Titel: Ueber den Einfluß der Elektricität auf die Vegetation
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 53, Nr. LXVI./Miszelle 16 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj053/mi053066_16

Ueber den Einfluß der Elektricität auf die Vegetation

befindet sich im Journal des connaissances usuelles, Februar 1834, S. 66 ein interessanter Aufsaz des Hrn. Boutigny, aus welchem wir bloß einige Stellen, die uns besonders von Wichtigkeit zu seyn scheinen, anführen wollen. „Die besten Düngerarten, sagt der Verfasser, sind diejenigen, welche sowohl aus sehr beständigen Verbindungen (unorganischen Körpern), als aus minder beständigen Verbindungen (vegetabilischen Substanzen), und endlich aus leicht zersezbaren Substanzen (thierischen Körpern) bestehen. Die animalisirte und mit Alaun versezte Kohle ist daher ein sehr guter Dünger, sowohl der Theorie, als der Erfahrung nach. Ihre Wirkung ist nicht nur eine chemische, sondern auch eine physische: eine physische, weil sie wegen ihrer dunkeln Farbe viele Sonnenstrahlen aufnimmt und folglich die Temperatur des Bodens erhöht; eine chemische, weil sie eine außerordentliche Menge kohlensaures Ammoniak enthält, die die schwefelsaure Thonerde zersezt, so daß schwefelsaures Ammoniak entsteht, Thonerde niederfällt und Kohlensäure frei wird. Bei diesen verschiedenen Reactionen entstehen elektrische Strömungen, die einen großen Einfluß auf die Vegetation haben. Bekanntlich verbindet sich die Thonerde nicht mit der Kohlensäure, folglich wird diese Erde mittelst des kohlensauren Ammoniaks nicht durch doppelte Verwandtschaft niedergeschlagen; allein es ist möglich, daß das schwefelsaure Ammoniak seinerseits wieder durch die Thonerde zersezt wird, und daß dieser Wechsel, wie dieß auch bei dem schwefelsauren Eisen und dem Kali der Fall ist, eine Zeit lang fortdauert.“„Mehrere Thatsachen und Versuche beweisen, daß sich die Pflanzen nicht bloß durch Aufsaugung des Düngers ernähren, und daß der Stikstoff, der nach Gay-Lussac in allen Samen enthalten ist, von den Blättern, den Haaren etc. aus der Luft angezogen wird. Einen Beweis hiefür gibt folgender Versuch. Ich pflanzte am 17. März ein Getreidekorn in einen Topf, der mit 2 Kil. scharf ausgeglühter Erde (die also keine vegetabilisch-animalischen Substanzen enthielt) gefüllt worden, und ein anderes in gewöhnliche Erde; ersteres begoß ich häufig mit destillirtem Wasser, lezteres überließ ich der Natur. Ersteres trieb schnell, hatte aber nicht die Kraft des lezteren, durchlief seine Lebensperioden schnell, war schon am 6. Jul. reif, und gab 11 Grammen Samen; lezteres hingegen wuchs weit kräftiger, wurde erst am 4. August reif und gab 36 Grammen Samen. Dessen ungeachtet war aber, wer sollte es glauben! der in der calcinirten Erde gezogene Samen reicher an Kleber, als der andere; ja sogar die ausgeglühte Erde zeigte nach der Reife der Pflanze bei der Analyse Spuren von Ammoniak! – „Seit langer Zeit schon,“ sagt Hr. Becquerel, „beschäftigt man sich mit Ermittelung der Wirkung der Elektricität auf die Vegetation, ohne daß man zu einem genügenden Resultate gelangt wäre. Davy selbst beschränkte sich, nachdem er gefunden, daß ein Getreidesamen in einem Gefäße mit positiv elektrisirtem Wasser lebhafter treibe, als in negativ elektrisirtem Wasser, auf die |398| allgemeine Bemerkung, daß die Elektricität die Vegetation begünstige. Es ist auch nicht zu verwundern, daß dieser berühmte Physiker hiebei stehen blieb; denn er wendete bei den Versuchen mit Vegetabilien dieselben energischen Kräfte an, deren er sich bei feinen übrigen großen Entdekungen mit so ausgezeichnetem Erfolge bediente. Diese Kräfte regen zwar anfangs auf, bedingen aber bald eine Desorganisation, so daß man also, um dergleichen Versuche bis an's Ende führen zu können, schwächere Kräfte anwenden muß: Kräfte, mit deren Hülfe ich nach Belieben schon eine Menge der in der Natur vorkommenden Producte, die man bisher noch nicht in unseren Laboratorien erhalten konnte, herzustellen im Stande war. Man muß bei der Wirkung der Elektricität auf die organischen Körper zwei Dinge unterscheiden: die Commotion, welche erregend wirkt, und die chemischen Reaktionen, welche Statt finden. Mit diesen lezteren beschäftige ich mich hauptsächlich; meine Arbeit ist noch nicht vollendet; allein schon jezt kann ich nach meinen zahlreichen Versuchen als gewiß angeben, daß ich die Vegetation in den Pflanzen, und selbst in einzelnen Theilen derselben nach Belieben beschleunigen oder verspäten kann.“

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