Titel: Wallace's Verbesserungen an dem Sicherheitsherde für Schiffe.
Autor: Wallace, John
Wallace,
Fundstelle: 1834, Band 53, Nr. LV. (S. 332–337)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj053/ar053055

LV. Verbesserungen an dem Sicherheitsherde für Schiffe, worauf sich John Wallace, Kupferschmied zu Leith, am 31. März 1831 ein Patent ertheilen ließ.66)

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. Junius 1834, S. 354.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

Meine Erfindungen, erklärt der Patentträger, bestehen 1) darin, daß ich den Sicherheitsherd auf einem fixirten Gestelle anbringe, welches Gestell eine gekrümmte Bahn bildet, auf der der Sicherheitsherd durch seine Schwere immer, und selbst dann seine senkrechte Stellung beibehält, wenn das Schiff schief liegt oder sich hinum und herum bewegt. 2) In einer eigenen Anwendung eines sogenannten Dämpfers (damper) oder Schiebers, durch welchen die Richtung der erhizten Luft und der Flamme abgeändert werden kann; und 3) in der Anwendung eines Wirbels oder einer Art von Bratenwender im Feuerzuge oder Rauchfange des Sicherheitsherdes, so daß sich der Sicherheitsherd vermöge dieser Vorrichtung auch sehr gut zum Braten von Fleisch eignet.

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Fig. 62 ist eine Fronteansicht des Sicherheitsherdes, an welchem meine Verbesserungen angebracht sind, und den ich, da er den vorzüglichsten Theil meiner Erfindung bildet, etwas ausführlicher beschreiben will. Er besteht aus dem Gestelle, den Kesseln und den damit verbundenen Kochapparaten, so wie auch aus einem Bratenwender, den ich, obwohl er an und für sich keinen Theil meiner Erfindung ausmacht, dennoch in Verbindung mit meinem Sicherheitsherde erläutern muß. In Fig. 62, so wie auch in Fig. 64 ist ein Theil der Erweiterung oder des Cylinders, der den oberen Theil des Feuerzuges oder des Rauchfanges bildet, abgenommen, um den inneren Bau des Wirbels oder Bratenwenders deutlicher zu zeigen. 1, 1, 1 ist nämlich ein horizontaler Windfang mit 6 oder mehr Blättern oder Flügeln, welche an der aufrechten Welle 2 befestigt sind. Dieser Windfang nimmt den ganzen inneren Durchmesser des Cylinders und beinahe den vierten Theil der Tieft seines geraden Theiles ein. 2 ist die aufrechte Welle, welche in der Mitte des Cylinders emporsteigt, und welche umgedreht wird, indem der Rauch, der von dem Ofen aus in dem Feuerzuge emporsteigt, auf die schief geneigten Flügel des Windfanges wirkt. 3 ist eine endlose Schraube, die in die aufrechte Welle 2 geschnitten ist, und welche, wie Fig. 64 zeigt, ein messingenes Stirnrad mit beiläufig 40 Zähnen in Bewegung sezt. 4 ist die Achse oder Welle dieses Rades, an deren Ende sich eine Rolle befindet, über welche die zum Umdrehen des Bratspießes dienende Kette läuft; diese Welle läuft in einem in der Stange 5 (die in Fig. 81 einzeln abgebildet ist) angebrachten Zapfenloche. 6 ist ein eiserner Arm, an welchem mehrere Theile des Bratenwenders befestigt sind, wie man dieß aus dem in Fig. 80 gegebenen Vogelperspective deutlicher sieht. Die Stange 5 ist, wie man aus lezterer Figur sieht, an dem äußersten Ende des Armes befestigt; 7 ist ein Oehlbehälter, der auf dem Arme 6 ruht, und von welchem man hier nur das eine Ende erblikt, während man ihn in Fig. 64 deutlicher sieht.

Fig. 64 ist eine Endansicht, aus welcher der Theil 6 noch deutlicher erhellt; man sieht ihn hier der Länge nach; er ist an jedem Ende nach Abwärts gekehrt, und, wie die Zeichnung zeigt, durch zwei Schraubenbolzen an dem Cylinder befestigt. 7 ist der bereits erwähnte Oehlbehälter, welcher aus Gußeisen oder einem anderen geeigneten Materiale besteht: die dem Beobachter zugekehrte Seite ist als weggenommen gedacht, um zu zeigen, wie sich die aufrechte Welle in dessen Boden wie in einem Zapfenloche bewegt. Dieser Behälter wird durch ein in die Seitenwand des Cylinders geschnittenes Loch eingesezt: so zwar, daß er mit dem einen Ende aus dem Cylinder |334| herausragt, während er mit dem anderen Ende etwas über den Mittelpunkt des Cylinders hinausragt, damit das Metallstük 13, durch welches die aufrechte Welle geht, und welches, im Falle die Welle durch irgend einen Zufall aus dem Mittelpunkte gerathen sollte, als Führer dient, befestigt werden kann. 8 ist das Rad, auf welches die endlose Schraube 3 wirkt; an dem Ende seiner Achse befindet sich, wie man am besten aus Fig. 62 sieht, eine Rolle. 9 ist ein anderer Oehlbehälter von cylindrischer Form, der zur Aufnahme des Oehles dient, durch welches die Reibung der Welle vermindert werden soll. 10 ist ein Arm, in welchem sich die aufrechte Welle bewegt; er ist etwas weniges in den Oehlbehälter herabgebogen, damit er mit dem Oehle in Berührung kommt; an dem einen Ende ist er durch eine Schraubenmutter mit dem Arme 11 verbunden, der seinerseits durch einen Schraubenbolzen oder auf eine andere Weise an dem Oehlbehälter festgemacht ist. 12 ist ein anderer Arm, durch welchen das andere Ende des Armes 10 fixirt wird; auch er ist auf gleiche Weise wie der Arm 11 an dem Oehlbehälter festgemacht.

Fig. 80 zeigt den Cylinder im Vogelperspektive; man sieht hieraus die Stellung des Rades 8 an seiner Achse. Diese Achse oder Welle geht nämlich durch ein in der Seitenwand des Cylinders angebrachtes Loch, während sich ihr anderes Ende in einem an der inneren Seite des Oehlbehälters 7 befestigten Stüke Eisen bewegt. 2 ist der Mittelpunkt der aufrechten Welle; übrigens sieht man hier auch die relative Stellung des eisernen Armes 6, der Welle 4 und der Stange 5. Diese leztere ist in Fig. 81 einzeln für sich abgebildet, und hier sieht man, daß sie an dem einen Ende ein zur Aufnahme des Armes 6 dienendes vierekiges Loch hat, während sie an dem anderen Ende mit einem runden Loche versehen ist, in welchem sich die Welle 4 dreht. Aus Fig. 80 sieht man, daß der Arm 6 durch den Cylinder geht, indem zu diesem Behufe in lezterem ein Loch angebracht ist, und daß er ziemlich stark ist, damit er die Stange fest halten kann. Ich muß hier bemerken, daß ich zuweilen auch einen Dekel für das messingene Rad und für die endlose Schraube anwende, welcher Dekel auf dem Oehlbehälter ruht, oder an demselben festgemacht ist. Ich lasse ferner auch über den hervorragenden Theil des Oehlbehälters einen Dekel gehen, so jedoch, daß zwischen diesem Dekel und dem Oehlbehälter zum Eintritte von kalter Luft in den Bratenwenderapparat ein leerer Raum bleibt. Dieser Dekel dient dazu, damit der Apparat durch den aufsteigenden heißen Dampf und Rauch, durch welchen er getrieben wird, so wenig als möglich beschmuzt und beschädigt wird. Obschon diese Einrichtung nicht durchaus nöthig ist, so muß ich die Anwendung solcher |335| Dekel doch besonders auf langen Seereisen, und da wo die Schiffsmannschaft sehr zahlreich ist, sehr empfehlen.

Fig. 65 ist ein seitlicher Durchschnitt durch den Schiffsherd; während Fig. 66 einen Frontedurchschnitt zeigt, an welchem sowohl der Dekel, als der obere Theil des Feuerzuges oder Rauchfanges abgenommen ist, damit der Bratenwender an seine Stelle gebracht werden kann.

Fig. 67 ist ein Grundriß, an welchem zu größerer Deutlichkeit gleichfalls einige Theile abgenommen sind. An allen diesen Figuren beziehen sich gleiche Buchstaben auch auf gleiche Gegenstände, so wie dieß auch an den übrigen Figuren der Fall ist.

An dem Cylinder, Fig. 62 und 64 ist eine Rolle befestigt, welche zur Aufnahme und zum Treiben der endlosen Kette A dient, die den Bratspieß B, der den gewöhnlichen Bratspießen ähnlich seyn kann, in Bewegung sezt. G ist eine Rolle, welche an dem einen Ende des Bratspießes befestigt, und durch die Kette A in Thätigkeit gesezt wird. DD sind zwei Seitenplatten, in welche zur Aufnahme des Bratspießes Fenster oder Fugen E geschnitten sind. FF sind die Henkel, mit welchen die Seitenplatten an Ort und Stelle befestigt werden, während die Stäbe G zur weiteren Befestigung dienen. Diese Seitenplatten sieht man in Fig. 68 einzeln für sich, und in Fig. 63, 64 und 65 an Ort und Stelle.

Die Stäbe G, G und die Stäbe H, H sind an der vorderen Platte I befestigt, und schieben sich in Löchern J, Fig. 66, welche in das Gestell des Schiffsherdes geschnitten sind. Die Stäbe G tragen die Seitenplatten D, D, und die Stäbe H tragen die Bratpfanne K, die man in Fig. 69 einzeln für sich, und in Fig. 66 an Ort und Stelle angebracht steht.

In Fig. 70 ist L ein Dekel, der auf der vorderen Platte I, und auf dem vorderen Theile der Feuerstelle ruht, wie man aus Fig. 62, 63 und 64 ersieht. Der Zwek der Stäbe G, H, die sich in den Löchern J schieben, besteht darin, daß die Seitenplatten D, D, der Bratspieß B, die Bratpfanne K und der Dekel L entfernt, und die vordere Platte I gegen die Roststäbe geschlossen werden kann, wenn nichts geröstet oder gebraten werden soll. Vor dem Rösten muß eine Metallplatte 82 über den vorderen Rost gelegt werden, damit die kalte Luft nicht zwischen der Spize der Flamme durchgehen kann. Diese Metallplatte wird durch zwei eiserne Stüke, die man an derselben sieht, und durch zwei Löcher, welche zu deren Aufnahme an dem Gestelle angebracht sind, befestigt; sie kann nach Belieben aus und ein geschoben werden, und ist zu diesem Zweke mit zwei Griffen ausgestattet. M sind die vorderen Rost- oder Feuerstangen, |336| für welche ich, wie man aus Fig. 65 und 66 sieht, eine senkrechte Stellung vorziehe. Die Roststangen am Boden sieht man in Fig. 65 und 67 bei N. O in Fig. 63 und 65 ist das Aschenloch; P ist ein Trog oder ein Behälter, der zur Aufnahme der Asche dient, und den man in Fig. 71 einzeln abgebildet sieht. Q, Fig. 63, ist das Thürchen, bei welchem das Brennmaterial eingetragen wird. Fig. 72 zeigt die vordere Platte I von Innen, und gibt auch eine Seitenansicht derselben.

R ist der Ofen, welcher von einer Seite zur anderen läuft, und an dessen beiden Enden sich, wie Fig. 63 und 64 zeigt, ein Thürchen befindet. S, S sind zwei Siedetöpfe oder Kessel, von denen man in Fig. 73 einen im Durchschnitte und Grundrisse sieht, und zwar zugleich mit einem Durchschnitte des Dämpfgefäßes T. Da diese Dämpfgefäße längst bekannt sind und keinen Theil meiner Erfindung ausmachen, so brauche ich um so weniger auf eine Beschreibung derselben einzugehen, als deren Form und Gestalt aus der Zeichnung deutlich genug erhellen. a, a sind zwei Dampfkessel oder Siedetöpfe, die sich über der Feuerstelle und auf der heißen Platte b befinden, in welche zwei Oeffnungen geschnitten sind, damit man Pfannen in dieselben einsezen kann, wenn der Dämpfapparat nicht angewendet wird. Diese Oeffnungen werden unter anderen Umständen auch mit den kreisrunden Platten c bedekt. Einen der Dampfkessel a, a sieht man in Fig. 74 einzeln für sich, und zwar mit dem Dämpfapparate T, der sich über demselben befindet. Braucht man jedoch den Dampfapparat nicht, so kann man die Dekel auf die Kessel a sezen, und den Dämpfapparat entfernen.

In Fig. 75 sieht man zwei Platten am Boden des Dämpfapparates T. d, d, d, d sind Oeffnungen, welche zum Behufe des Durchtrittes des Dampfes an den Eken dieser Platten angebracht sind, und e, e, e, e sind die Dekelplatten, durch welche der Dampf in der Richtung der Pfeile nach Abwärts getrieben wird.

Fig. 76 stellt einen Grundriß des Kessels a vor; in ihm befindet sich eine durchlöcherte Platte, mit welcher Fische oder andere Substanzen, die in dem Kessel a gekocht wurden, herausgenommen werden können.

In Fig. 62, 63, 64, 65, 66 und 67 sieht man den Sicherheitsherd auf einem gebogenen oder gekrümmten Gestelle ruhen, welches gleichsam eine Bahn bildet, auf der sich der Herd beim Schwanken oder Rollen des Schiffes von einer Seite zur anderen bewegen kann, ohne daß er seine senkrechte Stellung verliert. Der Bau dieses Gestelles wird aus Fig. 77 erhellen, an welcher f, gleichwie an den eben angedeuteten Figuren, das Gestell oder die Bahn, auf der sich der Herd befindet, |337| bezeichnet. Dieses Gestell ist mittelst Bolzen oder Schrauben an dem Verdeke oder an dem Boden des Schiffes befestigt. g, g sind Gegenreibungsrollen, welche an dem an der unteren Seite des Sicherheitsherdes angebrachten Theile h des Gestelles befestigt sind. Die Form dieses Theiles h erhellt aus Fig. 77, so wie aus Fig. 78, welche einen Querdurchschnitt darstellt, und aus Fig. 79, welche eine Ansicht der unteren Seite der Theile h und der Gegenreibungsrollen g, g gibt. Die oberen Theile des Gestelles oder der Bahn f haben, siehe Fig. 78, hervorragende Ränder i, i; die unteren Theile j von h hingegen sind nach Einwärts gebogen, und dadurch wird das Herunterfallen des Sicherheitsherdes von der Bahn f verhindert. k ist eine Stange, welche rund um die Kessel a, a läuft, um dieselben an Ort und Stelle zu erhalten, m, n Fig. 65 sind die Feuerzüge, die von dem Feuer an den Rauchfang U führen: m ist jener, der unter den Kesseln s, s hinläuft; n hingegen ist jener, der über den Ofen hinzieht; beide sind sie durch die eiserne Platte o von einander geschieden. p ist ein Dämpfer oder Schieber, der mittelst der Kurbel q, Fig. 62 und 63, um seine Achse gedreht werden kann, während man ihn durch den Schieberfänger r in jeder beliebigen Stellung fixiren kann, indem er nämlich in die Auskerbungen eines Rades eingreift, welches zu diesem Behufe an der Welle oder Achse des Dämpfers angebracht ist. Man kann durch diese Vorrichtung bewirken, daß das Feuer von dem Kessel oder Ofen abgeschlossen wird, oder daß es auf den Scheitel des Ofens und auf den Boden der Kessel einwirkt. V, Fig. 63, ist ein Loch, welches zum Behufe des Luftzutrittes in die Seitenwand des Herdes geschnitten ist. Die Luft gelangt nämlich von hier in die am Rüken der Feuerstelle befindliche Kammer W, und tritt dann, nachdem sie daselbst erwärmt worden, unter der Fronte des Ofens bei Y in den Raum, der sich unter der durchlöcherten Platte X, welche der ganzen Länge nach durch den Ofen läuft, befindet. Dieser Raum ist mit Sand gefüllt, und dieser Sand wird durch die aus der Kammer W kommende heiße Luft erhizt, so daß dem Ofen auch eine Bodenhize gegeben wird.

Als seine Erfindung erklärt der Patentträger die Aufsezung des Sicherheitsherdes auf eine gekrümmte Bahn, um denselben beim Rollen des Schiffes in senkrechter Stellung zu erhalten; die Anwendung des Dämpfers oder Schiebers p zu dem angegebenen Zweke, und endlich die Anwendung des beschriebenen Bratenwenders in dem Rauchfange eines Sicherheitsherdes für Schiffe.

Wir haben zwar schon im Polyt. Journale Bd. XLIII. S. 424 eine kurze Notiz über den Schiffsherd des Hrn. Wallace mitgetheilt; dieselbe war aber so undeutlich, daß wir uns veranlaßt finden, nun auch die ganze Patenterklärung mit den Kupfern nachträglich zu liefern, und zwar um so mehr, weil dieser Herd bereits auf vielen englischen Schiffen mit wesentlichem Vortheile eingeführt worden seyn soll.

A. d. R.

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