Titel: Ueber die Benuzung der Abfälle in den Färbereien als Brennmaterial.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 53, Nr. XLI./Miszelle 23 (S. 240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj053/mi053041_23

Ueber die Benuzung der Abfälle in den Färbereien als Brennmaterial.

Hr. Pimont, Fabrikant zu Rouen, hat kürzlich unter dem Titel: Notice sur un nouveau combustible eine kleine Broschüre bekannt gemacht, über welche Hr. Péclet im Bulletin de la Société d'encouragement, April 1834, S. 172 einen sehr günstigen Bericht erstattete. Das neue Brennmaterial, welches in dieser Broschüre vorgeschlagen wird, besteht in einer Art von Torfziegeln, welche Hr. Pimont aus den Rükständen verschiedener Rinden und Färbehölzer, die in vielen Indiennenfabriken in so großer Quantität verbraucht werden, verfertigt. Man hat diese Rükstände bisher nicht nur nicht benuzt, sondern man ließ sie gewöhnlich in die Canäle laufen, wodurch das Wasser verunreinigt und besonders zum Bleichen und verschiedenen Färbeprocessen untauglich wurde, und wodurch sogar ein öfteres Räumen der Canäle nothwendig wurde. Es ist daher gewiß eine glükliche Idee, auch diese bisher lästigen Substanzen zu benuzen, und wenn so auch als Brennmaterial im Großen nie eine Rolle spielen können und werden, so dürfte deren Benuzung doch für den einzelnen Fabrikanten ohne Zweifel von wesentlichem Nuzen werden. Das Verfahren des Hrn. Pimont ist folgendes. Er läßt die erschöpften Krapp- und Kleienbäder in eine Grube laufen, in der sich die unauflöslichen Substanzen zu Boden sezen; ist die Grube voll, so läßt er das Wasser ablaufen, nimmt den Bodensaz heraus und schichtet ihn auf einem schlief geneigten Boden in Haufen auf. Nach einigen Tagen vermengt er drei Theile dieses Bodensazes mit einem Theile verbrauchten Campeschen, Fernambuk- oder Quercitronspänen, und nachdem dieses Gemenge einige Monate lang gegohren, verfertigt er auf dieselbe Weise, auf welche man die Lohkuchen fabricirt, Ziegeln daraus, die getroknet werden. In der Fabrik des Hrn. Pimont, in welcher die Rükstände der Färberei jährlich 150 bis 180,000 solcher Ziegeln geben, kommen 1000 Stüke, welche beiläufig 380 Kilogr. wiegen, auf 3 Franken zu stehen. Hr. Pimont hat über den Nuzeffect dieses Brennmateriales zwei Reihen von Versuchen angestellt; in der ersten Reihe unterhielt er in einer großen Werkstätte 12 Stunden lang einen gewissen Grad von Wärme vergleichsweise und unter Anwendung desselben Heizapparates mit Steinkohlen, Holz, Torf, und seinen neuen Ziegeln, bei der zweiten wurde ein und derselbe Krappkessel zwölf Stunden lang vergleichsweise mit Steinkohlen, Torf und den neuen Ziegeln geheizt. Als Resultat dieser Versuche ergab sich, daß das neue Brennmaterial im Vergleiche mit der Steinkohle beinahe einen Vortheil von 3/2 gewährt. Wenn diese Angabe auch etwas übertrieben seyn sollte, so ist doch wenigstens so viel gewiß, daß die Anwendung der angegebenen Substanzen von sehr wesentlichem Nuzen ist. In den meisten Fabriken Deutschlands werden diese Abfälle zu Dünger benuzt.

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