Titel: Ueber die vorzüglicheren chemischen Producte, welche bei der französischen Industrieausstellung vom Jahre 1834 ausgestellt wurden.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 53, Nr. LXVI./Miszelle 6 (S. 387–394)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj053/mi053066_6

Ueber die vorzüglicheren chemischen Producte, welche bei der französischen Industrieausstellung vom Jahre 1834 ausgestellt wurden.

Wir haben unseren Lesern versprochen, ihnen, so wie uns die gehörigen Dokumente zukommen, Notizen über die vorzüglicheren Producte, welche bei der lezten Industrieausstellung zu Paris aufgestellt wurden, vorzulegen; wir beginnen daher mit einem gedrängten Auszuge aus dem Berichte, den Hr. A. Chevallier im Journal des connaissances usuelles, Julius S. 20 und August S. 74 über die ausgestellten chemischen Producte bekannt machte.

Mineralische Producte.

Aegyptischblau, auch d'Arcet'sches Blau (Bleu d'Arcet). Der Grundbestandtheil dieser neuen oder vielmehr durch Hrn. d'Arcet wieder aufgefundenen Farbe besteht aus Kupferoxyd; ihre große Haltbarkeit verdankt sie einer halben Verglasung. Man verwendet sie bereits in der Papierfabrik zu Echarcon zum Bläuen des Papieres, wozu sie viel wohlfeiler kommen soll, als die gewöhnliche Bläue, und auch in der Tapetenfabrikation, wo sie nach demselben Verfahren fixirt wird, welches man beim Auftragen der gefärbten Scheerwolle befolgt. Leztere Anwendung verdankt man Hrn. Drouard, in der großen Tapetenfabrik der HH. Leroy.

Alaun. Sehr schöner Alaun wurde ausgestellt von Berard Sohn zu Montpellier, Prisette zu Arcel, Cartier und Grieu zu Paris, und von der Bergwerksgesellschaft zu Bouxvillers.73) Frankreich erzeugt gegenwärtig gegen 2,260,000 Kilogr. Alaun, die einen Werth von mehr dann einer Million Franken haben; noch vor 40 Jahren bezog es allen seinen Alaun aus Italien und aus Belgien.

Ammoniak. Dieses Alkali, welches bis in die neueren Zeiten nur in den Laboratorien bereitet wurde, wird gegenwärtig schon im Großen fabricirt und angewendet. Man benuzt es hauptsächlich bei der Fabrikation der falschen Perlen, der Chinasalze, der inländischen Orseille, bei einigen Erzausbeutungen etc. Es werden gegenwärtig jährlich gegen 100,000 Kilogr. Ammoniak fabricirt; sein Preis ist schon sehr gesunken, und wird noch mehr fallen, wenn man den gefaulten |388| Urin besser darauf zu benuzen wissen wird. Die HH. Payen, Pluvinet, Bonnaire, Julien und Comp. haben schöne Muster davon vorgelegt.

Arseniksaures Kali. Sehr schön vorgelegt von den HH. Julien und Comp.

Berlinerblau. Payen schäzte den Werth des Berlinerblau's, welches jährlich im Departement de la Seine fabricirt wird, im Jahre 1827 auf 272,000 Franken; gegenwärtig verbraucht eine einzige Fabrik, jene des Hrn. Ducoudré, jährlich 250–300,000 Kilogr. Rindshörner, Klauen, Blut und Fleisch. Die schönsten Muster lieferten die Fabrikanten Souchon, Ducoudré, Bergeron, Buttet, und die Bergwerksgesellschaft zu Bouxvillers. Hr. Cunin-Gridaine legte Tuch vor welches mit Berlinerblau gefärbt worden, und welches sich sowohl durch seine schöne Farbe, als durch seine Weiche auszeichnete.

Bleiweiß. Frankreich erzeugt noch immer nicht seinen eigenen Bedarf an Bleiweiß, und noch im Jahre 1828 wurden nicht weniger als 959,924 Kilogr. davon eingeführt. Bei der lezten Ausstellung sind 10 Fabrikanten mit ihrem Fabrikate, welches größten Theils nach dem sogenannten holländischen Verfahren erzeugt ward, aufgetreten. Die Schönheit der Muster gab einen Beweis der Fortschritte, die dieser Fabrikationszweig in den lezten Jahren in Frankreich machte.

Borax. Die Brüder Lescuyer zu Paris waren die ersten, die vor 50 Jahren die Boraxraffination nach Frankreich brachten. Im Jahre 1817 drükten die HH. Payen und Cartier, und später die HH. Marchand und Jacob den hohen Preis des Borax von 7 Fr. per Kilogr. auf 3 Fr. 50 Cent. herab, indem sie die aus den Seen in Toscana gewonnene Boraxsäure mit basisch kohlensaurem Natron sättigten, und auf diese Weise Borax erzeugten, der die im Handel herkömmlichen Formen hatte. – Der bei der Ausstellung vorgelegte Borax kam aus der Fabrik der HH. Payen und Burand; eines der Muster, welches in Octaëdern krystallisirt ist, enthält nur 30 Procent Wasser, während der gewöhnliche Borax 47 Procent enthält. Der octaëdrische Borax verwittert nicht, ist viel dichter, und verdient daher in vielen Fällen, wo der Borax härter seyn muß, den Vorzug.

Brechweinstein von größter Schönheit lieferte die Fabrik der HH. Bonnaire und Delacretat.

Brennzeligholzsaures Blei. Cartier verpflanzte die Fabrikation dieses Salzes, welches in den Kattundrukereien verwendet wird, von England nach Frankreich. Sehr gut bereiten es die HH. Bobée und Lemire zu Choisy, Pitay zu Paris, und Raimond und Comp. zu Toulouse.

Chlorkalk wurde nur von zwei Fabriken ausgestellt, obschon man in Paris allein gegenwärtig jährlich für 750,000 Franken Chlorkalk verbraucht.

Chlorsaures Kali legten sehr schön und sehr wohlfeil die HH. Bonnaire und Delacretat vor.

Chromoxyd wird von den HH. Cartier und Grieu nach einem eigenen Verfahren im Großen bereitet. Sehr schöne Muster von chromsaurem Blei und chromsaurem Kali wurden auch von verschiedenen anderen Fabrikanten vorgelegt.

Eisenblausaures Kali, welches früher größten Theils aus Deutschland nach Frankreich geführt wurde, wird gegenwärtig in großer Menge daselbst erzeugt; die Fabrik der Bergwerksgesellschaft zu Bouxvillers liefert z.B. jährlich 200 Centner. Mehrere Fabrikanten haben sehr schöne Präparate davon vorgelegt.

Englischroth, welches zum Theil immer noch aus England bezogen wird, wird von derselben Gesellschaft und von Hrn. Pasquet vorgelegt. Das englische scheint freier von aller Säure zu seyn.

Essigsaure Salze. Von essigsaurem Blei wurden mehrere schöne Muster vorgelegt; essigsaures Eisen stellten die HH. Pitay, Bobée und Lemire zu Choisy aus; von essigsaurem Kupfer waren zwar schönere Präparate vorhanden als früher, doch scheint die Fabrikation dieses Salzes in den südlichen Departements abgenommen zu haben, die schönsten Muster waren von den HH. Bobée und Lemire zu Choisy, und von Hrn. Pitay zu Paris; lezterer stellte auch essigsaures Natron aus.

Kobaltblau. Unter den mehrfachen Mustern dieser Farbe zeichnete sich besonders das Präparat der HH. Barruel und Létendart aus.

Kochsalz. Die HH. Chevalier und Cartier brachten Kochsalz zur |389| Ausstellung, welches zum Einsalzen von Kabeljau verwendet worden, von ihnen aber wieder desinficirt ward. Die Reinigung geschieht entweder durch Behandlung mit Chlor, wo das Salz jedoch etwas von dem Geruche der lezteren beibehält; oder durch Ausglühen und Auflösen, wo man Salz von größter Schönheit und Weiße erhält. Die HH. Chevalier und Cartier hatten ihr Verfahren auch noch einem Dritten anvertraut, der es gleich in Ausführung brachte, und gegenwärtig zu Paris mit großem Vortheile desinficirtes Pökelsalz verkauft.

Kohlensaure Salze. Die Fabrik von St. Gobain legte rohe Soda von 40° und trokenes kohlensaures Natron von 75 bis zu 95° vor; die Sodafabrik zu Dieux stellte krystallisirtes und trokenes kohlensaures Natron von 95° aus. Varec-Soda lieferten die HH. Guilhem der ältere und Sohn. Die HH. Bonnaire und Delacretat stellten Kali: und Natron-Bicarbonat aus, wovon lezteres gegenwärtig in sehr großer Menge zur Bereitung der Pastilles digestives, oder Pastilles de D'Arcet verwendet wird. Bicarbonat, welches mit der aus manchen Mineralwässern entweichenden Kohlensäure erzeugt worden wäre, war keines zu sehen. Kohlensäure Bittererde in schönen kleinen, vierekigen Broden brachten ebenfalls die HH. Bonnaire und Delacretat zur Ausstellung.

Mennig sandte nur Hr. Pallu von Portillon zur Ausstellung, obschon dessen Fabrikation seit dem Jahre 1826, wo Hrn. Payen zu Folge im Departement de la Seine allein 525,000 Kilogr. erzeugt wurden, bedeutend zunahm.

Neapelgelb von sehr schöner Qualität lieferte Hr. Gautier zu Paris; sein Verfahren soll ein Geheimniß seyn.

Queksilber. Die HH. Julien und Comp. stellten sehr schönes rothes Queksilberoxyd aus; eben so lieferten sie und die HH. Bureau jun. und Comp. ausgezeichneten äzenden Queksilbersublimat und auch Calomel. Lezteres wird von den HH. Bonnaire und Delacretat nach O. Henri's Methode im Großen fabricirt.

Salpetersaure Salze. Außer sehr schönem salpetersaurem Kali bemerkte man auch ausgezeichnetes salpetersaures Blei aus der Fabrik der HH. Cartier und Grieu, welches gegenwärtig hauptsächlich zur Erzeugung des chromsauren Bleies und zum Tränken der Lunten für die Artillerie benuzt wird.

Salzsäure wird gegenwärtig im Departement de la Seine allein jährlich zu 1,812,980 Kilogr. fabricirt, und außerdem werden noch gegen 500,000 Kilogr. aus den Departements eingeführt. Ausgezeichnetes Fabrikat liefern die Fabriken von St. Gobain.

Salzsaure Salze. Die erste Salmiakfabrik, welche Baume vor vielen Jahren in Frankreich errichtete, ging zu Grunde, indem sie weder dem Preise, noch der Qualität nach mit dem orientalischen Salmiak Concurrenz halten konnte. Erst die Fabriken der HH. Payen und Pluvinet erfreuten sich eines günstigen Erfolges, nachdem sie um den halben Preis einen dichteren und reineren Salmiak lieferten, als die Aegyptier. Die Fabrik des Hrn. Payen zu Grenelle und jene des Hrn. Pluvinet zu Clichy sind noch in voller Thätigkeit, und beide halten mit den neuer entstandenen Concurrenz. Es werden gegenwärtig im Departement de la Seine jährlich gegen 90,000 Kilogr. Salmiak im Werthe von 315,000 Franken erzeugt; die schönsten Präparate lieferten dieß Mal: Payen, Pluvinet, Pytay, Hulot und die Bergwerksgesellschaft zu Bourvillers. – Auch salzsaures Kali wurde ausgestellt.

Sauerkleesäure, welche hauptsächlich in den Färbereien und Drukereien verwendet wird, wird gegenwärtig in Frankreich in großer Menge gewonnen, und zwar durch Behandlung von Melasse oder Erdäpfelsazmehl mit Salpetersäure. Dessen ungeachtet wird noch eine bedeutende Menge aus England eingeführt, wo dieselbe wegen des niedrigen Preises der Salpetersäure wohlfeiler ist. – Die HH. Bonnaire und Delacretat erzeugen sehr schöne in nadelförmigen Krystallen krystallisirte Sauerkleesäure. Die HH. Cartier und Grieu hingegen erhalten sie vermöge eines eigenen Kunstgriffes in großen Krystallen. Es wäre sehr zu wünschen, daß die französischen Fabriken diese Säure um denselben Preis liefern könnten, wie die englischen, und dieß ist nur dann möglich, wenn man die salpetrige Säure, die sich bei deren Fabrikation entwikelt, zur Bereitung von Schwefelsäure verwendete. Dieß befolgen gegenwärtig auch die HH. Cartier und Grieu.

Schwefel. Sehr schönen raffinirten Schwefel stellte Hr. Simonin, a la |390| Poterie bei Rouen, aus; von natürlichem Schwefel aus der Auvergne war nichts sichtbar.

Schwefelsäure. Hr. Cartier, einer der ersten Fabrikanten, hat in Gemeinschaft mit den HH. Casimir und Grieu gewöhnliche Schwefelsäure, sogenannte englische, dann rauchende und wasserfreie Schwefelsäure ausgestellt. Bei der Bereitung seiner rauchenden Schwefelsäure verfährt er nach folgenden beiden Methoden. Erste Methode. Man troknet Eisenvitriol in irdenen Retorten bis er orangegelb geworden; diese ausgeglühte Masse füllt man dann in Retorten, deren Schnäbel man in Vorlagen leitet, in denen sich Schwefelsäure von 66° befindet, wobei man auf ein Kilogr. geglühten Eisenvitriol 2 Kilogr. Schwefelsäure nimmt. Die Retorten erhizt man hierauf 24 bis 30 Stunden lang bis zum Weißglühen, wobei der Eisenvitriol zersezt und die übergehende wasserfreie Schwefelsäure in der Schwefelsäure von 66° aufgelöst wird. – Zweite Methode. Man gibt Colcothar in einen kleinen gußeisernen Tiegel, sezt ihm etwas Säure von 45° zu, und erhizt ihn, bis keine Wasserdämpfe mehr daraus emporsteigen. Der graubraune Rükstand, den man hiedurch erhält, kann in Retorten durch Calcination zersezt, und die entweichende wasserfreie Schwefelsäure in Säure von 66° aufgelöst werden. – Hr. Cartier steht mit mehreren Fabriken in Verbindung, welche jährlich nicht weniger als 4,998,000 Kilogr. Schwefelsäure in den Handel bringen.

Schwefelsaure Salze. Schwefelsaures Ammoniak, welches zur Bereitung von Ammoniaksalzen, flüchtigem Ammoniak, Ammoniakalaun, und auch in den Färbereien verwendet wird, wird gegenwärtig im Departement de la Seine allein im Werthe von 90,000 Fr. fabricirt. Hulot, Verler und Comp. von Boullay, und Payen, Pluvinet und Comp. von Paris lieferten die schönsten Präparate. – Sehr schöne schwefelsaure Bittererde legten Bonnaire und Delacretat vor; doch zweifelt man, daß sie mit dem Auslande Concurrenz halten können. – Schwefelsaures Eisen war sehr schönes ausgestellt, namentlich von der Bergwerksgesellschaft zu Bouxvillers, welche auch sogenannten Salzburger Vitriol (schwefelsaures Eisen mit Kupfer) erzeugt. –

Schwefelsaures Kali, welches hauptsächlich in den Alaunfabriken und Salpetersiedereien verwendet wird, wird angeblich jährlich zu 1,500,000 Kilogr. im Werthe von 375,000 Franken erzeugt; diese Quantität scheint jedoch nicht hinreichend, da man dieses Salz, um geringeren Zoll zu zahlen, neuerlich unter einem falschen Namen in Frankreich einzuführen versuchte. Die HH. Cartier, Houzeau und Muiron legten Muster davon vor. – Schwefelsaures Kupfer wurde von vielen Fabrikanten ausgestellt; das Departement de la Seine erzeugt jährlich 160,000 Kilogr. davon. – Schwefelsaures Mangan von ausgezeichneter Schönheit lieferten die HH. Bonnaire und Delacretat. – Schwefelsaures Natron, welches roh hauptsächlich zur Soda- und Glasfabrikation verwendet wird, wird in Frankreich jährlich zu 51 Millionen Kilogr., im Werthe von 5,610,000 Franken erzeugt.

Schweinfurter Grün, welches früher lediglich aus Deutschland bezogen wurde, wird nun großen Theils in Frankreich selbst fabricirt; sehr schön liefern es die Fabriken der HH. Ducoudré, Stollé, Millius, Bobée und Lemire.

Ultramarin ward sehr schön von Hrn. Guimet ausgestellt, der bekanntlich von der Société d'encouragement den Preis von 6000 Fr. für seine Erfindung erhielt.74)

Zinnober. Der französische Zinnober steht gegenwärtig dem schönsten holländischen Fabrikate in keiner Hinsicht nach. Im Departement de la Seine werden jährlich für 7 bis 800,000 Fr. fabricirt; besonders schön von Lange Dumoulin, Buran und Comp.

Thierische Producte.

Dünger. Als Dünger wurden folgende drei Substanzen vorgelegt. 1) Getroknetes und gepulvertes Muskelfleisch von den HH. Salmon, Payen und Burand, die diese Substanz, welche den kräftigsten Dünger gibt und geringe Transportkosten veranlaßt, zu 18 Franken per 100 Kilogr. liefern. |391| 500 Kilogr. getroknetes Muskelfleisch enthalten eben so viel Stikstoff, als 50,000 Kilogr. gewöhnlicher Dünger, woraus sich die Ersparniß an Transportkosten ergibt. Man vermengt dieses Pulver mit gleichen Theilen Erde, und streut es dann mit dem Samen in die Furchen, oder an die Wurzeln einer jeden gesezten Pflanze. – 2) Laine's Dünger, welcher seit dem Jahre 1830 bekannt ist. Er besteht aus vegetabilischen, vegetabilisch-animalischen und animalischen Substanzen und aus Salzen; man wendet ihn auf leichtem Boden als Dünger für Getreide, Oehlsamen, Hanf, Flachs, Spargel, Zwiebel, Runkelrüben und Erdäpfel zu 9 bis 10 Hectoliter, auf Wiesen und in Gärten zu 18 bis 20 Hectoliter per Morgen an. Der Hauptvortheil bei demselben liegt darin, daß er wenig Raum einnimmt. – 3) Thierische Kohle, von den HH. Salmon, Payen und Burand vorgelegt. Nachdem der unsterbliche Montlosier zuerst in seinen geistreichen Schriften auf die Anwendung der thierischen Kohle als Dünger hingewiesen, brachte Payen im Jahre 1823 in einer von der Société de Pharmacie zu Paris gekrönten Preisschrift die Benuzung der thierischen Kohle, die in den Zukerraffinerien benuzt worden, und deren Quantität in lezter Zeit jährlich bis auf 20 Millionen Kilogrammen angewachsen, in Anregung. Nachdem hierauf die von der Société centrale d'agriculture gekrönte Preisschrift desselben Verfassers über die Benuzung der thierischen Ueberreste als Düngmittel erschienen,75) nahm Hr. Salmon ein Patent auf die Bereitung einer an befruchtenden Stoffen höchst reichen, thierischen Kohle. Kurz darauf verbanden sich die HH. Payen, Salmon und Burand zur Errichtung einer Fabrik in Grenelle, in welcher alle thierischen Ueberreste benuzt werden, und in der jährlich nicht nur 300 Hectoliter thierische Kohle erzeugt werden, sondern die auch wesentlich zur Verbesserung der Luft der Hauptstadt beiträgt. Man breitet diesen Dünger, welcher pulverförmig ist, entweder mit der Schaufel aus, oder man bringt ihn mit den Kartoffeln unter die Erde, oder man säet ihn mit den Samen im Pfluge; denn er greift weder die Wurzeln, noch die Stängel an, sondern begünstigt die Vegetation. Zu einer guten Düngung braucht man 12 bis 18 Hectoliter per Hektare; auf Rabatten ersezen 1 bis 2 Hectoliter eine Fuhr Düngererde, wobei noch das Gute zu berüksichtigen kommt, daß durch diesen Dünger weder Insecten, noch Unkraut in den Boden gebracht werden. Ein Hectoliter auf eine Are Wiesenplaz ausgestreut, unterhält mehrere Jahre lang eine regelmäßige und üppige Vegetation; selbst ein ausgesaugter Boden erhält, wenn man ihn mit diesem Dünger behandelt, seine frühere Kraft wieder. Die Pflanzen erhalten von diesem Dünger nie den geringsten unangenehmen Geschmak oder Geruch mitgetheilt, was bekanntlich bei vielen anderen Düngerarten der Fall ist. Die thierische Kohle eignet sich auch sehr gut als Dünger für Bäume, welche versezt werden, und zwar sowohl im Freien, als in Orangerien; 1/2 bis 1 Liter Kohle reicht auf einen Kubikfuß Erde hin. 1/4 Liter Kohle gibt einen äußerst kräftigen Dünger für Weinstöke, Rosen, Dahlien etc., und eben so gewinnt der Spargel dadurch gar sehr an Kraft des Wachsthumes. Die Fabrikanten verkaufen zu Paris und in der Nähe den Hectoliter zu 5 Franken.76)

Fette, thierische. Hr. Houzeau-Muiron hat, nachdem er das von D'Arcet angegebene Verfahren aus dem Seifenwasser die darin enthaltenen, flüssigen oder festen Fette auszuziehen, praktisch angewendet, folgende Präparate vorgelegt: 1) mehrere Muster von mehr oder weniger gereinigten Fetten. 2) Schwefelsaures Kali, welches er durch die Sättigung dieses Wassers mit Schwefelsäure gewann; und 3) Seife, die abermals aus solchen Fetten bereitet worden. Die Anstalt, welche diese Präparate lieferte, behandelt zu Reims das Seifenwasser im Großen, und bringt große Quantitäten von Fetten, die sich zur Seifenfabrikation, zur Erzeugung von Leuchtgas und endlich zum Einschmieren von Maschinen eignen, in den Handel. – Klauenfett zum Schmieren und Befetten von Maschinen lieferten sehr gut die HH. Brüder Tesson zu Columbien und die HH. Brüder Bornheim zu Paris.

Gallerte oder Leim. Das Seine-Departement erzeugte schon im Jahre 1826 jährlich 525,000 Kilogr. Leim, und seither hat sich diese Quantität nicht nur bedeutend erhöht, sondern auch die Qualität wurde, wie die vielen ausgestellten |392| Muster zeigten, um Vieles besser. Besondere Erwähnung verdient das Fabrikat, welches Hr. Grenet zu Rouen unter dem Namen Grenetine vorlegte, und welches ein ausgezeichnet schöner, vollkommen farbloser Leim ist, für den Hr. Grenet schon im Jahre 1827 die goldene Medaille erhielt. Die Grenetine kommt übrigens zu theuer, als daß sie eine ausgedehnte Anwendung in den Gewerben erlangen könnte.

Kerzen, und zwar sowohl Wachs- als Talgkerzen, sah man mehrere, dem äußeren Ansehen nach vortreffliche ausgestellt. Hr. Mongenot-Berthier von Chaumont sandte Kerzen aus reinem Wachs das Pfund zu 2 Fr. 50 Cent.; die HH. Geuse und Lajonckaire, so wie Lagrange stellten durchsichtige Wachskerzen aus; Hr. Polidor seine sogenannten bougies françaises; die HH. Demilly und Mothard die sogenannten bougies de l'étoile. Talgkerzen waren mehrere eingesandt, unter denen man auch die Sebaclarekerzen des Hrn. Merijot bemerkte.

Seifen. Beinahe allgemein bereitet man gegenwärtig die Seifen in Frankreich mit künstlicher anstatt mit natürlicher Soda. Die Marseiller hatten gar nichts von ihren schönen Producten zur Ausstellung eingesandt; desto häufiger waren dafür die Luxusseifen, unter denen sich hauptsächlich die durchsichtigen auszeichneten, und namentlich jene der HH. Laugier Vater und Sohn. – Die HH. Chevalier und Cartier legten eine grüne Seife vor, die sie bei der Verseifung des mit Indigo gefärbten Tuches, die sie zur Wiedergewinnung des Indigo vornahmen, erzielten. Hr. Cellier zu Rouen zieht gegenwärtig nach einem eigenen Verfahren, worauf er sich ein Patent ertheilen ließ, den Indigo aus den gefärbten Tüchern aus, und die einzige Schwierigkeit, die ihm hiebei noch im Wege steht, liegt in dem Aussuchen der blauen Lappen aus den Wollenlumpen.

Thierische Kohle für die Zukerraffinerien, deren Fabrikation einen unglaublichen Umschwung erreicht hat, wurde von den HH. Payen, Pluvinet und Silberman ausgestellt.

Wallrath. Die HH. Geuse und Lajonckaire haben die Wallrathraffination neuerlich von England und Nordamerika nach Frankreich verpflanzt, was um so mehr zu berüksichtigen ist, als die Consumtion dieses Artikels jährlich auf 120,000 Kilogr. gestiegen ist.

Vegetabilische Producte.

Aether, d.h. Schwefeläther. Der Bedarf der Hauptstadt an diesem Fabrikate wird größten Theils von der Fabrik der HH. Bobée und Lemire zu Choisy-le-Roi geliefert. Die Apotheker pflegen denselben nur zu rectificiren.

Anisöhl, dessen Verbrauch in der Liqueurfabrikation sehr zunahm, ward von vortrefflicher Qualität ausgestellt.

Chinasalze. Diese Salze sind gegenwärtig ein bedeutender Handelsartikel geworden. Einer der Aussteller, Hr. Auguste Delondre beschäftigt in seiner musterhaften Fabrik zu Nogent-sur-Marne gegen 20 Individuen; er bringt jährlich 50,000 Unzen schwefelsaures Chinin in den Handel, wovon 3/4 ins Ausland gehen, und zu deren Bereitung 50 bis 60,000 Kilogr. China erforderlich sind. Hr. Delondre bereitet übrigens auch Cinchonin von seltener Schönheit und andere Chinapräparate. Auch Hr. Levaillant stellte herrlich krystallisirte Chinin- und Cinchoninsalze aus, so wie auch Morphiumpräparate.

Dextrin und Diastase. Der Weizen, der Roggen, die Gerste, der Hafer, der Mais, die Kastanien, die Erdäpfel etc. entwikeln, so wie sie zu gähren beginnen, ein eigenes, von den HH. Payen und Persoz aufgefundenes und Diastase benanntes Princip, welches die Eigenthümlichkeit hat, die innere Substanz des Stärkmehles auflöslich zu machen und sie in Zuker und Gummi zu verwandeln. Diese beiden Substanzen ziehen das Wasser so kräftig an, daß die Hüllen der Stärkmehlkügelchen plazen müssen, wo dann die grimmige zukerige Substanz ausfließt. Dieß ist das Verfahren, dessen sich die Natur beim Keimen bedient; künstlich kann man mit einem Male große Massen Stärkmehl in schleimige Syrupe verwandeln, und die mit einem scharfen wesentlichen Oehle imprägnirten Hüllen, die dem Sazmehle einen eigenen unangenehmen Geschmak mittheilen, als Schaum abnehmen. Die beiden durchsichtigen und farblosen Substanzen, die man auf diese Weise erhält, sind gegenwärtig unter dem Namen Dextrinsyrup bekannt, und werden die 100 Kilogr. zu 32 Franken verkauft. Das gummige |393| Dextrin, welches man erhält, wenn man das Stärkmehl auf ähnliche Weise seiner Hüllen beraubt, und wenn sich erst sehr wenig Gummi und Zuker erzeugt hat, wird zu 40 Fr. per 100 Kilogrammen verkauft, und dient zur Verbesserung des Geschmakes des Mehles. Mittelst dieser Substanzen wurden schon viele Nahrungsmittel, Luxusbrode und Gebäke angenehmer und schmakhafter gemacht; das Gummiren der Farben in der Tapetenfabrikation wurde dadurch vervollkommnet; das Bier kann dadurch gleichförmiger und besser gemacht werden. Nach neueren Versuchen eignen sich die Producte der Einwirkung der Diastase auf das Sazmehl auch zum Appretiren verschiedener Zeuge, zum Steifen des Filzes, zum Druke auf Seide, zum Verdiken der Beizen in den Kattundrukereien etc. Die HH. Lefevre und Gannal haben hierauf ein neues Verfahren der Brodbereitung aus Sazmehl begründet; und eben so hat Hr. Quest hiernach Brod aus Kartoffeln verfertigt, welches er zur Ausstellung brachte, und welches einen vortrefflichen Geschmak hatte.77)

Fontanellkügelchen zum Verbinden von Fontanellen aus Veilchenwurzeln bereitet, welche früher lediglich in Toscana fabricirt wurden, werden gegenwärtig zu La Ferte-sous-Jouarre, Nantes, Bordeaux, Lyon, Marseilles und Paris verfertigt, und zwar jährlich in einer Anzahl von 20 Millionen. Hr. Frigerio, Apotheker zu Paris, welcher Frankreich die 35 bis 40,000 Franken, die es für Veilchenwurzel nach Florenz schikt, ersparen wollte, hat andere Fontanellkügelchen erfunden, die jedoch nicht die Approbation der Académie de Medecine erhielten, obschon die Versuche zu deren Gunsten gesprochen haben sollen.

Holzessig. Im Departement de la Seine werden gegenwärtig jährlich 475,000 Kilogr. Holzessig, im Werthe von 480. 000 Franken erzeugt, welcher größten Theils zur Bleizukerfabrikation verwendet wird. Bei der Ausstellung fanden sich mehrere Muster.

Indigoblau. Die HH. Chevallier und Cartier legten Muster von Indigo vor, den sie aus altem blau gefärbten Tuche wieder gewonnen hatten; ihr Verfahren ist einfach; sie verseifen die Wolle mit Potasche, die den Indigo nicht angreift, während sie sich mit der Wolle verbindet. Diese Indigomuster haben eine schöne Farbe, sind brüchig und besizen den im Handel beliebten Bronceglanz. Die beiden Erfinder dieses Verfahrens nahmen kein Patent. Die HH. Brüder Gaffé brachten einen sogenannten auflöslichen Indigo, der hauptsächlich zum alltäglichen Gebrauche beim Bläuen der Wäsche bestimmt ist, zur Ausstellung.

Jod wird gegenwärtig von den Fabriken der HH. Couturier, Noel, Agnis und Buchotel zu Cherbourg und der HH. Guilhelm der ältere und Sohn und Tissier zu Couquet, in sehr großer Menge in den Handel gebracht. Dieselben liefern auch mehrere Jodpräparate, worunter besonders das Queksilberjodür, welches als Färbemittel angewendet werden soll.

Kampher, welcher von den HH. Burand und Julien ausgestellt ward, und der zu 6 Franken 50 Cent, per Kilogr. verkauft wird, zeigte, daß auch die Kampherraffination in Frankreich Fortschritte macht.

Kienruß. Das Fabrikat des Hrn. Bouju zeigte sich als wohlfeiler und besser, als der deutsche Kienruß, der bisher von den französischen Kupferstichdrukern als der beste eingeführt wurde. Bouju führt seine Waare bereits nach Deutschland aus.

Kreosot brachten die HH. Bobée und Lemire zu Choisy zur Ausstellung.

Oehle, so wie sie die Uhrmacher brauchen, und welche weder an der Luft dik werden, noch auch das Messing mit Grünspan überziehen, lieferten Aurès, Lequé und Madame Baxeu, Lecoq und Auzes. – Hr. Burau brachte verschiedene Präparate zur Ausstellung, welche er als vegetabilische Fette und Oehle ausgibt, und die dem sogenannten Asphaltöhle ähnlich sind. Sie eignen sich hauptsächlich zum Schmieren der Räder an Wagen und in Fabriken, und sollen eine Ersparniß von 75 Procent geben. Das Fett gilt 80, das Oehl 60 Fr. per 100 Kilogr. – Ricinusöhl wird gegenwärtig im südlichen Frankreich in großer Menge erzeugt, und zwar besonders zu Nêmes; es scheint besser und reiner, als das amerikanische.

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Orseille. Hr. Bourget zu Lyon war der einzige, der ein Muster von französischer Orseille zur Ausstellung brachte.

Papier. Hr. Delestrade de Meyrargues legte Papier, welches aus dem Seetange erzeugt worden, vor. – Hr. Vidocq sandte sein sogenanntes Sicherheitspapier, welches statt Stämpelpapier gebraucht werden soll, indem es alle Betrügereien verhindert, zur Ausstellung. Dieses Papier bekommt jedes Mal sehr sichtbare Fleken, so oft ein Versuch gemacht wird, die darauf befindlichen Schriftzüge durch Reagentien, womit man sonst die Tinte auslöschen kann, zu entfernen.

Runkelrübenkaffee. Dieses aus den gerösteten Würzelchen der Runkelrüben bereitete Fabrikat wird statt des Cichorienkaffee's verwendet.

Runkelrübenzuker. Mehr dann 10 Fabrikanten haben Runkelrübenzuker ausgestellt, worunter welcher von ausgezeichneter Qualität und von sehr billigem Preise.

Salicin ward ausgestellt von Hrn. Leroux, Apotheker zu Vitry-le-Français, der früher schon von der Société d'encouragement und der Société des sciensces physiques et chimiques einen Preis dafür erhielt.

Soda aus Seetang bereitet legten Guilhem, Tissier und Comp. zu Conquet vor.

Tinte. Unter den ausgestellten Tinten war besonders die autographische Tinte des Hrn. Mantoux, und die unauslöschliche Tinte des Hrn. Bosc ausgezeichnet.

Weinsteinsäure wird gegenwärtig in Frankreich jährlich für 50 bis 60,000 Franken fabricirt, und zwar von solcher Schönheit, daß das englische Fabrikat keinen Vergleich damit aushalten kann.

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Diese Gesellschaft fabricirt noch eine Menge anderer Artikel, nämlich: Eisenvitriol, Salzburger Vitriol, Salmiak, Berlinerblau, Knochenkohle, Knochengallerte, brennzelige Holzsäure, Englischroth, blausaures Kali. Den Eisenvitriol, den sie erzeugt, und der sich jährlich auf 5000 metrische Centner beläuft, erzeugt sie aus dem Lignite, den sie graben läßt.

A. d. O.

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Siehe Polyt. Journal Bd. XLI. S. 220., XLIV. S. 79

|391|

Siehe Polyt. Journal Bd. XL. S. 270, 363.

|391|

Siehe Polyt. Journal Bd. LIII. S. 149.

|393|

Siehe Polyt. Journal Bd. L. S. 195, 437., LI. S. 399., LII. S. 62.

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