Titel: Einiges über die Kattundrukerei in England.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 54, Nr. L. (S. 267–276)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj054/ar054050

L. Einiges über die Kattundrukerei in England.

Aus dem Mechanics' Magazine, No. 578 und 579, S. 398.

Die vom Hause der Gemeinen im Jahre 1833 erwählte Commission, welche über Manufacturen, Handel und Schifffahrt zu belichten hatte, und aus deren Berichte wir unseren Lesern bereits Mehreres, das allgemeine Interesse lebhaft Ansprechende mittheilten, hat auch viele der ausgezeichnetsten englischen Kattundruker vor ihre Schranken geladen, um ihre Ansichten über den gegenwärtigen Zustand dieses Industriezweiges in England zu vernehmen. Da uns unter den verschiedenen Aussagen dieser Fabrikanten jene des Hrn. James Thomson, Calicodrukers in Primrose bei Clithero, besondere Aufmerksamkeit zu verdienen scheint, so nehmen wir keinen Anstand, dieselbe hiemit dem Publikum vorzulegen, und zwar in der Ursprünglichen Form, in Fragen und Antworten getheilt.

Fr. Was halten Sie von dem gegenwärtigen Zustande der Calicodrukerei in England? – A. Nach meiner Ansicht ist dieser Industriezweig gegenwärtig in einem weit blühenderen Zustande, als er während irgend einer anderen, in den lezten 6 Jahren verflossenen Zeit war; die Nachfrage ist mehr stätig und nachhaltig, und die Preise sind mehr lohnend, woher denn auch alle in demselben beschäftigten Personen ihren Vortheil finden.

Fr. Brachte die Abschaffung der Auflage der Calicodrukerei einen bedeutenden Vortheil? – A. Ich glaube allerdings, daß der Vortheil, welcher hieraus entsprang, ein bedeutender war und ist.

Fr. Glauben Sie, daß dieser Vortheil lediglich nach dem Betrage der abgeschafften Auflage zu berechnen ist, oder entsprangen außerdem noch andere Nebenvortheile aus deren Abschaffung? – A. Der Consument erhält die Waare 1) um 30 bis 40 Proc. wohlfeiler, als er sich dieselbe früher zu verschaffen im Stande war; man bekommt z. B. gegenwärtig ein sehr gutes und anständiges Kleid für ein armes Weib um eine halbe Krone, während man dasselbe vor der Aufhebung der Auflage für 4 Schill. (2 fl. 24 kr.) bezahlen mußte. Ich glaube übrigens, daß sich der Vortheil des Consumenten nicht bloß auf den Betrag des Zolles beschränkt; sondern daß er sich noch weit höher beläuft, indem der Fabrikant auch noch in anderer Hinsicht bedeutend gewann. Es fällt nämlich nunmehr die Concurrenz zwischen dem redlichen und dem betrügenden Fabrikanten, welche ersterem großen Nachtheil brachte, und welche, wie ei scheint, weit größer war, als man es anfangs vermuthete, hinweg. |268| Die Vortheile, die die Befreiung von täglicher und beinahe stündlicher Aufsicht einem Gewerbe bringen muß, welches nicht nur große Gewandtheit erfordert, sondern in welchem es sich häufig auch um Geheimnisse handelt, sind von größter Wichtigkeit; denn es iß nur zu bekannt, daß manche Verbesserungen und Erfindungen der Fabrikanten von den Mauthbeamten aus den Fabriken verschleppt wurden. Ein anderer wesentlicher Vortheil erwachst daraus, daß wir gegenwärtig vollkommen Meister unserer eigenen Apparate und Maschinen sind; wir können gegenwärtig in jedem Augenblike, in welchem uns ein Auftrag wird, druken, während wir früher auf die Ankunft des Accisebeamten, der den Zeug zu messen hatte, warten mußten. Wir können gegenwärtig unsere Waaren in jedem beliebigen Augenblike verpaken und versenden, während wir früher warten mußten, bis sie gestempelt waren, was oft außerordentliche Zeitversäumniß veranlaßte. Ja diese freiere Bewegung in unserem Geschäfte ist so unendlich günstig, daß wir uns nur wundern müssen, wie wir unsere Ketten so lange Zeit ertragen konnten. Noch ein Vortheil endlich ist folgender: es geschah nicht selten, daß arme Leute gedrukte Calico's kauften, und dann ausführten, um durch den Rükzoll ein Capital zu gewinnen; diese Fabrikate wurden dann oft auf Märkte gesandt, für welche sie gar nicht geeignet waren, und auf denen sie dem ehrlichen und wahren Kaufmanne nur durch die Concurrenz Schaden brachten, indem sie zu den niedrigsten Preisen verschleudert werden mußten, und also nothwendig auch die Preise der guten Waaren herabdrükten. Aus allen diesen Rüksichten glaube ich, daß der aus der Abschaffung der Auflage sich ergebende Vortheil für den Consumenten sowohl, als für den Fabrikanten ein sehr großer und wohlthätiger ist.

Fr. Fürchten Sie in Ihrem Gewerbe bedeutende fremde Concurrenz? – A. Unsere Concurrenten haben zwar Boden gefaßt, doch sind sie uns gegenwärtig durchaus noch nicht gefährlich.

Fr. Ist Ihnen die Natur und der Grad der Ausdehnung dieser Concurrenz bekannt? – A. Ich habe mir viele Mühe gegeben, mich während meines Aufenthaltes in Frankreich mit derselben bekannt zu machen; ich war im Jahre 1824 daselbst, und kam erst vor einigen Monaten abermals wieder von daher zurük. Gegenwärtig sind alle Drukereien und Fabriken des Elsaß und der Normandie in großer Thätigkeit; ihre Preise sind jedoch so widernatürlich hoch, daß es schwer ist, einen genügenden Vergleich zwischen den ihrigen und unseren anzustellen.

Fr. Was verstehen Sie unter widernatürlich hoch? – A. Ich meine, daß ihr Gewerbe in den lezten zwei oder drei Jahren darnieder |269| lag; denn während der Revolution, wo das Vertrauen gestört war, war beinahe in allen Fabriken ein Stoken eingetreten. Voriges Jahr46) führte man weiße Calico's nach der Schweiz aus, wo dieselben doch wohlfeiler erzeugt werden, als in Frankreich; im heurigen Jahre hingegen hob sich die Nachfrage in Folge der früher verminderten Production wieder bedeutend: so zwar, daß die Baumwollenwaaren daselbst gegenwärtig beinahe um 25 Proc. höher im Preise stehen, als sie noch vor einem Jahre um dieselbe Zeit standen. Auch der Arbeitslohn stieg verhältnißmäßig, und der Maire von Lyon und Deputirte, Hr. Prunelle, versicherte wich, daß der Arbeitslohn in Lyon um 30 bis 40 Proc. höher gestiegen war, als er in dem Tarife stand, den die Arbeiter während ihres Aufstandes selbst entworfen hatten.

Fr. Halten Sie nach den Beobachtungen, welche Sie in Frankreich machten, die Geschäftsgewandtheit in diesem Industriezweige daselbst für größer oder für geringer, als bei uns? – A. In mechanischem Talente stehen uns die Franzosen weit nach, und eben so in manueller Fertigkeit; sie erzeugen innerhalb derselben Zeit eine weit geringere Menge Fabrikat, als wir.

Fr. Was verstehen Sie denn eigentlich unter dem mechanischen Talente? – A. Ich meine darunter den Bau der Maschinen und die Anwendung derselben.

Fr. Wie verhält es sich aber mit dem chemischen Talente hier und in Frankreich? – A. In chemischer Hinsicht haben die französischen Druker viele schöne Verbesserungen und Erfindungen gemacht; und man kann in der That sagen, daß jeder französische Calicodruker Chemie wissenschaftlich betreibe. Es gibt daselbst beinahe keine Fabrik, die nicht ihr Laboratorium oder ihren Chemiker hat, dessen Geschäft es ist verschiedene Versuche anzustellen, um neue Processe zu erfinden oder alte zu verbessern.

Fr. Ist dieß in England auch der Fall? – A. In den größeren Fabriken allerdings; allein im Allgemeinen wird in den französischen Drukereien mehr Chemie betrieben. Wenn ich jedoch angeben soll, ob innerhalb der lezten 30 Jahre in Frankreich oder in England mehr wichtige Erfindungen in diesem Fache gemacht wurden, so muß ich sagen, daß die in England gemachten von weit größerem Einflusse und größerer Wichtigkeit waren.

Fr. Haben die französischen Fabrikate in Hinsicht auf den Glanz ihrer Farben nicht einen Vorzug vor den unserigen? – A.

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Ihre Fabrikate haben nur den einzigen Vorzug, den ihnen das bessere Klima in Frankreich gibt; die Franzosen können ihre Fabrikate mit mehr Sicherheit der Luft aussezen, und haben auch mehr Sonnenschein, als wir; daher haben ihre feinen Musseline auch gewiß einen Vorzug vor den unseligen.

Fr. Was den Färbestoff selbst betrifft, so glauben Sie nicht, daß die Franzosen vor uns im Vortheile sind? – A. Durchaus nicht; ja ich schlage nicht ein Mal den eben zugestandenen Vorzug so gar hoch an.

Fr. Sie sind jedoch auch der Ansicht, daß die Franzosen in ihren einzelnen Fabriken wegen der großen Aufmerksamkeit, die sie auf Chemie verwenden, gegen uns in irgend einem Vortheile sind? – A. Ich kann nicht sagen, daß dieser Vortheil ein sehr ausgesprochener ist, indem die Anwendung der Wissenschaft auf den Calicodruk von den meisten unserer ersten Fabrikanten mit ausgezeichnetem Erfolge geübt wird.

Fr. Gibt es denn in England auch einige große Fabriken, welche von Männern geleitet werden, die vollkommen gründliche Kenntnisse in der Chemie besizen? – A. Allerdings.

Fr. Können Sie angeben, ob und auf welchen Märkten die französischen gedrukten Calico's mit den unseligen Concurrenz halten? – A. Die Ausfuhr der gedrukten Calico's aus Frankreich ist sehr beschränkt. Ich gab mir im Jahre 1821 viele Mühe, die ganze Production Frankreichs und die Quantität der Ausfuhr zu ermitteln, zeigte die Resultate meiner Forschungen den ersten Fabrikanten im Elsaß und in der Normandie, und fand, daß dieselben darüber erstaunt waren, wie nahe meine Angaben der Wahrheit kamen. Im Jahre 1824 betrug nun die Gesammtsumme der in Frankreich gedrukten Calico's nicht über 1,200,009 Stüke, und davon wurden nicht über 200,000 Stüke ausgeführt. Die Franzosen sendeten immer Einiges von ihren feinsten und ausgezeichnetsten Fabrikaten, bei denen es nicht so sehr auf die Preise ankommt, auf die europäischen und amerikanischen Markte, und dieß thun sie auch gegenwärtig noch. Mit Ausnahme ihrer Colonien, und eines Theiles von Spanien und Italien liefern sie aber an keinen anderen Ort den Stapelartikel, den wohlfeilen Artikel, der die Hauptconsumtion bildet.

Fr. Rührt dieser geringe Grad von Concurrenz, den die Franzosen auf einigen Markten mit uns halten, davon her, daß sie ihr Fabrikat wohlfeiler zu liefern im Stande sind, als wir das unserige? – A. Ich wüßte nicht, daß sie, was die leichtere Waare betrifft, auf irgend einem Markte mit uns Concurrenz halten können.

Fr. Erfreute sich die Kattundrukerei bei uns eines raschen |271| Aufschwunges, und wurden große Verbesserungen und Erfindungen in derselben gemacht? – A. Ihr Ursprung datirt sich bei uns vom Jahre 1690 her, wo zu Richmond an den Ufern der Themse von einem Franzosen, der wahrscheinlich in Folge der Widerrufung des Edictes von Nantes zu uns flüchtete, eine kleine Drukerei errichtet wurde. Die erste große Fabrik entstand zu Bromley Hall in Essex; sie stand, als die Auflage auf die gedrukten Zeuge eingeführt wurde, in den Accisebüchern als Nr. 1: zum Beweise, daß sie damals unter allen ähnlichen Anstalten, welche um London bestanden, die erste war. Es befand sich daselbst vor einigen Jahren noch eine bleierne Pumpe mit der Jahrzahl 1710. Das Gewerbe gewann nach und nach in der Nähe von London eine immer größere und größere Ausdehnung, bis es im Jahre 1768 oder 69 nach Lancashire verlegt wurde, wo es gegenwärtig einen der vorzüglichsten und ausgedehntesten Industriezweige bildet.

Fr. Brachte die Entdekung Scheele's, daß die oxydirt salzsauren Salze die vegetabilischen Färbestoffe zerstören, eine große Veränderung hervor? – A. Die von Scheele gemachte große Entdekung wurde zuerst in Frankreich durch Berthollet auf das Bleichen angewendet, später wurde jedoch diese Methode bei uns auf einen höheren Grad von Vollkommenheit gebracht. In neuerer Zeit wurde sie auch auf die Calicodrukerei angewendet, und diese Entdekung Koechlin's in Mülhausen ist einer der schönsten Processe in der Drukerei.

Fr. Hielt man bei uns seiner Zeit das Emporkommen der Calicodrukereien für gewisse andere Fabriken für nachtheilig? – A. Die Weber zu Spitalfields waren anfänglich sehr feindselig gegen die Drukereien gesinnt. Im Jahre 1680 war ein allgemeiner Aufstand unter ihnen wegen der Einfuhr gedrukter Calico's aus Indien, und der Anwendung derselben zu Kleidern, Bettzeug, Vorhängen u.s.w. Dieses Andringen der Weber von Spitalfields war auch der Grund, warum man die gedrukten Calico's mit einer Auflage belegte. Eben solchen Widerstand leisteten die Seidenweber in Frankreich gegen das Emporkommen der Drukereien, indem sie behaupteten, der neue Industriezweig sey der Seidenfabrikation von großem Nachtheile.

Fr. Drukte man anfänglich nicht Leinenzeuge? – A. Ja; später drukte man erst ein gewischtes Fabrikat, welches in Blackburn aus Hamburger Garn und Baumwolle gewebt ward. Schon in frühester Zeit wurden jedoch auch schon einige indische Calicos gedrukt.

Fr. Ist die Anwendung der Drukerei auf Baumwollwaaren nicht erst in lezter Zeit so allgemein geworden? – A. Es sind |272| schon viele Jahre her, daß die Baumwollenzeuge die leinenen und gemischten Zeuge verdrängten.

Fr. Sind Sie mit dem Zustande der Calicodrukerei in Irland bekannt? – A. Die Irländer waren in diesem Jahre sehr furchtbare Rivalen in feinen Artikeln; sie führten in lezter Zeit auch bedeutende Quantitäten nach Südamerika aus.

Fr. Befinden sich im nördlichen Irland Calicodrukereien? – A. Sowohl in Belfast, als in der Nachbarschaft von Dublin befinden sich ansehnliche Fabriken dieser Art.

Fr. Glauben Sie, daß es irgend welche fiskalische Verordnungen gäbe, welche diesen Fabrikationszweig in irgend einem Grade beschranken, und deren Abschaffung für denselben von wesentlichem Vortheile wäre? – A. Es gibt manche Auflagen und Zölle auf Färbestoffe, aus deren Abschaffung den Drukereien unendlicher Vortheil entspringen würde; ich erwähne darunter hauptsächlich des Zolles auf den unentbehrlichen Krapp.

Fr. Verbrauchen Sie eine ansehnliche Quantität Oehl? – A. Allerdings; auch die Abschaffung des Einfuhrzolles auf diesen Artikel wäre von größtem Nuzen.

Fr. Sind die Zölle, von denen Sie sprechen, die Haupthindernisse, welche von Seite der fiskalischen Maßregeln der größeren Ausdehnung der Calicodrukerei im Wege stehen? – A. Ja, diese sind es; diese Zölle sind so nachtheilig und verderblich, daß einige Zweige unseres Gewerbes beinahe ganz vom englischen Boden verschwunden sind. Dazu gehört z.B. die Türkischroth-Färberei, bei welcher eine Quantität Krapp erforderlich ist, welche wenigstens 60 Procent der Productionskosten ausmacht.

Fr. Aus welchen Ursachen kann man im Auslande, wie z.B. in Elberfeld, um so außerordentlich viel wohlfeiler Türkischroth färben, als bei uns? – A. Die Hauptursache liegt in dem Zolle auf Krapp und Oehl, welcher bei uns bezahlt werden muß. Das Türkischgarn, welches nach Rußland geht, ist größten Theils englisches Garn, welches in Elberfeld türkischroth gefärbt, und dann auf englische Rechnung nach Rußland versendet wird. Sogar das Türkischgarn, welches in England selbst verbraucht wird, kommt nun großen Theils aus Elberfeld; wir senden unser englisches Garn nach Elberfeld, und führen es gefärbt wieder zurük.

Fr. Bestehen in Elberfeld außer dem geringeren Preise des Krappes und Oehles auch noch andere Vortheile zu Gunsten der Türkischroth-Färberei? – A. Die niedrigeren Preise dieser beiden Stoffe sind die Hauptursachen.

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Fr. Ist diese Art von Färberei daselbst nicht auch noch aus einem anderen Grunde leichter? – A. Man hat das Verfahren bei derselben allerdings sehr abgekürzt und vereinfacht; allein dieses Verfahren ist gegenwärtig bei uns gleichfalls bekannt. Der Umstand nämlich, daß wir unseren Handel mit Türkischgarn nach Rußland ganz verloren haben, und daß selbst unser inländischer Markt zum Theil vom Auslande versehen wird, hat die Aufmerksamkeit einiger englischen Färber auf sich gezogen; sie ließen Elberfelder Arbeiter kommen, und arbeiten nun mit diesen nach dem neuen Verfahren.

Fr. Sie glauben also, daß es, um uns in eine Lage zu versezen, in der wir mit den Elberfeldern mit Vortheil in Concurrenz treten könnten, nothwendig wäre, den Zoll auf Krapp sowohl, als auf Krappwurzeln aufzuheben? – A. Allerdings.

Fr. Gesezt dieß geschähe, glauben Sie dann, daß die unerhörte Anomalie, die darin liegt, daß wir unser rohes Garn ausführen und gefärbt wieder heimbringen, aufhören würde? – A. Ich zweifle gar nicht hieran, wenn der Zoll auf Oehl und Krapp aufgehoben wird.

Fr. Wächst in England gar kein Krapp? – A. Nein.

Fr. Welches ist die beste Sorte Krapp? – A. Es gibt verschiedene Sorten, von denen sich die eine zu diesem, die andere zu jenem Zweke mehr eignet. Der französische Krapp hat über den niederländischen bedeutend die Oberhand gewonnen, was jedoch größten Theils vom Preise herrührt.

Fr. Haben sich aus dem gegenwärtigen Zustande des Gesezes über das Eigenthumsrecht der Muster in der Drukerei keine Uebelstände ergeben? – A. O ja, wir genießen durch dieses Gesez nur einen dreimonatlichen Schuz, und hätte dasselbe durch die Auslegung, die ihm der ehemalige Kanzler, Lord Lyndhurst, in lezter Zeit gab, nicht eine Ausdehnung erhalten, so wäre es beinahe nuzlos für uns. Dieser Auslegung gemäß hat nämlich während dieser drei Monate Niemand das Recht zum späteren Nachdruken eines Musters durch Graviren von Walzen oder Schneiden von Modeln Vorbereitungen zu treffen; und noch weniger darf das Muster während dieser drei Monate im Voraus gedrukt werden, um dasselbe unmittelbar nach Ablauf des Eigenthumsrechtes auf den Markt bringen zu können.

Fr. Welches Verfahren befolgt man, um irgend ein neu erfundenes Muster zu sichern? – A. Das Verfahren ist sehr einfach; der Fabrikant drukt seinen Namen und den Tag der Ausgabe |274| des Musters auf das Ende eines jeden Stükes. Dieß ist Alles, was das Gesez fordert, und darin liegt der ganze Beweis der Publication eines Musters.

Fr. Wird das Muster irgendwo deponirt, und ein Verzeichniß darüber gehalten? – A. Nein; aber darauf wurde in dem neuen Geseze, welches wir vor 8 oder 10 Jahren vorschlugen, und bei welchem wir unglüklicher Weise eine Niederlage erlitten, angetragen.

Fr. Wer widersezte sich denn hauptsächlich diesem Vorschlage? – A. Jene Leute, die sich durch die Erfindungen Anderer zu bereichern pflegen; Personen, welche dasselbe Gewerbe treiben wie wir, und warten, bis die Hauptfabrikanten ihre neuen Muster zu Tage bringen, dann aus diesen jene auswählen, die am meisten Glük auf dem Markte machen, und sie, nachdem sie sie auf schlechterem Zeug und von geringerer Vollkommenheit abgedrukt, um einen Spottpreis verkaufen.

Fr. Können Sie irgend einen Vorschlag machen, durch welchen diesem Uebelstande abgeholfen werden könnte? – A. Die Hauptsache für uns liegt in einer Ausdehnung der Zeit des Eigenthumsrechtes; und obschon man früher in dieser Hinsicht 12 Monate forderte, so glaube ich doch, daß sich die Fabrikanten allgemein mit 6 Monaten begnügen würden. Jezt in der Hälfte Junius sind die Auslagen der Londoner Gewölbe mit den schönsten Mustern angefüllt, die größten Theils am 1. März auf den Markt kamen, und deren Eigentumsrecht am 1. Junius erlosch, so daß der Schuz für diese Muster daher weit früher aufhört, als die Saison, für welche die Muster bestimmt sind.

Fr. Glauben Sie, daß die Einrichtung, durch welche die Fabrikanten gegenwärtig geschüzt sind, hinreicht, und daß nur der Termin des Schuzes zu kurz ist? – A. Wir würden uns sehr gern bei der alten Einrichtung beruhigen, wenn nur der Termin des Schuzes von 3 auf 6 Monate ausgedehnt würde.

Fr. Halten Sie es für gut, wenn die Muster registrirt und eingetragen würden? – A. Ich bin nicht im Stande diese Frage unvorbereitet zu beantworten. Wir hielten es zur Zeit, als wir die Acte nachsuchten, für gut, wenn ein Register gehalten würde; denn wir glaubten, daß dieß einen guten Beweis der Zeit der Veröffentlichung eines Musters gäbe; allein wir fanden, daß in lezter Hinsicht durchaus keine Schwierigkeiten bestehen, und wir hätten mit den gerichtlichen Verhandlungen, welche in den lezten 2 bis 3 Jahren in Folge des bestehenden Gesezes Statt fanden, vollkommen zufrieden |275| seyn können, wenn die Dauer des Eigentumsrechtes von 3 auf 6 Monate ausgedehnt worden wäre.

Fr. Pflegen Sie Künstler zu halten, welche neue Muster erfinden? – A. Freilich; dieß ist einer der wichtigsten und kostspieligsten Theile unseres Gewerbes.

Fr. Was für Leute verwenden Sie hiezu? Sind es Leute, die in der Fabrik aufgewachsen sind, und ihre Aufmerksamkeit vorzüglich auf diesen Gegenstand gerichtet haben, oder Leute, die zu diesem Zweke eine eigene Erziehung und Bildung erhielten? – A. Es sind meistens Leute, welche ihre Lehrzeit in der Fabrik als Zeichner durchgemacht haben.

Fr. Sind wir Ihrer Ansicht nach den Franzosen in der Erfindung neuer geschmakvoller Muster voraus, oder stehen wir ihnen nach? – A. Es ist schwer, sich hierüber auszusprechen. Einer der ersten französischen Calicodruker verließ vor ein Paar Tagen London, wohin er eigens gekommen war, um Ideen zu Mustern für den nächsten Frühling zu suchen; er hatte alle Laden in London besucht, und kehrte sehr zufrieden nach Hause zurük. Ich für meine Person ging vor 3 Wochen zu demselben Zweke nach Paris.

Fr. Wie groß ist die Zahl der Häuser, welche den Calicodruk treiben, und sich die Mühe kosten lassen, kostspielige und neue originelle Muster zu schaffen? – A. Ihre Zahl mag sich ungefähr auf ein halbes Duzend belaufen.

Fr. Uebersteigt die Zahl jener Häuser, welche bloß die Muster anderer copiren, diese Anzahl? – A. Freilich, bei weitem.

Fr. Verursacht Ihnen das Copiren Ihrer Muster eine Concurrenz, welche Ihnen Nachtheil bringt? – A. Diese Concurrenz hat in den lezten zwei Jahren, seit die Gerichte das Gesez in der oben angegebenen Ausdehnung anwenden, bedeutend abgenommen, und doch bringt sie uns noch sehr großen Schaden.

Fr. Könnten diese Fabrikanten ihre Copien, wenn der Schuz, den das Eigentumsrecht gewährt, nicht bestände, sehr schnell nach dem Erscheinen der Originalmuster auf dem Markte bringen? – A. Sie können dieselben Muster auf eine Art, die uns sehr schädlich wird, je nach Umständen schon nach 10 bis 14 Tagen, und selbst früher auf den Markt bringen.

Fr. Wissen Sie gewiß, daß dieß geschehen? – A. Ja, und ich weiß sogar, daß noch Aergeres geschieht. Ich weiß z.B., daß Copien beinahe zu einer und derselben Zeit mit dem Originale auf den Markt gebracht wurden, indem sich die Fabrikanten die Muster |276| durch Bestechung der Arbeiter zu verschaffen wußten. Es war in solchen Fällen oft sehr schwer zu sagen, welches das Original, und welches die Copie war.

Fr. Haben jene Häuser, welche die Muster anderer nachmachen, hiebei auch einen Theil der Kosten, die, wie Sie sagten, durch das Zeichnen der Muster veranläßt werden, zu tragen. – A. Sie haben nicht nur diese Kosten nicht, sondern sie laufen auch nicht die Gefahr, daß ihre Muster keinen Beifall finden, indem sie nur die beliebtesten, das wahre Fett, auswählen.

Fr. Ist das Eigenthumsrecht der oben angeführten Erläuterung und Ausdehnung des schüzenden Gesezes gemäß genau auf ein und dasselbe Muster beschrankt, oder ist es auch auf Nachbildungen ausgedehnt? – A. Es beschrankt sich nicht bloß genau auf das, selbe Muster, sondern es bezieht sich auch auf solche Muster, welche einander so ähnlich sind, daß sie für einander genommen werden können, oder daß sie einen Einfluß auf den Verkauf des anderen haben.

Fr. Werden gegenwärtig gedrukte Calico's nach Indien ausgeführt? – A. Ja, in großer Menge.

Fr. Wie lange besteht dieser Handel schon? – A. Im Jahre 1798 gingen die Geschäfte in Lancashire sehr schlecht, und es war sehr schwierig, seine Waare unterzubringen; die beiden Häuser Peel wendeten sich daher in ebendiesem Jahre an die Direktoren der ostindischen Compagnie um die Erlaubniß eine Sendung nach Indien machen zu dürfen. Sie verschifften in Folge der Erlaubniß, die sie erhielten, 5000 Stüke, welche sie nach den besten Erkundigungen, die sie von den Capitänen und Unterschiffern eingezogen, die früher kleinere Quantitäten mitgenommen hatten, auswählten. Der Erfolg dieses Unternehmens war damals ein durchaus ungünstiger; allein schon im Jahre 1817, d.h. drei Jahre nach der Eröffnung des Handels nach Ostindien, wurden 50,000 Stüke gedrukte Calico's nach Indien ausgeführt. Im Jahre 1822 betrug die Ausfuhr 300,000 Stüke und darüber, und nach einer flüchtigen Berechnung, welche ich dieser Tage anstellte, dürfte sie sich gegenwärtig beinahe auf eine halbe Million Stüke belaufen!

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Das Examen des Hrn. Thomson fand am 14. und 18. Januar 1833 Statt. A. d. R.

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