Titel: Howard's Queksilber- oder Wasserdunstmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 54, Nr. XXVI. (S. 152–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj054/ar054026

XXVI. Notiz über Thomas Howard's Esq. Queksilber- oder Wasserdunstmaschine.20)

Aus dem Mechanics' Magazine, No. 579, S. 410.

Das Princip der neuerlich von Hrn. Thomas Howard Esq. erfundenen Queksilbermaschine, welche besser eine Wasserdunstmaschine |153| (vapeur-engine) genannt werden dürfte, und welche nun versuchsweise an dem Dampfboote Sr. Majestät, der Comet, angewendet werden soll, beruht auf dem Unterschiede zwischen dem Verdampfungspunkte des Wassers und jenem des Queksilbers, von denen ersterer bei 212°, und lezterer bei 660° F. Statt findet. An der Dampfmaschine mit einem Kessel oder Dampferzeuger von gewöhnlicher Form wechselt der zum Betriebe der Maschine nöthige Druk nach der Dichtheit des Dampfes, obschon dieselbe oder beinahe dieselbe Oberfläche (d.h. 10 Quadratfuß per Pferdekraft) erforderlich ist, die Maschine mag mit hohem oder niedrigem Druke betrieben werden. An der Dunstmaschine hingegen wird der Dampf erzeugt, ins dem man innerhalb der möglich kürzesten Zeit die möglich geringste Menge Wasser verdünstet, und indem man den Druk durch Verdünnung dieses Dampfes und durch ausdehnungsweise Anwendung desselben erzeugt. An dieser Maschine fällt daher der gegenwärtig übliche Dampfkessel, so wie auch die ganze in ihm enthaltene Wassermenge weg.

So viel von dem Principe der Maschine; ihre Operationsweise ist folgende. Eine seichte, gußeiserne und mit Queksilber gefüllte Pfanne, welche an einer Maschine von 10 Pferdekräften eine Oberfläche von 7 Quadratfuß darbietet, und wonach also 3/4 Quadratfuß auf die Pferdekraft kommen, ist unmittelbar unter dem arbeitenden Cylinder, der 20 Zoll im Durchmesser hat, über dem Feuer angebracht. Ueber diesem Queksilber und auf demselben ruhend befindet sich eine sehr dünne eiserne Platte. Wenn nun das Queksilber durch das auf die Pfanne einwirkende Feuer auf eine Temperatur, welche zwischen 400 und 500° F. (aber nicht mehr) beträgt, erhizt worden, so wird auf die dünne, das Queksilber bedekende Eisenplatte, durch ein zu diesem Behufe angebrachtes Mundstük regenförmig Wasser gesprizt, welches vorher bis zum Siedepunkte erhizt worden, und welches auf diese Weise augenbliklich und vollkommen in Dampf von sehr großer Verdünnung verwandelt wird. Dieser Wasserregen braucht nicht ununterbrochen fortzuwähren, sondern er erfolgt in Zwischenräumen, d.h. auf jeden Kolbenhub kommt eine Einsprizung. Die Quantität Wasser, welche eingesprizt wird, und durch welche die Kraft der Maschine bestimmt ist, wird durch die Bewegung einer kleinen Klappe, die entweder mit der Hand oder durch einen der gewöhnlichen Mechanismen gestellt wird, regulirt. Um die hohe Temperatur, welche erforderlich ist, schneller herbeizuführen, und um |154| dieselbe zu unterhalten, ist mit dem Ofen ein Gebläse in Verbindung gebracht, welches so regulirt ist, daß es immer gleichförmig eine und dieselbe Quantität Luft liefert. Rund um den arbeitenden Cylinder herum ist eine Kammer angebracht, in der sich der Dampf sammelt, bevor er durch die Einführungsklappen in den Cylinder geleitet wird. Diese Kammer hat selbst wieder ihr äußeres Gehäuse, durch welches aller Wärmestoff, der allenfalls nicht vom Queksilber aufgenommen wurde, gehen muß, ehe er den Rauchfang erreicht. Es hat sich gezeigt, daß man mittelst dieser Einrichtung den Dampf innerhalb der an dem arbeitenden Cylinder gelegenen Kammer bis auf 400° F. erhizen kann, ohne daß dessen Druk im Allgemeinen um mehr als 10 Pfund per Quadratzoll über den Druk der atmosphärischen Luft steigt. Während dieses Theiles des Processes erfolgt gar keine Verdichtung; statt des bedeutenden Verlustes an Nuzeffect, welcher an der gewöhnlichen Dampfmaschine in Folge der Verdichtung Statt findet, wird dem Dampfe eine solche Ausdehnung oder Expansion gegeben, daß alle Verdichtung unmöglich ist. Ein Volumen Dampf z.B., welches in Berührung mit dem Wasser 212° F. zeigen würde, wird über dem Queksilber auf 1 1/2 Volumen von 450° F. ausgedehnt. Um noch mehr zu ersparen, wird der Dampf ausdehnungsweise angewendet, indem er ungefähr nach dem vierten Theile des Kolbenhubes abgesperrt wird; dieß gibt nämlich durch den ganzen Hub im Durchschnitte einen Druk von 12 Pfd. per Zoll, während der Druk für den vierten Theil 20 Pfd. per Zoll beträgt.

Wenn nun der Dampf seine Wirkung vollbracht hat, so wird er auf folgende Weise wieder verdichtet. So wie er durch die Ausführungsröhre aus dem arbeitenden Cylinder austritt, gelangt er in ein kupfernes Verdichtungsgefäß, welches beständig mit kaltem Wasser gefüllt erhalten wird. Mit dem Boden dieses Verdichtungsgefäßes stehen zwei Pumpen, welche durch die Maschine in Bewegung gesezt werden, in Verbindung; und eben so läuft von demselben eine kupferne Röhre aus, welche, nachdem sie, um eine größere Oberfläche dem kalten Wasser auszusezen, in dem Behälter mehrere Windungen gemacht hat, an dem unteren Theile aus dem Verdichter austritt, und an ihrem Ende mit einer belasteten Klappe versehen ist. In den Verdickter selbst wird eine solche Quantität Flüssigkeit gebracht, daß die Röhre und die Pumpen damit gefüllt sind, und daß leztere kräftig spielen können. Die Pumpen saugen die warme Flüssigkeit beständig von dem Boden des Verdichters auf, führen sie durch das Schlangenrohr, und entziehen ihr auf diese Weise den Wärmestoff, so daß, wenn sie hierauf durch die Klappe in den |155| Dampf eingesprizt wird, der aus dem Cylinder in den Verdichter trat, dieser Dampf augenbliklich in eine Flüssigkeit umgewandelt wird. Bei diesem Verdichtungsprocesse wird also leine atmosphärische Luft angewendet, wie dieß in der gewöhnlichen Dampfmaschine geschieht; eben so braucht die Maschine nur ein Mal mit Wasser gespeist zu werden, indem immer wieder dasselbe Wasser zur Verdichtung verwendet wird. Der Apparat steht zwar mit einer kleinen Luftpumpe in Verbindung, allein diese dient bloß dazu, um am Anfange der Bewegung die Luft auszupumpen, oder um jene Luft zu entfernen, welche zufällig eindringt. Aus dem Verdichter wird das Wasser endlich durch eine kleine Pumpe wieder in die Einsprizvorrichtung des Verdampfungsapparates zurükgeführt.21)

Das Brennmaterial, dessen sich Hr. Howard bedient, besteht aus Kohks. Sein Apparat würde zwar auch mit Walliser Steinkohle, welche keine große Flamme gibt, arbeiten; allein die Heizoberfläche, die er anwendet, ist nicht groß genug, um alle die Hize, welche eine flammende Kohle gibt, zu absorbiren. Wird die Maschine mit Kohks betrieben, so rechnet Hr. Howard, daß sie, was das Brennmaterial betrifft, um die Hälfte wohlfeiler betrieben werden kann, als eine gewöhnliche Dampfmaschine.

Das Dampfboot, der Comet, an welchem nun Hr. Howard leine Maschine anbringen, soll, hat eine Ladung von 232 Tonnen und eine Kraft von 40 Pferden. Beiläufig der sechste Theil der Tonnenladung ist für die Kessel und die dazu gehörigen Theile, so wie für das Wasser erforderlich. Es verbraucht stündlich 6 3/4 Cntr. Steinkohlen, oder beiläufig 8 Tonnen innerhalb 24 Stunden; und es kann bloß Brennmaterial für 4 Tage unter sein Verdek bringen.22) Wird an diesem Dampfboote hingegen statt der gewöhnlichen Dampfmaschine die Howard'sche Maschine angebracht, so wird der sechste Theil der Tonnenladung, welche gegenwärtig für die Kessel etc. bestimmt ist, beinahe ganz erspart. Der Verbrauch an Kohls wird nur 3 Cntr. per Stunde oder 3 1/2 Tonnen in 24 Stunden betragen; der Comet wird also hienach 70 Tonnen Brennmaterial, und folglich einen Bedarf für 20 statt für 4 Tage laden können, ohne deßhalb auch nur um einen Zoll tiefer im Wasser zu

Wir haben von dem Bestehen der Howard'schen Maschine im Polyt. Journale Bd. XLVII. S. 208 Nachricht gegeben; kein englisches Journal hat bisher noch eine Abbildung oder Beschreibung derselben geliefert, obschon das Patent vom 29. Novbr. 1832 datirt ist. Die frühere Howard'sche Dampfmaschine, welche eigentlich der neueren zum Grunde liegt, findet man im Polyt. Journale Bd. XXIV. S. 3 beschrieben und abgebildet. A. d. R.

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Diese Verdichtungsmethode ist auch auf die gewöhnliche Dampfmaschine anwendbar, und gewährt den Vortheil, daß immer wieder dasselbe Wasser in den Kessel zurükgeführt wird. A. d. O.

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Der Comet ist in dieser Hinsicht ungewöhnlich klein gebaut; denn die meisten königlichen Dampfboote können wenigstens für 8 Tage Brennmaterial laden. A. d. O.

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