Titel: Ueber die Fabrikation brittischer Weine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 53, Nr. LII./Miszelle 9 (S. 318–319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj053/mi053052_9
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Ueber die Fabrikation brittischer Weine.

Wir haben schon öfter Gelegenheit gehabt, unseren Lesern Einiges über die famose englische Weinfabrikation zum Besten zu geben, und fühlen uns glüklich sie in Betreff dieser Kunst nun auf ein eigenes Werk aufmerksam machen zu können, welches kürzlich aus der Feder des Hrn. David Booth, des berühmten Verfassers der in 4 Theilen erschienenen Art of Brewing floß. Der Titel dieses Werkes ist folgender: The Art of Wine- making in all its branches. By David Booth. To which is added an Appendix concerning Cider and Perry. 8. London 1834, by F. J. Mason. – Wir begnügen uns aus diesem interessanten Werke, in welchem auch die Weinbereitung aus Rebensaft abgehandelt ist, und in welchem sich der Verfasser für den Gährungsapparat der Demoiselle Gervais mit den von Hrn. Dubrunfaut daran angebrachten Modifikationen ausspricht, folgende Stellen auszuheben, um unseren Lesern einen Begriff von dem Geiste, in welchem es geschrieben ist, zu geben. „Von allen weinigen Getränken, die in England fabricirt werden, sind nur das Bier und das Ale, der Aepfel- und der Birnwein wahrhaft national, seit der Meth und die Mumme durch unsere Acciseeinrichtungen verbannt wurden. Die Säfte der meisten unserer Früchte enthalten zu wenig Zukerstoff, um rein und für sich allein in Gährung versezt werden zu können. Man sezte daher früher Malzwürze oder Honig, später hingegen Zuker zu, und gab ihnen durch verschiedene andere Zusäze Geschmak und Farbe, je nachdem man diese oder jene beliebte Weinsorte nachahmen wollte. Das Nachmachen fremder Weine geschah anfangs betrügerischer Weise; die hohen Accisegebühren machten die Fälscher erst zu wahren Fabrikanten und begründeten die brittische Weinfabrikation als Kunst. So lange sich diese Fabrikanten mit der Erzeugung von Johannisbeer-, Stachelbeer-, Kirschenwein u. dergl. begnügten, konnte man nichts entgegen haben, indem Jedermann wußte, was er trank; allein wenn man gegenwärtig auf den Preiscouranten dieser Leute Champagner, Xeres und Portwein angeführt findet, und wenn diese Fabrikate wirklich als Naturweine verkauft werden, so ist dieß ein Betrug. Es ist richtig, daß man es in England so weit gebracht hat, aus Stachelbeeren und Birnen ein Getränk zu bereiten, welches, besonders so lang es jung ist, vielleicht von 3/4 der Abnehmer wirklich für achten Champagner getrunken wird. Allein das Verbrechen liegt nicht in der schlechteren Qualität, sondern hauptsächlich darin, daß man etwas für etwas verkauft, was es nicht ist; wenn wir in England ein Getränk erzeugen können, welches dem Champagner vollkommen gleich ist, so haben wir ganz rechts dieß gibt uns aber keineswegs das Recht unser Fabrikat für fremden Wein auszugeben.“ Bei Gelegenheit des Aepfel- und Birnweines macht der Verfasser folgende intessante, auch auf manche Gegenden des Continents passende Bemerkungen: „Wir haben allen Grund zu glauben, daß die besseren Sorten von Birn- und Aepfelwein bei weitem nicht mehr das sind, was sie vor 40–50 Jahren waren. Die meisten der Bäume und Obstsorten, die wegen der ausgezeichneten Güte ihrer Früchte berühmt waren, siud entweder am Aussterben oder wirklich schon ausgestorben. Schon Marschall beklagte sich in seiner im Jahre 1789 erschienenen Landwirthschaft von Gloucestershire über das Aussterben der besten Mostbäume. Der unter dem Namen Red Streak bekannte Apfel ist beinahe aufgegeben; der bekannte Stire Apple (styrische Apfel) ist beinahe verschwunden, und ebendieß gilt auch von der Quatsch- oder Squashbirne, die, wenn sie reif zu Boden fiel, in ihrem Safte zerplazte, und die allein mehr Champagner lieferte, als je aus Frankreich nach England eingeführt wurde. Der Birnwein ist nämlich, wenn er gehörig zubereitet worden, den süßen Traubenweinen weit ähnlicher, als der Aepfelwein. Er wurde oft schon ohne allen Zusaz für wahren Champagner gehalten; vor der Gährung mit reinem Zukersyrup versezt, ist er kaum davon zu unterscheiden.“ Was Hr. Booth über die Cider- und Birnweinfabrikation sagt, ist nur zu richtig; wir haben noch beinahe in jedem Jahre unsere Landsleute zur Emporbringung der Pflanzungen von Mostbäumen aufgefordert; allein vergebens. Dieß wird uns jedoch nicht abschreken, immer wieder auf diesen wahrhaft nüzlichen Theil der Landwirthschaft zurükzukommen.

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