Titel: Ueber den Einfluß der verbesserten Maschinen auf den Arbeitslohn etc.
Autor: Cowell, John W.
Fundstelle: 1834, Band 53, Nr. LXIX. (S. 408–421)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj053/ar053069

LXIX. Ueber den Einfluß der Verbesserungen der Maschinen auf den Arbeitslohn, erläutert durch die Einwirkungen derselben auf die Baumwollwaaren-Fabrikation. Von Hrn. John W. Cowell Esq.

Aus dem Nachtrage zu dem Berichte der Factoreicommission, im Auszuge aus dem Mechanics' Magazine, No. 557 und 558.

Die Verbesserungen aller die Baumwollwaaren-Fabrikation betreffender Maschinen blieben nicht einen Augenblik stationär; eine Maschine, welche heute noch die beste und vollkommenste war, ist oft morgen schon eine Maschine zweiter, und sehr bald sogar eine Maschine dritter Classe. Jede Operation, welche die Baumwolle durchläuft, erfordert ihre eigene Maschinerie, und jede Verbesserung an der einen oder der anderen dieser Maschinen wirkt direct auf den Arbeitslohn der bei dieser Maschine beschäftigten Arbeiter, und indirect auf jenen der übrigen damit in Verbindung stehenden Operationen.

Die Verbesserungen der Maschinen wirken folgender Maßen auf den Arbeitslohn:

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1) Bedingen sie die Möglichkeit der Fabrikation einiger Artikel, welche ohne dieselben gar nicht fabricirt werden könnten;

2) sezen sie den Arbeiter in Stand, bei gleicher Zeit der Arbeit und Qualität der Arbeit eine größere Quantität zu liefern;

3) machen sie es möglich, eine Arbeit, welche größere Geschiklichkeit erheischt, durch eine andere, bei welcher keine so große Geschiklichkeit erforderlich ist, zu ersezen.

Die erste dieser Wirkungen ist für den Zwek meiner gegenwärtigen Betrachtungen von nicht so großer und unmittelbarer Wichtigkeit, als die beiden lezteren, welche tief in die socialen Interessen eines großen Theiles unserer Bevölkerung eingreifen. Das Princip, von welchem der Lohn oder der Erwerb bei der Baumwollwaaren-Fabrikation durch Maschinen abhängt, und welches ich besonders zu beachten bitte, ist folgendes:

Wenn die Quantität Arbeit, die ein Arbeiter innerhalb einer bestimmten Zeit liefert, in Folge einer Verbesserung der Maschine, an. der er arbeitet, zunimmt, so nimmt der Lohn, den er für die Stunde erhält, zu, während hingegen der Lohn, den er für ein Pfund gelieferter Arbeit verdient, abnimmt. Dieses Princip ist durch und durch gültig und richtig.

Um den Einfluß der Verbesserungen der Maschinen auf den Arbeitslohn augenscheinlich zu zeigen, will ich bloß die Baumwollspinnerei als Beispiel nehmen; denn Alles, was hier gilt, wird auch mutatis mutandis in jedem anderen Departement der Baumwollwaaren-Fabrikation seine Anwendung finden. Der Baumwollspinner ist der vorzüglichste und wichtigste Arbeiter bei der ganzen Baumwollwaaren-Fabrikation; für ihn geschehen alle die Vorbereitungen, welche die Baumwolle vor dem Spinnen erleiden muß. Er muß für eine bestimmte Quantität zugerichtete Baumwolle, die man ihm gibt, eine bestimmte Quantität Garn von bestimmter Feinheit liefern, und erhält dafür per Pfund seine Bezahlung. Ist seine Arbeit in Hinsicht auf Qualität fehlerhaft, so fällt dieß lediglich ihm zur Last; ist die Quantität, die er abliefert, geringer, als das für eine bestimmte Zeit festgesezte Minimum, so wird er entlassen, und statt seiner ein geübterer Spinner gedungen. Die Productivkraft seiner Maschine ist genau gemessen, und das Verhältniß der Bezahlung für die mit ihr gelieferte Arbeit nimmt mit der Zunahme ihrer Productivkraft ab. Da nun diese Maschinen fortwährende Verbesserungen erfahren, so frägt sich, welchen Einfluß diese Verbesserungen auf den Erwerb oder Arbeitslohn der Spinner ausüben?

Die Mule oder die Spinnmaschine ist ein ganzes System von Spindeln; ein Spinner behandelt zwei derselben auf ein Mal, denn |410| er steht in der Mitte zwischen ihnen und wendet sich in regelmäßigen Zwischenräumen bald an die eine, bald an die andere, indem sich die eine vorwärts bewegt, während die andere zurükläuft. Die vorwärtslaufende Maschine zieht die Baumwolle oder das Vorgespinnst aus, und spinnt, während sie sich langsam gegen den Spinner bewegt, den Faden. Je größer die Zahl der Spindeln, um so größer ist die Zahl der Faden und mithin auch die Productivkraft der Maschine. Die Zahl der Spindeln wechselt an einer Mule von 200 bis zu 800, oder für ein Mulespaar von 400 bis 1600. Ein Spinner hat, je nach der Größe der Spinnmaschine 1 bis 6 Kinder, die ihm Hülfe leisten; diese Kinder dingt, verwendet und bezahlt er, ohne daß sich der Meister darum bekümmert.

Die Zahl der Spindeln gibt also das Maß der Productivität einer Maschine und die Meister sind nach dieser mit den Arbeitern über eine Scala oder über einen Maßstab, nach welchem der Arbeitslohn regulirt wird, übereingekommen. Diese Scalen sind gedrukt, und in vielen Fabriken angeschlagen. Untersucht man dieselben, so wird man finden, daß das Verhältniß der Abnahme der Bezahlung für gelieferte Arbeit geringer ist, als das Verhältniß der Zunahme der Productivität der Maschine; so daß die vollkommnere Maschine den Arbeiter also in Stand sezt innerhalb einer bestimmten Zeit einen größeren Lohn zu verdienen, als es mit einer schlechteren Maschine möglich ist.

Während meines Aufenthaltes zu Manchester herrschte selbst unter den verständigeren Arbeitern allgemein die Furcht, daß die Verbesserungen der Maschinen allmählich ihren Lohn bis auf Nichts herabbringen würden, und dieß war auch einer der Hauptgründe, warum sie so laut für die 10 Stundenbill auftraten. Sie glaubten nämlich die Verminderung der Production würde dem Drange nach Verbesserung der Maschinen entgegenwirken, und ihrem gegenwärtigen Lohne mehr Bestand geben. Wir wollen die Gründe dieser Meinung, welche, wie wir sahen, einen so großen Einfluß auf die Handlungen eines großen Theiles unserer Bevölkerung übte, untersuchen.

Betrachtet man die oben erwähnten Scalen, so wird man finden, daß ein Spinner, der Garn von 80 Strähnen auf das Pfund spinnt, wenn er mit einer Maschine arbeitet, deren Productivität durch die Zahl 336 (die Zahl der Spindeln) bezeichnet ist, für je 80 Strähne, die er liefert, 4 1/2, Den. einnimmt, während er für dieselbe Quantität Garn nur 4 Den. (12 kr.) erhält, wenn einer mit einer besseren Maschine, deren Productivität 396 ist, spinnt. Dafür spinnt der Spinner aber innerhalb derselben Zeit, in welcher er mit |411| der zweiten Maschine 33 Pfund Garn spinnt, mit der ersten nur 28 Pfund. Er erhält also für die 28 Pfd., die er mit der schlechteren Maschine spinnt, nur 126 Pence Lohn, während er für die 33 Pfd., die er mit der besseren Maschine innerhalb derselben Zeit spinnt, 132 Pence einnimmt. Der Arbeiter gewinnt hiebei 6, der Meister hingegen 16 1/2 Den.

Verbesserungen, wie die zulezt angeführte, ergeben sich in allen Zweigen der Baumwollwaaren-Fabrikation täglich; ich will nur folgendes Beispiel anführen. Hr. George Murray Esq., Eigenthümer einer der größten Feinspinnmühlen zu Manchester, sagte mir, daß er zweifle, daß es möglich sey, zum Grobspinnen eben so große Mules anzuwenden, als man gegenwärtig zum Feinspinnen benuzt. Ich sandte daher zu einem Mechaniker, der eine der größten Grobspinnmaschinen erbaut hatte, und fragte ihn um feine Ansicht über Hrn. Murray's Meinung; seine Antwort war folgende: „Bei der Gewandtheit, mit der die Mechaniker heut zu Tage die Reibung auf das Minimum zu vermindern wissen, und bei der Genauigkeit, mit der alle ihre Arbeiten gegenwärtig verfertigt sind, kann ein Spinner gegenwärtig mit derselben Leichtigkeit, und mit einer um so größeren Geschwindigkeit der Maschinerie zwei zum Grobspinnen gebaute Mules von 600 Spindeln in Bewegung sezen, mit der er vor 10 Jahren noch zwei Mules von 300 Spindeln behandelte. Ich habe zwar noch keine Grobspinnmules von 600 Spindeln gesehen; allein ich selbst habe schon dergleichen Mules mit 512 Spindeln erbaut, und sie arbeiten so gut, daß ich die Zahl ihrer Spindeln sehr leicht noch um 100 erhöhen zu können glaube. Ueberhaupt kann man sagen, daß die Mulesfabrikation in Manchester mit jedem Tage einer höheren Stufe von Vollkommenheit entgegengehe.“

Es erhellt daher, daß man zum Grobspinnen bereits Mules mit 500, und zum Feinspinnen Mules mit 600 Spindeln mit Vortheil angewendet bat, und daß dieselben in Kurzem allgemein eingeführt werden dürften, so daß wir in wenigen Monaten eine Vermehrung der Productivität der Maschinen um 1/5 zu erwarten haben. Ist dieser Fall eingetreten, so wird das Verhältniß des Arbeitslohnes des Spinners gewiß nicht dasselbe seyn, welches es gegenwärtig ist; da jedoch die Verminderung der Bezahlung durchaus nicht 1/5 betragen wird, so muß die Verbesserung der Maschine nochwendig den Betrag, den ein Arbeiter während einer gewissen Anzahl von Stunden verdient, erhöhen, und der ganze aus dieser Verbesserung hervorgehende Gewinn wird also zwischen dem Meister und |412| dem Arbeiter getheilt, d.h. der Gewinn des erstem, steigt eben so gut, als der Erwerb des lezteren.

Obschon ich hier deutlich gezeigt habe, daß Verbesserungen der Maschinen von der Art, wie ich sie hier beschrieben habe, den Verdienst oder Erwerb des Arbeiters erhöhen, während sie zugleich den Gewinn des Capitalisten steigern, so werden mir doch jene, die mir die erstere dieser beiden Schlußfolgerungen bestreiten wollen, einwenden, daß ich hier einen einzelnen Fall zum Beweise meiner Behauptungen gewählt, und selbst hiebei ein wichtiges Element der Berechnung anzugeben unterlassen habe. Man wird mir nämlich einwenden, daß der Spinner nicht den ganzen Ueberschuß von 6 Den. rein gewinnt; sondern daß derselbe bei den größeren Maschinen eine größere Anzahl von Kindern, die er lediglich aus seinem Sake bezahlen muß, zur Beihülfe nöthig hat.

Dieser Einwurf betrifft nun hauptsächlich einen der wichtigsten Theile der Frage, welche ich hier abzuhandeln im Sinne habe. Die Verbesserungen der Maschinen bewirken nämlich nicht bloß dadurch, daß zur Erzeugung einer gewissen Menge Fabrikat nicht mehr eben so viele Arbeit erwachsener Individuen erforderlich ist, als früher, sondern auch dadurch, daß geübtere Individuen durch weniger geschikte, altere durch jüngere, männliche durch weibliche ersezt werden können, eine abermalige Störung in dem Verhältnisse des Arbeitslohnes. Man sagt daher, daß der Arbeitslohn der Erwachsenen sinken müsse, indem ein Theil derselben außer Thätigkeit gesezt, und deren Zahl also im Verhältnisse zu dem Bedarf an Fabrikat zu groß wird; man sagt daher, daß hiedurch allerdings die Kinder, deren man eine größere Zahl bedarf, und die einen besseren Lohn erhalten, nicht aber die Erwachsenen gewinnen.

Hätte die Baumwollwaaren-Fabrikation einen Rükfall erduldet, wäre die fortwährende Erweiterung derselben nicht vollkommen hinreichend gewesen, um den entbehrlich gewordenen Arbeitern beständig wieder Beschäftigung zu schaffen, so könnte man allenfalls sagen, daß die Verbesserungen der Maschinen auf eine Verminderung des Arbeitslohnes zielen. Allein bis jezt haben diese Verbesserungen zuverlässig zur Erhöhung der Wohlfahrt der Arbeiter beigetragen, indem sie nicht bloß eine größere Anzahl von Individuen des Vortheiles des großen Lohnes, den sie auf diesem Wege erzielen können, theilhaftig machten, sondern indem sie den Arbeiter im Allgemeinen in Stand sezten, wöchentlich eine größere Summe Geldes zu verdienen, als er sich hätte verdienen können, wenn die Maschinen stationär oder in ihrem alten Zustande verblieben wären.

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Glüklicherweise erfolgen die Verbesserungen der Maschinen gradweise, oder die Einführung diesem Verbesserungen geschieht wenigstens allmählich. Das Sinken der Preise der Fabrikate erfolgt aus diesem Grunde ebenfalls nur gradweise, und die Erweiterung der Nachfrage und des Absazes, welche die nothwendige Folge dieses Sinkens der Preise ist, erhält die Nachfrage nach erwachsenen Arbeitern, so daß auf diese Weise dem nachtheiligen Einflüsse der Verbesserungen der Maschinen auf die Zahl der Arbeiter das Gleichgewicht gehalten wird.

Um die Wirkung, welche die Vervollkommnung der Maschinen gegenwärtig auf den Preis der Arbeit Erwachsener sowohl- als der Kinder, hervorbringt, will ich das Personal dreier Spinnmühlen, welche sich sämmtlich zu Manchester befinden, und welche feines Garn von 110 bis 210 Strähnen auf das Pfund spinnen, analysiren.

Die Zahl der Arbeiter, welche diese Fabriken im Mai 1833 beschäftigten, ist in Erwachsene und Kinder beiderlei Geschlechtes abgetheilt. Die Productivkraft dieser Maschinen war 336, 324 und 312, und jede Mühle traf damals Anstalten zur Verdoppelung ihrer Productivkraft, wobei nicht vergessen werden darf, daß ein Spinner zwei Maschinen beaufsichtigt.

Die Verminderung der erwachsenen und die Vermehrung der kindlichen Arbeiter, welche hieraus erfolgt, beruht auf folgenden Berechnungen, wobei ich bloß die Mühle A als Beispiel anführen will, indem das Verfahren bei den beiden anderen B und C dasselbe ist.

In der Mühle A behandeln 25 Arbeiter 25 Paare Mules, jede zu 336 Spindeln, was also zusammen 16,800 Spindeln gibt. Diesen 25 Erwachsenen leisten 88 Knaben und 24 Mädchen als Stükler (piecer) Hülfe. Der Spinner selbst kann bei der Qualität Garn, welche in diesen drei Mühlen gesponnen wird, im Durchschnitte in jeder dieser Mules nur auf 48 Faden Acht geben; er beaufsichtigt daher in beiden Mules zusammengenommen 96 Faden, und dieß gibt für die 25 Spinner zusammen 2400 Faden, so daß also noch 14,400 Faden übrig bleiben, die von den 114 Stüklern (Knaben und Mädchen zusammengenommen) besorgt werden müssen. Hieraus folgt, daß in der Mühle A auf einen Stükler im Durchschnitte 128 Faden kommen. Da nun der Spinner, indem er über die ganze Leitung der Mule zu wachen hat, in einer großen Mule unmöglich eine größere Anzahl von Faden beaufsichtigen kann, als in einer kleinen, so wird derselbe, wenn auch die Zahl der Spinner in der Mühle A |414| von 25 auf 13 vermindert werden sollte, doch nicht auf mehr dann 96 Faden Acht geben können. Die dreizehn Spinner werden also nicht über 2400, sondern nur über 1248 Faden die Aufsicht führen, und mithin werden 15,552 für die Stükler übrig bleiben; es werden also nun statt 112 nicht weniger als 121 Stükler erforderlich seyn, wenn man die Zahl der Faden, die auf einen Stükler kommen, beibehält. Dieses Verhältnis bleibt jedoch in der Wirklichkeit nicht ganz eines und dasselbe, indem an den neuen Mules wegen ihrer zwekmäßigeren Form eine größere Anzahl von Faden auf einen Stükler kommt; die Vermehrung der Zahl der Stükler beträgt also hienach nur 9. Wendet man diese Verhältnisse auf die drei Mühlen an, so wird die Zahl der überflüssig gewordenen erwachsenen Arbeiter 75, und jene der Kinder, welche statt derselben eintreten, 57 seyn.

Mühle A mit 25 Paaren Mules, jede zu 336 Spindeln, und jede Garn von 170 bis 210 Strähnen auf das Pfund, mit folgendem Personale spinnend.

Textabbildung Bd. 53, S. 414
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Mühle B mit 20 Mulenpaaren, jede Mule zu 324 Spindeln und Garn von 120 bis 210 Strähnen auf das Pfund spinnend.

Textabbildung Bd. 53, S. 415

Mühle C mit 103 Mulenpaaren, jede Mule zu 312 Spindeln und Garn von 140 bis 210 Strähnen auf das Pfund spinnend.

Textabbildung Bd. 53, S. 415
|416|
Textabbildung Bd. 53, S. 416

Ich habe oben angegeben, warum sich die Zahl der erwachsenen Arbeiter in diesen drei Mühlen zusammengenommen in Folge der Verbesserung der Maschine um 75 vermindern, jene der Kinder hingegen um 57 erhöhen wird. Wenn wir nun den Durchschnittswochenlohn eines Feinspinners, der mit Mulen von 336 Spindeln arbeitet, nur zu 25 Schill, annehmen, obschon er gewöhnlich 35 Schill, in der Woche verdient, so ergibt sich hieraus durch die Entlassung der 75 Erwachsenen wöchentlich eine Ersparniß an Lohn von 93 Pfd. 15 Schill. 10 Den., während der Mehrlohn für die 57 Stükler, die als Ersaz eintreten, einen im Durchschnitte zu 5 Schill, per Woche gerechnet, nur 14 Pfd. 5 Schill, beträgt.

Allein in diesem Falle steigt der Verdienst der zurükbleibenden Arbeiter offenbar, denn aus den gedrukten Scalen des Spinnlohnes geht hervor, daß der für gelieferte Arbeit bezahlte Lohn in einem geringeren Verhältnisse abnimmt, als die Productivität der Maschine zunimmt. Da in Folge dieser Verbesserungen ein größerer Bedarf an Kindern eintritt, so wird der Lohn derselben eine Neigung zum Steigen bekommen; und da das Fabrikat wegen der Verminderung der Productionskosten für einen geringeren Preis auf den Weltmarke gebracht werden kann, so kommt dasselbe nun zum ersten Male in den Bereich einer Menge von Consumenten, die sich desselben früher nicht bedienen konnten. Dadurch entsteht also nothwendig größere Nachfrage nach dem Fabrikate, die Fabrikation wird auf diese Weise erweitert, und durch diese Erweiterung finden die früher überflüssig gewordenen 75 Arbeiter gleich wieder Beschäftigung, und zwar für einen Lohn, der höher ist, als sie ihn früher verdienten, und daraus |417| folgt dann auch wieder eine neue Nachfrage nach Kindern, die diesen neu verwendeten Arbeitern Beistand zu leisten haben.

Da sich dieser Proceß immer und immer wieder erneuert, da fortwährend neue Spinnmühlen erbaut, und alte erweitert und verbessert werden, so wird die aus der Verbesserung der Maschinen sich ergebende Entbehrlichkeit erwachsener Arbeiter nie fühlbar; und auf diese Weise kam es, daß der mit Bearbeitung der Baumwolle beschäftigte Theil der Bevölkerung Englands so sehr anwuchs, daß er an Anzahl nur mehr der Agriculturbevölkerung nachsteht.

So viel über den allgemeinen Einfluß der Verbesserungen der Maschinen auf den Arbeitslohn; nun nur noch Einiges über den Einwurf, daß der ganze Gewinn, der sich auf den ersten Blik für den Spinner zu ergeben scheint, demselben nicht ganz zu Gunsten kommt. Ich nehme an, daß der Einwurf, der mich zur Erörterung dieses Punktes veranlaßt, auf Thatsachen gegründet ist; ich nehme also an, daß die 6 Den., welche der Spinner mehr verdient, wenn er mit Mulen von 396 anstatt mit Mulen von 336 Spindeln spinnt, nicht ganz in seinen Sak fließen; allein ich behaupte, daß dessen Nettoverdienst dessen ungeachtet durch die Verbesserungen der Maschinen bedeutend erhöht wird.

In den drei erwähnten Spinnmühlen, A, B und C, befanden sich zusammengenommen 148 Spinner, welche 595 Stükler verwendeten und bezahlten. Durch die Verbesserungen der Maschinen werden 75 Spinner überflüssig, und die nunmehr zurükbleibenden 73 Spinner haben nicht bloß den Lohn aller dieser 595 Stükler zu bezahlen, sondern sie haben auch noch für die 41 Stükler, welche statt der 75 überzählig gewordenen Spinner eintraten, zu zahlen, und zwar eine Summe, die sich wöchentlich auf 14 Pfd. Sterl. 5 Schill, beläuft. Ich gestehe gern zu, daß diese 14 Pfd. Sterl. 5 Schill., so wie der Gesammtbetrag des Lohnes der 595 Stükler von dem Verdienste der übriggebliebenen 73 Spinner abgezogen werden müssen; allein ich behaupte, daß die Summe, welche sich ein jedes dieser 73 Individuen in einer bestimmten Anzahl von Stunden netto verdient, dennoch bedeutend höher seyn wird, als sie vor der Einführung der verbesserten Maschine war.

Im Jahre 1833 konnte in einer Spinnmühle zu Manchester, die ich nicht nennen will, ein Arbeiter in 69 Arbeitsstunden mit Mulen von 300 bis zu 324 Spindeln 16 Pfd. Garn von 200 Strähnen auf das Pfund spinnen; ja die Quantität Garn, die er innerhalb 69 Stunden ablieferte, war weit häufiger über, als unter 16 Pfd. Eben diese Mulen wurden während meines Aufenthaltes zu Manchester durch andere Mulen von zwei Mal so großer Productivität |418| ersezt. Wir wollen nun sehen, welchen Einfluß dieß auf den Lohn des Spinners übte. Am Anfange des Jahres 1833 erzeugte der Spinner mit Mulen von 300 bis 324 Spindeln 16 Pfd. Garn von Nr. 200. Im Mai desselben Jahres erhielt er den Preislisten gemäß 3 Schill. 6 Den. für das Pfd.; dieß gibt also einen Bruttoverdienst von 54 Schill., von welchem dem Spinner jedoch, da er seinen Helfern 13 Schill, zu bezahlen hatte, nur 41 Schill, blieben. Nach der Verdoppelung der Productivkraft der Mulen, d.h. nach Vermehrung ihrer Spindeln bis auf 648 erhielt der Spinner nicht mehr 3 Schill. 6 Den., sondern nur mehr 2 Schill. 5 Den. für das Pfd. desselben Garnes; allein er erzeugte nun innerhalb derselben Zeit 32 Pfd. Garn von Nr. 32. Dadurch stieg sein Bruttoverdienst auf 77 Schill. 4 Den., und zieht man nun hievon den Lohn, den er seinen 5 Stüklern, einer zu 5 Schill., mit 25 Schill., eine Summe, die ich, um ganz sicher zu gehen, noch auf 27 Schill, erhöhen will, ab, so blieb ihm ein Nettoverdienst von 50 Schill. 4 Den. für 69stündige Arbeit, während dieser Nettoverdienst bei den alten Maschinen nur 41 Schill, betrug.80)

Bliken wir nun nach Allem diesem auf die drei Spinnmühlen A, B, C zurük, so sage ich, daß, nachdem durch die Verbesserungen der Maschinen 75 Spinner entbehrlich geworden, die übrigen 73 in gleicher Zeit und für gleiche Qualität Arbeit einen Lohn von 50, anstatt von 40 Schill, erwerben, obwohl sie eben in Folge der Verbesserungen mehr als noch ein Mal so viele Gehülfen zu bezahlen haben, als früher. Hieraus erhellt aber auch, daß, wenn ich den gegenwärtigen Nettoverdienst eines Spinners für 69 Arbeitsstunden auf 1 Pfd. Sterl. 5 Schill, angab, ich mich sehr innerhalb der Gränzen der Wahrheit befand. Ich weiß, daß, als ich mich zu Manchester befand, der Nettoverdienst eines Spinners in den drei |419| fraglichen Mühlen und bei dem damaligen Zustande der Maschinen von 32 bis zu 43 Schill, für 69stündige Arbeit wechselte, je nachdem die Feinheit des Garnes, welches gesponnen werden mußte, von 120 bis zu 210 Strähnen auf das Pfund wechselte.

Ein großer Theil der Verschiedenheiten, welche man in den an, geführten Scalen in Hinsicht auf den Nettoverdienst eines Arbeiters für 69stündige Arbeit bei gleicher Qualität der Arbeit trifft, rührt von den verschiedenen Verhältnissen her, welche die Fabrikeigenthümer in Folge der verschiedenen Güte ihrer Maschinen zwischen der Anzahl der mehr und der weniger verständigen und geübten Arbeiter, welche sie verwenden, herzustellen im Stande sind. Hätte ich Zeit und Mittel gehabt, die Angaben der Fabrikanten von Lancashire tabellarisch zusammenzustellen, so würde sich daraus das Verhältniß, in welchem die Arbeit der Jugend in jedem einzelnen Departement einer Spinnmühle zur Arbeit der Erwachsenen steht, haben abnehmen lassen. Als Resultat dieser Zusammenstellung würde sich ohne Zweifel ergeben haben, daß die Erwachsenen gerade in jenen Spinnmühlen den höchsten Lohn verdienen, in welchen das Verhältniß der Anzahl der Kinder zu jener der Erwachsenen am größten ist, und daß die Furcht der Arbeiter, daß der Lohn der Erwachsenen sowohl als der Kinder in Folge der Verbesserungen der Maschinen fallen muß, wenigstens in so lange gänzlich grundlos ist, als die Baumwollwaaren-Fabrikation noch immer im Zunehmen ist. Die Arbeiter behaupten, und diese Behauptung habe auch ich unzählige Male aufstellen gehört, daß sie nun für geringeren Lohn mehr Arbeit liefern müssen, als früher. Der Manchester and Salford Advertiser, der das Journal der Baumwollarbeiter ist, enthält beinahe in jeder seiner Nummern Aufsäze, die von dieser Behauptung ausgehen; so behauptete er z.B. am 11. Januar 1834, daß ein Spinner gegenwärtig für einen Arbeitslohn, der um 1/10 niedriger ist, als jener vom Jahre 1804, zwei Mal so viel Arbeit liefert, als damals.

Die Sache verhält sich aber in Wahrheit also: Im J. 1804 erhielt ein Spinner für jedes Pfund Garn, wovon 200 Strähne auf das Pfund gingen, 8 Schill. 6 Den., wenn er mit einer Mule von der damaligen Durchschnittsproductivität spann. Wie groß diese Produktivität damals war, weiß ich nicht; allein so viel weiß ich, daß der Arbeiter im Jahre 1829 für das Spinnen eines Pfundes Garn von derselben Qualität mit einer Mule von 312 Spindeln nur mehr 4 Schill. 1 Den. erhielt, und daß dieser Lohn im J. 1831 und gegenwärtig bei Mules mit 648 Spindeln nur mehr 2 Schill. 5 Den. bis zu 2 Schill. 8 1/2 Den. betrug. Der Spinner lieferte |420| also im Jahre 1829 innerhalb derselben Zeit, in welcher er gegenwärtig 648 Pfund Garn spinnt, nur 312 Pfund, und erhielt im Jahre 1829 4 Schill. 1 Den. für das Pfd., während er gegenwärtig nur 2 Schill. 6 Den. dafür einnimmt. Allein 312 Pfd. zu 4 Schill. 1 Den. geben nur 1274 Schill., während 648 Pfd. zu 2 Schill. 5 Den. 1566 Schill, geben; der Arbeiter verdient mithin gegenwärtig innerhalb derselben Zeit um 292 Schill, mehr, als er im Jahre 1829 verdiente.

Es ist mithin allerdings vollkommen wahr, daß der Arbeiter gegenwärtig für eine geringere Summe Lohn mehr Arbeit abliefert, als im Jahre 1829, allein daraus läßt sich noch durchaus nicht behaupten, daß der Lohn gegenwärtig niedriger steht, als früher. Ich will hiemit sagen, daß ein Spinner gegenwärtig in geringerer Zeit und mit gleicher oder geringerer Arbeit einen Schilling, ein Pfund oder mehrere hundert Pfund verdient, als vor 10 Jahren; daß diese Erhöhung seines Gewinnstes den Verbesserungen der Maschinen zuzuschreiben ist; daß die weitere Verbesserung der Maschinen eine noch weitere Erhöhung des Lohnes zur Folge haben wird, und zugleich eine größere Menge Arbeiter in Stand sezen wird, von dem erhöhten Lohne Nuzen und Vortheil zu ziehen (vorausgesezt, daß das Baumwollwaarengeschäft in den nächsten 30 Jahren eben so wenig einen Stoß erleidet, als in den lezten Jahren); und endlich, daß jede Verbesserung der Maschinen in irgend einem Departemente der Baumwollwaaren-Fabrikation den Lohn nicht bloß in diesem, sondern auch in allen übrigen Departementen erhöhen wird, indem dadurch die Nachfrage nach Arbeit auch in allen übrigen Zweigen vermehrt werden muß. Ich behaupte daher mit einem Worte, daß jede Verbesserung an den Maschinen, mit denen man die Baumwolle bearbeitet, jeden Arbeiter im Allgemeinen in Stand sezt, innerhalb derselben Zeit eine größere Summe Geldes zu verdienen, als er je hätte verdienen können, wenn die Verbesserung der Maschine nicht eingetreten wäre.

Nur die falschen Ansichten, welche unter den Arbeitern über den wahren Einfluß der Maschinen auf den Lohn der Arbeiter herrschen, sind es, welche die Widerspenstigkeiten derselben veranlaßten, und ich bedaure nur, daß ich das Irrige dieser Ansichten nicht allen begreiflich machen kann. Es wäre von den wohlthätigsten Folgen, wenn man die Arbeiter zu der Einsicht bringen könnte, daß sie einzeln und im Allgemeinen innerhalb derselben Zeit um so mehr Geld verdienen, je besser die Maschinen sind; alle Verbindungen derselben gegen die Meister und gegen die Maschinen, so wie das Verlangen einer Bezahlung, die, um nach ihrer Meinung das Nachtheilige der |421| Maschinen auszugleichen, für 12 Stunden Arbeit berechnet seyn müßte, während sie nur 8 Stunden über arbeiten wollen, würden dann gewiß gleich aufhören.

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Ich erhielt seither die Detailgeschichte der wöchentlichen Arbeit eines Mulenpaares von je 360 Spindeln, welches Garn von Nr. 200 spann. Dieses Mulenpaar erzeugte vom Christtage 1832 bis zum Christtage 1833 1065 Pfd. 8 1/2, Unzen Garn, wovon 197 Strähne auf das Pfund gingen; während dieser Zeit gingen jedoch theils wegen der Feiertage, theils wegen des Stillstandes der Maschine 15 Tage, jeder zu 11 1/2 Stunden Arbeit verloren. Dessen ungeachtet belauft sich das Gewicht, welches in einer Woche geliefert wird, im Durchschnitte auf 20,49 Pfd. Nach diesem Dokumente kann ich die Quantität Garn von Nr. 200, die ein Mulenpaar von je 300 Spindeln in einer Woche, den Arbeitstag zu 11 1/2 Stunden per Tag gerechnet, liefern kann, auf 16,46 Pfd. bestimmen. Hieraus folgt, daß der Beweis, den ich oben führte, und nach welchem der Erwerb oder Verdienst eines Spinners, welcher auf einer Mule von 300 bis 324 Spindeln Garn von 200 Strähnen auf das Pfund spinnt, in dem Verhältnisse von 40 zu 50 zunimmt, wenn die Productivkraft der Maschine auf 648 erhöht wird, durchaus nicht mit der Wahrheit im Widerspruche steht; ja ich glaube sogar, daß der Vortheil zu Gunsten des Arbeiters noch größer seyn dürfte.

A. d. O.

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