Titel: Haben die künstlichen Wiesen der Güte des Getreides geschadet oder nicht?
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 52, Nr. LXXIII./Miszelle 9 (S. 399)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj052/mi052073_9

Haben die künstlichen Wiesen der Güte des Getreides geschadet oder nicht?

Ueber die in neuerer Zeit schon einige Male aufgestellte Behauptung, daß die Einführung der künstlichen Wiesen bei der Cultur im Großen der Güte des Getreides nachtheilig geworden sey, hat Hr. Huzard Sohn der Société royale d'agriculture zu Paris eine Abhandlung vorgelegt, in der er diesen angeblichen schädlichen Einfluß der künstlichen Wiesen sehr in Zweifel zieht. Er glaubt vielmehr den Grund der Abnahme der Güte des Getreides darin suchen zu müssen, daß die künstlichen Wiesen sehr viel zur Vermehrung der Düngermasse beitrugen, und daß man den Getreidebau folglich in Folge der größeren Düngermasse auf Ländereien ausdehnen konnte, die eigentlich nicht dazu geeignet waren, die folglich nur Getreide von geringerer Güte erzeugen konnten, und deren Cultur mithin einen verhältnißmäßig größeren Zufluß von schlechterem Getreide auf unseren Markten bewirken mußte. Gesezt aber auch, das Getreide habe selbst auf gutem Boden von seiner ursprünglichen Güte verloren, so glaubt Hr. Huzard, daß der Grund hievon durchaus nicht in den künstlichen Wiesen, sondern eher darin gelegen sey, daß man heut zu Tage nicht mehr so tief pflüge, als früher. – Dagegen bemerkte Hr. Darbley, daß es nur zu wahr und durch Thatsachen erwiesen sey, daß das Getreide in allen jenen Gegenden, in welchen die künstlichen Wiesen mehr in Schwung gekommen, wirklich merklich an Güte verloren habe. Er suchte diese Behauptung durch einige Beispiele zu belegen und erklärte die Abnahme der Güte dadurch, daß das Getreide in den Gegenden, in welchen man künstliche Wiesen hält, üppiger wachsen, und daß durch die Verlängerung des Wachsthumes der Pflanze eine Verminderung der Ausbildung der Samen und eine Verspätung der Reife entstehe. Denn nicht der fruchtbarste und fetteste Boden ist es nach seiner Ueberzeugung, der das beste Getreide gibt, sondern die beste Sorte wächst vielmehr auf einem, Boden von mittlerer Güte. Hr. Vilmorin stimmte Hrn. Darblay bei, und sagte unter Anderem, daß mehrere Gemeinden und Landeigenthümer, die früher vortreffliches Saatkorn zogen, seit der Einführung der künstlichen Wiesen nur mehr Getreide von mittlerer Güte erzeugen, und sich ihr Saatkorn nun selbst anderwärts verschaffen müssen. Auch er glaubt, daß die künstlichen Wiesen einen Ueberschuß von Humus im Boden erzeugen, und daß durch diesen Ueberschuß die Entwikelung des Krautes auf Kosten der Ausbildung des Samens begünstigt werde. Er zieht aber hieraus endlich auch den Schluß, daß die künstlichen Wiesen zwar auf Boden, der schon an und für sich gut und reich ist, dem Getreidebaue Schaden werden, daß sie hingegen ganz geeignet seyn dürften, um mittelmäßigen oder schlechten Boden in Ermangelung der gehörigen Quantität Dünger wesentlich und schnell zu verbessern. (Recueil industriel. März 1834, S. 224)

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