Titel: Whitelaw's Differentialkrahn.
Autor: Whitelaw, James
Fundstelle: 1834, Band 54, Nr. XIII. (S. 81–83)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj054/ar054013

XIII. Ueber einen Differentialkrahn. Von Herrn James Whitelaw.

Aus dem Mechanics' Magazine, No. 563, S. 120. und No. 569, S. 227.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Gegen alle mir bekannte Differentialkrahne lassen sich zwei große Einwendungen machen: nämlich die große Länge der Trommel oder der Trommeln, und die ungeheure Länge der Kette, welche erforderlich ist. Ein Plan, den ich seit längerer Zeit im Kopfe herumtrage, und den ich hier bekannt machen will, dürfte nicht nur diesen beiden Einwürfen begegnen, sondern vielleicht auch noch ein Paar andere Vortheile gewähren.

Ich kam zuerst auf die Idee eine Stechkette (pitched chain), welche durch Stechrollen (pitched pulleys) in Bewegung gesezt würde, anzuwenden, deren Enden lose herabhängen zu lassen und in ein unter den Rollen befindliches Gehäuse zusammenzulegen. Dazu wäre jedoch eine Kette nöthig gewesen, die den Ketten an den anderen Krahnen an Länge nichts nachgegeben haben würde, ausgenommen ich hätte mich einer Methode bedient, die der in Nr. 556 des Mechanics' Magazine von einem Ungenannten beschriebenen ähnlich gewesen wäre, wo ich dann die Enden der Kette mit einander hätte verbinden können. Eine solche Stechkette ist jedoch nur nach einer Richtung biegsam, was für viele Fälle von großem Nachtheile ist. Kurzlich sah ich aber an den neuen Doks bei Glasgow eine gewöhnliche Kette auf ähnliche Weise wie eine Stechkette in Bewegung sezen; die Rinne oder Auskehlung der Rolle oder Trommel war nämlich so geformt, daß die Kettenglieder abwechselnd mit der flachen Leite und mit der Kante in dieselbe paßten. Ein Blik auf Fig. 44 wird dieß deutlich machen. Da sich die Kettenglieder durch den Gebrauch länger ziehen, so wäre es natürlich gut, wenn die Trommel so verfertigt werden könnte, daß sich deren Stiche leicht verändern ließen; und dieß wäre leicht möglich, wenn die Rolle oder die Trommel, wie in Fig. 44 durch punktirte Linien angedeutet ist, in mehrere Sectoren getheilt wäre. Jeder dieser Sectoren müßte an geraden und parallelen Leisten, welche in der Richtung von Radien an eine runde, fest an die Krahnwelle zu keilende Platte gegossen sind, |82| angebracht werden. Alle diese verschiedenen Theile ersieht man aus Fig. 45.

Für den Krahn, den ich beschreiben will, und den man in Fig. 46 abgebildet sieht, sind nun zwei Rollen dieser Art und eine gewöhnliche Kette erforderlich. Die beiden Griffe des Krahnes a und b sind an den Enden der Welle, an welcher die beiden Rollen c, d, die die Kette in Bewegung sezen, befestigt sind, festgemacht; die Walzen e und f führen die Kette über diese Rollen. Bei g sind zwei Rollen neben einander angebracht, und zwar in derselben Entfernung von einander, in welcher sich die Trommeln c und b befinden. Der Durchmesser der beweglichen Rolle h ist der Entfernung der fixirten Rollen g von einander gleich. Die Rollen g, so wie auch e und f müssen in ihrem Umfange Fugen oder Kehlen haben, die jenen der Rolle h gleichkommen, und in welchen die Kette liegen kann. Die Kette ist in der Zeichnung durch Linien angedeutet und die Pfeile bezeichnen deren Richtung beim Emporsteigen des Gewichtes. So wie die Kette an der einen Seite der Rolle h herab-, an der anderen hingegen emporsteigt, werden die Pfeile über derselben in entgegengesezten Richtungen gezogen. Dadurch, daß man an einer und derselben Welle eine oder mehrere Nebentrommeln von verschiedenen Durchmessern anbringt, kann die Kraft des Krahnes leicht verändert werden; man braucht nämlich die Kette nur auf diese oder jene Trommel zu übertragen. Hat der Krahn zwei Galgen (jibs), so kann man den losen Theil der Kette, welcher unter die Trommeln herabhängt, über andere, den Rollen bei g ähnliche Rollen laufen lassen; denn auf diese Weise würde der eine Galgen zum Anhängen einer Last bereit seyn, sobald die Last des anderen emporgehoben worden. Das lose Ende kann offenbar noch auf verschiedene andere Weise verwendet werden, und sollte es nicht benuzt werden können, so müßte zur, Aufnahme desselben unter den Trommeln ein Behälter angebracht seyn. Wendet man eine endlose Kette an, so kann sie sehr kurz seyn. Die Kette hat eine gerade Zahl von Gliedern.

Mein Vater erbaute vor mehreren Jahren eine Kirche, und fand es, so wie mancher Andere sehr schwer, große Steine, nachdem sie emporgehoben, an dem Orte ihrer Bestimmung niederzusenken; besonders wenn verschiedene an dem Gebäude befindliche Hervorragungen es unmöglich machten, die Steine dicht an den Mauern des Gebäudes emporzuheben. Ich schlug ihm daher, um diesem Uebelstande abhelfen, vor, den in Fig. 47 abgebildeten Apparat zu probiren; er entsprach vollkommen, und ist daher seither schon in vielen Gegenden Englands allgemein eingeführt. Der breite und gehörig |83| geneigte Balken a wird auf gewöhnliche Weise über dem Gebäude befestigt; b, b sind die Flaschenzüge mit dem Tauwerke, und c stellt einen Stein vor, welcher auf den Scheitel der Mauer oder der Kranzleiste d gelegt werden soll. Wenn der Stein so hoch emporgehoben worden, als hier angedeutet ist, so wird er an den Ort seiner Bestimmung herabgesenkt, indem man das Seil ee, durch welches die Rolle, auf der die Flaschenzüge an dem Balken a ruhen, nachläßt. An jedem Ende dieser Walze befindet sich ein Randstük. Wenn der Stein niedergelassen und abgenommen worden, so werden die Flaschenzüge durch daß Tau e, e wieder an die zum Aufziehen neuer Steine geeignete Stelle zurükgezogen.

Anhang. Die Reibung ist an den Differentialkrahnen, wie bereits gesagt worden, sehr groß, und zwar wegen der Geschwindigkeit ihrer Theile. Diese Geschwindigkeit läßt sich vermindern, wenn man die fixen und beweglichen Rollen so groß als möglich, die Trommeln, welche die Kette in Bewegung sezen, hingegen so klein als möglich macht. Die Welle, an welcher die Trommeln und die Griffe angebracht sind, müssen große Zapfen haben, um der Drehung etc. zu widerstehen, und der große Druk auf diese Zapfen verursacht den größten Theil der Reibung des Krahnes.

Fig. 48 zeigt einen Plan einer Vorrichtung zum Emporheben großer Lasten aus einer Grube, an der an den Zapfen nur sehr wenig Reibung Statt finden kann, weil der Druk an denselben beseitigt ist, indem das Gewicht A die Welle durch die eine Trommel empor-, und durch die andere herabtreibt, während der kleine Stift der Leitungsrolle B das Gewicht trägt.

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