammer, der durch eine Leine, an der der Feuerwerker zieht, in Bewegung gesezt wird, und der, indem er sich um einen Zapfen dreht, auf eine Kapsel schlägt, welche dadurch entzündet wird, das Pergament der Patrone durchdringt und den Schuß losfeuert. Die Versuche der Commission haben gezeigt, daß die Percussion hinreicht, um 8 Blätter Pergament, und selbst ein Eisenblech zu durchdringen, und daß man nicht befürchten darf, daß die Kapseln verderben, indem die Commission solche Kapseln 25 Minuten lang unter Wasser brachte, ohne daß sie dadurch den geringsten Schaden gelitten hätten. Die einzige Veränderung, die man für nöthig fand, bestand darin, daß man die Windungen der Leine, die der Wirksamkeit des Hammers nachtheilig waren, und welche eine schnellere Abnüzung der Leine veranlaßten, beseitigte. Hr. Préaux meint, daß sich die Percussionsvorrichtung des Hrn. Jure sehr leicht an allem Land- und Marinegeschüze anbringen lasse, und daß man dann die Luntenstöke, Zündlichter etc. entbehren könne. Der ganze Apparat kommt nur auf 21 Fr. 80 Cent. zu stehen. (Aus dem Recueil industriel. März 1834, S. 148.)

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