Titel: Bakewell, über die die Ziegelfabrikation in England.
Autor: Bakewell, Samuel Rosce
Bakewell, Samuel Rosce
Fundstelle: 1834, Band 54, Nr. XLI. (S. 215–222)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj054/ar054041

XLI. Einiges über die Ziegelfabrikation in England. Von Hrn. S. R. Bakewell.29)

Im Auszuge aus dem Mechanics' Magazine, No. 578, S. 393.

Niemand, der mit der Sache, um die es sich hier handelt, nur einiger Maßen vertraut ist, wird läugnen, daß die Ziegelbereitung in England bis auf die neuesten Zeiten auf einer sehr niedrigen Stufe stand. Man untersuche, um sich hievon zu überzeugen, nur die Fronten der Mehrzahl der Gebäude in England, und man wird finden, daß wenigstens zwei Drittheile derselben aus rohen, garstigen, unförmlichen, weichen Klumpen gebrannten Thones bestehen, welche den Namen von Ziegeln gar nicht verdienen. Diese sogenannten Ziegel sind überdieß voll Höhlungen, voll Rissen und Sprüngen, |216| und voll Unebenheiten: abgesehen davon, daß sie das Wasser gleich Schwämmen einsaugen. Wie kann man fordern, daß aus solchem Materiale schöne und dauerhafte Gebäude hergestellt werden sollen; wie kann man glauben, daß sich auf solche Weise Häuser bauen lassen, die nicht beständig feucht und ungesund seyn müssen? Wahrlich unsere Ziegel sind eine Schande für unsere Ziegelfabriken sowohl, als für unsere Hauseigenthümer, die ein derlei Fabrikat nicht zurükschlagen, oder dem Fabrikanten keinen Preis gestatten, bei welchem er seinen Artikel von besserer Qualität zu liefern im Stande wäre.

Der Hauptfehler, den man gewöhnlich begeht, liegt nächst den, schlechten Brennen darin, daß man den Thon schlecht knetet, obschon gerade diese Operation mehr als zwei Mal so oft vollbracht werden soll, als gewöhnlich, weil die Güte der Ziegel großen Theils auf ihr beruht. Man versicherte mich, daß zwar noch gegenwärtig eine von James I ausgegangene, und seither noch nie widerrufene Verordnung existire, kraft welcher keine Ziegel aus dem Thone geschlagen werden durften, ausgenommen derselbe wurde der Witterung ausgesezt, und in gehörigen Zwischenzeiten vor dem 1. März wenigstens drei Mal umgewendet. Diese Verordnung war in jeder Hinficht weise; denn durch Einhaltung derselben wurden die Ziegel nicht nur viel besser, sondern es fanden in deren Folge eine große Anzahl von Arbeitern, die sonst brodlos gewesen wären, gerade in der harten Jahreszeit gehörige Beschäftigung. Ziegel, welche nach diesem Geseze verfertigt sind, würden gewiß viel fester und dauerhafter seyn, als die gegenwärtig gebräuchlichen, und jeder derselben würde bei gleicher Größe gewiß um den sechsten Theil mehr Thon enthalten, als dieß gegenwärtig bei der gewöhnlich üblichen Knetmethode der Fall ist. Alle diese Mängel dürfen jedoch, so fühlbar sie sind, nicht den Ziegelschlägern allein zur Last gelegt werden, indem sie hauptsächlich auch dadurch bedingt sind, daß man die Bauten gewöhnlich an die Wenigstnehmenden zu versteigern pflegt, wodurch diese Unternehmer dann gezwungen werden, die wohlfeilsten, und mithin auch die schlechtesten Materialien anzukaufen.

Die neueren Bauten in England scheinen im Allgemeinen mit den sonstigen daselbst herrschenden Gesinnungen in größerem Wiederspruche zu stehen, als man vielleicht auf den ersten Blik zuzugeben geneigt seyn möchte. Während man nämlich in allen Dingen auf das äußere Aussehen so gewaltig viel hält, scheint man bei dem Häuserbau eine ganz entgegengesezte Bahn einzuschlagen; denn so viel man thut, um die Häuser von Innen glänzend auszustatten, eben so wenig thut man für die Güte oder Schönheit ihres Aeußeren. |217| Die einzige Entschuldigung, welche sich für diesen Mange an Geschmak vorbringen läßt, liegt in der Schwierigkeit, mit der man sich bisher gute und schöne Ziegel zu verschaffen im Stande war. In Washington, Baltimore und Philadelphia wurde seit einigen Jahren kaum ein Haus gebaut, an welchem man die Ziegel der Fronte nicht gern für 4 Pfd. 10 Schill, bis 5 Pfd. per Tausend, oder wenigstens nicht unter 3 Pfd. 10 Schill, bezahlte, obschon die Ziegel in den Vereinigten Staaten mit keiner Auflage belegt sind. Hei allem dem kann man die Mehrzahl unserer Baulustigen in England dennoch nicht der Knikerei oder einer außerordentlichen Sparsamkeit beschuldigen, indem sie an ihren Häusern eine Menge von Stuccaturarbeit zu verschwenden pflegen. Diese verkleisterten Häuser sehen zwar eine Zeit lang sehr gut aus; allein sie werden in sehr kurzer Zeit so garstig und abgenüzt, daß sie beständig reparirt werden müssen, und diese beständigen Reparaturen, dieses immerwährende Anstreichen, wodurch eigentlich doch nur etwas im Inneren schlechtes verdekt wird, kostet am Ende mehr, als es gekostet haben würde, wenn man sein Haus gleich anfangs solid gebaut hatte.

Der Thon um London ist von sehr mittelmäßiger Beschaffenheit. Hr. Lees, einer der ersten Baumeister, fand vor einigen Jahren, daß die Ziegel sowohl an Farbe, als an Güte bedeutend gewinnen würden, wenn man den Thon mit gepülvertem Kalke vermischen würde, und ließ sich daher ein Patent auf seine Erfindung geben. dessen ungeachtet verliefen, wie ich ans zuverlässiger Quelle weiß, nicht weniger als 7 Jahre, bevor er auch nur eine einzige Licenz zur Benuzung seiner Erfindung abzusezen im Stande war: zum deutlichen Beweise, wie schwer es ist, das Volk von seinen alten Gebräuchen und Vorurtheilen abzubringen; und zum deutlichen Beweise der gelingen Sachkenntniß und des Mangels an Unternehmungsgeist bei den Ziegelfabrikanten der ersten Stadt in der Welt. Obschon nun die Ziegel durch die Vermengung des Londoner Thones mit Kalk bedeutend verbessert wurden, so sind sie doch noch wegen der unsicheren Brennmethode, welche man befolgt, so wie auch deßwegen, weil man sie mit Steinkohlenasche oder mit anderen Materialien, die durch das Verbrennen eine Veränderung erleiden, vermengt, sehr porös. Sie saugen daher auch eine große Menge Wasser ein, und stehen in dieser Hinsicht an Güte den Ziegeln aus vielen anderen Gegenden Londons nach. Nur eine Methode befolgt man um London, welche nach meiner Ansicht vor dem in den Provinzen üblichen Verfahren den Vorzug verdient. Man legt die Ziegel nämlich, so wie sie aus dem Model kommen, zum Troknen unter Dach, während man sie an anderen Orten bloß auf den Boden legt, und sie selbst dem heftigsten |218| Regen ausgesezt läßt. Die Noch scheint die Londoner Ziegelfabrikanten hiezu zu zwingen; denn würden sie ihre Ziegel eben so dem Regen ausgesezt lassen, wie man dieß zu Manchester zu thun pflegt, so würden diese sogenannten Ziegel wahrscheinlich bald gänzlich weggeschwemmt seyn. Ich halte übrigens dieses Verfahren für sehr gut und zwekmäßig, wenn man hinlänglichen Raum hat, und zwar aus folgenden Gründen: 1) werden die Ziegel auf diese Weise selten oder gar nie vom Regen beschädigt, und 2) müssen die Ziegelschläger, indem die Ziegel nachdem sie geformt auf Schubkarren fortgeschafft werden, einen etwas festeren Thon nehmen, als sie sonst nehmen würden. – Die Ziegelschläger, welche die gewöhnlichen Ziegel verfertigen, sind im Allgemeinen bessere Arbeiter, als jene zu Manchester oder Liverpool, oder manchen anderen Orten; und dennoch machen sie gar keine feinen Ziegel. Dieß hindert jedoch nicht, daß sich die Arbeiter Londons, und namentlich die Werkführer, in ihrem unausstehlichen Eigendünkel für die besten auf der Welt halten!

Die beliebteste Farbe der Ziegel in London ist die gelbe, und je näher sie der Farbe des Schwefels kommen, um so lieber hat man sie, und für um so besser werden sie gehalten. Ich untersuchte einige Ziegel der Ueberreste des alten White Conduite House, welches schon vor einigen Jahrhunderten erbaut worden, und fand, daß sie dieselbe gelbe Farbe haben, wie die besten unserer gegenwärtigen gelben Ziegel. Der Thon, aus welchem sie bereitet wurden, mußte also nothwendig eine größere Menge Kalk enthalten haben, als man ihn gegenwärtig in der Nahe von London trifft; denn es läßt sich nicht denken, daß die Entdekung, welche Lee machte, hätte verloren gehen können, wenn sie ein Mal bekannt gewesen wäre.30)

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Ich fand in verschiedenen Gegenden Englands sehr guten Thon, namentlich bei Leicester, Derby, Manchester und Liverpool, obschon man denselben in den beiden lezten Orten sehr schlecht knetet. Den testen Thon für rothe Ziegel, welchen ich während meines ganzen Lebens fand, traf ich jedoch in der Nachbarschaft von Colebrookdale, wo derselbe auf ähnliche Weise wie die Steinkohlen aus einer bedeutenden Tiefe zu Tage gefördert wird. Wenn aus diesem Thone gepreßte Ziegel auf eine wohlfeile Weise nach Liverpool geschafft, und von hier als Ballast nach New-York verschifft werden könnten, so bin ich überzeugt, daß man sie daselbst sehr leicht für 5 1/2 bis 6 Guineen das Tausend absezen könnte, indem man zu New-York sämmtliche Fronteziegel aus Baltimore, Philadelphia etc. bezieht.

Den ersten Ziegelbrennern in Manchester muß ich das Zeugniß geben, daß ich nirgendwo auf der Welt Leute fand, die in diesem Geschäfte den Vorzug vor ihnen verdient hätten. Der einzige, der ihnen in dieser Hinsicht gleichkam, war Hr. Hopkins von Newton Colney bei Burton-upon-Trent, welcher der beste Ziegelfabrikant in England war, bis die neu erfundenen Ziegelpressen daselbst eingeführt wurden. Dieser Mann wußte seinen Thon besser abzuarbeiten, als irgend ein Ziegelfabrikant zu Manchester; er konnte seinem Fabrikate auch mehr Zeit schenken, indem er das Tausend Fronteziegeln nie unter 3 Pfd. 10 Schill. verkaufte.

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Ich habe im Laufe einer kurzen Zeitperiode die Hauptziegelstätten in beiläufig 20 Grafschaften Englands, und jene in 18 Grafschaften der Vereinigten Staaten besichtigt: ich sah daselbst mehr als ein Duzend verschiedener Maschinen und Methoden, den Thon zu kneten und zu bearbeiten. Ich glaube hienach das Urtheil fällen zu können, daß nach meiner Meinung die beste Thonmühle, welche ich je sah, von einem Engländer, dem Vorstande der ausgedehnten Ziegelstätten des seligen Benjamin Morgan Esq., Kaufmannes zu New-Orleans erbaut wurde.31)

Das Princip dieser Mühle ist gegenwärtig zu New-Orleans allgemein angenommen, und beiläufig 50 derselben sind daselbst beständig in Thätigkeit; auch die Maschine, welche ich in England patentiren ließ, ist nach diesem Principe erbaut, nur habe ich mannigfache Verbesserungen daran angebracht. Ich kann trokenen Thon für 16,000 Ziegel aus dem Thonlager nehmen, ihn die Nacht über in der Mühle einweichen, und ihn den nächstfolgenden Morgen mit Beihülfe von zwei Pferden und einem Knaben innerhalb drei Stunden vollkommen und viel besser abkneten, als dieß auf irgend eine andere Weise möglich ist. Man wird in dem in meiner Maschine behandelten Thon nicht ein Klümpchen von der Größe einer Erbse finden; er ist so glatt, zäh und formbar, als man es nur wünschen kann, und ich zweifle keinen Augenblik, daß die Ziegelfabrikanten in und um London durch die Annahme meines Verfahrens an den gewöhnlichen Ziegeln 2 Schill. beim Tausend, und an den mit Kalk vermengten Ziegeln selbst noch mehr gewinnen würden. Dieser Vorzüge ungeachtet, und obschon die Ziegel selbst durch die bessere Behandlung des Thones bedeutend an Güte gewinnen würden, glaube ich bei den feindseligen Gesinnungen der Vorstände und ihrer Werkführer gegen mich doch kaum erwarten zu dürfen, daß auch sie nach meinem Verfahren arbeiten werden.

Die Ziegelpressen, von denen ich oben Erwähnung machte, und mit denen man Ziegel von unglaublicher Schönheit zu verfertigen im Stande ist, sind jene, auf welche ich ein Patent erhielt. Meine Ziegel sind so scharfkantig und glatt, als ein Model, und so hart wie Marmor; und zwar aus dem Grunde, weil jeder Ziegel, wenn er halb getroknet ist, einem Druke von mehr dann zwei Tonnen ausgesezt wird. Die Maschinen, in welchen dieser Druk vollbracht wird, sind so einfach, fest und dauerhaft, daß sie selbst von ihren größten Feinden nicht leicht in Unordnung gebracht werden können; |221| ein Lehrling, der in seinem Leben keinen Ziegel gemacht hat, kann in 15 Minuten mit der Behandlung derselben vertraut gemacht werden. Was ihre Dauer betrifft, so möchte dieselbe wohl so groß seyn, daß sie in 20 bis 25 Jahren kaum weitere Ausbesserungen, als eine neue Fütterung der Model bedürfen.

Meine Ziegel haben übrigens auch noch einen anderen Vorzug vor den gewöhnlichen; ihre Fläche ist nämlich in einer Entfernung von einem Zolle von den Rändern mit einer beiläufig 1/2 Zoll tiefen Verzahnung oder Aushöhlung versehen. Durch diese Einrichtung ist es den Arbeitern möglich, die Fugen so klein als möglich zu machen, während der überschüssige, in die Ausschnitte eindringende Mörtel eine Art von Schlüssel bildet. Gebäude, welche aus solchen Ziegeln erbaut sind, haben keine eisernen Bindestangen, womit die Winde zusammengehalten werden, von Nöthen; auch können Hausdiebe nicht leicht Löcher in die Wände machen, was an den gewöhnlichen Mauern sehr leicht möglich ist. Es geschah nämlich in den lezten Zeiten zu Manchester und an anderen Orten nicht selten, daß die Diebe zuerst den Mörtel, der sich zwischen den Steinen befindet, herauskrazten, die losen Ziegel dann aushoben, und bei dem auf solche Weise erzeugten Loche endlich einstiegen. Bei meinen Ziegeln ist dieß unmöglich; man müßte, um ein Loch in die Mauer machen zu können, die Ziegel zerbrechen, und dieß würde gewiß einen solchen Lärm verursachen, daß die Diebe ihren Zwek nicht erreichen könnten.

Wenn die auf diese Weise geformten Ziegel gehörig gebrannt sind, so müssen die aus denselben erbauten Häuser nothwendig sehr schön werden; und was deren Dauerhaftigkeit betrifft, so läßt sich dieselbe zwar nicht genau berechnen, allein es unterliegt auch keinem Zweifel, daß sie sich länger in ihrer vollkommenen Schönheit erhalten werden, als dieß bei den gewöhnlichen Gebäuden aus Stein der Fall ist. Ich schließe dieß daraus, weil Ziegel, welche in den lezten Jahren von den Ruinen Babylon's nach New-York gebracht wurden, und welche also gegen 3000 Jahre alt sind, so unversehrt sind, als wären sie erst frisch gebrannt worden.

Merkwürdig ist an diesen alten Ziegeln, daß sich auf jedem derselben einige Hieroglyphen befinden, welche nothwendig vor dem Brennen eingedrükt worden waren. Auch römische Ziegel von einem Janustempel, welche ich zu Leicester sah, und welche gegen 2000 Jahre alt sind, haben noch vollkommen ihre rothe Farbe und ein Aussehen, als wären sie erst frisch gebrannt worden. Gibt es irgend einen Stein, den man so lange der Einwirkung der Zeit |222| und der Witterung aussezen könnte, ohne daß er irgend eine Veränderung erlitte, und ohne daß sich mehr oder weniger merkliche Aushöhlungen in denselben bildeten?

Der Artikel, den wir hier mittheilen, ist ein gedrängter Auszug aus einem kleinen Werkchen, welches im Laufe dieses Jahres unter folgendem Titel in Manchester erschien: Observations on Building and Briekmaking; to which are subjoined Extracts from Testimonials in behalf of S. R. Bakewell's Patent Brickmaking Machines.“ Wir geben denselben, theils weil er sich großen Theils auf unsere neuen Bauten anwenden läßt, theils zur Vervollständigung der Erklärung des Patentes, welches Hr. S. R. Bakewell (früher in den Vereinigten Staaten, gegenwärtig in Manchester) am 18. August 1830 auf neue Maschinen zur Ziegelfabrikation nahm, und welches man im Polytechn. Journale Bd. XLIV. S. 173 findet. A. d. R.

|218|

Das Mechanics' Magazine macht hier folgende Bemerkungen: „Wir müssen mit Bedauern gestehen, daß Alles, was Hr. Bakewell hier sagte, vollkommen wahr ist. Und doch scheint er den armen Ziegelschlägern zu nahe zu treten, wenn er diesen allein alle Schuld der Schlechtigkeit der Ziegel beimißt, und ganz vergißt, daß unsere Gesez- und Verordnungen-Fabrikanten oder unsere Schreiber gleichfalls einen großen Antheil daran haben. Wir empfehlen ihm daher Montgomery Martin's Taxation of the British Empire nachzulesen, worin er folgende Stelle finden wird.“ „Wir kommen nun zur Untersuchung der Wirkung des Accisegesezes auf die Ziegelfabrikation, wobei wir auch hier, so wie in allen anderen Fällen, das Gift der Schlange finden. Nach einer Verordnung Georgs III müssen die in England zum Verkaufe gebrachten Ziegel 8 1/2 Zoll lang, 2 1/2 Zoll dik und 4 Zoll breit seyn. Die Maschen der Siebe, durch welche man die Steinkohlenasche siebt, welche unter den Thon gemengt wird, dürfen nicht über 1/4 Zoll weit seyn. Wie lästig die übrigen Verordnungen in dieser Hinsicht sind, ergibt sich aus folgendem Paragraphe eines im Spectator erschienenen Aufsazes. Der Anfang der Fabrikation, heißt es daselbst, muß jedes Mal angezeigt werden, unter einer Strafe von 100 Pfd. Sterl.; die einzelnen Artikel werden, so wie sie aus dem Model kommen, mit der Auflage belegt, wobei |219| ein Nachlaß von 10 Procent für Verlust gestattet ist. Dieß ist jedoch nicht genug, und dem Gange der Dinge nach geschieht es nicht selten, daß für ein und dasselbe rohe Material mehrere Male die Auflage bezahlt werden muß. Da nämlich alle Operationen in freier Luft vorgenommen werden, so kann der gemodelte Artikel leicht durch die Kälte, die Hize oder durch den Regen Schaden leiden, abgesehen von der Gefahr, die er zulezt noch beim Brennen läuft. So können die Ziegel in einer einzigen Nacht durch Frost bedeutenden Schaden leiden; und werden sie dann neuerdings wieder verarbeitet, so muß abermals die Auflage bezahlt werden. Diese bereits doppelt gezahlten Ziegel können noch ein Mal durch Regen etc. verunglüken, und müssen bei wiederholter Umarbeitung dennoch wieder die Auflage bezahlen, abgesehen davon, daß sie am Ende verdorben aus dem Ofen kommen können! Für die gewöhnlichen Gefahren, welche bei einer Fabrikation Statt finden, müssen die Abnehmer oder Verschleißer natürlich zahlen; allein in gegenwärtigem Falle wird der Preis der Versicherung durch die Taxe bedeutend erhöht, während die Gefahren selbst gerade durch die bestehenden Reglements gleichfalls vermehrt werden. Wenn die Ziegel z.B. ein Mal aufgeschichtet sind, so müssen sie in diesem Zustande bleiben, bis der Zollbeamte dieselben verzollt hat; d.h. sie dürfen nicht eher entfernt werden, als bis der Beamte die Erlaubniß dazu ertheilt hat, wenn sie auch über dieser Zögerung zu Grunde gehen sollten. Jeder Plaz, an welchen die Ziegel während der Fabrikation gebracht werden, muß dem Beamten zugänglich seyn, und kommen einige aus Versehen an einen Ort, von welchem dieß nicht der Fall ist, so verfallt der Fabrikant in eine Strafe von 50 Pfd. Sterl. Bei alle dem beläuft sich der Ertrag der Auflage nur auf 365,000 Pfd. Sterl., wovon noch überdieß die Erhebungskosten abgezogen werden müssen. Daß diese Kosten nicht klein seyn können, mag man schon daraus abnehmen, weil die Ziegelfabriken im ganzen Lande zerstreut, und nicht selten nur für den augenbliklichen Bedarf errichtet sind.“

|220|

es ist höchst sonderbar und scheinbar egoistisch, daß Hr. Bakewell den Namen des Erfinders nirgendwo nannte. A. d. R.

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