Titel: Ueber die Anwendung des Dampfes, um die Tafelfarben auf wollenen und seidenen Zeugen zu befestigen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 53, Nr. LXXVII./Miszelle 7 (S. 455–456)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj053/mi053077_7

Ueber die Anwendung des Dampfes, um die Tafelfarben auf wollenen und seidenen Zeugen zu befestigen.

Hr. Daniel Koechlin-Schouch hat der Mülhauser Industriegesellschaft einen Bericht über die Frage erstattet, wer zuerst den Dampf zur Befestigung der Tafelfarben auf wollenen und seidenen Zeugen anwandte. Er sagt:

„Die erste Anwendung des Dampfes, um die Farben auf wollenen Geweben zu befestigen, verdankt man den Engländern; wenigstens erwähnt Bancroft in einem Werke über die Färbekunst, welches im Jahre 1797 erschien, daß ein englischer Fabrikant, welcher Cachemir drukte, die Farben durch Dampf befestigte; daß man zu diesem Ende nach dem Aufdruken der Tafelfarben den Stoff mit grauem ungeleimtem Papier umwikelte oder auch mit einem Baumwollenzeug oder groben wollenen Zeuge aufrollte (aufdokte), damit die Farben nicht fließen oder abfleken konnten, worauf man den Zeug dem Dampf des kochenden Wassers aussezte.

Erst im Jahre 1810 fing man in Mülhausen und zwar bei den HH. Dollfus Mieg und Comp. unter der Leitung des Hrn. Georges Dollfus an Wolle zu druken; ihr Druk war auf Merinoszeugen, in reichen Dessins, eine Nachahmung der Cachemirshawls. Nach dem Druken befestigte man die Farben mittelst eines Bügeleisens, wodurch aber der Zwek nur unvollständig erreicht wurde; die Farben waren zwar lebhaft, aber doch nicht so fest, daß sie das Waschen aushielten.

Es scheint, daß später Hr. Georges Dollfus, als er sich zu Paris auf, hielt, gemeinschaftlich mit einem gewissen Loffet aus Colmar Versuche anstellte, |456| um die Wärme des Bügeleisens durch diejenige des Wasserdampfes zu ersezen; zu diesem Ende legte man die Shawls nach dem Druken mit einem vierekigen Stük Flanell zusammen und sezte sie eine halbe Stunde lang dem Dampf des kochenden Wassers aus, indem man sie in ein Faß ohne Boden brachte, das auf einem Kessel mit kochendem Wasser stand.

Die Jury über die Industrieausstellung zu Paris im Jahre 1819 erkannte Hrn. Loffet eine silberne Medaille zu, weil er zuerst gedrukte Shawls von Merinosgeweben ausstellte, deren Zeichnungen in Blumen nach Art der Cachemirs bestanden, die durch Dampf befestigt waren und die größte Lebhaftigkeit hatten. Es ist wahr, daß zur Zeit dieser Industrieausstellung jener neue Industriezweig zu Paris, Beauvais, Amiens etc. schon sehr verbreitet war.

Zu derselben Zeit sah man aus dem Etablissement des Hrn. Ternaux zu St. Ouen wollene Zeuge und Tapeten für Meubeln, ferner Teppiche mit farbigem und erhabenem Druk (durch eine sehr sinnreiche Anwendung des Modelns) hervorgehen.

Bei derselben Industrieausstellung im Jahre 1819 wurde den HH. Gebrüdern Hausmann zu Logelbach eine goldene Medaille zuerkannt, weil sie zuerst und mit bestem Erfolge den Steinstich zum Druken wollener, seidener und baumwollener Zeuge angewandt hatten. Die Fabrik der HH. Hausmann lieferte auch die ersten seidenen Halstücher, die mit schönen Tafelfarben, welche durch Dampf befestigt wurden, bedrukt waren.

Dingler führt in seinem Journal der Indiennendrukerei auch eine Abhandlung des Hrn. Dannenberg, Kattunfabrikanten zu Berlin, über den Druk auf Wollenzeuge an.

Spater brachte Loffet diese Industrie nach England, wo er sich die Bereitungsart seiner Farben und sein Verfahren durch Modeldruk die Cachemirshawls nachzuahmen, theuer bezahlen ließ; es scheint, daß zu dieser Zeit die englischen Fabrikanten die Anwendung des Dampfes zur Befestigung der Farben auf Wolle und Seide vergessen hatten, während sie den Dampf damals mit Erfolg benuzten, um die Tafelfarben auf Baumwollenzeugen zu befestigen.

Man hat seitdem das Verfahren beim Dämpfen verbessert: gewöhnlich wendet man Dampfkessel an, wodurch man diese Operation sehr erleichtert.

Die Verfahrungsarten sind ziemlich gleich, man mag auf wollene oder seidene Gewebe druken.

Diese Art von Druk wurde auf einen hohen Grad von Vollkommenheit gebracht und bildet heut zu Tage einen sehr wichtigen Industriezweig, hauptsächlich als Luxusartikel, durch den Reichthum der Dessins, die Mannigfaltigkeit der Artikel und die Lebhaftigkeit der Farben, deren Glanz noch durch die Natur der Gewebe erhöht wird; mehrere neue Stoffe trugen auch noch dazu bei, diesem Industriezweig eine größere Ausdehnung zu geben. Unter den gemischten Geweben, welche aus Seide und Wolle bestehen, übertreffen einige an Weichheit und Feinheit die schönsten Cachemirgewebe: dahin gehören die unter der Benennung Thibet, Schaly, Mousselinwolle, Satin und Schaly-Satin bekannten.

Obgleich wir nicht mit Bestimmtheit behaupten können, daß Hr. Georges Dollfus zuerst den Dampf benuzte, um die Farben auf wollenen und seidenen Geweben zu befestigen, so ist es doch gewiß, daß seine Erfindungsgabe viel zur Vervollkommnung dieser Art von Druk beitrug.“ 90) (Bulletin de la Société industrielle de Mulhausen, No. 32, S. 195.)

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Wir wünschen weitere Bemerkungen hierüber zu erhalten.

A. d. R.

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