Titel: Ure's Versuche über die Zukerraffination.
Autor: Ure, Andrew
Fundstelle: 1834, Band 54, Nr. XIX. (S. 113–122)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj054/ar054019

XIX. Versuche, welche Dr. Andrew Ure, M. D. F. R. S., Professor der Chemie, in Auftrag der Lords des geheimen Rathes für Handel und Colonien über die Zukerraffination anstellte.

Aus dem London Journal of Arts. März 1834, S. 90, April S. 138, Mai S. 198, Junius S. 259 und Julius S. 312.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

(Fortsezung und Beschluß des Aufsazes in Bd. LIV. Heft 1. S. 67)

Sechste Reihe von Versuchen.

Diese Versuche wurden mit Montserrat-Moscovade-Zuker angestellt, welcher zu 53 Schill, per Cntr. angekauft worden. Sein Korn war gut, allein er hatte ein etwas krystallinisches Aussehen, welches wahrscheinlich von einem sehr langsamen Abkühlen in den Colonialkühlgefäßen herrührte. Er war rein, aber etwas gelblich, während man den grauen für den besten hält. Da sich meine Apparate in vollkommen gutem Zustande befanden, und ich mit gutem |114| Moscovadezuker zu arbeiten hatte, so zweifelte ich nicht, daß mir die Raffination sehr befriedigende Resultate geben würde. Die tabellarischen Angaben des Mauthbeamten, die ich am Ende beifügen werde, zeigen die Vortrefflichkeit der Qualität des Fabrikates; bei der vierten Tagarbeit erhielten wir aus einem Gemenge von beinaht gleichen Gewichtstheilen Rohzuker und grünem Syrup Hutzuker vom doppelten Muster: ein Resultat, welches beinahe noch nie erzielt worden, und welches mich um so mehr mit den sanguinischsten Hoffnungen auf das Maximum des Ertrages erfüllte, als jede Ursache, durch welche ein Ausfall hätte entstehen können, sorgfältig vermieden ward. Es war hier auch keine vorläufige Reinigung nöthig, indem die Fässer keine merkliche Quantität sogenannter Foots enthielten.

Die erste Tagarbeit schien sehr gut gegangen zu seyn; denn 35 Cntr. 1 Quart. 11 Pfd. Rohzuker gaben 152 Hamburger Hüte von doppeltem Muster, welche 13 Cntr. 2 Quart. 13 Pfd. wogen; so daß also auf 100 Pfd. des geschmolzenen Zukers 39 1/2 Pfd. kommen.

Zu der nächsten Tagarbeit, welche 5 Tage nach der ersten, am 29. Januar, unternommen wurde, wurden die Schaumflüssigkeiten der ersten Tagarbeit verwendet, und daher war der Ertrag verhältnißmäßig noch größer. 32 Cntr. 3 Quart. 18 Pfd. gaben nämlich 14 Cntr. 25 Pfd. Hüte, wonach also 43 1/2 Pfd. auf den Centner kamen.

Die dritte, am 31. Januar begonnene Tagarbeit verlief noch besser; denn 33 Cntr. 2 Quart. 1 Pfd. geschmolzener Zuker gab mit Einschluß der Schaumflüssigkeit 15 Cntr. 2 Quart. 15 Pfd., also nicht weniger als 48 Procent.

Die vierte, fünfte und sechste Tagarbeit verliefen gleich gut, und gaben gleich große Verhältnisse raffinirten Zukers. Bei den ersten 5 Tagwerken wurden zusammen aus 151 Cntrn. 3 Quart. 20 Pfd. Rohzuker, welche nicht ganz die Hälfte der zu diesen Versuchen angekauften Zukermasse ausmachten, nicht weniger als 79 Cntr. 1 Quart. 17 Pfd. Zuker von doppeltem Muster gewonnen. Beim 6ten Tagwerk wurden aus 26 Cntr. Rohzuker, welche mit grünen Syrupen versotten wurden, beinahe 20 Cntr. einfacher Hutzuker erzeugt, so daß also in 6 Tagarbeiten 100 Cntr. raffinirter Zuker erzielt wurden. Die nächstfolgenden Sude gingen auf ähnliche Weise und ohne den geringsten Anschein eines Verlustes von Statten, und doch ergab sich beim Addiren des Ganzen ein Gewichtsabgang, welcher hauptsächlich am Bastardzuker merklich war, und der sich nur durch Diebstahl oder durch absichtliche Zerstörung von Syrup erklären läßt.

|115|

Tabelle VI.

Cntr. Quart. Pfd.
Gewicht des zum Raffiniren verschmolzenen Zukers 305 1 15
Hiezu der Rükstand vom 5ten Versuche mit 1 2 20
–––––––––––––
307 7
Totalertrag an Hut-, Lumpen-, Bastardzuker und Syrup 280 3 10
–––––––––––––
Verlust 26 25

Der Verlust beträgt also hier 9 1/2 Pfd. per Cntr., mithin beinahe das Doppelte von jenem Verluste, der sich bei dem viel schlechteren, zum dritten Versuche verwendeten Zuker ergab.

Cntr. Quart. Pfd. Rükzoll. Pfd. Sch. D.
Ertrag an doppelten Hüten 113 1 20 zu 54 Sch. per Cntr. 306 5 2 1/4
– einfachen Hüten 98 3 19 zu 46 – – 227 10 3 3/4
– Bastardzuker 28 26 zu 30 – – 42 7 2 1/4
– Syrup 40 1 1 ––––––––––––––
576 2 8 1/4
Abzug 1/5 – 115 4 6 1/2
––––––––––––––
Netto-Rükzoll 460 18 1 5/4
Einfuhrzoll zu 24 Schill, per Cntr. 368 9 4 3/4
––––––––––––––
Verlust an Einkommen bei 307 Cntr. 92 8 9
––––––––––––––
Zoll von 30 Schill, per Cntr. = dem Rükzolle 468 18 0

113 Cntr. 1 Quart. 20 Pfd. doppelte Hüte = 133 Cntr. 1 Quart. 22 1/2 Pfd. einfacher Hüte.

Hiezu obige einfache Hüte mit 98 – 3 – 19 –
–––––––––––––––––––––––
Totalertrag an einfachem Hutzuker 232 Cntr. 1 Quart. 13 1/2 Pfd.

Hienach ergeben sich folgende Verhältnisse:

Cntr. Quart. Pfd. Cntr. Quart. Pfd. Pfd. Pfd.
Wenn 307 0 7 : 232 1 13 1/2 = 112 : 84,76 einfachen Hutzuker.
307 0 7 : 28 0 26 = 112 : 10,30 Bastardzuker.
307 0 7 : 40 1 1 = 112 : 14,56 Syrup.
Oder mit anderen Worten, 112 Pfd. geben direct: Pfd.
doppelten Hutzuker
einfachen Hutzuker
41,37
36,06
77,43
Bastardzuker 10,30
Syrup 14,67
Verlust 9,60
––––––
112,00

Der Verlust erfolgte bei diesem Versuche an den Syrupen, deren Quantitäten merkwürdig gering waren, nachdem am 5. März 14 Tonnen Zuker behandelt worden. Man kann in dieser Hinsicht den 4ten und 6ten Versuch mit einander vergleichen, indem hier die Anzahl der Sude und der nochmaligen Sude beinahe gleich war. ES wurden nämlich bei dem 6ten Versuche, obschon bei demselben ein Gewichtsunterschied von 3 Cntr. zu seinen Gunsten Statt fand, und obschon derselbe mit Moscovadezuker unternommen wurde, nur 455 Töpfe Syrup gesammelt; während bei dem vierten Versuche, |116| der doch mit einem gekalkten, Melassen freien Zuker angestellt wurde, 515 Töpfe gesammelt wurden, so daß mithin ein Unterschied von 60 Töpfen Statt fand. Das Gewicht des Zukers, welcher in dem Syrupe eines Sammlungstopfes enthalten ist, kann im Durchschnitte zu 50 Pfd. angenommen werden, und folglich scheint der Inhalt von vollen 20 dieser Töpfe beseitigt worden zu seyn.

Je häufiger der Zuker beim Raffiniren umgegossen wird, um so zahlreicher sind die Kalkungen, und um so öfter füllen sich die Ablauftöpfe. Der 6te mit Moscovadezuker angestellte Versuch sollte gegen den 4ten Versuch viel mehr einen großen Ueberschuß statt einen Mangel an Sammlungstöpfen ergeben haben. Ich habe bemerkt, daß in Folge der Verbesserungen der Siedekraft der Pfanne, die nach dem 4ten Versuche eintraten, unsere Syrupe merkwürdig hell gefärbt, und von aller Klebrigkeit frei waren, so daß selbst mehrere erfahrne Zukersieder darüber erstaunt waren. Bedachte ich außerdem noch den großen Ertrag einer jeden Tagarbeit in Hinsicht auf die Quantität der in die Pfanne gebrachten Materialien, so mußte ich wohl hienach ein dem Ganzen entsprechendes Resultat erwarten. Der Grund, worauf sich diese meine Erwartung stüzte, wird noch auffallender in die Augen springen, wenn man zwei oder drei Tagarbeiten des 3ten Versuches mit analogen Tagarbeiten des 6ten Versuches vergleicht, und dabei in beiden Fällen das absolute Gewicht der rohen und der raffinirten Producte berüksichtigt.

So erhielt ich bei der ersten Tagarbeit des 6ten Versuches aus 34 Cntr. 1 Quart. 19 Pfd. Rohzuker 13 Cntr. 2 Quart. 13 Pfd. Raffinade von doppeltem Muster, während nach dem Verhältnisse des 3ten Versuches zu schließen 35 Cntr. 2 Quart, hiezu erforderlich gewesen wären, so daß sich also bei jeder einfachen Tagarbeit und bei gleichem Gewichte eine Ersparniß von 121 Pfd. ergab.

Bei der zweiten Tagarbeit des 6ten Versuches wurden aus 32 Cntr. 3 Quart. 18 Pfd. Rohzuker, wozu auch noch die Schaumflüssigkeiten der vorhergehenden Tage genommen wurden, 14 Cntr. 23 Pfd. doppelter Musterhutzuker erzielt, während nach den Verhältnissen bei dem 3ten Versuche zu urtheilen, unter gleichen Umständen 33 Cntr. 2 Quart. 8 Pfd. nöthig gewesen seyn sollten. Ueberdieß ist hiebei noch zu bemerken, daß das Resultat der zweiten Tagarbeit des 3ten Versuches dem doppelten Muster nicht gleichkam, und folglich eher schwerer als leichter hätte seyn sollen. In der That wurde bei dem 6ten Versuche aus einer Quantität rohen Materiales, welche um 74 Pfd. weniger betrug, dasselbe Gewicht Raffinade erzeugt, und zwar eine Raffinade von besserer Qualität, als jene, die beim 3ten Versuche erzeugt worden. Alle diese Thatsachen beweisen zur |117| Genüge, daß der Siedeproceß sehr gut war, und daß gegen ihn keine Einwendung gemacht werden kann. Aus einer sorgfältigen Vergleichung der zukerhaltigen Flüssigkeit vor und nach dem Versieben zeigte sich, daß die Farbe vor- wie nachher dieselbe war, obschon der Syrup bekanntlich gegen das Ende der Concentration sehr gern dunkler wird. Bei der dritten Tagarbeit des 6ten Versuches gaben 32 Cntr. 2 Quart. 1 Pfd. Rohzuker 15 Cntr. 2 Quart. 15 Pfd. Hutzuker vom doppelten Muster; nach dem Verhältnisse des 3ten Versuches zu schließen waren hingegen 36 Cntr. 3 Quart. 14 Pfd. erforderlich gewesen, um obiges Gewicht einfachen Hutzuker daraus zu erzeugen. Hier ist das Resultat wahrhaft überraschend, und hier steht das Princip, nach welchem ich meine Raffinationsoperationen zulezt leitete, im schönsten Lichte; aus einer um 4 Cntr. 1 Quart. 12 Pfd. geringeren Quantität Rohzuker wurde nämlich dasselbe Gewicht eines besseren Fabrikates erzielt.

Vergleicht man jene Tagarbeiten dieser beiden Versuche, bei welchen die Ablaufsyrupe zugleich mit den Rohzukerflüssigkeiten versotten wurden, so ergibt sich derselbe Vorzug der Resultate des 6ten über den 3ten Versuch, und zwar sowohl der Quantität, als der Qualität nach. Ich will jedoch diese kleinliche Berechnung Anderen überlassen, indem ich vollauf bewiesen, daß alle zukerhaltigen Flüssigleiten, welche in die Siedepfanne gebracht wurden, bei jeder Periode des 6ten Versuches gehörig in Anschlag kamen. Wenn übrigens zukerreiche Syrupe in betrügerischer Absicht während der Arbeit gestohlen werden, so kann sich dieser Betrug erst am Ende des Processes zeigen, wie dieß beim fünften und besonders beim 6ten Versuche auch der Fall war.

Ich befinde mich hienach nach allem dem Gesagten in der unangenehmen Lage, schließen zu müssen, daß beim 5ten Versuche beiläufig 7 Cntr. Zuker während des Klärens und beim 6ten Versuche 9 Cntr. in Form von Ablaufsyrupen entwendet und beseitigt wurden.

Ich muß endlich noch bemerken, daß, wenn beim vierten Versuche dieselben Verbesserungen im Versieden Statt gefunden hatten, wie beim 5ten und 6ten Versuche, der Ertrag an raffinirtem Zuker um 8 Pfd. per Cntr. größer, der Ertrag an Syrup aber dafür um eine entsprechende Menge geringer ausgefallen wäre. Denn solche gekalkte Brasilienzuker kommen in Hinsicht auf das Raffiniren an Güte gewöhnlichen, zermalmten Lumpen gleich; die Fabrikation guter gekalkter Zuker hat auch in der That sehr große Analogie zu den Operationen, die man in Europa zum Behufe des Raffinirens des Zukers vornimmt.

|118|

Zusammenstellung der Resultate der Versuche.

Erster Versuch.

Schadhaft gewordener Brasilienzuker 152 Cntr. 1 Quert. 13 Pfd. zu Pfd. Sch. D.
19 Sch. 6 D., den Zoll zu 24 Schill, angenommen, Preis 331 8 0

Rükzoll, welcher für die Raffinaden gezahlt wird, 4 Pfd. 6 Sch. per Cntr. Verkaufte Produkte der Raffination:

Cntr. Quart. Pfd. Pfd. Sch. D. Pfd. Sch. D.
19 3 1 doppelter Hutzuker 3 12 0 per Cntr. 71 2 9
68 2 24 einfacher Hutzuker 3 6 5 228 4 4 1/2
23 1 25 Bastardzuker 2 3 6 1/2 51 2 3 1/2
30 1 22 Syrup 1 3 0 35 0 4
–––––––––––––
385 9 9
–––––––––––––
Bilanz zu Gunsten der Raffinerie 54 1 9
Hiezu noch den Gewinn beim Rükzoll 14 8 9
–––––––––––––
Totalbilanz zu Gunsten der Raffinerie 68 10 6

Zweiter Versuch.

Gemeng von obigem Brasilienzuker zu 19 Sch. 6 D., mit gleichen
Theilen Jamaicazuker zu 22 Sch. 6 D., zusammen im Gewichte
von 198 Cntr. 3 Quart. 15 Pfd. Zoll zu 24 Sch., Preis
Pfd.

447
Sch.

10
D.

0

Rükzoll, welcher für die Raffinaden gezahlt wird, 1 Pfd. 7 Sch. 3 1/4 D. per Cntr. Verkaufte Produkte der Raffination:

Cntr. Quart. Pfd. Pfd. Sch. D. Pfd. Sch. D.
47 3 25 doppelter Hutzuker 3 12 0 per Cntr. 172 14 7
72 1 2 einfacher Hutzuker 3 6 5 239 17 11
29 0 17 Bastardzuker 2 3 6 1/2 63 9 0
37 3 21 Syrup 1 3 0 43 13 0
––––––––––––––
521 14 6
––––––––––––––
Bilanz zu Gunsten der Raffinerie 74 4 6
Gewinn durch den Rükzoll 32 14 5
––––––––––––––
Totalbilanz zu Gunsten der Raffinerie 106 18 11

Dritter Versuch.

Jamaicazuker 199 Cntr. 14 Pfd. zu 22 Sch. 6 D.: Preis mit
Einschluß des Zolles
Pfd.
462
Sch.
19
D.
6

Rükzoll, welcher für die Raffinaden gezahlt wird, 25 Sch. 5 3/4 D., per Cntr. Verkaufte Producte der Raffination:

Cntr. Quart. Pfd. Pfd. Sch. D. Pfd. Sch. D.
47 3 25 doppelter Hutzuker 3 12 0 per Cntr. 48 16 3 3/4
96 3 10 einfacher Hutzuker 3 4 7 1/2 312 19 8 3/4
38 2 12 Bastardzuker 2 5 9 88 8 4
41 1 12 Syrup 1 2 5 1/2 46 8 11
–––––––––––––
496 13 3 1/2
–––––––––––––
Bilanz zu Gunsten der Raffinerie 33 13 9 1/2
Hiezu Gewinn an Rükzoll 14 16 6 1/4
–––––––––––––
Totalbilanz zu Gunsten der Raffinerie 48 10 3 3/4
|119|

Vierter Versuch.

Brasilienzuker 304 Cntr. 1 Quart. 5 Pfd. zu 28 Sch., Zoll zu Pfd. Sch. D.
24 Schill. 791 3 7

Rükzoll, welcher für die Raffinaden gezahlt wird, 1 Pfd. 12 Sch. per Cntr. Verkaufte Producte der Raffination:

Cntr. Quart. Pfd. Pfd. Sch. D. Pfd. Sch. D.
141 1 24 doppelter Hutzuker 3 10 6 1/2 per Cntr. 499 9 2 1/2
79 2 24 einfacher Hutzuker 3 2 10 250 12 9 1/2
29 3 27 Bastardzuker 2 1 2 1/2 61 16 0
42 3 24 Syrup 1 3 0 49 8 3 1/2
–––––––––––––
861 6 3 1/4
–––––––––––––
Bilanz zu Gunsten der Raffinerie 70 2 8 1/4
Gewinn am Rükzoll 92 12 8
–––––––––––––
Totalbilanz zu Gunsten der Raffinerie 162 15 4 1/4

Hätte der Einfuhrzoll 28 Schill, betragen, so würde dem Raffineur außer dem Gewinne bei der Raffination doch noch ein Gewinn von 46 Pfd. 6 Sch. 4 D. auf Kosten der Mautheinnahme geblieben seyn.

Fünfter Versuch.

Jamaicazuker 311 Cntr. 3 Quart. 9 Pfd. zu 28 Sch., Zoll zu Pfd. Sch. D.
24 Sch., Preis 810 15 2

Rükzoll, welcher für die Raffinaden gezahlt wirb, 29 Sch. per Cntr. Verkaufte Producte der Raffination:

Cntr. Quart. Pfd. Pfd. Sch. D. Pfd. Sch. D.
78 1 15 doppelter Hutzuker 3 11 0 per Cntr. 278 5 8
124 0 23 einfacher Hutzuker 3 4 0 397 9 5
46 1 5 Bastardzuker 2 3 0 99 10 9
41 1 14 Syrup 1 3 0 47 11 6
–––––––––––
822 17 4
–––––––––––
Bilanz zu Gunsten der Raffinerie 12 2 2
Gewinn an Rükzoll 88 4 8
–––––––––––
Totalbilanz zu Gunsten der Raffinerie 100 6 10

Hiezu ist aber noch der Werth der verlornen 7 Cntr. Zuker mit 18 Pfd. 4 Sch. zu rechnen.

Sechster Versuch.

Montserratzuker 307 Cntr. 7 Pfd. zu 29 Sch., Preis mit Pfd. Sch. D.
Einschluss des Zolles 815 2 9 1/2

Rükzoll, welcher für die Raffinaden bezahlt wird, 30 Sch. per Cntr. Verkaufte Producte der Raffination:

Cntr. Quart. Sch. Pfd. Sch. D. Pfd. Sch. D.
113 1 20 doppelter Hutzuker 3 11 0 per Cntr. 402 13 6
98 3 19 einfacher Hutzuker 3 4 0 316 10 10
28 0 26 Bastardzuker 2 3 0 60 14 3 3/4
40 1 1 Syrup 1 3 0 46 6 0
–––––––––––––
826 4 4 1/4
–––––––––––––
Bilanz zu Gunsten der Raffinerie 11 1 7 3/4
Gewinn am Rükzoll 92 8 9
–––––––––––––
Totalbilanz zu Gunsten der Raffinerie 103 10 4 3/4

Zu dieser Summe ist jedoch noch der Werth der entwendeten 9 Cntr. Zuker mit 23 Pfd. St. 17 Sch. zu zählen.

|120|

Ich füge nun nur noch die von dem Mauthbeamten, Hrn. H. V. Morgan abgefaßten Tabellen bei.

Anhang.

Der Bericht des Hrn. Dr. Ure, den wir hier mittheilten, hat unter den englischen Zukerraffineurs außerordentliche Sensation erregt, und schon das Augustheft des London Journal of Arts enthält S. 31 einen kurzen Artikel eines solchen, dem demnächst mehrere andere folgen sollen. Wir erlauben uns das Wesentliche dieses Aufsazes als Anhang beizufügen.

Es dürfte in England wohl kaum einen Industriezweig geben sagt der Verf., der die Aufmerksamkeit der Regierung in höherem Grade verdiente, als die Zukerraffination; sie ist sowohl als einer der Hauptzweige unseres Colonialhandels, als wie ein Gewerbe, welches eine ungeheure Ausdehnung erlangt hat, und welches beständig auf wissenschaftlichen Principien vorwärts schreitet, von größter Wichtigkeit. Die Versuche, welche Hr. Dr. Ure in Auftrag der Handelskammer anstellte, wurden unternommen, um genau zu ermitteln, welche Quantität Raffinadezuker und anderer Products aus einem Centner rohen oder gekalkten Zukers gewonnen werden kann, damit hienach auf eine billige Weise der Rükzoll berechnet werden könnte, den die Regierung als Ersaz für die Auflage auf die Einfuhr von rohem Colonialzuker bewilligt. Die Raffineurs, als Körperschaft, waren natürlich nicht geneigt, das Maximum des Ertrages an Raffinade per Centner Rohzuker genau anzugeben; allein dieß geschah nicht, um dem ausführenden Fabrikanten einen größeren Rükzoll in die Hand zu spielen, sondern bloß deßhalb, weil das Maximum des Produktes nach den verschiedenen von einigen Fabrikanten angenommenen Verbesserungen beständig wechselt, und weil die Details der Raffinerie in Betreff der Quantität, welche im Laufe fortwährender Operationen aus einem Centner Rohzuker erzeugt werden soll, nothwendig von dem Urtheile abhängt, welches jeder Fabrikant von dem relativen Stande des Marktes im In- und Auslande zu dem Markte des Rohzukers fällt. Dieses Urtheil muß ihn nämlich in dem Entschlusse leiten, ob er die große Masse seiner schlechteren Syrupe in sogenannten Bastardzuker, wovon wenig oder gar nichts ausgeführt wird, oder in Syrup oder Melasse, wofür kein Rükzoll bezahlt wird, verwandeln soll. Dr. Ure hat in seinem Berichte so viele der Arcana oder Geheimnisse der Zukersiedereien bekannt gemacht, daß es mir erlaubt sey, noch das einzige Geheimniß, worauf das ganze Verfahren in Hinsicht auf Gewinn oder Verslust beruht, hinzuzufügen.

|Zu S. 120|

Tabelle I. Erster Versuch.

Textabbildung Bd. 54, Zu S. 120
|Zu S. 120|

Tabelle II. Zweiter Versuch.

Textabbildung Bd. 54, Zu S. 120
|Zu S. 120|

Tabelle III. Dritter Versuch.

Textabbildung Bd. 54, Zu S. 120
|Zu S. 120|

Tabelle IV. Vierter Versuch.

Textabbildung Bd. 54, Zu S. 120
|Zu S. 120|

Tabelle V. Fünfter Versuch.

Textabbildung Bd. 54, Zu S. 120
|Zu S. 120|

Tabelle VI. Sechster Versuch.

Textabbildung Bd. 54, Zu S. 120
|121|

Diese vorläufigen Bemerkungen sind nothwendig, um die Wirkung und die Folgen der in den lezten Jahren gemachten wissenschaftlichen Verbesserungen in der Zukerraffination zu verstehen. Die vorzüglichsten dieser Verbesserungen sind Howard's Erfindung, den Zuker im luftleeren Raume zu versieden, und die beinahe gleichzeitige Anwendung der thierischen Kohle, während einige Zeit früher vegetabilische Kohle angewendet wurde. Jeder wissenschaftlich gebildete Leser wird wissen, daß in Folge des Versiedens der Syrupe im luftleeren Räume eine verhältnißmäßig größere Menge raffinirter Zuker aus denselben gewonnen werden kann, als durch das Versieden derselben in offenen Pfannen, wobei der Syrup durch die directe Einwirkung des Feuers auf die Pfanne immer eine theilweise Veränderung oder Verkohlung erleidet. Nicht so bekannt ist es aber, und gerade die Theoretiker dürften es am wenigsten wissen, daß Zuker, welcher bei der niedrigen Temperatur der Vacuumpfanne oder der sogenannten Badepfannen erzeugt worden, der Einwirkung der feuchten Seeluft auf langen Seereisen bei weitem nicht so gut widersteht, wie der in offenen Pfannen raffinirte Zuker. Jeder Kaufmann, welcher Zuker versandt hat, weiß dieß; und Dr. Ure sagt selbst in seinem Berichte, daß die langsame Verdampfung nachtheilig war, und daß seine ersten Hüte nicht nur porös wurden, sondern sogar zu Pulver zerfallen wären, wenn man sie nicht noch ein Mal versotten hätte. Howard's Erfindung bleibt jedoch dessen ungeachtet eine höchst wichtige und wohlthätige; es kann durch sie unstreitig eine größere Quantität weißeren und glänzenderen raffinirten Zukers gewonnen werden, und das Publicum erhält also seinen feineren Zuker wohlfeiler. Außerdem ergibt sich aber hieraus auch noch der Vortheil, daß der Zuker schneller in den Handel gebracht werden kann. Uebrigens habe ich die Ueberzeugung, daß eine bestimmte Quantität Howard'schen Patentzukers nicht so sehr versüßt, als eine gleiche Quantität Zuker, welcher in offenen Pfannen versotten worden, selbst wenn lezterer von niedrigerer Qualität ist; und daß erster nach der Gährung bei der Destillation nicht so viel Alkohol gibt, als lezterer, woraus sich nach meiner Ansicht allein die relative Quantität Zukerstoff ergibt, die in bestimmten Quantitäten Roh- oder Raffinadezuker enthalten ist. Man darf endlich nicht vergessen, daß die Anschaffungskosten der Dampfmaschine und des ganzen Apparates sehr groß sind, so zwar, daß es höchst wahrscheinlich ist, daß die Erfindung, der Verbesserung der Qualität und der Vermehrung der Quantität des Produktes ungeachtet, bisher nur den Patentinhabern, nicht aber den Raffineurs zu Gunsten kam. Es ist auch wirklich eine Thatsache, daß mehrere der größten Vacuumraffinerien |122| fallirten, oder ihre Operationen einstellten, nachdem sie mehrere Jahre lediglich für das allgemeine Beste gearbeitet hatten. Die Ausgaben einer Zukerraffinerie sind so außerordentlich groß und so verschiedenartig, daß bei der Auswahl und bei dem Ankaufe des rohen Materiales die größte Umsicht und Erfahrung nöthig ist, wenn man auch nur die gewöhnlichen Interessen des aufgewendeten Capitales hereinbringen will. Es wäre gewiß sehr erbaulich, wenn Hr. Dr. Ure als Anhang zu seinen Tabellen auch noch eine Tabelle der Kosten, die seine Versuche veranlaßten, und hienach eine genaue Bilanz des Verlustes oder Gewinnes, den die Regierung bei denselben machte, nachliefern würde. Da die Patente auf Verbesserungen in der Zukerraffination gegenwärtig so häufig geworden, daß es beinahe scheint, die Gelehrten suchen in den Zukerhüten die Kunst Gold zu machen, so wäre eine aufrichtige Vorlage sämmtlicher diese Versuche betreffender Documente von Seite der Regierung gewiß sehr wünschenswerth und sehr nüzlich.

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