Titel: Poole's verbesserte Apparate zur Erzeugung von Dampf etc.
Autor: Poole, Moses
Fundstelle: 1834, Band 53, Nr. LXVII. (S. 401–403)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj053/ar053067

LXVII. Verbesserungen an den Apparaten zur Erzeugung von Dampf und von Luftströmen, und in der Anwendung derselben an Dampfwagen und anderen Maschinen, worauf sich Moses Poole, Gentleman von Lincoln's Inn, Grafschaft Middlesex, in Folge einer von einem Fremden erhaltenen Mittheilung am 8. Julius 1829 ein Patent ertheilen ließ.78)

Aus dem London Journal of Arts. April 1834, S. 184.

Die beiden unter obigem Patente begriffenen Verbesserungen beziehen sich 1) auf einen eigenen Bau der Dampfkessel, und 2) auf eine eigene Methode den Zug des Rauchfanges oder Feuerzuges zu vermehren.

Der Kessel, in welchem der Patentträger den Dampf zu erzeugen vorschlägt, besteht aus einer Reihe kleiner flintenlaufähnlichen Röhren, welche horizontal gelegt, und dadurch mit einander verbunden sind, daß die offenen Röhrenenden auf solche Weise in Verbindungsbüchsen eingesezt sind, daß die ganze Röhrenreihe im Zigzag mit einander verbunden ist. Der ganze Kessel kann in die Form eines Kastens gebracht werden, in welchem Kasten die Röhren die Seitenwände, den Scheitel und den Boden bilden, während sich das Feuer in der Mitte befindet. Die Röhren sollen, damit sie im Nothfalle leicht geöffnet und gereinigt werden können, durch einen Stab, der durch jede Röhre geht, mit Schraubenmuttern an den Enden befestigt werden.

Die Speisung dieser Röhren mit Wasser geschieht mittelst einer Drukpumpe, die das Wasser am Anfange der Röhrenreihe durch eine Röhre eintreibt. Der Dampf hingegen tritt am anderen Ende in ein cylindrisches Gefäß, welches gleichsam einen Dampfbehälter bildet, in welchem sich sämmtliche Wassertheilchen, die allenfalls mit dem Dampfe herüber gerissen wurden, in Folge ihrer specifischen Schwere zu Boden sezen, um dann von hier aus wieder in den Wasserbehälter der Drukpumpe zurükzukehren, während der Dampf durch die Eintrittsmündung in die Maschine übertritt. Der |402| Patentträger erklärt diese Art von Dampfkessel vorzüglich für Dampfwagen geeignet, und zeigt deren Anwendung an solchen in der Erklärung seines Patentes durch mehrere unvollkommene Zeichnungen, die wir hier um so weniger mitzutheilen für nöthig halten, als an der Maschine so wenig als an den Wagen und an dem Kessel etwas Neues ist. Bemerkt wird in der Patenterklärung, daß, indem der innere Durchmesser der Röhren, aus denen der Kessel besteht, sehr klein ist, und indem die Röhren also sehr bald ausbrennen würden, wenn das Wasser verdampft ist, die Maschine immer ununterbrochen in Gang erhalten werden muß, wenn auch der Wagen angehalten wird, damit auf diese Weise fortwährend Wasser in die Röhren eingepumpt werde.

Da die Hinteren Räder des Wagens mit dem Triebwerke der Maschine in Verbindung stehen, so müssen dieselben nothwendig jedes Mal, so oft der Wagen angehalten werden soll, emporgehoben werden, was auf folgende Weise geschehen soll. Man läßt nämlich rükwärts vom Wagen einen Hebel herab, der als Halt zu dienen hat, und der zu diesem Ende einen breiten Fuß oder Radschuh hat, welcher unter den Umfang des Rades gebracht wird. Dieser Hebel wird, wenn es erforderlich ist, mit Gewalt in senkrechte Stellung gebracht, und zwar mittelst einer Radschuhkette, die mit der Stange eines Kolbens, welcher sich in einem kleinen, unter der Langwied des Wagens befestigten Cylinder befindet, in Verbindung steht.

Um diesen Apparat in Thätigkeit zu bringen, muß ein Volumen Dampf zu der Zeit, zu welcher der Radschuh wirken soll, in den kleinen Cylinder eingelassen werden, wo dann der Druk des Dampfes, indem er den Kolben emportreibt, die Kette zwingt, den erwähnten Hebel anzuziehen, und ihn in beinahe senkrechte Stellung zu bringen, so daß der Radschuh dann mit dem unter dem Umfange des Rades befindlichen Grund und Boden in Berührung kommt. Dieser Dampfcylinder mit dem Kolben soll auch jedes Mal in Thätigkeit kommen, so oft die Geschwindigkeit des Wagens vermindert werden soll, z.B. beim Fahren über Anhöhen hinab.

Der aus der Ausführungsmündung der Maschine austretende Dampf geht in ein cylindrisches Gefäß über, welches parallel mit dem Dampfbehälter angebracht ist, und zum Theil einen Verdichter vorstellen soll. Der austretende Dampf wird durch eine Furche, die sich in einem den arbeitenden Cylinder umgebenden Mantel befindet, in dieses Gefäß geleitet; doch ist dieser Theil des Apparates so unvollständig beschrieben, daß wir dessen Bau und Einrichtung durchaus nicht verstehen können.

Am Schlusse erwähnt der Patentträger, daß der unverdichtete |403| Dampf aus dem zulezt erwähnten cylindrischen Gefäße in die Feuerzüge oder in den Rauchfang des Kessels getrieben wird, damit durch die Geschwindigkeit desselben eine starke Luftströmung durch den Ofen erzeugt werde. Diese Strömung kann durch einen Sperrhahn regulirt werden, indem man denselben mehr oder weniger öffnet, je nachdem der Zug vermehrt oder vermindert werden soll. Diese Anwendung des Dampfstromes wird überall empfohlen, wo ein kräftiger und starker Zug in den Feuerzügen und im Rauchfange erforderlich ist.79)

Wir verweisen, indem wir der Vollständigkeit halber nachträglich auch folgende kurze Erläuterung dieses Patentes bekannt machen, auf die Notiz, die sich hierüber bereits im Polyt. Journ. Bd. XXXVI. S. 318 befand. A. d. R.

|403|

Sollte hienach nicht etwa Hr. Pelletan der im Auslande wohnende Fremde seyn, der Hrn. Poole diese Erfindung in England zu patentiren übertrug? Man vergleiche die in den lezten Heften unseres Journales befindlichen Aufsäze über die Erfindungen des Hrn. Pelletan. A. d. R.

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