Titel: Ueber ein neues, auch auf die Erklärung der Selbstentzündung der Kohle, der Baumwolle, Wolle u.s.w. anwendbares Gesez der Verbrennung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 53, Nr. XLI./Miszelle 21 (S. 238–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj053/mi053041_21
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Ueber ein neues, auch auf die Erklärung der Selbstentzündung der Kohle, der Baumwolle, Wolle u.s.w. anwendbares Gesez der Verbrennung.

Hr. Dr. Charles J. B. Williams trug am 1. Mai l. J. in der Royal Society eine Abhandlung über ein neues Gesez über die Verbrennung, welches sich auch zur Erklärung der Selbstentzündung der Kohle, Baumwolle, Wolle etc. anwenden läßt, vor, und deren Inhalt dem Repertory of Patent-Inventions, Junius 1834, S. 398 gemäß im Wesentlichen in Folgendem besteht. Der Verf. sucht hauptsächlich zu beweisen, daß die meisten verbrennlichen Körper bei einer Temperatur, die weit unter dem Temperaturgrade steht, den man ihnen gewöhnlich als den Punkt anweist, bei welchem sie sich entzünden, eine mit Licht- und Hizeentwikelung verbundene Verbrennung eingehen. Beim Phosphor und beim Schwefel wurde dieß bereits thatsächlich erwiesen, und ein anderes Beispiel für dieses allgemeine Gesez liegt in der blaßblauen Flamme, die durch einen heißen Palladium- oder Platindraht in dem Aetherdämpfe erzeugt wird, bevor der Draht selbst noch lebhaft erhizt ist. Der Verf. findet dieses Gesez auf alle zusammengesezten und einige einfache brennbare Körper anwendbar, und führt als Beispiel mehrere öhlige, harzige und kohlige Producte, animalischer sowohl als vegetabilischer Natur an, die, wenn sie auf ein heißes Eisen gebracht werden, eine blasse, schwach leuchtende Flamme geben. Sehr flüchtige Substanzen, wie z.B. Kampher, ätherische Oehle, Aether, Alkohol steigen in Dampfform empor, bevor sie noch die zur Verbrennung erforderliche Temperatur erreicht haben; sie bedingen aber gleichfalls die oben bemerkten Erscheinungen, wenn man ihren Dampf auf einen Körper leitet, dessen Temperatur unter der Rothglühhize steht. Die Intensität des Lichtes und der Hize wird jedoch in diesen Fällen augenbliklich erhöht, und die Lebhaftigkeit der Verbrennung alsogleich gesteigert, wenn man reines Sauerstoffgas auf die glimmenden Substanzen leitet. Der Verf. geht nach ausführlicher Behandlung dieser größten Theils bekannten Thatsachen auf die Untersuchung der Producte dieser niedrigen Verbrennungsform über, welche Producte ihm bei den organischen Substanzen ein Mittelglied zwischen jenen der offenen Verbrennung und jenen der Gährung und Fäulniß zu bilden scheinen. Er betrachtet alle diese Erscheinungen als Beweise des von ihm aufgestellten Gesezes, nach welchem die Wärme, die während einer chemischen Veränderung caeteris paribus entwikelt wird, mit dem Grade der Umänderung von der Isolation oder der schwachen Verbindung in eine feste und einfache Vereinigung im Verhältnisse steht. Er glaubt, daß dieses Gesez zur Erklärung mancher bisher in geheimnißvolles Dunkel gehüllter Selbstentzündungen (wie man sie an porösen Brennstoffen, an beöhlter Baumwolle, Werg, Wolle, wenn diese Substanzen in großen Quantitäten und an Orten, an denen sie nicht abkühlen konnten, und an denen die Luft nur beschrankten Zutritt hatte, aufbewahrt wurden, so wie auch an Kohlenhaufen, Pyrophoren und Schwefelkiesen beobachtete), ja sogar zu einer genügenden Erklärung der spontanen Verbrennung des menschlichen Körpers ausreichen möchte.

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