Titel: Verbesserte Maschinen zum Vertiefen und Ausgraben von Flußbetten etc.
Autor: Affleck, Thomas
Fundstelle: 1834, Band 54, Nr. XV. (S. 87–96)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj054/ar054015

XV. Verbesserungen an den Maschinen zum Vertiefen und Ausgraben von Flußbetten, zum Wegschaffen von Sandbänken und anderen die Schifffahrt beeinträchtigenden Dingen, worauf sich Thomas Affleck, Kaufmann in Dumfries in Schottland, am 11. December 1833 ein Patent ertheilen ließ.16)

Aus dem London Journal of Arts. Julius 1834, S. 273.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Gegenwärtige und unter obigem Patente begriffene Verbesserungen an den Methoden und Maschinen, deren man sich zum Vertiefen und Ausgraben von Flußbetten, so wie auch zum Wegschassen von Sandbänken und anderen die Schifffahrt beeinträchtigenden Gegenständen bedient, bestehen darin, daß die natürliche Strömung des Wassers auf gewisse Stellen oder Theile der Untiefen geleitet wird. Dieß geschieht mittelst gewisser Apparate und Maschinen, welche Hemmungen in der Strömung des Wassers erzeugen, und dadurch an den gewünschten Theilen einen solchen Druk und eine solche Bewegung des Wassers bewirken, daß der angehäufte Sand, Schlamm und die sonstigen Unreinigkeiten weggeschwemmt werden.

Ich bezweke dieß, sagt der Patentträger, durch verschiedene, sowohl fixirte, als bewegliche Apparate, die ich hier beschreiben will, so wie ich auch die Umstände angeben will, für welche sie sich eignen. Da es jedoch unmöglich wäre, mich in eine Auseinandersezung aller jener Ortsverhältnisse, unter welchen sich meine Operationsweisen als nützlich bewähren werden, einzulassen, so beschränke ich mich hier auf die Beschreibung einiger bestimmten Localverhältnisse und auf die Angabe des unter diesen Umständen anwendbaren Verfahrens.

Ich nehme also an, es handle sich um die Mündung eines Flusses mit Ebbe und Fluth, wo die Strömung hauptsächlich an der |88| einen Seite Statt findet, während sich an der entgegengesezten Seite, wie dieß gewöhnlich der Fall ist, an der inneren oder kleineren Curve der Krümmung eine Sandbank befindet, so daß die Untiefe einen bedeutenden Theil der Breite des Flusses einnimmt. Wenn sich diese Bank nun unter dem Niveau der halben Fluch befindet, so wird ein Theil des Wassers über den niedrigen Theil der Bank und die Linie des Wassercanales bei niederem Wasserstande strömen; und bevor die halbe Fluth eintritt und nach der halben Ebbe wird also die Sandbank der Leiter der Strömung nach einer falschen Richtung, indem die Ebene dieses Conductors, seine Directionslinie und die abfallende Fläche der Bank bewirken, daß das Wasser vorwärts strömt, und mit Gewalt auf den nächsten besten Gegenstand, auf welchen es trifft, wirkt.

Aus diesem Grunde geschieht es denn auch gewöhnlich, daß der Schlamm und die sonstigen Substanzen, welche durch die Gewalt des Wassers aufgerührt werden, an dem äußeren Theile der Curve gelegen sind, und daß die Curve, indem sie dem Wasser in seinem kreisrunden Bogen folgt, an dem niedrigen Theile der Bank und an der dem Wassercanale gegenüberliegenden Seite einen Niederschlag erzeugt. Auf solche Weise wird folglich die Bank immer größer, und damit nimmt auch ihr Einfluß auf die Ablenkung des Wassers von seinem eigentlichen Laufe immer mehr und mehr zu. Um nun ein solches Hinderniß gegen die wahre Strömung des Wassers zu beseitigen, wende ich zuerst einen stationären Apparat an, welchen ich so in der Sandbank oder in dem Flußbette beselige, daß er der Schifffahrt kein Hinderniß in den Weg legt.

Dieser Apparat besteht aus einer Reihe von Pfählen, welche ich tief und so in den Sand oder in den Schlamm eintreibe, daß sie quer durch den hervorragenden (juttingout part) Theil der Bank eine Linie bilden. Diese Pfähle können, wie man aus Fig. 25 sieht, an ihrem oberen Ende mittelst Bohlen mit einander verbunden werden. Wenn nun die Strömung und die Wogen, indem sie auf dieses Hinderniß treffen, eine Direction erhalten, so werden sie durch ihren Druk und ihre Gewalt an dem verbauten Theile einen tiefen Canal in die Sandbank wühlen, und dieser Canal wird dann das Bett für den Hauptwasserzug werden. Wenn bei sandigem Boden die Strömung, sowohl der Quantität als der Geschwindigkeit nach, bedeutend ist, so müssen die Bohlen zuerst so an den oberen Enden der Pfähle befestigt werden, daß sich die oberen Theile derselben nur wenig über der Oberfläche der Sandbank befinden, indem bei einem zu großen Widerstände zu befürchten wäre, daß plözlich eine Aushöhlung entstünde, in deren Folge die Strömung schnell den ganzen |89| Bau untergraben würde. Der Scheitel der Bohlen soll daher anfangs niedrig seyn, und in dem Maaße als die Aushöhlung tiefer und der Canal durch die Sandbank mehr ausgeschwemmt wird, müßten die Pfähle tiefer eingetrieben und auf deren oberes Ende eine größere Anzahl von Bohlen gebolzt werden.

Es bilden sich jedoch nicht selten Sandbänke, an denen nicht füglich stationäre Pfähle und Bohlen angebracht werden können; für solche Fälle eignet sich ein Apparat, der an der Spize derselben vor Anker gelegt werden kann. Fig. 26 ist ein Durchschnitt quer durch einen Fluß, an welchem sich der tiefe Wassercanal an der einen Seite befindet, während die andere Seite mit einer Bank aus Sand oder Schlamm angefüllt ist. In diesem Falle muß das Wasser bis auf eine bedeutende Höhe oder Tiefe von dem Flußbette in seiner Strömung unterbrochen werden. Die einfachste Vorrichtung, durch welche dieß zu bewerkstelligen wäre, dürfte wohl darin bestehen, daß man den Rumpf eines Schiffes tief in das Wasser untersenkt, nachdem man an den Seiten desselben unter rechten Winkeln mit dem Kiele durch Bolzen ein Gebälke befestigt, welches durch gehörige Bindemittel zusammengehalten wird. Dieser Apparat wird, wenn er zum Theil in das Wasser untergesenkt worden, der Strömung ein bedeutendes Hinderniß darbieten, und die Folge hievon wird seyn, daß eine heftige Einwirkung auf die unterhalb befindliche Sandbank entsteht, und daß rings um die Stelle, über welcher der Apparat steht, der Sand und Schlamm weggeschafft und von der Strömung fortgetrieben wird.

Damit Schiffe, welche eine freie Wasserbahn erfordern, ungehindert vorüber fahren können, und damit die Maschine auch gegen die Strömung gezogen werden kann, verbinde ich die Flügel des Gebälkes durch Angelgewinde mit dem Rumpfe des Schiffes, so daß sie entweder gegen den Vorder- oder gegen den Hintertheil hin an die Seiten des Schiffes angelegt werden können. Diese Flügel können entweder mittelst Tauen oder mittelst Ketten oder mittelst Eisenstangen unter rechten Winkeln mit dem Kiele ausgespannt erhalten werden; und am oberen Ende eines jeden der beiden Gebälke kann ein Zahnstangensegment angebracht seyn, damit man die Flügel mit Hülfe eines Getriebes oder einer Schraube ohne Ende, welche an Bord des Schiffes aufgezogen seyn müßte, ausspannen oder an die Seiten des Schiffes anlegen kann. Dieser zum Ausspannen und Einziehen der Flügel dienende Apparat muß dem Gewichte und der Stärke des Gebälkes, so wie der Quantität und der Geschwindigkeit der Strömung angemessen seyn.

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Da die Kraft der Strömung die Bank, gegen welche sie geleitet wird, rasch wegschwemmen wird, so regulire ich das Festhalten des Ankers in dem Boden auf solche Weise, daß das Schiff mit seinen Flügeln langsam mit dem Strome treibt, damit die reinigende Gewalt nach und nach auf eine ausgedehnte Streke der Sandbank einwirke. Dieß läßt sich bewirken, indem man auf dem Verdeke des Schiffes einen kräftigen Krahn anbringt, womit man den Anker heben oder senken kann, je nachdem derselbe festhalten oder nachgeben soll. Der Anker kann hiebei auch so gebaut seyn, daß er bei seinem Fortschreiten den Kies und die Steine aus den Untiefen in die tieferen Theile des Flußbettes zieht. Man kann dieser Methode ein Flußbett zu vertiefen und zu erweitern eine beliebige Kraft geben, selbst eine so große, daß die ganze Fluth und Ebbe eines Flusses in die Hälfte seines regelmäßigen Raumes geengt wird; und bei einer solchen Gewalt wird sich der Schlamm, der Sand, und selbst der Kies mit einer Geschwindigkeit fortbewegen, die beinahe der Geschwindigkeit des Wassers gleichkommt. Man kann auch mehrere solcher einfachen Maschinen in einer Reihe quer über den Fluß anbringen, und sie auf die angegebene Weise in dem Maaße mit dem Strome treiben lassen, in welchem die Sandbank kleiner und kleiner wird.

Der Schiffsraum muß belastet werden, damit das Schiff gehörig tief im Wasser gehe; da die Tiefe des Wassers jedoch je nach dem Steigen oder Fallen der Fluth verschieden ist, so muß die Schwimmkraft des Schiffes so regulirt werden, daß die Bodenströmung gleichförmig und mit der größten Kraft, welche Kraft bloß durch die Wirkung bestimmt werden kann, auf die Sandbank einwirke. Die Tiefe oder die Wassertracht des Apparates läßt sich reguliren, wenn man den Schiffsraum in wasserdichte Kammern abtheilt, und wenn man jede dieser Kammern mit einer Klappe oder einem Hahne, durch welchen Wasser eindringen kann, und mit einer Pumpe, mit welcher dasselbe wieder ausgepumpt werden kann, versieht, oder wenn man Pumpen in Anwendung bringt, die das Wasser bald ein-, bald austreiben. Diese Kammern sind nöthig, damit das Wasser nicht plözlich in die eine oder in die andere Seite oder in das eine oder andere Ende des Schiffes eindringt, damit das Schiff aufrecht erhalten werde, und damit die Schwimmkraft des Schiffes durch Füllen oder Leeren dieser Kammern nach Belleben regulirt werden kann.

Eine Modifikation des Apparates sieht man in Fig. 27 und 28; derselbe besteht hienach aus einem hölzernen Kreuze, welches mit einer starken, gußeisernen Centralplatte beschwert ist. Das Kreuz |91| kann von verschiedener Größe, von 20 bis zu 50 Yards Weite und 20 bis 30 Zoll Tiefe erbaut werden, und muß mit eisernen Füßen, welche in den Sand eingreifen, versehen seyn; es wird durch einen Anker und ein Kettentau an Ort und Stelle erhalten; das zu tiefe Eindringen der Spizen in den Sand wird durch Schultern oder andere breite Oberflächen, die sich an den Füßen befinden, verhindert. Diese Vorrichtung unterbricht, wenn sie untergetaucht wird, die Strömung des Wassers am Boden, und bewirkt, daß die darunter befindliche Bank ausgewaschen wird; und so wie der Sand oder der Schlamm nachgibt, treibt das Kreuz, je nachdem es die Länge der Kette zuläßt, langsam mit der Strömung des Wassers, und zwar mit der Fluth nach der einen, und mit der Ebbe nach der anderen Richtung. Ich gebe zwar einem Kreuze, so wie es hier abgebildet ist, den Vorzug, allein man kann auch dergleichen Vorrichtungen mit drei, fünf oder mehr Armen anwenden: jedenfalls muß in der Mitte eine Boje angebracht seyn, damit man die Stellung des Apparates erkennen kann. Unter gewissen Umständen kann man das Gebälk auch aus Holzstämmen, die gehörig mit einander verbunden werden, so erbauen, daß das Wasser in der ganzen Tiefe, bis auf welche der Apparat untergetaucht wird, einen Widerstand erleidet. In diesem Falle bringe ich dann in der Mitte des Apparates einen großen Kasten an, damit der Apparat je nach Bedarf beladen oder abgeladen werden kann; eben so baue ich in diesen Kasten auch eine kleine Kammer, in welcher die Arbeiter Schuz finden können.

Aus dieser Beschreibung der allgemeinen Principien meines Verfahrens geht deutlich hervor, daß meine Erfindung in einer theilweisen Einschränkung und Einengung des Wasserstromes besteht, wodurch das Wasser gezwungen wird, mit außerordentlichem Druke und großer Kraft so auf gewisse Theile der Sandbank einzuwirken, daß der Sand und Schlamm fortgeschafft wird, während dafür ohne alle Arbeit und ohne eigene Kosten für die Reinigung neue und tiefe Wassercanäle ausgegraben werden. Da jedoch unter verschiedenen Umständen bald der eine, bald der andere Apparat tauglicher befunden werden dürfte, so habe ich es für geeignet erachtet, hier mehrere jener Apparate anzugeben, die ich durch die Erfahrung bewahrt fand; übrigens beschranke ich mich deßhalb durchaus nicht weder auf den einen, noch auf den anderen.

In Fig. 29 sieht man einen Pfahl, dergleichen mehrere in Reihen tief in die Sandbank eingetrieben werden. Diese Pfähle, deren Höhe und deren Entfernung von einander von den Umständen abhängen muß, erzeugen durch die dadurch entstehenden Wellen und Strömungen einen tiefen unveränderlichen Canal.

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Eine andere Art von Pfahl sieht man in Fig. 30 [Fig. ist auf bezeichneter Tafel nicht vorhanden.] ; hier ist nämlich an dem oberen Ende der Pfahlstange eine Scheide befestigt, in welche ein Holzblok eingesenkt wird. Wenn eine Reihe solcher Pfähle längs der Mitte des zu erzeugenden Wassercanales eingetrieben wird, so wird das Holz durch seinen Umfang der Strömung ein Hinderniß entgegensezen, und dadurch das oben erwähnte Ausschwemmen hervorbringen.

Fig. 31 zeigt eine andere Vorrichtung, indem hier an langen, in den Sand eingetriebenen Pfählen eine Reihe oder Linie von Schleusen aufgehängt ist. Diese Schleusen werden, wenn man einen tiefen Canal durch eine Sandbank erzeugen will, quer durch den Fluthweg angebracht, wo dann die Ebbe auf der einen, und die Fluth auf der anderen Seite der Pfahlreihe eine tiefe Aushöhlung hervorbringt. Die Schleusen können zuweilen den ganzen zwischen den Pfählen befindlichen Raum ausfüllen; in sehr exponirten Stellungen hingegen wird es besser seyn, wenn die Schleusen an dem oberen Theile offen sind, damit ein Theil der Wellen darüber wegströmen kann. In einigen Fällen muß verhindert werden, daß die Schleusen nicht über einen gewissen Grad hinaus geöffnet werden können; für diese Fälle ist es daher am besten, den unteren Theil der Schleuse mittelst einer Kette an dem Pfahlwerke zu befestigen.

Fig. 32 ist eine Linie Pfahlwerk, wodurch eine Strömung verhindert werden kann, ihre Stelle zu verändern; es muß so stark seyn, daß es den stärksten Wogen und Strömungen, in deren Bereich es kommen könnte, zu widerstehen vermag, darf aber keinem Schiffe im Wege stehen.

Um in irgend einem Wassercanale die Anhäufung von Sand zu verhindern, kann man in irgend einem Theile der Linie und quer durch die Linie der Wasserbahn einen tragbaren, dem in Fig. 25 beschriebenen ähnlichen Apparat anwenden, und denselben in Abtheilungen anbringen. Da in vielen Fällen sowohl die Breite, als die Tiefe einer Wasserbahn unterhalten werden muß, so bediene ich mich unter solchen Umständen eines Apparates, wie man ihn in Fig. 33 im Grundrisse sieht. Gesezt die eine Seite des Grundrisses stelle einen Damm oder einen Kai vor, so errichte ich, um der Strömung ein Hinderniß in den Weg zu legen, an aufrechten, an der Brüstung des Dammes befestigten oder fest in den Boden getriebenen Gewinden hölzerne Schwingrahmen oder Flügel, welche sich beim Fallen der Fluth quer durch die Strömung nach Außen öffnen, während sie sich beim Steigen derselben flach gegen die Brüstung des Dammes anlegen. Der Grad, bis auf welchen sich diese Flügel öffnen sollen, kann durch Aufhälter, welche in das Bett des Flusses |93| oder des Hafens eingetrieben werden, oder auch durch Sperrketten bestimmt werden. Aehnlich gebaute Rahmen kann man auch, wie die zulezt angeführte Figur zeigt, so anbringen, daß sie sich um eine Centralachse drehen, welche aus einer eisernen, fest in das Flußbett eingetriebenen Stange besteht; diese Rahmen würden nämlich, wenn sie der Strömung ein Hinderniß darbieten sollen, entweder quer oder unter irgend einem Winkel stehen, je nachdem die Strömung gegen diese oder jene Sand- oder Schlammanhäufung gerichtet werden soll; während des Steigens der Fluth hingegen würden sie sich drehen, und nach der Richtung der Strömung zu liegen kommen.

Fig. 34 ist ein Balken, welcher mittelst kurzer Ketten, mit denen er an Pfählen, die in den Grund eingerammt sind, befestigt ist, auf solche Weise festgehalten wird, daß er der Strömung ein Hindernis in den Weg legt. An der unteren Seite dieses Balkens können sich eiserne Zähne befinden, mit denen er in das Flußbett eingreift, und den Boden aufwühlt, während das Wasser die aufgewühlten Substanzen fortschwemmt. Durch Ankervorrichtungen läßt sich, wie man aus Fig. 35 ersieht, auch eine ganze Reihe solcher Balken anbringen, und wenn man an der oberen Seite dieser Balken überdieß auch noch leere Fässer anbringt, so wird die Bewegung der Wellen bewirken, daß die Zähne oder Spizen beständig den Boden auflokern.

Fig. 36 zeigt mehrere solche Balken, welche in einer gewissen Entfernung von einander angebracht sind, sich quer durch die Mitte des Wasserstromes erstreken, und an beiden Enden durch Ankerketten oder auf sonstige geeignete Weise mit einander verbunden sind. Dieser Apparat wird durch das Hinderniß gegen die Wasserströmung, welches er mit sich bringt, bewirken, daß das Wasser während des Ablaufes einer Landfluth das Flußbett bis auf eine bedeutende Tiefe auswäscht. Wenn keine Fluth in dem Flusse Statt findet, so kann man die Kette an der einen Seite loslassen, so daß sämmtliche Balken in einer Linie an die eine Seite des Flusses fallen; so wie hingegen die Fluth wieder kommt, kann man die Ankerkette wieder an der entgegengesezten Seite des Flusses befestigen, während die andere Kette nachgelassen wird, so daß die Balken wieder quer über die Strömung zu liegen kommen, wie sie in der Zeichnung dargestellt sind. Um diese Operation über eine bedeutende Streke des Flusses auszudehnen, braucht man die Ankerkette nur während des Ablaufes einer ganzen Fluth in Zwischenräumen und allmählich je um einige Zolle nachzulassen; indem auf diese Weise das ganze Flußbett in einer einzigen Fluth in einer bedeutenden Streke ausgewaschen werden kann. Dieses Verfahren eignet sich hauptsächlich, wenn |94| das Flußbett aus einem zähen Thone besteht; allein bei fortgesezter Anwendung werden auch Kies- und Steinlager dadurch aufgewühlt, und durch die Gewalt des Wassers weggeschwemmt.

In Fig. 37 sieht man eine Reihe von Agitatoren, welche aus kurzen, hölzernen Pflöken bestehen, die mit Eisen beschlagen, und einzeln durch die Glieder einer starken Kette gestekt sind, so zwar, daß die abwechselnden Pflöke sich mit einander kreuzen, und das eine Ende eines jeden Pflokes auf dem Boden ruht. Das eine Ende der Kette ist an einem Anker oder einem Ankerbloke festgemacht, das andere hingegen an einer schwimmenden Boje. Die Enden der Pflöke, welche durch das Wasser in Bewegung gesezt werden, haken den Boden auf und machen ihn lose, so daß das Wasser den Sand und Kies wegschwemmen kann.

Fig. 38 ist ein schwimmender Balken, welcher die Strömung nach Abwärts leiten soll; er wird durch einen Ankerblok und eine Kette an Ort und Stelle erhalten. Die Länge des Armes, der sich nach Abwarts erstrekt, bestimmt den Winkel, unter welchem die Vorrichtung zu schwimmen hat, um den gehörigen Widerstand gegen die Wasserströmung zu erzeugen.

Fig. 39 ist ein Quergebalke, an welchem senkrechte, am unteren Ende zugespizte Stäbe angebracht sind. Diese Vorrichtung wird von einem Pfahle, der sich in der Mitte befindet, und der fest in das Flußbett eingerammt wird, festgehalten. Die Stäbe kommen, so wie das Wasser zwischen ihnen durchströmt, in solche schwingende Bewegung, daß ihre Spizen dadurch in den Boden hineinbohren, und ihn auf diese Weise auflokern. Der mittlere Pfahl muß von Zeit zu Zeit tiefer in den Boden eingetrieben werden, damit die Spizen der Stäbe immer in gehöriger Stellung erhalten bleiben.

Eine andere Vorrichtung zum Aufbrechen des Flußbettes, wenn dasselbe aus harten, festen Materialien besteht, sieht man aus Fig. 40, wo eine Art von Stachelschweinwalze vorgestellt ist. Es sind hier nämlich an einem hölzernen Balken, der die Stelle einer Welle vertritt, eine große Anzahl von Armen angebracht, die gleich Radien gestellt, gehörig befestigt, und an den äußeren Enden zugespizt sind. Diese Walze wird in die Mitte des Flusses öder überhaupt an jene Stelle gebracht, welche vertieft werden soll, um dann von Pferden, welche sich zu beiden Seiten am Ufer befinden, oder mittelst irgend einer anderen Kraft, welche durch Ketten auf die Enden der Welle wirkt, fortgezogen zu werden. Auch an diesem Apparate brechen, wie man sieht, die Spizen der Arme den Boden auf, so daß die losen Materialien durch den Widerstand, den die Strömung erfährt, weggeschwemmt werden können.

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In Fig. 41 und 42 steht man einen Auf- und Grundriß eines keilförmigen Apparates, welcher die meisten der in den vorhergehenden Figuren beschriebenen Vorrichtungen in sich vereint. Dieser Aparat soll auf solche Weise in den Fluß gebracht werden, daß er die Strömung mit seinem weiteren offenen Theile aufnimmt, und indem er sie einengt, an dem anderen Ende einen so gewaltsamen Austritt des Wassers erzeugt, daß dadurch aller Schlamm, aller Sand und alle Steine, welche die Sandbank bildeten, fortgetrieben werden müssen. Die Seiten des Apparates sind aus Holz gebaut, und mit senkrechten Eisenstangen, welche in den Boden eingreifen, versehen; er wird durch Anker an Ort und Stelle erhalten. An Querbalken sind Fässer angebracht, damit der ganze Apparat, wenn ja ein Unfall mit demselben eintreten sollte, schwimmend erhalten werde. Uebrigens ist dieß nicht zu befürchten; denn der Apparat gewährt selbst in den exponirtesten Lagen große Sicherheit. Ich brachte einen solchen, der aus gelbem, amerikanischem Fichtenholze erbaut war, in einem Arme des Solway bei sehr stürmischem Wetter in Thätigkeit, so daß er sich täglich unter Umständen befand, unter welchen jedes Segelschiff unrettbar zu Grunde gegangen wäre. Die Kraft einer Landfluth ist in jedem Flusse so groß, daß man mit dieser Vorrichtung in wenigen Stunden eine bedeutende Streke des Flußbettes reinigen, und ihm eine gleichmäßige Tiefe geben kann.

Wenn sich an einem Pfeiler oder an den Seiten eines Dammes, den ich als aus Holz erbaut annehmen will, Sand und Schlamm angehäuft hat, wie Fig. 43 zeigt, so umgebe ich, wenn diese angesammelten Massen weggeschafft werden sollen, dessen Seiten mit Thüren, welche sich nach Innen öffnen. Diese Thüren lassen das Wasser, so wie es steigt, eintreten; und da es daselbst eingeengt wird, und weil sich die Thüren schließen, nicht mehr zurüktreten kann, so wird das Wasser am Boden des Baues mit bedeutender Gewalt ausströmen, und alle die angehäuften Substanzen mit sich fortreißen. Das Innere des hölzernen Pfeilers oder Dammes muß in Kammern abgetheilt seyn, wenn der Erfolg am größten seyn soll; denn jede Welle wird, indem sie das Thürchen nach Einwärts öffnet, darin über dem Niveau des stillen Wassers stehen; und da das Wasser auf keinem anderen Wege entweichen kann, so wird es in Folge seines Drukes die unten angehäuften Materialien austreiben, und die Reinigung bewirken.

Ebendiese Vorrichtung ist auch auf die Fronte eines steinernen Kai's oder einer Brüstung anwendbar; man kann zu diesem Behufe |96| einige Fuß weit von der vorderen Seite des Pfeilers einige temporäre Pfähle in den Boden eintreiben.

Nachdem ich nun verschiedene meiner Methoden und Apparate beschrieben, habe ich schließlich nur noch zu bemerken, daß, indem das Wesen meiner Erfindung darin liegt, daß ich eine starke Strömung des Wassers nach Abwärts gegen den Boden oder das Bett eines Flusses erzeuge, dieß unter gewissen Umständen auch durch Pumpen, welche mittelst einer kräftigen Dampfmaschine in Bewegung gesezt, und durch welche das Wasser in Strömen gegen den Boden getrieben würde, bezwekt werden könnte.

Endlich wiederhole ich noch, daß es unmöglich wäre, hier jede einzelne Modification der Vorrichtungen, Apparate oder Maschinen, die von den Localumständen bedingt werden, zu beschreiben. Ich erkläre daher, daß meine Erfindung darin besteht, daß ich die Wasserströmungen nach den oben angegebenen Principien dirigire, einenge, aufhalte und abhalte, um dadurch zu bewirken, daß der Druk oder die Kraft solcher eingeengter Wasserströme in erhöhtem Grade auf gewisse Theile der Sandbänke und Untiefen wirkt, und daß hiedurch neue, tiefe und geräumige Wassercanäle für Schiffe von jeder Ladung gebildet werden.

Das London Journal begleitet dieses Patent, von welchem wir schon im Polyt. Journale Bd. XLVIII. S. 154 Nachricht gaben, wider seine sonstige Sitte, mit einer sehr empfehlenden Einleitung. Es sieht in demselben die passendsten Mittel, wodurch viele versandete Flüsse, mancher versandete Hafen wieder ohne alles Hinderniß und ohne alle Gefahr schiffbar gemacht werden könnte. Die Versuche, welche der Patentträger in Schottland im Kleinen mit seiner Methode anstellte, sollen sehr günstig ausgefallen seyn; im Großen wurde dasselbe bisher nur in einem englischen Hafen, nämlich zu Yarmouth benuzt, und daselbst, wie es heißt, mit so glüklichem Erfolge, daß dessen Anwendung bald allgemeiner werden dürfte. Wir wünschen sehr, daß man bei uns in Deutschland, wo die meisten unserer Flüsse zu den versandeten gehören, nicht mit Versuchen hierüber zaudern möchte, und sehen der Ausführung dieser Versuche bei dem Interesse, welches in lezterer Zeit für Erleichterung der Communicationswege wenigstens in einigen Gegenden rege wurde, auch mit Zuversicht entgegen. A. d. R.

Fig. ist auf bezeichneter Tafel nicht vorhanden.
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