Titel: Berechnung der Gesammtzahl der Personen, welche in den Baumwollmühlen in England beschäftigt werden.
Autor: Stanway, Samuel
Fundstelle: 1834, Band 53, Nr. VI. (S. 26–33)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj053/ar053006

VI. Berechnung der Gesammtzahl der Personen, welche in den sogenannten Baumwollmühlen in England beschäftigt werden. Von Hrn. Samuel Stanway, Buchhalter zu Manchester.15)

Aus dem Mechanics' Magazine, No. 563, S. 116.

Die Berechnung, die wir hier anstellen wollen, beabsichtigt keineswegs eine Bestimmung der Menschenzahl, welche gegenwärtig in |27| dem Baumwollwaarengeschäfte in England seinen Unterhalt oder seine Subsistenz findet, sondern sie bezwekt bloß eine Ermittelung jener Anzahl von Menschen, die in England in den durch Maschinenkraft betriebenen Baumwollwaarenfabriken ihren Lebensunterhalt gewinnt, und die innerhalb dieser Fabriken mit dem Zubereiten, Spinnen, Weben und anderen mechanischen Arbeiten beschäftigt ist. Sie umfaßt daher weder die in den Handwebestühlen beschäftigten Arbeiter, noch die Druker, noch die Bleicher, noch die Färber, noch die Baumwollspizen-Fabrikanten (einen bereits außerordentlich ausgedehnten und noch immer in raschem Wachsthume begriffenen Industriezweig), noch viele andere von der Baumwollspinnerei zunächst abhängige Gewerbe.

Die Resultate dieser Berechnung sind, daß die Zahl jener Individuen, die gewöhnlich in den Baumwollwaaren-Fabriken arbeiten, sich auf nicht weniger dann 212,800 beläuft, und daß diese Individuen jährlich die außerordentliche Summe von 5,777,434 Pfd. Sterl. 14 Schill. 1 D. als Lohn verdienen. Daß dieß richtig ist, wird sich aus Nachfolgendem ergeben.

Die Gesammtquantität Baumwolle, welche im Jahre 1832 nach Burn's Commercial Glance, ein Buch, dessen Autorität sowohl in Liverpool als in Manchester allgemein anerkannt ist, in ganz Großbritannien zum Spinnen von Baumwollgarn verwendet wurde, belief sich auf 277,260,490 Pfd.; davon wurden jedoch in Schottland 27,327,120 Pfd. verarbeitet, so daß mithin auf England allein noch 249,933,370 Pfd. kamen.

Der Verlust an Baumwolle, der sich beim Spinnen ergibt, wird von verschiedenen Autoren verschieden geschäzt. Nach den Berechnungen des Hrn. Kennedy, die man in den Transactions of the Manchester Literary and Philosophical Society findet, beträgt derselbe |28| 1 1/2 Unzen per Pfund; Montgomery nimmt ihn in seiner Theory and Practice of Cotton Spinning zu 1 5/8 und Burn zu 1 3/4 Unzen an. Da jedoch die Berechnungen Kennedy's so ziemlich allgemein als die richtigeren anerkannt sind, so haben auch wir sie bei unserer Berechnung zur Grundlage genommen. Zieht man also hienach von dem angegebenen Gesammtverbrauche an Baumwolle die 1 1/2 Unzen per Pfund oder zusammengenommen 23,431,253 Pfd. ab, so erhält man als Totalgewicht des erzeugten Garnes 226,502,117 Pfund.

Die Durchschnittszahl der Strähne, welche man auf ein Pfund Garn rechnen kann, wird von der großen Mehrzahl der Sachverständigen zu 40 angenommen. Montgomery nimmt die Durchschnittszahl für ganz Großbritannien zu 50 an, was sich sehr wohl mit ersterer Annahme verträgt, wenn man bedenkt, daß in Schottland verhältnißmäßig eine weit größere Menge feines Garn gesponnen wird, als in England. Die Antworten, welche aus Lancashire auf die gestellten Fragen einliefen, geben zwar auch einen Durchschnitt von mehr dann 40 Strähnen per Pfund; da jedoch die Mühlen, in denen feineres Garn gesponnen wird, genauere Aufschlüsse gaben, als jene, in denen man grobes Garn spinnt, und da die zu Manchester, wo man mehr feines Garn spinnt, erhobenen Daten vollständiger sind, als jene von den Fabriken in der Provinz, wo man mehr grobes Garn spinnt, so erhellt offenbar, daß die niedrigere Zahl angenommen werden müsse. Wir hielten uns daher gleichfalls an die öffentlich und allgemein ausgesprochene und angenommene Durchschnittszahl 40.

Drei in verschiedenen Gegenden befindliche Mühlen von sogenannter Durchschnittscapabilität gaben an, welche Quantität Garn sie in dem mit dem 4. Mai 1833 abgelaufenen Monate erzeugten. Aus diesen Angaben ergaben sich als Durchschnitt 39,98 Strähne per Pfund. Da diese Mühlen zugleich auch angaben, wie viele Menschenhände sie im Laufe dieses Monates zum Spinnen verwendeten, und wie lange die Arbeiter täglich arbeiteten, so gibt dieß Anhaltspunkte, aus welchen sich die Totalsumme der in den Baumwollmühlen Englands zum Zubereiten und Spinnen der Baumwolle beschäftigten Arbeiter berechnen läßt.

In der ersten dieser drei Mühlen erzeugten 344 mit der Spinnerei beschäftigte Individuen in 276 Stunden:

18,000 Pfd. zu 30 bis 32 Schill.
18,000 Pfd. zu 38 bis 42 Schill.
2400 Pfd. zu 150 bis 170 Schill.
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In der zweiten erzeugten 245 Arbeiter, die 270 Stunden arbeiteten:

1795 Pfd. zu 12 Schill.
4285 Pfd. zu 22 Schill.
33,838 Pfd. zu 40 Schill.

In der dritten endlich erzeugten 110 Arbeiter, welche 286 St. arbeiteten:

16,700 Pfd. zu 40 Schill.

Die drei Mühlen geben also, wie bereits oben gesagt worden, einen Durchschnitt von 39,98 und ein Product von 95,018 Pfd. Baumwollgarn. Die Gesammtzahl der Arbeitsstunden beträgt: 344 × 276 + 245 × 270 + 110 × 286 = 192,554, und das Produkt eines jeden Individuums folglich per St. 95018/192554 = 0,49346 Pfd.

Die gewöhnliche Annahme von 300 Arbeitstagen, jeden zu 11 1/2 Stunden, per Jahr oder von 69 Arbeitsstunden per Woche gibt: 0,49346 × 11,5 × 300 = 1,702,437 Pfd. als das jährliche Erzeugniß eines jeden Arbeiters und 226,502,117/1,702,437 = 133,045 als die Zahl der Personen, welche in England mit Zubereitung und mit Spinnen der Baumwolle beschäftigt sind.

Aus der Prüfung anderer Dokumente geht hervor, daß von den 67,819 Personen, über welche der Commission Aufschlüsse gegeben wurden, 43,401 mit Zubereitung und Verspinnen der Baumwolle beschäftigt sind, während 23,920 dem Weben obliegen, und 1498 als Mechaniker, Maschinisten, Walzenaufzieher etc. verwendet sind. Nimmt man nun an, daß dieselben Verhältnisse auch in Betreff der Gesammtzahl der Baumwollarbeiter bestehen, so beträgt die Gesammtzahl der in den Baumwollzeugfabriken beschäftigten Individuen 75,055, und die Zahl der Mechaniker etc. 4700, so daß sich also mit obigen 133,045 Spinnern eine Summe von 212,800 Personen, die in den Baumwollwaarenfabriken beschäftigt sind, ergibt.

Diese Gesammtzahl von 212,800 Personen kann, wenn man die Verhältnisse annimmt, die aus den Antworten auf die im Lancashire gestellten Fragen hervorgehen, so vertheilt werden, daß hieraus die wahrscheinliche Zahl der Personen, die in den 8 Hauptzweigen oder Departements der Baumwollmanufacturen verwendet sind, so wie auch der Gesammtbetrag ihres Nettoverdienstes per Monat hervorgeht.

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Textabbildung Bd. 53, S. 30
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In einer der Beilagen zu dem Berichte ist das Verhältniß der Zahl der Kinder, Knaben sowohl als Mädchen, die zwischen 14 und 18 und unter 14 Jahren in den Fabriken verwendet werden, angegeben. Aus diesem Verhältnisse läßt sich also leicht die wahrscheinliche Anzahl der verwendeten Kinder von weniger dann 14 Jahren berechnen. Es scheint nämlich, daß sich die Anzahl der Knaben, die unter 14 Jahre alt sind, zu jenen, die zwischen 14 und 18 alt sind, wie 12,21 zu 8,95 verhält, und daß dieses Verhältniß bei den Mädchen wie 9,46 zu 10,67 ist. Wendet man nun dieses Verhältniß auf die 42,745 Knaben und die 40,512 Mädchen, die wie oben angegeben unter 18 Jahre alt sind, so erhält man:

unter 14 Jahren 24,655 Knaben
19,038 Mädchen;
zwischen 14 und 18 Jahren 11,080 Knaben
21,474 Mädchen.
––––––
Summa 83,474

Betrachtet man ferner die Schulberichte, so wird man finden, daß in diesen die Verhältnisse der Kinder, die in den Fabriken von jedem Alter unter 14 Jahren arbeiten, angegeben sind; und man kann daher hienach mit einem bedeutenden Grade von Wahrscheinlichkeit die Zahl der Kinder von jedem Jahre berechnen. Es wird sich hienach ergeben, daß von 5400 Knaben, die in den Fabriken arbeiten und unter 14 Jahre alt sind.

7 Knaben 5 Jahre oder unter 6 haben,
19 6 7
64 7 8
180 8 9
657 9 10
1089 10 11
1141 11 12
1147 12 13
1096 13 14
–––––
5400

Von 5001 Mädchen, die in den Fabriken arbeiten und unter 14 Jahren alt sind, haben nach denselben Daten:

6 Mädchen 6 Jahre oder unter 7
77 7 8
183 8 9
496 9 10
905 10 11
1007 11 12
1218 12 13
1109 13 14
–––––
5001
|32|

Von diesen Angaben ausgegangen haben also von den 24,665 Knaben unter 14 Jahren, die in den Fabriken beschäftigt sind:

32 Knaben 5 Jahre oder unter 6
87 6 7
292 7 8
822 8 9
3001 9 10
–––––
4234
4974 10 11
5212 11 12
5239 12 13
5006 13 14
–––––
20,431
––––––
24,665

Von den 19,038 in den Fabriken beschäftigten Mädchen unter 14 Jahren haben:

23 Mädchen 6 Jahre oder unter 7
293 7 8
697 8 9
1888 9 10
–––––
2901
3445 10 11
3833 11 12
4637 12 13
4222 13 14
–––––
16,137
––––––
19,038

Aus dem Durchschnittsverdienste der Kinder beiderlei Geschlechts, so wie derselbe von der Commission durch ihre persönlichen Erkundigungen in der Sonntagsschule zu Manchester und Stokport ergründet wurde, ergibt sich, die Kinder unter 9 Jahren zu dem niedrigsten Durchschnittsverdienste angenommen, der Nettoverdienst per Monat folgender Maßen:

4234 Knaben verdienen bei einem Wochenlohne v. 30,11 D. 2124 Pfd. 15 Sch. 3 D.
4947 37,85 3137 15 3 ½
5212 47,84 4155 14 0 ¼
5239 52,57 4590 4 8 ¾
5006 64,39 5372 5 5 ¼
––––– –––––––––––––––––––––––––––––
24,665 19,380 Pfd. 14 Sch. 8 ¾ D.
2901 Mädchen verdienen b. ein. Wochenlohne v. 34,11 D. 1663 Pfd. 14 Sch. 5 ½ D
3445 41,41 2377 12 5 ¾
3833 45,96 2936 1 6 ½
4637 54,88 4241 6 2 ¼
4222 68,86 4872 19 10 ¼
––––– –––––––––––––––––––––––––––––
19,038 16,091 Pfd. 14 Sch. 6 ¼ D.
|33|

Aus allem diesem geht hervor, daß der Nettoverdienst obiger Kinder unter 13 Jahren monatlich 25,227 Pfd. 3 Schill. 11 1/2 D. beträgt; da jedoch der Betrag des wöchentlichen Nettoverdienstes den Kindern für eine volle Woche gegeben wurde, so ist obiger Betrag als für 24 Arbeitstage zu betrachten. Der Nettoverdienst per Jahr von 300 Arbeitstagen wird hienach 315,339 Pfd. 19 Schill. 5 3/4 D. betragen. Auf gleiche Weise wird sich der Nettoverdienst der Gesammtzahl der Kinder unter 14 Jahren, welche aus 24,665 Knaben und 19,038 Mädchen besteht, wöchentlich auf 35,472 Pfd. 9 Schill. 3 Den. und jährlich auf 443,405 Pfd. 15 Schill. 7 Den. belaufen.

Der gesammte jährliche Nettoverdienst der oben angenommenen 212,800 Individuen beläuft sich also auf 5,777,434 Pfd. 14 Schill. 1 Den.

Wir bemerken schließlich nur noch, daß die Eigenthümer der oben angegebenen Mühlen, welche 67,819 Menschen beschäftigen, außerdem auch noch 183 Personen in den Comptoirs und 1147 in den Magazinen (in den Mühlen) verwenden, so daß also, von diesem Verhältnisse ausgegangen, auf die 212,800 Arbeiter noch 574 Comptoirdiener und 3599 in den Magazinen beschäftigte Individuen kommen.

Die Berechnung, die wir unseren Lesern vorlegen, gründet sich auf die Antworten, welche die Besizer der Baumwollmühlen in Lancashire, Derbyshire und Cheshire auf die Fragen ertheilten, welche ihnen von Hrn. Cowell, der von der Factoriecommission zur Untersuchung dieser Fabriken in den angeführten Gegenden ernannt worden, in einem Rundschreiben vorgelegt worden. „Die Antworten, sagt Hr. Cowell in der Vorrede zu seinem Berichte, welche von 300 Baumwoll- und 50 Seidenmühlen in dieser Beziehung einliefen, wurden in die Hände des Hrn. Samuel Stanway, eines in diesen Geschäften höchst erfahrenen Mannes niedergelegt. Seine höchst genaue Bekanntschaft mit der in diesen Fabriken gebräuchlichen Buchführung und Registration sezten ihn besonders in Stand, über die Genauigkeit dieser Angaben zu urtheilen, und dieselben in eine Tabelle zu bringen. Er fand, daß 151 von diesen Antworten genau und vollkommen waren; und daß 70 zwar in Hinsicht auf die darin enthaltenen Angaben genau, in Betreff sämmtlicher Umstände aber nicht vollkommen und erschöpfend waren. Nach diesen Daten nun hat Hr. Stanway die meinem Berichte beigefügten Tabellen angefertigt, während die übrigen ungenauen Angaben keine Berüksichtigung erhielten. Nach diesen Tabellen, auf deren Ausarbeitung Hr. Stanway nicht weniger dann 6 Monate verwendete, und auf deren Richtigkeit man mit aller Sicherheit bauen kann, ist die hier gegebene Berechnung angestellt. Ich würde ohne die Beihülfe dieses eben so erfahrenen als scharfsinnigen und eifrigen Mannes kaum so glüklich gewesen seyn, zu so vollendeten und entsprechenden Resultaten zu gelangen, als ich sie in meinem Berichte vorzulegen die Ehre habe; ihm gebührt der größte Theil des Verdienstes, dessen man denselben vielleicht würdig finden wird.“

A. d. O.

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