Titel: Titot, einiges über Mahlmühlen.
Autor: Titot,
Risler, Jeremias
Scheidecker, Georg
Fundstelle: 1834, Band 54, Nr. XLIX. (S. 251–266)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj054/ar054049

XLIX. Einiges über Mahlmühlen. Von Hrn. Titot. Mit einem Berichte der HH. Jeremias Risler und Georg Scheidecker.42)

Aus dem Bulletin de la Société industrielle de Mulhausen, No. 34, S. 342.

Erst seit wenigen Jahren hat die Müllerei, welche seit langer Zeit gleich so vielen anderen Künsten dem Druke des Schlendrians |252| und alten Herkommens erlag, die Aufmerksamkeit tüchtiger Mechaniker auf sich gezogen; und schon hat diese Kunst einen Grad von Vollkommenheit erreicht, der, man kann wohl sagen, alle Erwartungen übertrifft. Die ersten Versuche mußten natürlich auf die Untersuchung der zu mahlenden Substanz gerichtet seyn, und aus dieser Untersuchung ergab sich, daß das Getreidekorn nur aus einer einzigen und gleichförmigen Art von Mehl, und aus der Rinde oder der Kleie bestehe. dessen ungeachtet zerfallt jedoch das Mehl in zweierlei Sorten: 1) in jenes, dessen Kern weniger compact oder dicht ist, und welches im Handel als Mehl von erster Qualität gilt, und 2) in jenes, welches der Einwirkung der Mühlsteine kräftigeren Widerstand leistet, und welches folglich auch eine zweite Behandlung erleiden muß. Dieses leztere ist unter dem Namen Gries (gruan) bekannt.

Der Zwek bei dem Mahlen ist daher, die beiden Mehlsorten vollkommen von einander geschieden und frei von aller Kleie zu erhalten. Dieser Zwek wurde in neuerer Zeit beinahe vollkommen erreicht, und ich bitte daher die Gesellschaft, mir zu erlauben, daß ich ihr eine Beschreibung der Mühle des Hrn. Dramard in la Ferté-Alais, welche ich zu meiner Belehrung besuchte, und welche mir dieser achtenswerthe Gewerbsmann mit größter Bereitwilligkeit einzusehen gestattete, vorlegen darf.

Die Mühle des Hrn. Dramard hat nämlich 4 Gänge oder 4 Paar Mühlsteine, welche durch ein großes, mit einem Wasserrad verbundenes Triebwerk in Bewegung gesezt werden. Das Getreide kommt gemahlen zu ebener Erde aus der Mühle, während mit Hülfe eines endlosen, mit mehreren Schöpfeimern versehenen Laufriemens gerade so viel Getreide, als zur Speisung der Mühle erforderlich ist, in das obere Stokwerk emporgeschafft wird. Diese Schöpfeimer entleeren sich zuerst in eine Maschine, in welcher das Getreide gereiniget wird; und von dieser lezteren aus gelangt dasselbe allmählich, und ohne daß irgend eine Handarbeit dabei nöthig wäre, in drei andere Puzmühlen und Siebe. Beim Austritte aus dem lezten vertheilt es sich, um zwischen zwei Paar gußeisernen Walzen von beiläufig 15 Zoll im Durchmesser auf 10 Zoll Länge zu gelangen. Hier geschieht die erste als Vorbereitung des Mahlens dienende Operation, welche in unseren gewöhnlichen Mahlmühlen gänzlich unbekannt ist. Das Getriebe |253| wird nämlich zwischen diesen Walzen zerquetscht, um dann hierauf in Röhren aus Eisenblech zu gelangen, in denen es zwischen die Mühlsteine geleitet wird.

Diese Mühlsteine, welche 42 Zoll im Durchmesser haben, bestehen aus reinem Quarze, und sind nach englischer Methode behauen, d.h. mit vielen Strahlen versehen. Der Läufer macht gewöhnlich 125 bis 145 Umgänge in der Minute, und die Zahl dieser Umgänge wird durch einen eigenen Regulator angedeutet. An der einen Seite des hölzernen, die Mühlsteine umschließenden Gehäuses befindet sich ein Ventilator, der die Hize, welche sich bei der großen Geschwindigkeit der Mühle aus dem Getreide entwikelt, unschädlich macht.

Der Läufer erhält seine Bewegung durch eine senkrechte Welle, an der sich ein Anstoß oder Manchen befindet, welcher von Oben eingeschnitten ist, und in welchem ein Galgen angebracht wird, der in der Mitte des Läufers befestigt ist, so daß dieser leztere durch die Bewegung, die ihm mitgetheilt wird, seine lothrechte Stellung erhält. Die senkrechte Welle kann mit Hülfe einer Schraube, welche sich unter einem Querbalken mit Scharnier, worauf das Zapfenlager dieser Welle ruht, befindet, nach Belieben gehoben und gesenkt werden, damit man die Mühlsteine hienach einander mehr oder weniger nähern kann.

Die acht Mühlsteine, welche sich im ersten Stokwerke befinden, entleeren das von ihnen gemahlene Mehl in einen zu ebener Erde angebrachten Behälter, der in rotirende Bewegung versezt wird. An der einen Seite dieses Behälters befindet sich abermal ein Laufriemen mit Schöpfeimern, welche das rohe Mehl der 8 Mühlsteine auffassen, und es neuerdings wieder in eine im obersten Stokwerke des Gebindes befindliche Kammer emporschaffen. Das Mehl wird in der Mitte dieser Kammer ausgeleert, und dann mittelst einer senkrechten Welle mit vier Flügeln, die eine Art von Archimed'scher Schraube bilden, auf verschiedenen Umwegen gegen die Enden der Kammer geschafft, von denen es dann in vier Löcher gelangt, die in die Beutelapparate führen. Diese Operation, so wie das ihr vorausgehende Verfahren gewährt den Vortheil, daß das rohe Mehl abgekühlt wird, ehe die Scheidung des Mehles von der Kleie, die in der Wärme nur unvollkommen von Statten gehen würde, geschieht.

Die Beutelapparate sind große hölzerne Gehäuse, in welchen sich in einer leicht geneigten Fläche Cylinder drehen, die mit Seidengaze überzogen sind. Diese Cylinder haben 2 bis 2 1/2 Fuß im Durchmesser, und sind an Wellen, von denen Radien oder Halbmesser auslaufen, befestigt. An jedem dieser Radien ist ein gußeiserner |254| oder bleierner Ring von beiläufig einem Pfunde Schwere ein: gesezt, und an den Enden derselben ist eine Latte befestigt, an die der ganzen Länge des Beutelapparates nach der Seidengaze angenagelt wird. Diese Ringe erzeugen, indem sie sich in Folge der kreisförmigen Bewegung, die dem Beutelapparate mitgetheilt wird, heben und senken, die Erschütterungen, durch welche das Mehl durch den Gaze getrieben wird. Das rohe Mehl wird in den oberen Theil des Beutelapparates gebracht; der Gries und die Kleie wild an dem anderen Ende entleert. Die Scheidung dieser geschieht in zwei anderen ähnlichen, aber um die Hälfte kleineren Apparaten. Der Gries wird noch ein Mal gemahlen und gebeutelt, so daß die Umwandlung des Getreides in Mehl größten Theils in einer einzigen Operation vollbracht wird. Jeder Mühlgang oder jedes Paar Mühlsteine kann bei dieser Art des Betriebes in 24 Stunden 20 bis 22 Hectoliter Getreide mahlen.

So groß diese Mühle ist, so erfordert sie doch nur 4 Mühlknechte, die übrigens auch das Einfüllen des Mehles in Säke und das Wägen des Mehles besorgen. Es wäre mir sehr lieb gewesen, wenn ich diesen Details auch noch eine genaue Berechnung des Ertrages der Mühle an Mehl hätte beifügen können, die Anstalt ist jedoch noch zu neu, als daß Hr. Dramard gewagt hätte, denselben genau zu bestimmen. Er glaubte mich jedoch versichern zu können, daß er durch das erste Mahlen 60 Proc. sogenanntes Vorlaufmehl gewinne.

Diese Mahlmethode unterscheidet sich von jener, die bei uns noch gewöhnlich üblich ist, dadurch, daß man schon durch die erste Operation eine vollkommen ausgeriebene Kleie erhält; und daß man folglich kein Nachmehl oder schwarzes Mehl bekommt, welches nur dadurch entsteht, daß ein Theil der Kleie unter das Mehl gemahlen wird. Dieses Resultat beruht auf folgenden Gründen:

1) Auf dem hohen Grade von Reinigung, den man dem Getreide gibt, und wodurch alle die Substanzen, die der Weiße des Mehles schaden könnten, entfernt werden.

2) Auf dem vorläufigen Durchgange des Getreides zwischen den beiden gußeisernen Walzen. Durch diese Operation, durch welche die Getreidekörner zerquetscht werden, werden nämlich die einzelnen Theilchen derselben schon großen Theils von einander getrennt, und von der Hülle befreit.

3) Auf der Beschaffenheit der Mühlsteine, welche weit härter sind, als die gewöhnlich gebräuchlichen Mühlsteine aus Sandstein, und welche schneidend wirken, während durch die unseligen nur ein Zermalmen bewirkt wird. Man hat zwar, um dem hieraus erwachsenden |255| Nachtheile abzuhelfen, empfohlen, das Getreide vor dem Mahlen, zu nezen; bei diesem Verfahren, bei welchem die Kleie mehr Zähigkeit bekommt, behält das Mehl zwar seine weiße Farbe; allein die Kleie muß nachgemahlen werden, woher dann die große Menge Nachmehl kommt.

4) Endlich auf dem Abkühlen des Mehles, bevor dasselbe in die Beutelapparat gelangt.

Alle diese Vorzüge zusammengenommen sind von hohem Belange; denn man erhält nach der neuen Methode, wie gesagt, nur weißes Mehl und Kleie. Ich wünsche daher sehr, daß die Gesellschaft allen ihren Einfluß anwenden möge, um diese neue Methode allgemein einzuführen. Ich weiß zwar, daß hieraus eine große Umwandlung in manchen Gebrauchen der Landleute erfolgen würde, und daß dergleichen alte Gebrauche sich nur sehr schwer unterdrüken lassen; allein da das neue Verfahren andererseits so offenbar zum Vortheile ausschlagen muß, so dürfte es doch wahrhaftig nicht lange Zeit brauchen, bis dessen Werth allgemein anerkannt seyn wird. Der Müller muß nicht bloß Gewerbsmann seyn, sondern er muß auch Handelsmann werden; und statt daß er sich darauf beschränkt, jedem einzelnen Landmanne sein Getreide, welches dieser zur Mühle bringt, zu mahlen, soll er vielmehr dieses Getreide alsogleich gegen eine verhältnißmäßige Quantität Mehl und Kleie, die er immer in Vorrath haben muß, austauschen.

Ich erbiete mich Jedem, den die Sache interessirt, alle Aufschlösse zu geben, die ich zu ertheilen im Stande bin. Die von mir zu Ensisheim erbaute Mühle, welche zwar nicht so vollkommen als jene des Hrn. Dramard, aber doch nach demselben Systeme erbaut ist, steht Jedermann zur Einsicht offen. Da ich das Product meiner Mühle selbst verbrauche, so mahle ich bloß rundes Mehl (farines rondes), welches ein nahrhafteres Brod gibt, als das feine Mehl. Ich kann bei meinem Verfahren in einer Stunde 4 Hectoliter Getreide mahlen; wenn ich das Getreide vorher zerquetschen ließ, und 3 Hectoliter, wenn diese vorläufige Operation nicht Statt fand. Um Jedermann in Stand zu sezen über den Ertrag meiner Mühle ein Artheil zu fällen, bemerke ich, daß bei meinen Mühlsteinen, welche 49 Zoll im Durchmesser haben, und welche nur 110 und 120 Umgänge in der Minute machen, 4 Hectoliter guter Weizen vom Jahre 1832 folgende Producte gaben.

Die eine Hälfte wurde gemahlen, nachdem dieselbe zwischen den beiden Walzen durchgelaufen, und gab bei der ersten Operation:

|256|
Weißes Mehl
Gries
Rundes Mehl
Kleie
55 Kil.
14 –
69 –
16 –
154 Kil.

Bei der zweiten Operation, wobei das Getreide nicht zwischen den Walzen zermalmt, sondern per Hectoliter mit einem Liter Wasser befeuchtet wurde, erhielt ich:

Weißes Mehl
Gries
Rundes Mehl
Kleie
49 Kil.
16 –
74 –
16 –
155 Kil.

Um zu diesem lezteren Resultate zu gelangen, mußte jedoch die Kleie, in welcher sich noch viel Mehl befand, nachgemahlen werden. Das weiße Mehl des zwischen den Walzen zerquetschten Getreides ist schöner, als jenes des befeuchteten Getreides, dagegen ist aber das runde Mehl bei lezterem Verfahren besser, als bei ersterem. Was die Quantität betrifft, so sieht man, daß, obschon in lezterem Falle dem Getreide beinahe 3 Kilogr. Wasser zugesezt wurden, der Ertrag an Producten doch nur um ein Kilogr. größer war: es hat mithin beim Befeuchten des Getreides offenbar ein kleiner Verlust Statt, abgesehen davon, daß das Mehl dadurch bei der Brodbereitung weniger ergiebig wird. Würde man in unseren gewöhnlichen Mühlen das Getreide durch Walzen laufen lassen, ehe man es zwischen die Mühlsteine brächte, so würde nach meiner Ueberzeugung eine Ersparniß an Zeit, und ein größerer Ertrag an besseren Producten erzielt werden, indem die Mehle nicht so oft durch die Steine zu laufen brauchten.

––––––––––

Die HH. Jeremias Risler und Georg Scheidecker erstatteten der Société industrielle über diese Notiz des Hrn. Titot folgenden Bericht.

Hr. Titot verdient großen Dank der Gesellschaft, indem er in deren Mitte eine Frage zur Sprache brachte, welche, obgleich sie zu den sogenannten Lebensfragen gehört, bisher noch von uns vernachlässige wurde. Die Sache ist um so wichtiger, als es in einem Lande, wo die angewandten Wissenschaften so große Fortschritte gemacht haben, wahrlich Zeit seyn dürfte den Zustand unserer Mühlen, der beinahe Jahrhunderte lang auf seiner niederen Stufe stehen blieb, endlich ein Mal wesentlich zu verbessern.

Hr. Titot gibt uns in seiner Abhandlung nach kurzer Auseinandersezung der Principien der neuen Mahlmethode eine Beschreibung einer Mühle, welche kürzlich von Hrn. Dramard in La-Ferté-Alais errichtet wurde; er bezeichnet die Verbesserungen, welche |257| dieser Mann an seiner Mühle anbrachte, gibt uns Daten über die Producte dieser Mühle, und schließt endlich mit den Resultaten der von ihm selbst zu Ensisheim erbauten Anstalt.

Die Vorzüge der neuen Methode sind erwiesen. Vor 12 oder 15 Jahren wurden die ersten Mühlen dieser Art, welche unter dem Namen der englischen oder amerikanischen bekannt sind, in der Umgebung von Paris und namentlich in St. Denis erbaut. An lezterem Orte erstand besonders die Mühle des Hrn. Benoît, welche die Société d'encouragement in Paris im Jahre 1827 in ihrem Bulletin beschrieb, und über welche man in Hrn. Benoît's Guide du meunier die besten Aufschlüsse findet.43) Gegenwärtig findet man in Frankreich bereits eine große Anzahl dieser Mühlen, und die Vorurtheile, welche man in Bezug auf die Brodbereitung über diese Art von Mahlmethode hegte, sind beinahe verschwunden.

Das Princip der neuen Mahlmethode besteht nicht bloß in einem solchen Baue der Mühle, bei welchem die angewendete Kraft einen größeren Nuzeffect gibt, sondern es beruht hauptsächlich auch darauf, daß man gleich bei dem ersten Durchgange des Getreides durch die Mühlsteine Mehl erhält, während bei der alten Methode ein dreimaliger, und manchmal sogar ein vier-, fünf- und mehrmaliger Durchgang erforderlich ist: – ein Uebelstand, der um so größer ist, als das Mehl in dem Maaße an seiner Nährkraft verliert, als es öfter durch die Mühlsteine laufen muß. Der Unterschied zwischen der alten und neuen Mahlmethode ergibt sich am besten, wenn man bedenkt, daß jedes unnüze Durchlaufen des Mehles durch die Mühlsteine ein Verlust an Zeit und Kraft ist; und wenn man ferner erwägt, welche große Menge Kraft in den alten Mühlen durch den schlechten Bau der Wasserräder, dergleichen für jedes Paar Mühlsteine eines nothwendig ist, verloren geht.

Betrachtet man das Getreidekorn, um mit dem Verfasser des obigen Aufsazes zu sprechen, als aus durchaus gleichem Mehle und aus der Hülle oder Kleie bestehend; nimmt man mit Christian an, daß die mehlige Substanz im Inneren des Kornes leichter zerreiblich ist, als die kleine Zone, welche dieselbe umgibt, – eine Eigenschaft, wodurch das Zermalmen der Körner sehr erleichtert wird, – so muß man, wie wir glauben, schließen, daß die Körner, so wie sie der Einwirkung der Mühlsteine ausgesezt werden, in Stüke zerspringen, und Grieskörner bilden, welche sich nach und nach abrunden, in dem Maaße, als sich Mehl davon loslöst, kleiner werden, und |258| durch die Centrifugalkraft vom Mittelpunkte gegen den Umfang hin geschleudert werden, wo sie theils als Mehl, theils als Gries, theils als ausgeriebene Kleie niederfallen. Wir nehmen diese Definition der Wirkung der Mühlsteine um so lieber an, als sich daraus nothwendig das Princip der Beschaffenheit und der Behauung dich Steine ergibt; und als hieraus erhellt, daß sich die verschiedenartigsten Mühlsteine, von denen der ruhende gerade, der laufende hingegen leicht concav behauen ist, ausschließlich nur für die neue MO Methode eignen. Bei der alten Methode kommen hingegen diese Principien gar nicht in Anschlag; die meisten Müller sind gewohnt, nur die wohlfeilsten oder dauerhaftesten Steine zu kaufen, und sie gerade zu behauen.

Die Mühlen unseres Departements bezogen ihre Steine aus den Steinbrüchen von Guebwiller, Soultzmatt und Schäfferthal, von denen das Paar von 3,8 bis 4 Schuh im Durchmesser an Ort und Stelle 4 bis 500 Franken kostet. Heut zu Tage lassen sich einige Müller Steine von einem zwischen Andernach und Coblenz gelegenen Steinbruche kommen, indem diese lezteren besser sind; ein Paar der selben von 4 Fuß im Durchmesser kommt in Straßburg auf 1000 bis 1200 Fr. zu stehen.

Hr. Titot bezog für seine Mühle in Ensisheim die Steine aus der Gegend von Badenweiler; da ihm diese jedoch nicht entsprachen, so kam er auf jene von La Ferté sur Jouarre zurük, welche die besten sind, und welche bis Ensisheim gestellt 1100 bis 1200 Fr. kosten.

Eine Mühle mit drei Gängen, wie man sie in Mülhausen gewöhnlich hat, kann in 24 Stunden 30 bis 40 Hectoliter Getreide mahlen, wobei auf folgende Weise verfahren wird. Man befeuchtet das Getreide zuerst je nach seiner Güte und je nach der herrschenden Temperatur mit einem, zwei oder drei Liter Wasser, und läßt es dann durch ein Paar harte Coblenzer Mühlsteine, welche man holländische Mühlsteine zu nennen pflegt, laufen. Diese Steine sind vollkommen flach und haben strahlenförmig divergirende, zwei Linien tiefe Furchen; an ihnen ist auch ein kleiner Beutelapparat angebracht, der das gemahlene Getreide in Gries, in gewöhnliches Mehl und in Kleie scheidet. Die beiden lezteren erleiden keine weitere Behandlung; der Gries hingegen kommt in einen eigenen Beutelapparat, und wird in demselben in vier Sorten: nämlich in feines rundes Mehl, in rundes Mehl, in drittes und endlich in viertes Mehl geschieden. Das feine runde Mehl gibt, nachdem es ein Mal durchgelaufen, das feinste oder sogenannte Kernmehl (fleur). Der Rükstand wird mit dem runden Mehle oder dem Mehle von zweiter |259| Güte vermengt, und gibt, nachdem er mit diesem durch die Mühlsteine gelaufen, das weiße Mehl. Das dritte, mit dem Rükstand des zweiten vermengte Mehl gibt gewöhnliches Mehl; und das vierte, mit dem Rükstande des dritten vermischt, gibt etwas gewöhnliches Mehl, schwarzes Mehl und mehlige Kleie, welche man zwei und drei Mal, und manchmal sogar auch noch ein viertes Mal durchlaufen läßt. Das Getreide muß daher sieben Mal durch die Mühlsteine laufen, bis man aus 100 Pfd. Weizen erhält:

30 Proc. weißes oder Kernmehl;
44 – gewöhnliches Mehl;
7 1/2 – schwarzes Mehl;
18 1/2 – gemischte Kleie.

Diese Mühlen arbeiten gewöhnlich nur für die Baker der Stadt.

Wir haben auch die Mühlen von Ribauvillé, und namentlich jene des Hrn. Steiner, der wegen der Schönheit seines Mehles einen ausgebreiteten Ruf genießt, besucht. Hr. Steiner, der für eigene Rechnung arbeitet und Mehlhandel treibt, hat uns mit größter Bereitwilligkeit alle Daten, um die wir ihn ersuchten, geliefert; und wenn der Ertrag seiner Mühle auch in Hinsicht auf die Kraft, die er arbeiten läßt, nicht größer ist, als jener der übrigen Mühlen in unserer Gegend, – obschon er sein Getreide nur in drei Operationen vermahlt, – so liegt in derselben doch etwas ganz Eigenthümliches, was um so mehr angeführt zu werden verdient, als man es nirgendwo dahin brachte das schöne Mehl von Ribauvillé, welches sich ausschließlich zu feineren Gebäken und Zukerbäkereien eignet, nachzumachen. 100 Pfd. Weizen von guter Qualität geben ihm nämlich:

62 7/10 Proc. weißes Mehl und Kernmehl;
15 8/10 – gewöhnliches Mehl;
1 – schwarzes Mehl;
13 8/10 – ordinäre und feine Kleie;
5 – mehlige Kleie (Rükstand des Grieses);
1 7/10 – Verdünstung.

Dieser große Ertrag an weißem Mehle hängt nicht bloß von der Güte des Getreides, sondern hauptsächlich von der Behandlung desselben ab. Hr. Steiner bringt nämlich sein Getreide, ehe er es mahlen läßt, zum Behufe des Entschälens und der Reinigung in eine sehr sinnreiche Maschine, welche bloß aus einem Paare kleiner Mühlsteine von 27 bis 30 Zoll im Durchmesser, aus einem Ventilator und einem Beutelapparate besteht. Das zwischen den Mühlsteinen entschälte Getreide fällt in den Beutelapparat, und wird auf seinem Durchgange mittelst des Ventilators, der alles Leichte in |260| einen mit dem Beutelkasten in Verbindung stehenden Canal treibt, gereinigt. Das auf diese Weise entschälte und gereinigte Getreide wird je nach dem Grade feiner Trokenheit mit 1 bis 4 Liter Wasser befeuchtet, 6 bis 12 Stunden lang in diesem Zustande belassen, damit die Feuchtigkeit sich gehörig verbreite, und endlich nach und nach zwischen die Mühlsteine gebracht.

Wir haben verschiedene Daten über den Ertrag unserer gewöhnlichen Mühlen auf dem Lande gesammelt, und gefunden, daß der selbe weit hinter dem eben angegebenen zurükbleibt. Wenn man eine unserer nach dem alten Systeme erbauten Mühlen mit drei Gängen arbeiten sieht, so kann man jedes Mal annehmen, daß sie 12 Pferdekräfte verbraucht; denn zu den 3 Pferdekräften, welche zu den Betriebe eines jeden Paares Mühlsteine erforderlich sind, muß man jederzeit noch 3 Pferdekräfte rechnen, welche in Folge des schlechten Baues der Wasserräder verloren gehen. Und da diese Mühlen selbst dann, wenn sie beständig zu mahlen haben, in 24 Stunden nur 30 bis 40 Hectoliter mahlen können, so kann man annehmen, daß in 24 Stunden auf eine Pferdekraft höchstens 3 Hectoliter Getreide kommen. Dagegen sagt uns aber Hr. Titot, daß Hr. Dramard mit einer Kraft, welche er zu 24 Pferden anschlägt, und mit der er acht Paar Mühlsteine in Bewegung sezt, in 24. Stunden 160 Hectoliter Getreide mahlt, wonach also in 24 Stunden 6,66 Hectoliter auf die Pferdekraft kommen. Der Ertrag der Mühle des Hrn. Titot in Ensisheim gewährt ein noch außerordentlicheres Resultat; denn er beträgt 20 Hectoliter per Pferdekraft; und wenn er troken mahlt, so erhält er aus 100 Pfd. Getreide 80,60 Proc. Mehl, während er nur 9 Proc. Gries abermals durchlaufen zu lassen braucht, wenn er denselben nicht in Natura verwendet. Es ist zwar wahr, daß die von dieser Mühle gelieferte Mehlsorte nie allgemein in Anwendung kommen kann; indem Hr. Titot (da seine Dampfmaschine auch noch eine Spinnerei zu treiben hat, und daher nur 5 Stunden des Tages ihre Kraft zum Betriebe der Mühle Herleihen kann) nothwendig hauptsächlich auf Erzielung einer großen Menge Mehl bedacht seyn mußte. Allein das Brod, welches er für die Sträflinge in dem Strafarbeitshause in Ensisheim aus seinem Mehle baken läßt, ist so vortrefflich, daß diese Art von Mehl mit allem Rechte zum Brodbaken empfohlen werden kann.

Wir beschränken uns jedoch darauf, allen unseren Müllern zu sagen, daß ihre Mühlen nicht zur Hälfte so viel erzeugen, als sie mit derselben Triebkraft erzeugen könnten. Erwägt man hienach, daß unser Departement allein nach der im Jahre 1827 erhobenen Statistik, welche ziemlich genau zu seyn scheint, 937 Paar Mühlsteine |261| oder Gänge mit 937 Wasserrädern besizt; so läßt sich annehmen, daß die Kraft des Wassers, welche diese Mühlen verbrauchen, wenigstens 3800 Pferdekräften gleichkommt. Da nun die Kraft eines Pferdes wenigstens 2000 Fr. werth ist, so folgt hieraus, daß die Mühlen mit einem Capitale von 7,600,000 Fr. an Wasserkraft arbeiten. Würde man die Mühlen verbessern, so ließe sich zuverlässig die Hälfte dieser Kraft ersparen; und es ließen sich daher beinahe 2000 Pferdekräfte zu anderen industriellen Zweken verwenden, – was durch Dampfpumpen, welche mit Steinkohlen geheizt werden, repräsentirt, 1,600,000 Fr. gleichkäme, wenn man auf eine Pferdekraft jährlich 700 bis 800 Fr. rechnen würde.

Diese Bemerkungen sind von solchem Belange, daß sie die volle Aufmerksamkeit der Gesellschaft verdienen, und daß es die Pflicht derselben ist, das Emporkommen der neuen Verbesserungen in den Mühlen nach allen Kräften zu unterstüzen. Wir werden daher am Ende dieses Berichtes auch in Vorschlag bringen, demjenigen Mühlenbesizer, der sich zuerst zur Abänderung seines bisherigen Verfahrens herbeiläßt, einen Preis zu ertheilen. Um den Eigenthümern den Entschluß leichter zu machen, fügen wir am Ende auch noch das Inventar einer alten und einer neuen Mühle bei, in welchem wir den Werth der Immobilien des Müllers zu 70,000 Fr. angenommen haben, weil es keinen Müller in Mülhausen gibt, der z.B. seine Mühle unter 80,000 Fr. verkaufen möchte.

Die alte Mühle gewinnt nach diesem Inventars jährlich 3400 Fr.; die neue verbesserte hingegen wirft deren 8400 Fr. oder mehr als das Doppelte ab. Erstere liefert jährlich 12,000 Säke Mehl; leztere hingegen liefert bei gleichem Kraftaufwande deren wenigstens 19,000. Dabei ist wohl zu bemerken, daß, um zu diesem Resultate zu gelangen, nicht alles in einer allen Mühle Bestehende über den Haufen geworfen zu werden braucht; denn es handelt sich nur darum, zu den drei gewöhnlichen Gängen noch einen vierten hinzuzufügen, und sie sämmtlich durch ein einziges Wasserrad zu betreiben. Es ist ferner nicht die Absicht, daß der Müller das System das Mehl auf mehrere Male zu mahlen aufgeben soll; sondern die Aufgabe ist bloß alles mehr als zweimalige Durchlaufen des Mehles durch die Mühlsteine entbehrlich zu machen, bis sich die Bäker endlich daran gewöhnt haben werden ein Mehl zu verbaten, welches nur ein Mal durchgelaufen, und welches ganz einfach aus den Beutelapparaten kommt. Endlich glauben wir, daß ein Müller in Mülhausen, welcher seine Mühle nach dem neuen Systeme zu verbessern gesonnen ist, dazu nur ein Capital von 20,000 Fr. braucht.

Wir wissen zwar wohl, daß die von uns in Vorschlag gebrachten |262| Verbesserungen bei der großen Anzahl und der großen Zerstreutheit unserer Mühlen, von denen eine große Menge nur einen Theil des Jahres über beschäftigt sind, nur sehr langsam in's Leben treten werden; allem wir wissen glüklicher Weise auch, daß es bei vielen unserer Müller nur einer Aufklärung über ihr wahres Interesse bedarf, um sie zu dem Entschlusse zu bringen, ihre Mühlen entweder zu verkaufen oder zu verbessern. Würden alle Müller nur für ihre eigene Rechnung arbeiten, so würden die Mühlen wahrscheinlich viel früher in einem besseren Zustande zu finden seyn; weil die Müller dann, indem sie selbst den Mehlhandel trieben, vollkommen Meister ihrer Fabrikation seyn würden. Gegenwärtig arbeiten die Müller leider gewöhnlich auf Rechnung der Bäker, welche durch den Handel mit den Früchten, die sie mahlen lassen, gewinnen, und welche, indem sie Alles zusammenkaufen, solche mehlige Substanzen, die wohlfeiler sind, oder die das Gewicht des Brodes erhöhen, unter das Getreide mengen.

Dieß ist jedoch nicht die einzige Schwierigkeit, die bei diesem Stande der Dinge der Verbesserung der Mühlen im Wege steht; denn ein Müller, der von mehreren Bäkern, welche bei ihm mahlen lassen, abhängt, wird mit diesen auf gutem Fuße bleiben wollen, und wird also nur mit Zustimmung der Baker eine Veränderung an seiner Mühle vornehmen dürfen.

Die erste Maschine, welche in unseren Mühlen eingeführt werden muß, muß zum Reinigen des Getreides bestimmt seyn. Einige Müller bedienen sich zwar zu diesem Behufe einer bereits älteren Maschine; allein diese ist nicht wirksam genug, und kommt wenigstens den bei der neuen Methode gebräuchlichen Puzmühlen durchaus nicht gleich.

Die zweite einzuführende Vorrichtung wäre unserer Ansicht nach jene, womit Hr. Steiner von Ribauvillé das Getreide zugleich entschält und reinigt.

Die dritte Maschine bestünde in einer Vorrichtung zum Zerquetschen des Getreides; Hr. Titot führt in dieser Hinsicht jene des Hrn. Dramard an, welche aus zwei Cylindern besteht; wir verweisen auch noch auf jene des Hrn. Maitre in Chatillon für Seine. Lezterer glaubt mit seiner Maschine selbst Mehl mahlen zu können; allein wenn wir auch dieß mit gutem Grunde bezweifeln können, so glauben wir doch, daß die Maschine wenigstens zum Zermalmen des Getreides geeignet seyn dürfte. Sie besteht ans einem senkrechten Mühlsteine, der wie ein Schleifstein an Wellen aufgezogen ist, und welcher sich in einem bogenförmigen Mühlsteine, der einen Trichter damit bildet, umdreht. Der Trichter befindet sich |263| oberhalb und liefert das Getreide, welches durch die drehende Bewegung des Mühlsteines fortgerissen, zermalmt und sogar gemahlen wird.

Die Cylindermaschine wird wegen der geringen Kraft, die zu deren Betrieb erforderlich ist, und wegen der geringen Unterhaltungskosten, die sie erheischt, immer die am meisten verführerische seyn. Dieses System ist jedoch nicht neu, und wurde schon längst sowohl zum Zerquetschen, als zum Mahlen benuzt, indem man die Cylinder in ersterem Falle glatt ließ, während man sie in lezterem mit Riefen oder Cannelirungen versah. Schon im Jahre 1823 ließ sich John Collier in Paris ohne Erfolg ein Patent auf eine tragbare, mit Menschenarmen zu betreibende Mahlmühle gehen, welche aus zwei gerieften Walzen bestand, die sich mit verschiedenen Geschwindigkeiten nach entgegengesezten Richtungen drehten. Später eigneten sich auch noch andere Mechaniker diese Erfindung an, so daß dieselbe in verschiedenen anderen Ländern zum Vorscheine kam.44) Im Jahre 1827 ließ die russische Regierung zu Warschau eine in großem Maßstabe ausgeführte Cylindermühle erbauen.45) Bald darauf machte man einigen in Trieft ansässigen Capitalisten verschiedene geheimnißvolle Eröffnungen über diesen Gegenstand, wobei man glauben zu machen suchte, daß troken gemahlenes Mehl einzig und allein lange aufbewahrt werden könne und zur Verproviantirung von Schiffen tauge. Eben solche Mittheilungen machte man auch einigen Capitalisten in Zürich, und es wurde auch wirklich in Frauenfeld eine Mühle nach diesem Systeme erbaut. Alle diese Anstalten wurden mit großen Kosten erbaut, und mißlangen dennoch, weil die Verfertigung von gehörig gehärteten, vollkommen cylindrischen, gerieften oder cannelirten Cylindern mit sehr vielen Schwierigkeiten verbunden ist. Uebrigens kommen diese Cylinder eben so theuer als die Mühlsteine zu stehen, und sind dabei noch weniger dauerhaft. Wir glaubten dieß in Erinnerung bringen zu müssen, damit sich nicht allenfalls einer oder der andere unserer Capitalisten gleich so vielen anderen von den scheinbaren Vortheilen dieses Systemes trügen lasse.

Ein neues System mit Mühlsteinen zu mahlen wurde kürzlich in England eingeführt. Die Maschine besteht nämlich aus zwei horizontalen Mühlsteinen, von denen der untere 5, der obere aber nur 2 Fuß 4 Zoll im Durchmesser hat. Der untere Mühlstein ist beweglich; er besizt die gewöhnliche Geschwindigkeit und ist an einer senkrechten Welle befestigt; der obere ist gegen den unteren excentrisch, und zwar so, daß der Umfang beider sich in einer und derselben |264| senkrechten Linie befindet. Dieser obere Mühlstein ist in seinem Mittelpunkte an einer Schraube aufgehängt, welche zum Reguliren desselben dient, und welche zugleich auch dessen Drehungszapfen bildet. Da sich der untere Mühlstein dreht, so gelangt hiedurch nothwendig auch der obere in Bewegung, und die Folge hievon ist, daß dieser leztere auf ersterem excentrische Kreisbewegungen macht, durch welche die Getreidekörner in Mehl verwandelt werden. Wir haben jedoch bisher weder über den Kraftaufwand, noch über den Nuzeffect dieser Mahlmethode irgend welche positive und sichere Daten.

Nach allem dem ist gewiß, daß es bisher noch nicht gelungen ist, die Mühlsteine durch irgend eine andere Vorrichtung vollkommen zu ersezen; und daß die gußeisernen Cylinder nur zum Zerquetschen des Getreides vor dem Beginne des Mahlens dienen können. Es ist daher den Müllern nur noch einzuprägen, daß jene Mühlsteine, die sie sich zu dem niedrigsten Preise aneignen, gerade die theuersten sind; und daß sie gerade bei den kostspieligeren am besten fahren werden: besonders wenn sie sich bemühen, sie auf die möglich beste Weise zu schärfen und zu behauen, und wenn sie sich in Folge übel verstandener Sparsamkeit nicht scheuen, dieselben jedes Mal, so oft es nöthig ist, neuerdings wieder zu scharfen. Außerdem sind aber noch die Beutelapparate in unseren alten Mühlen zu empfehlen; denn auch diese Maschine ist ihrer Einfachheit und Wohlfeilheit ungeachtet noch sehr wenig verbreitet, so zwar, daß man in den meisten Mühlen unter den Mühlsteinen noch die kleinen Beutel angebracht sieht. Es iß eine bekannte Thatsache, daß sich das Mehl beim Mahlen erhizt, und daß das Mehl, so lange es warm ist, fester an der Kleie hängt. Hr. Dramard schafft daher auch das Product aller seiner Mühlsteine in einen einzigen Behälter, aus welchem es durch einen Laufriemen mit Schöpfeimern wieder in das oberste Stokwerk emporgehoben wird, um dann von hier aus in die Beutelvorrichtungen vertheilt zu werden.

Wenn man das Princip, daß das Mehl vor dem Beuteln abkühlen muß, ein Mal richtig erfaßt hat, so wird man dasselbe gewiß leicht in Ausführung zu bringen wissen. Es ist zwar wahr, daß die Gebäude, in denen sich unsere Mühlen befinden, gewöhnlich so schlecht gebaut sind, daß über dem Orte, an welchem die Mühlsteine angebracht sind, nur mit Mühe ein Plaz ausfindig gemacht werden kann, an welchem das gemahlene Mehl gelüftet und die Beutelapparate untergebracht werden könnten; dafür haben wir aber in der Berechnung der Kosten, welche die Verbesserung der gewöhnlichen Mühlen mit sich bringen würde, auch die Erhöhung des Daches in Anschlag gebracht, ohne welche die Errichtung der Beutelapparate |265| und die Beleuchtung und Lüftung des Gemaches, in welchem sich die Mühlsteine befinden, kaum möglich wäre. Wann es Hr. Dramard für nöthig erachtete zum Abkühlen der Mühlsteine eigene Ventilatoren anzubringen, so müssen wir doch wenigstens so viel thun, als wir können, um den Zutritt von Luft und Licht in unsere Mühlen zu erleichtern. Welcher Müller wüßte nicht, daß bei feuchtem, dunstigem, nebeligem Wetter weit schwerer zu mahlen ist, als bei trokenem und kühlem Wetter; und wer wird hienach zweifeln, daß es sehr gut seyn muß, wenn sowohl die Temperatur als der hygrometrische Zustand der Luft in den Mühlen regulirt werden kann? Zum Schluß erlauben wir uns nur noch, den Besizern alter Mühlen folgende provisorische Verbesserungen ans Herz zu legen:

1) Austausch der vielen Wasserräder gegen ein einziges, gut gebautes und gut aufgestelltes, welches sämmtliche Mühlsteine und die übrigen zur Mühle gehörigen Apparate durch einen zwekmäßigen Mechanismus in Bewegung sezt.

2) Lüftung und Erhellung der Mühlen; Erhöhung der Stokwerke; Errichtung von Puzmühlen oder anderen zur Reinigung des Getreides nöthigen Maschinen; wie z.B. die Errichtung von Beutelapparaten in den oberen Stokwerken.

3) Benuzung von gußeisernen Cylindern zum Zermalmen des Getreides, weil diese Walzen unbestreitbar mit geringem Kraftaufwands sehr viel leisten.

4) Anschaffung von guten Mühlsteinen; Erforschung der besten Schärfungsmethode, und solche Anwendung derselben, daß die Kleien vollkommen ausgerieben werden.

5) es werde so troken als möglich gemahlen, und man suche, indem man die Kleien vollkommen ausreibt, alles Mehl durch einen einzigen Durchgang des Getreides zwischen den Mühlsteinen zu gewinnen.

6) Unterdrükung der kleinen Beutel unter den Mühlsteinen; gute Lüftung und Abkühlung des gemahlenen Mehles, bevor dasselbe in den nach dem einen oder dem anderen Systeme gebauten Beutelapparat gelangt.

Um alle diese Nachschlage in Ausführung zu bringen, dürfte es am besten seyn, wenn sich die Müller von einem tüchtigen Ingenieur einen allgemeinen Plan anfertigen, und die Zimmerleute lediglich nach diesem Plane arbeiten lassen, ausgenommen sie wenden sich gleich an irgend einen guten Mühlenbauer. Wollen sie übrigens selbst die neueren Vorrichtungen studiren, so empfehlen wir ihnen hauptsächlich Hrn. Benoît's Guide du meunier, worin man sehr schäzbare und sehr nüzliche theoretische und praktische Notizen findet, |266| ohne daß man einen förmlichen mechanischen Lehrcurs durchzumachen braucht; sie werden auf diese Weise manchen Verlust an Zeit und Geld ersparen.

Obschon wir nun durch unseren Bericht diesen Gegenstand nichts weniger als erschöpft zu haben glauben, so glauben wir doch den Antrag stellen zu müssen, daß die Gesellschaft Hrn. Titot ihren Dank für seine interessante Mittheilung zu erkennen gebe; daß sie diesen Bericht allen Müllern des Departements zustellen lasse, und daß sie jenen Müllern, welche zuerst das neue System gegen das alte vertauschen, einen Preis zuerkennen soll.

Inventarium einer zu Mülhausen bestehenden Mühle mit drei Gängen, welche mit 22 Pferdekräften arbeitet, und für die Bäker der Stadt mahlt.

Nach dem alten Systeme.

Werth der unbeweglichen Güter 70,000 Franken, wovon wir die
Interessen jährlich zu 6 Proc. annehmen wollen

4200 Fr.
Steuern und große Reparaturen 600 –
Mühlknechte und Dienstboten 1500 –
Pferde: Interessen, Abnüzung und Nahrung 800 –
Bespannung u. Geschirr der Pferde u. Wagen: Interessen u. Unterhaltung 300 –
Betriebscapital von 20,000 Kr. zu 6 Proc. 1200 –
––––––––
Jährliche Ausgabe 8600 Fr.
Mit diesem Geldaufwands kann der Müller täglich höchstens 40 Säke
oder jährlich 42,000 Säke oder Hectoliter Mehl mahlen, deren
mittlerer Preis mit Einschluß der Kleie auf


12,000 –
angeschlagen werden kann, so daß folglich zu Gunsten des Müllers
übrig bleiben

3400 –

Nach dem neuen Systeme.

Interessen der unbeweglichen Güter wie oben 4200 –
Interessen und Abnüzung einer Summe von 20,000 Fr. zu 10 Proc.,
welche Summe der Müller aufwenden muß, um seine Mühle zu
verbessern, und einen vierten Gang an derselben anzubringen


2000 –
Die übrigen Ausgaben bleiben dieselben wie oben, also: 4400 –
––––––––
Summa der jährlichen Ausgaben 10,600 Fr.
Bei diesem Geld- und Kraftaufwands kann der Müller jedoch jährlich
19,000 Säke mahlen, welche einen Werth von

19,000 –
repräsentiren. Da nun, wie gezeigt, jährlich nur 10,600 –
in Ausgabe kommen, so bleibt ein jährlicher reiner Gewinn von 8400 –

So wenig dieser Artikel für den Mechaniker und Mühlenbauer Neues hat, eben so nüzlich halten wir ihn für unsere deutschen Müller, die gleich den elsassischen größten Theils noch fortwährend bei ihrem alten Schlendrian verharren, und deren Mühlen nicht selten ein wahres Scandal sind. Ehrenvolle Ausnahmen hievon machen einige in neueren Jahren errichtete großartige Mühlen in Würtemberg und in den Rheingegenden. Wir, die wir in der Mitte des Getreidelandes sizen, die wir einen bedeutenden Handel mit Getreide treiben, wir haben beinahe noch keinen Schritt vorwärts gethan! Nur mit Jammer kann man sehen, wie man die herrlichsten Früchte in schlechtes Mehl verwandelt, und wie man in den Kornkammern Deutschlands beinahe gezwungen ist, fremdes Mehl zu suchen, wenn es sich um ganz feine Gebäke handelt. Es würde uns bei diesem unglaublichen Festhangen an dem alten Herkommen gar nicht Wunder nehmen, wenn unser Getreide ausgeführt, und dafür als Mehl wieder eingeführt wird, gleichwie dieß mit so vielen anderen unserer rohen Producte geschieht. Warum führen wir nicht lieber Mehl als Getreide aus? Wir verlieren auf diese Weise den Gewinn der Müller, und der Käufer muß die Transportkosten der Kleie zahlen, die für unser Vieh daheim verloren geht. A. d. R.

|257|

Die Mühle des Hrn. Benoît ist bereits im Polyt. Journ. Bd. XXVI. S. 1 beschrieben und abgebildet. Man vergleiche übrigens auch Dr. Alban's Aufsaz über die englischen Kornmühlen Bd. XXXI. S. 329. A. d. R.

|263|

Polyt. Journal Bd. XL. S. 326.

|263|

Man vergleiche hierüber das Polyt. Journal Bd. XXII. S. 174.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: