Titel: Ueber den Safranbau zur Benuzung der Zwiebeln als Nahrungsmittel oder als Mehl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 52, Nr. LXXIII./Miszelle 6 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj052/mi052073_6

Ueber den Safranbau zur Benuzung der Zwiebeln als Nahrungsmittel oder als Mehl.

Der Recueil industriel, März, S. 201 enthält eine ausführliche Abhandlung des Hrn. Vergnaud-Romagnesi über die Vortheile, die man aus der Anwendung der Safranzwiebeln als Nahrungsmittel ziehen könnte; Vortheile, die nach seiner Ueberzeugung noch größer sind, als sie sich bei dem Baue dieser Pflanze auf den eigentlichen Safran ergeben. Indem wir die Bewohner jener Gegenden, die sich zum Baue dieser Zwiebel, welche bekanntlich einen leichten, gegen Wasseransammlungen geschürten Boden fordert, eignen, auf diesen Aufsaz aufmerksam machen, erlauben wir uns bloß, mit Umgehung der Culturmethode einige Auszüge aus den Resultaten, die der Verfasser erhielt, mitzutheilen. Man soll die Zwiebeln, nachdem sie drei oder höchstens vier Jahre lang Safranernten gegeben, gegen die Mitte Junius aus der Erde nehmen; es könnte dieß bei gut gedüngtem Boden auch alle 2 Jahre geschehen; doch würde man hiebei an dem Ertrage an Safran, der im 3ten und 4ten Jahre am größten ist, ein Opfer bringen. Die ausgegrabenen Zwiebeln sollen auf einem luftigen Speicher unter öfterem Umwenden getroknet werden, wo sie dann bis Mitte August ausgeschalt und zum Gebrauche verwendet werden können. Wenn man sie in diesem Zustande zermalmt, und mit etwas Wasser zu einem Teige anmacht, so gibt die Masse bald einen geistigen Geruch von sich, Während ihr Geschmak etwas melonenartig wird; bei etwas erhöhter Temperatur, und besonders unter Zusaz von etwas Gährungsstoff oder Hefen tritt sie bald in geistige Gährung, so daß man einen Weingeist daraus destilliren kann, der angenehm schmekt, und der Quantität nach doppelt so groß ist, als man ihn bei der Destillation des Kirschenwassers aus den gegohrnen Kirschen erhält. Wenn man die abgeschälten Zwiebeln in Schnitten schneidet, oder zerquetscht, gleich wie man die zu Aepfelwein bestimmten Aepfel zu zerquetschen pflegt, so troknen dieselben an einem luftigen Orte ausgebreitet sehr schnell. Die Schnitten erhalten ein mehliges Aussehen, und geben, nachdem man sie, um sie von dem wenigen in ihnen enthaltenen bitteren Stoffe zu befreien, einige Augenblike in Wasser gelegt, durch Kochen in Wasser mit Zusaz von etwas Gewürz, oder noch besser durch Kochen mit Milch ein sehr angenehmes Gericht. Läßt man die getrokneten und zerquetschten Safranzwiebeln aus einer Mühle mahlen, so erhält man ein sehr schön weißes, leicht durchzubeutelndes Mehl, welches sich sehr gut aufbewahren läßt. Dabei ergibt sich beinahe gar kein Abfall an Kleie, indem die Zwiebeln nach Entfernung der Schale nur mit einem sehr dünnen Hautchen überzogen sind. Dieses Mehl gibt ein Brod, welches sich kaum merklich von dem aus Getreidemehl bereiteten unterscheidet; es läßt sich auch mit Erdäpfelmehl vermengen, und hat dann ganz denselben Einfluß auf dieses, wie ihn das Getreidemehl ausübt. Das rohe Safranmehl hat einen etwas fremdartigen, sehr schwach bitterlichen |398| Geschmak, der sich jedoch beim Verkochen vollkommen verliert, und der sich auch durch Waschen mit Wasser entfernen läßt. Behandelt man es mit Wasser, welches mit etwas Schwefelsäure gesäuert ist, so erhält man bei Befolgung des in den Stärkmehlfabriken üblichen Verfahrens ein blendend weißes Stärkmehl, und zwar verhältnißmäßig in einer größeren Menge, als man es aus den Kartoffeln gewinnt. Endlich ist noch zu bemerken, daß die Safranblatter gegen Ende Mai gemähet und als Viehfutter benuzt werden können, während die Hülle der Zwiebel einen seidenartigen, leicht zu färbenden, aber kurzen Faserstoff gibt, den Hrn. Vergnaud-Romagnesi zu verschiedenen Zeugen zu verweben versuchen will. Ein Mezen Safranzwiebeln gibt nach drei Jahren 3–5 Mezen Zwiebeln, und auf einem Mezen gehen 900 bis 4000 Stüke. Zum Bestellen eines Morgen Landes mit Safran braucht man 116 Minen (halbe Sester) Zwiebeln; baut man ihn aber bloß des eigentlichen Safrans halber, so kann man auf einen gleichen Flächenraum auch gegen 200 Minen pflanzen. Der Mezen Zwiebeln kostet in Frankreich im Durchschnitt 5 Sous, manchmal sinkt dieser Preis auf 3 Sous, in schlechten Jahren, in denen die Zwiebeln stark vom Frost litten, steigt er auch auf 3 Franken.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: