Titel: Neue Wasserleitungen für London.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 53, Nr. LXXVII./Miszelle 12 (S. 457–459)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj053/mi053077_12
|458|

Neue Wasserleitungen für London.

Die große, und man kann wohl sagen europäische, Hauptstadt London wird bekanntlich gegenwärtig von mehreren Wassercompagnien mit Wasser versehen. Was das für ein Wasser ist, weiß Jedermann, der London besucht hat, gewiß aus unangenehmer, vom Unterleibe ausgegangener Erfahrung; es ist meistens nur filtrirtes Themsewasser, Wasser, welches nicht nur durch die Nachbarschaft der See, deren Fluthen bis London hinauf bemerkbar sind, etwas brak oder salzig ist, sondern welches durch den Koth von mehr dann 1 1/2 Millionen Menschen, welcher täglich hineinfließt, eben nicht an Reinheit und Wohlgeschmak gewinnt. Troz der großen Nachsicht, welche die Londoner mit schlechtem Wasser haben, – eine Nachsicht, die unseren Lesern wohl noch aus dem Polyt. Journal Bd. XXXVII. S. 17. erinnerlich seyn wird, – sind die Klagen der Bewohner London's über schlechtes Wasser immer lauter und lauter, und das Verlangen nach reinem Wasser immer größer geworden; man scheint es immer mehr und mehr zu fühlen, wie wichtig reines Wasser, und daß es nach der Luft wohl das zur Erhaltung unseres Lebens notwendigste Mittel ist; man scheint es zu fühlen, wie sehr man auch in dieser Hinsicht hinter den alten Griechen und Römern zurükgeblieben, deren Wasserleitungen wir nach Jahrtausenden noch in ihren majestätischen Ruinen anstaunen. Die Lords der Schazkamer haben dieß erkannt, und mehrere der ersten englischen Ingenieure mit Ausarbeitungen von Planen zur Herstellung zwekmäßiger Wasserleitungen für London beauftragt. Einer der ausgezeichnetsten Berichte, welche hienach vorgelegt worden, rührt von dem berühmten Telford her, und diesen hat das Repertory of Patent-Inventions in seinem neuesten Juliushefte S. 40 bekannt gemacht. Wir bedauern diesen Bericht hier nicht mittheilen zu können, da er ohne genaue Karte nicht verständlich seyn würde. Wir bemerken daher, indem wir diejenigen, für die diese Sache besonderes Interesse hat, auf das Original verweisen, nur, daß nach Hrn. Telford's Plan der nördliche Theil der Stadt von dem Flusse Verulam aus, durch eine Wasserleitung, die bei einer Neigung von 18 Zoll in der Meile 16 englische Meilen lang werden würde, und durch einen kleinen Tunnel geführt werden müßte, der südliche Theil hingegen von dem Flusse Wandle auch mit gutem und reinem Wasser versorgt werden könnte; und daß diese beiden Wasserleitungen mit der New-River und mit der Gast-London-Waterworks-Company, London's Bedarf an Wasser hinreichend deken würden. Um welche Aufgabe es sich hiebei handelte, mag man daraus abnehmen, daß die drei Wassercompagnien am nördlichen Ufer der Themse zusammen als Maximum per Secunde 20 Kubikfuß Wasser brauchen, und daß der Verbrauch der drei Compagnien am südlichen Themseufer im Maximum 17 Kubikfuß per Secunde beträgt! Die Kosten der beiden von Telford vorgeschlagenen Wasserleitungen schlägt derselbe, mit Einschluß der Baukosten der Wasserbehälter, der Aquäducte, der Entschädigung der Mühlen, denen das Wasser entzogen und eine entsprechende Dampfkraft geschafft werden muß, so wie mit Einschluß der Ankaufskosten des zum Baue nöthigen Landes auf 1,177,840 Pfd. Sterl. 16 Schill. 5 Den. an. Die Ausmittelung dieser Summe überläßt Hr. Telford anderen, doch scheint es ihm, daß es am Besten seyn würde, wenn der Staat das Geld, welches nöthig ist, um das Wasser an den Ort zu schaffen, wo es von den Compagnien abgenommen wird, vorschießen würde; daß die Abgabe von Wasser an die Compagnien auf deren Einkommen versichert und das Ganze unter Aufsicht des Parliamentes gestellt werden soll; daß endlich die Compagnien dem Staate die vorgeschossene Summe verinteressiren müßten, ohne daß dieselben jedoch den Preis des Wassers um mehr erhöhen dürften, als zur Dekung nöthig ist. Da auf diese Weise die Unterhaltung der Pumpen und der Filtrirapparate wegfallen würde, und da die bedeutende, hiezu nöthige Summe gleich zur Rükzahlung an die Regierung verwendet werden könnte, so würde der Preis nur höchst unbedeutend steigen, und diese geringe Preiserhöhung würde sich gewiß Jedermann gefallen lassen, wenn er statt des gegenwärtigen schlechten Wassers gutes und angenehmes Trinkwasser bekäme. Der ganze Bau würde die gegenwärtigen Wasserleitungen nicht beeinträchtigen; die Compagnien würden bis zu dem Tage, an welchem der neue Bau vollendet ist, fortfahren Wasser zu filtriren. – Was die New-River Compagnie und die Gast-London-Waterworks-Compagnie, die beide ohnedieß schon besseres Wasser aus dem New-River und aus dem Flusse Lea liefern, betrifft, |459| so schlägt Hr. Telford auch für diese mehrere Verbesserungen vor. Wir bemerken nur, daß erstere gegenwärtig als Maximum 24 Kubikfuß Wasser per Secunde verbraucht, während leztere, welche mehrere Dampfmaschinen und Pumpen, die zusammengenommen 300 Pferdekraft besizen, in Thätigkeit erhält, als Maximum 20 Kubikfuß Wasser per Minute braucht. – Hr. Dr. Bostock, der unseren Lesern aus der famosen, oben angezogenen Abhandlung über die Reinigung des Wassers durch Fäulniß bekannt seyn wird, hat das Wasser des Flusses Verulam sowohl, als jenes des Flusses Wandle chemisch untersucht, und dasselbe sehr vorzüglich befunden. Die Analysen beider Wasser findet man im Repertory of Patent-Inventions, Junius 1834, S. 397 im Auszuge angegeben; wir verweisen auch auf diese.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: