Titel: Ueber die amerikanische Methode, die Maschinen der Dampfboote einzeln arbeiten zu lassen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 53, Nr. XLI./Miszelle 10 (S. 234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj053/mi053041_10

Ueber die amerikanische Methode, die Maschinen der Dampfboote einzeln arbeiten zu lassen.

Das Nautical Magazine enthält folgenden interessanten Auszug aus einem Schreiben des Hrn. Armstrong, Capitän des John Bull, der zwischen Quebec und Montreal fährt, in Betreff der nordamerikanischen Methode, die Maschinen der Dampfboote einzeln arbeiten zu lassen. „Die ganze Einrichtung, sagt Hr. A., ist sehr einfach, und beruht bloß darauf, daß die beiden Dampfmaschinen so von einander getrennt sind, daß jede nur ein Rad treibt, und daß überhaupt gar keine Verbindung zwischen denselben Statt findet: ausgenommen, daß im Allgemeinen beide Kessel mit den Dampfröhren einer jeden der beiden Maschinen in Zusammenhang stehen, damit die Speisung derselben mit Dampf gleichmäßig werde. Hieraus erhellt offenbar, daß jede Maschine und folglich jedes Rad vollkommen unabhängig von dem anderen betrieben und angehalten werden kann: eine Methode, die von der in England üblichen gänzlich verschieden ist. In England ist man so sehr für die Verbindung der beiden Maschinen mit einander eingenommen, daß man die eine Maschine beinahe als ganz unnüz betrachtet, wenn die andere unbrauchbar geworden, während man in Amerika bei der Trennung der Maschinen noch keinen Nachtheil ersah. Jede der beiden Maschinen arbeitet eben so leicht, als sie arbeiten würde, wenn beide mit einander in Verbindung stünden; jede kann ohne Schwierigkeit oder Gefahr, und während sich das Boot in vollem Laufe befindet, angehalten oder umgekehrt werden. Man kann ein solches Dampfboot mit einem Ruderboote mit zwei Rudern, welche beide nach Vor- oder Rükwärts bewegt werden, oder von denen das eine zieht, während das andere hilft, und umgekehrt, vergleichen Die Vortheile, welche diese Einrichtung bei einem Zugboote gewährt, wenn dasselbe von einer Werfte abfährt, oder wenn es sich in einem mit Schiffen überfüllten Hafen bewegen soll, können nicht wohl hoch genug angeschlagen werden. Das Boot kann sich auf diese Weise buchstäblich in seiner eigenen Lange umkehren: ein Manoeuvre, welches man in Amerika täglich sehen kann. Uebrigens eignet sich dieses System nicht bloß für die Dampfboote, welche auf Flüssen fahren; es ist im Gegentheile auf den den Ontariosee befahrenden Booten, so wie auf jenen, die zwischen dem Sund von Long-Island und New-York fahren, allgemein eingeführt. Die Fahrt auf dem Ontario ist für Dampfboote sehr schwierig, und doch fährt der Great-Britain nun schon im dritten Sommer zwischen Prescot und Queenston, ohne daß ihm je ein Unfall begegnet wäre, obschon seine beiden Maschinen, von denen jede 80 Pferdekräfte hat, in gar keiner Verbindung mit einander stehen.“ Hr. Thorold bemerkt hierüber im Mechanics' Magazine No. 559, daß Lieutenant Otway in seiner Abhandlung über die Dampfschifffahrt den Nuzen des Anhaltens des einen Ruderrades, während das andere zieht, gänzlich läugnet, und daß er nicht glaube, daß es möglich sey, daß beide Maschinen in ihrer Arbeit gehörig Zeit einhalten, wenn ihre Winkelhebel nicht mit einander in Verbindung stehen. Uebrigens gesteht er zu, daß eine geringe Differenz in der Bewegungszeit der Ruderräder nicht von großer Bedeutung sey, indem sie keine Abweichung im Laufe des Schiffes bewirkt, und dem Steuermanne keine besondere Arbeit verursache. Was die Behauptungen betrifft, daß man in England die eine Maschine für unnüz halte, wenn die andere Schaden gelitten, so erklärt Hr. Thorold dieß für unrichtig. Es geschieht auch in England nicht selten, daß ein Dampfboot mit einer einzigen Maschine eine ganze Reise zurüklegt; der Mountaineer fuhr lange Zeit mit einer einzigen Maschine zwischen Calais und Dover hin und her. Es dürfte sich daher, wie Hr. Thorold meint, als Grundsaz aufstellen lassen, daß sich für Flüsse, auf welchen das Wasser immer glatt ist, Dampfboote mit einer einzigen Maschine, für die See und zum Bugsiren hingegen Dampfboote mit doppelten Maschinen am besten eignen.

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