Titel: Ueber die Fabrikation des chinesischen Papieres.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 52, Nr. LXXXVII./Miszelle 9 (S. 464–465)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj052/mi052087_9
|465|

Ueber die Fabrikation des chinesischen Papieres.

Hr. John Reeves Esq., der sich längere Zeit zu Canton aufhielt, theilt im 2ten Bande des Jahrganges 1833 der Transactions of the Society of arts einige Notizen über die Fabrikation des chinesischen Papieres mit, aus denen wir Folgendes ausheben. – Das Sha Ehe oder Krepppapier (Crape Paper) kommt aus der Provinz Tkwang Se. Man nimmt zu seiner Bereitung in den ersten zwei Monaten des Frühlings die Rinde des Kuh-muh, d.h. des Papier-Maulbeerbaumes (Broussonnetia papyrifera), und gibt sie, nachdem sie zerstoßen worden, in einen steinernen Behälter mit reinem Wasser. Ist sie hierin gehörig macerirt, so rührt man die Masse mit Kuhhaut-Leim, der mit Wasser gekocht worden, an, und hebt aus diesem Zeuge mit einem aus Bambus verfertigten Siebe das Papier, welches an der Luft getroknet wird. – Das sogenannte chinesische Touchpapier (Touch-Paper) wird in der Nähe von Canton in dem Dorfe Peih Keang aus einer unter dem Namen Lang bekannten Abart des Bambusrohres bereitet. Man schneidet am Anfange des Sommers, im vierten oder fünften Monate, die jungen Bambusschößlinge, so wie sich deren Blätter zu entfalten beginnen, und weicht sie, nachdem sie flach geschlagen, einen Monat lang in eine Kalkgrube. Nach Ablauf dieser Zeit nimmt man sie heraus, um sie rein zu waschen, an der Sonne zu troknen, klein zu pulvern und dann zu sieben. Dieses Pulver, welches man wohl auch mit einem Mehle, das man aus den Früchten des Dimocarpus Longan bereitet, vermischt, wird mit reinem Wasser angerührt, aus welchem man das Papier dann mit Formen aus Bambus hebt, und auf erwärmten Mauern troknet. Je nachdem man eine gröbere oder feinere Form anwendet, erhält man auch gröberes oder feineres Papier. – Nach andern Angaben verfährt man auf folgende Weise. Der Bambus wird in Stüke von 3 Fuß Länge geschnitten, von diesen Stüken bindet man je 17 in einen Bündel, und diese Bündel werden, nachdem sie 6 Monate lang in fließendem Wasser gelegen, in Gruben gebracht, in denen man sie mit Aezkalk (den man aus den Schalen der Muschel Venus sinensis gewinnt) vermengt, und mit Gewichten beschwert, noch 6 Monate liegen läßt. Nach dieser Zeit werden die Bambusstüke noch kleiner geschnitten, und auf den gewöhnlichen chinesischen Stampfmühlen in einen Brei verwandelt, wozu meistens 4 Stunden erforderlich sind. Man nimmt dann zwei Eimer Wasser auf einen Eimer Brei. – Das Verfahren bei der Fabrikation des King-Tuca-Papieres ist folgendes. Man schneidet am Ende des Frühlings oder Beginne des Sommers Bambusschößlinge in Stüke von 3–4 Covids (14,625 Zoll) Länge und von 6–7 Zoll Dike, und läßt sie beiläufig einen Monat lang in einer Kalkgrube liegen. Nach dieser Zeit werden sie herausgenommen, rein gewaschen und gebleicht, bis sie vollkommen weiß sind, worauf man sie an der Sonne troknet, klein pulvert, durch ein sehr feines Sieb seiht, und den feinsten und weißesten Theil. zur Bereitung von King-Jucca-Papier verwendet. Zugleich mit diesem Pulver nimmt man auch die beste weiße Baumwolle von Loo Chow, welche 10 Mal gesichtet worden, und von der man nur den obersten und leichtesten Theil nimmt. Diese beiden Ingredienzien werden mit Reißwasser, welches man aus dem reinsten und weißesten Reiß bereitet, angerührt, und aus diesem Zeuge hebt man das Papier endlich mit einer Bambusform von gehöriger Feinheit, um es endlich auf einem eigens hiezu bestimmten Gemäuer zu troknen. (Mechanics' Magazine, Nro. 559.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: