Titel: Zenneck, über einen leicht transportablen Queksilbergasometer.
Autor: Zenneck, Ludwig Heinrich
Fundstelle: 1834, Band 54, Nr. LIV. (S. 309–317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj054/ar054054

LIV. Leicht transportabler Queksilbergasometer. Von Professor Zenneck in Tübingen.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

Um einen Glascylinder, der nur etwa 8 bis 10 Kubikzoll Gas aufnehmen kann, welches, wie z.B. das Ammoniakgas, das schwefeligsaure, salzsaure Gas u.s.f.49) unter Queksilber aufgefaßt werden muß, mit dieser Flüssigkeit anzufüllen, bedarf man bekanntlich einer Wanne, die wohl 25 bis 30 Pfd. davon enthalten muß, wann die Anfüllung des Cylinders und die Aufnahme des mit Queksilber sperrbaren Gases sicher und bequem geschehen soll. Auch muß alsdann ein solcher Glascylinder, damit er bei seiner Anfüllung mit einem solchen Gas während der dabei vorkommenden starken Bewegung der Sperrflüssigkeit feststehe, auf irgend eine Art, sey es mit der Hand, oder vermittelst eines stählernen Ringes, festgehalten werden, und, wenn man den Gang einer mehr oder weniger lang dauernden Gasentwiklung, wie z.B. die bei einer gährenden Flüssigkeit, beobachten will, so ist man entweder genöthigt, bei dem Plaze, wo die Wanne mit dem Entwikelungsapparate steht, zu verweilen, oder man hat die ganze einen nicht unbedeutenden Raum einnehmende Vorrichtung mit ihrem Gewicht von etwa 40 bis 50 Pfd. an einen Ort zu versezen, der nicht immer dazu geeignet ist.

Für solche Fälle nun, wobei sich von der Auffassung und Messung eines mit Queksilber zu sperrenden Gases handelt, das man auf irgend eine Art entwikeln läßt, und dessen Menge etwa 10 bis 15 oder höchstens 20 rh. Kubikzolle beträgt, werden durch den im folgenden beschriebenen Queksilbergasometer alle die so eben angeführten Unbequemlichkeiten einer Queksilberwanne50) aufgehoben, indem er ihre |310| Stelle ganz vertritt, nur sehr wenig Queksilber erfordert, und, ohne viel Raum einzunehmen, noch durch sein Gewicht lästig zu seyn, an jeden Ort, wo man beobachten will, leicht aufgestellt werden kann.

Dieser Queksilbergasometer (oder: Myzogasometer für Gasarten, die mit Queksilber abzusperren sind) ist, wie seine Figur zeigt, auf ganz ähnliche Art construirt, wie der Gasometer, den ich zur Untersuchung des Chlorkalks (Chlorometer51) angegeben habe. Denn er beruht ebenfalls auf Aussaugung der atmosphärischen Luft aus dem mit Queksilber zu füllenden Recipienten, und ist daher, wie jener, aus einem Glascylinder mit Fuß (Standcylinder), welcher die Stelle einer Wanne vertritt, einem graduirten Glascylinder (Recipienten) und einer Gasleitungsröhre, welche in jenem bis zu dem geschlossenen Ende von diesem reicht, zusammengesezt. Er ist aber, damit so wenig als möglich von dem Queksilber als Sperrflüssigkeit gebraucht werden darf, von dem obgenannten Wassergasometer (Chlorometer) darin wesentlich verschieden, daß der Recipient, wann er in dem Standcylinder sizt, beinahe ganz mit einem durchbohrten Holzcylinder ausgefüllt ist, und daß die mit dem Canal des leztern communicirende gläserne Leitungsröhre nicht innerhalb des Standcylinders, sondern außerhalb desselben heraufsteigt, um an ihrem gekrümmten Ende das sich entwikelnde Gas aufzunehmen. Auch ist die Höhe dieses Apparates vermöge der Natur seiner Sperrflüssigkeit, nur bis zu einer Höhe von 26 bis 28 rh. Zoll bei Aussaugung der atmosphärischen Luft aufzusteigen und wegen ihres großen Gewichtes die Aussaugung zu erschweren, wie sich leicht begreift, auf 1 bis 2 Fuß beschränkt, während dieselbe bei einem Wassergasometer viel größer seyn kann, wenn man ihn größer haben will. Denn52) daß eine Wassersäule durch Aussaugung der in ihrem Cylinder enthaltenen Luft bis zu einer Höhe von 30 bis 32 Fuß (nach Beschaffenheit der Erhebung ihres Orts über dem Meeresspiegel) heraufgehoben werden kann, und dann der mit ihr communicirenden Luftsäule so das Gleichgewicht hält, daß sie in ihrem Cylinder stehen bleibt, ist seit Galiläi bekannt, und daß eine Queksilbersäule, je nach der Erhebung ihres Ortes über dem Meere und nach der Beschaffenheit |311| des Statt findenden Luftdrukes, in ihrem mit der Luft communicirenden Cylinder eine Höhe von etwa 26 bis 28 Par. Zoll erreichen, und folglich durch Luftaussaugung so weit gehoben werden könne, beweist seit Toricelli jeder Barometer.

I. Beschreibung des Queksilbergasometers.

Die verschiedenen Theile, aus denen der Queksilbergasometer zusammengesezt ist, sind folgende, und, um an einem Beispiele das Verhältniß ihrer Dimensionen zu zeigen, füge ich die Beschreibung derselben in Bezug auf den Gasometer bei, den ich bei der Versammlung der Aerzte und Naturforscher in Stuttgart am Ende der Vorträge in der physikalisch-chemischen Section gezeigt habe.

A. Der Glascylinder mit Fuß (s. Fig. 1 a Standcylinder), welcher die Stelle einer Queksilberwanne vertritt, hat

  • 1) ohne seinen 3 rh. Zoll breiten und 8 Linien hohen Fuß eine Höhe = 10 rh. Zoll,
  • 2) einen Durchmesser im Innern = 17 1/2 Linien,
  • 3) unten an der Seite in einer Höhe von 7 Linien über seinem Fuß und von einem Durchmesser = 3 Linien ein Loch zur Aufnahme der gläsernen Leitungsröhre.

B. Der gläserne Recipient (s. Fig. 1 b Meßcylinder) hat

  • 1) im Innern eine Höhe = 7 Zoll 10 1/2 Linien,
  • 2) einen äußeren Durchmesser = 16 1/2 Linien,
  • 3) einen inneren Durchmesser = 13 Linien.

Der Zwischenraum zwischen ihm und dem Standcylinder beträgt also auf einer Seite = 17 1/2 – 16 1/2 = 1/2 Linien.

Dieser Meßcylinder ist von Oben nach Unten in 9 rh. Kubikzolle, die er hält, eingetheilt.

C. Der Holzcylinder (s. Fig. 1 c), welcher auf den Boden des Standcylinders eingekittet ist, und unten bis auf 1 Zoll Höhe den Raum desselben ausfüllt, hat von dieser Höhe an

  • 1) einen Durchmesser von = 12 Linien,
  • 2) eine Höhe von = 7 Zoll 11 Linien, und ist folglich an allen Seiten um 1/2 Linie von dem darüber gestüzten Meßcylinder entfernt, und um 1 Zoll niederer als der Standcylinder.
  • 3) Von Oben an bis auf 7 Linien von Unten an gerechnet ist er zur Communication des Recipienten mit der Gasleitungsröhre gleichförmig und dann in horizontaler Richtung kegelförmig nach Außen durchbohrt. Dieser Gascanal (s. Fig. 1 c') hat demnach eine senkrechte Länge = 7 Zoll 11 + 5 Linien = 8 Zoll 4 Linien, und dabei einen Durchmesser = 1 Linie.
  • |312| 4) Auch ist er,53) damit aus seinen Poren keine Luft nach Aussaugen derselben aus dem Recipienten dringen und in diesen kommen kann, mit einem Firniß bedekt.

D. Die gläserne Leitungsröhre 54) (s. Fig. 1 d), welche an ihrem unteren spizig ausgezogenen und gebogenen Ende in die kegelförmige Oeffnung des Holzcylinders eingekittet ist, und oben eine doppelte Biegung hat, zieht sich an dem Standcylinder über diesen um 1/2 Zoll herauf, so daß, wenn der Standcylinder auch ganz mit Queksilber gefüllt seyn sollte, dieses in der Leitungsröhre, worin es sich ins Niveau sezt, nicht herauslaufen kann.

E. Zur Haltung des Recipienten, wann dieser bei Einströmung irgend eines Gases über den Holzcylinder heraufsteigt,55) ist am oberen Ende des Standcylinders ein die Leitungsröhre umfassender Ring von unverzinntem Blech angekittet, welcher in einer Entfernung von 3 Zoll einen den Meßcylinder durchlassenden Ring von gleichem Metalle vermittelst ein Paar Metallstreifen trägt.

F. An dem Standcylinder befindet sich noch eine zur Aufnahme von einem Gasentwikelungsgefäße nöthige Vorrichtung (s. Fig. 1 f), bestehend aus 2 Ringen, wovon der eine an dem Cylinder mit einer Stellschraube versehen ist, und der andere in passender Entfernung mit jenem durch einen Arm zusammenhängt. Beide sind wegen des Gebrauchs von Queksilber bei diesem Gasometer gleichfalls von unverzinntem Blech.

G. Für den Fall, daß die mit der Leitungsröhre verbundene Entwikelungsflasche nicht tubulirt ist, und also die Luft des Recipienten nicht vermittelst des Tubulus ausgesaugt werden kann, dient (Fig. 3) eine gekrümmte Glasröhre, welche vermittelst Kautschuk an die Leitungsröhren festgebunden wird, und an ihrer zur Ansaugung bestimmten Mündung eng und etwas ausgerandet ist.

II. Construction des Queksilbergasometers.

Da es sich bei dem Queksilbergasometer von einer Einrichtung handelt, bei der so wenig56) als möglich Sperrflüssigkeit nöthig ist, und wobei alle Luft aus dem Recipienten ausgesaugt werden soll (was |313| wegen des großen specifischen Gewichtes des Queksilbers nicht so leicht ist, wie bei einem Wassergasometer); so werden folgende Bemerkungen über seine Construction nicht ganz unwillkommen seyn.

1) Um für den Recipienten und den Standcylinder einen passenden Holzcylinder (oder auch wohl einen massiven Glascylinder) zu erhalten, läßt man sich ihn von hartem Holze, oben convex und von beliebiger Größe (die Höhe kann größer seyn als die des oben beschriebenen, der Durchmesser hingegen darf wegen der sicheren Messung des Gases wohl nicht viel größer seyn) drehen, und seine Achse so fein als möglich durchbohren; denn je feiner dieser Canal ist, desto sicherer wird er von dem Queksilber bei der Luftaussaugung gefüllt. Diesen Holzcylinder schikt man nun in eine Glashütte, und läßt die Meßcylinder und Standcylinder nach beigefügter Zeichnung und genauer Angabe ihrer Höhen und Durchmesser anfertigen, da es nur selten gelingt, in einer Glashandlung Glascylinder von der erforderlichen Dimension zu finden, und, wenn es auch der Fall ist, die Drehung des Holzes nach den gegebenen Cylindern gleichfalls schwierig ist.

Jedenfalls ist für das Gelingen einer vollkommenen Aussaugung der Luft aus dem mir Copalfirniß oder Kautschukfirniß innen an seinem Canale und außen gut überzogenen Recipienten die Beschaffenheit des obern convexen Theils des Holzcylinders und seiner Entfernung vom Recipienten wichtig, weil bei zu viel Luft in dieser Gegend durch das heraufgestiegene Queksilber nur ein Theil verdrängt wird, und daher noch etwas Luft übrig bleibt, welche bei nachherigen Zügen nur sehr schwer den Recipienten verlaßt; je kleiner daher der Zwischenraum von beiden Cylindern in dieser Gegend ist (ohne jedoch ganz aufgehoben zu seyn), desto sicherer wird die vollkommene Auspumpung bezwekt.

2) Um den Holzcylinder und hierauf die Leitungsröhre einzukitten, wird

a) der Holzcylinder an seiner Seitenöffnung mit einem Korkstükchen zugepfropft, und die Lage von dem Mittelpunkte der Oeffnung oberhalb an dem schmaleren Theile des Cylinders bezeichnet; hierauf der Standcylinder nach Verpfropfung seines Seitenlochs, an seinem Fuß über Kohlenfeuer erwärmt, die nöthige Quantität57) von feinem Siegellak eingetragen und geschmolzen; endlich der gleichfalls |314| vorher erwärmte Holzcylinder eingesezt, auf dem Boden unter beständiger Erwärmung des Glases so lange herumgedreht, bis sich der Kitt an der breiteren Seitenwandung des Holzcylinders verbreitet hat, und wann derselbe zu erhärten beginnt, der Cylinder genau da im Centrum des Glasgefäßes festgesezt, wo das Zeichen seiner Oeffnung mit dem Loche des lezteren correspondirt.

b) Ist dieses geschehen, so wird die Verpfropfung der Seitenöffnung durch Ausbohrung aufgehoben, an das spizig ausgezogene Seitenstük der gläsernen Leitungsröhre ein durchbohrter Pfropf angekittet, dieser nach geschehener Bekleidung mit noch weichem Kitte in die Oeffnung eingesezt, und der Rand derselben mit ihm noch gut überzogen, so daß alle Communication58) von dem Canale des Holzcylinders mit dem äußeren Rande der festanliegenden Glasröhre vollkommen aufgehoben ist.

3) Nach diesen Zurichtungen wird der obere Ring mit seinem Träger um die anliegende Glasröhre herum angekittet, und der für das Entwikelungsgefäß bestimmte verschiebbare Ring mit seiner Stellschraube angebracht.

III. Maßregeln beim Gebrauche des Queksilbergasometers.

1) Um den Recipienten mit Queksilber zu füllen, wird dieser bei Seite gelegt, die Flüssigkeit in den Raum zwischen dem Holzcylinder und dem Standcylinder bis etwa zur halben Höhe gegossen, dann der Recipient über den Holzcylinder gestürzt und in die Flüssigkeit bis auf den Boden gedrükt, so daß ein Theil seines Luftinhalts durch die Leitungsröhre fortgeht; hierauf entweder die Aussaugungsröhre (s. Fig. 3) oder ein tubulirtes Fläschchen, das zum Gasentwikelungsgefäß dienen soll, an die Leitungsröhre befestigt, und nun die Luft so lange ausgesaugt, bis das Queksilber den Raum zwischen dem Holzcylinder und dem Recipienten ausgefüllt hat, und in der Leitungsröhre aufgestiegen ist.

|315|

2) Ist zur Entwikelung und Auffassung eines Gases das hiezu bestimmte Gefäß luftdicht59) mit der Leitungsröhre verbunden; so muß, wann die Gasentbindung anfängt, wohl darauf Acht gegeben werden, daß das im Recipienten angekommene Gas, wenn dieser sich nicht gleichmäßig oder auch zu schnell erheben sollte, nicht am untern Rande hervordringe, und daher nicht nur derselbe, damit das Queksilber in dem engen Raume gleichmäßig herabsinke, gedreht, sondern auch, wenigstens späterhin, noch Queksilber nachgegossen werden.

3) Hat sich der Recipient nach erfolgter Gasentbindung gehoben, so findet sich das Gas zum Theil noch in dem Raume zwischen ihm und dem Holzcylinder, und kann in dieser Lage nicht gemessen werden. Damit nun aber seine vollständige Messung geschehen kann, so muß der Standcylinder über dem Holzcylinder mit Queksilber nachgefüllt werden, bis vermöge seines Drukes das in jenem inneren Zwischenraume befindliche Gas über den Queksilberspiegel zu stehen kommt, und seine Ebene mit der Ebene des Queksilbers in dem äußeren Raume (zwischen dem Recipienten und dem Standcylinder) vermittelst einiger Emporhebung oder Niederdrükung des Recipienten gleichgesezt werden kann. Bei dieser Stellung desselben kann alsdann der an ihm bezeichnete Grad abgelesen, und, abgesehen von der Temperatur des Gases, nach der sein Volumen zu rectificiren60) ist, dieses wenigstens ohne eine Reductionstabelle für die verschiedenen Queksilberstände der inneren und äußeren Räume als das wahre aufgenommen werden.

4) Wollte man etwa die zu einem schon construirten Gasometer nöthige Queksilbermenge berechnen, so müßte man zuerst den Kubikinhalt von der zwischen dem Holzcylinder und dem Standcylinder befindlichen Ringsäule61), von dem Canal des ersteren, von der Leitungsröhre bis oberhalb des Holzcylinders und von der über diesem zu stehenden Queksilbersäule aus den verschiedenen Durchmessern und Höhen dieser Größen ausrechnen und dann das Gewicht von 1 rh. Kubikzoll Queksilber, das = 3960 Gr. (bei 10° R.) ist, mit der gefundenen Summe jener kubischen Gehalte in Proportion sezen; oder man könnte auch den Apparat unter Hinweglassung des Recipienten |316| bis zu einer gewissen Höhe des Standcylinders mit Wasser füllen, das Volumen desselben nach seinem Abgießen in ein nach Kubikzollen graduirtes Gefäß messen62) und dann aus der Anzahl von erhaltenen Kubikzollen das Gewicht des nöthigen Queksilbers vermittelst seines Verhältnisses zu 1 rhein. Kubikzoll berechnen. Leztere Berechnungsart ist nun freilich die leichteste; jedoch ist in dem Fall, daß man sich erst einen solchen Gasometer von irgend gewissen Dimensionen construiren und die dazu erforderliche Queksilbermenge im Voraus wissen will, nur die erstere anwendbar. Für diesen Fall mögen daher folgende Berechnungsformeln denjenigen zur Erinnerung dienen, welchen solche geometrische Auflösungen nicht sehr geläufig seyn sollten.

Wenn der größere Durchmesser der Ringsäule von Queksilber, der dem inneren Durchmesser des Standcylinders gleich ist, mit D, und der kleinere Durchmesser, der dem Durchmesser des Holzcylinders gleich ist, mit d bezeichnet, so wie das Verhältniß des Durchmessers zum Kreis durch q (etwa = 22/7) ausgedrükt wird; so gibt die Formel:

Textabbildung Bd. 54, S. 316

unmittelbar die Grundfläche einer solchen Ringsäule, und das Product derselben mit ihrer Höhe ihren Kubikinhalt.

Um die übrigen Queksilbersäulen ihrer Grundfläche nach zu berechnen, hat man sich bloß an die Formel (.q)/4 zu halten und die erhaltene Zahl mit der Höhe der Säule zu multipliciren, um den Kubikinhalt zu bekommen. So führt z.B. die Berechnung des Queksilbergewichts bei dem oben beschriebenen Gasometer nach diesen Formeln auf die Zahl: 3 1/2, Pfd.

Denn 1) ist hier D = 17,5 Linien und d = 12,0 L.; also (D + d)/2 =
14,75 L. und (Dd)/2 = 2,75 L.; ihr Product = 40,5625 L. und
daher mit 22/7 multiplicirt die Grundfläche des Ringcylinders =
113 Quadratlinien. Folglich da ihre Höhe 7 Zoll 11 Linien = 95
Linien ist, ihr Kubikinhalt
= 10735 Kklin.
|317|
2) Der Kubikinhalt des Canals von dem Holzcylinder ist ist = 21,6 Kklin.
– – der Leitungsröhre bis 8 L. über dem Holzcylinder = 340,2 –
– – der Queksilbersäule v. 1/2 Z. über jenem = 864,0 –
–––––––––––––
3) Also die Summe des gesammten Queksilbervolumens = 11960,8 Kklin.

Nun führt die Zahl (3960. Gr. × 11961 Kklin.)/(1728 Kkl. × 480 Gr.) auf 57 Unzen Queksilber. Folglich beträgt die Queksilbermenge bei diesem Gasometer 57/16 = 3,5 Pfd.

IV. Einrichtung des Gasometers, bei welcher die Leitungsröhre zur Wiederholung eines Versuchs nicht wieder geöffnet werden darf.

Wenn der Recipient nach erfolgter Gasentwikelung mit einer Luftart gefüllt und gemessen worden ist und der Versuch nach Entlassung des erhaltenen Gases bei demselben Entwikelungsgefäße wiederholt werden soll; so muß dieses geöffnet und der Recipient aufs Neue durch Aussaugung mit Queksilber gefüllt werden. Damit nun diese Wiederöffnung des Entwikelungsgefäßes und daher der Leitungsröhre vermieden werden kann; so dient hiezu, an der Stelle des oben geschlossenen Recipienten, ein Glascylinder 64) von gleichen Dimensionen, auf welchen ein gut verschließbarer Hahn luftdicht mit einer Aussaugungsröhre eingekittet ist (s. Fig. 4). Um daher bei dieser Einrichtung die schon erhaltene Luft zu entlassen und den Recipienten mit Queksilber wieder zu füllen; so öffnet man den Hahn, entfernt den Cylinder, gießt von dem Queksilber die überflüssige Menge ab, sezt jenen wieder auf und saugt durch seine Röhre die restirende Luft unter alsbaldiger Verschließung des Hahns aus; ist dieses geschehen, so kann die Gasentwikelung aufs Neue fortgesezt werden.

|309|

Außer diesen Gasen sind noch über Queksilber aufzufassen das Cyangas, hydriodsaure Gas, hydrobromsaure Gas, Euchloringas, fluorborsaures Gas, Fluorkieselgas, kohlensaures Gas, Phosgengas, hydrothionsaures Gas, Selenwasserstoffgas, Tellurwasserstoffgas. Das Chlorgas greift bekanntlich das Queksilber an, und kann nicht hieher gerechnet werden.

|309|

Weit entfernt, eine Queksilberwanne für andere Falle einer Gasbehandlung mit diesem Queksilbergasometer als entbehrlich zu erklären, bemerke ich ausdrüklich, |310| daß derselbe nur für gewisse Fälle, die ich bezeichnet habe, zwekmäßig ist.

|310|

S. Erdmann's J. d. ökon. u. techn. Chemie, XVI. Heft 2., und Buchner's Repertorium d. Pharmacie, XLV. Heft 2.

|310|

Die beifolgende Erinnerung an ein bekanntes aërostatisches Gesez wäre überflüssig, wenn mir nicht bei der Versammlung der Naturforscher in Stuttgart, wo ich den Gasometer vorzeigte, von einem verdienstvollen Chemiker die Einwendung gemacht worden wäre, daß sich das Queksilber nach seiner Emporhebung in einem Cylinder von 8 rh. Zoll Höhe nicht wohl ohne einen verschließenden Hahn in dieser Höhe halten könne.

|312|

Statt eines Cylinders von Holz wäre allerdings einer von Glas besser, wenn sich ein solcher in seiner Axe und unten horizontal vermittelst eines Drahtes bei seinem noch weichen Zustande so durchbohren ließe, wie es hier seyn soll.

|312|

Die Fig. 2 zeigt den Querdurchschnitt der drei Cylinder und der Leitungsröhre.

|312|

In der Fig. 1 ist diese Stellung des Recipienten bei b' angegeben.

|312|

Mein Gasometer, dessen Recipient 9 Kubikzoll Gas faßt, fordert nur 3 1/2 Pfd. Queksilber.

|313|

Sie bestimmt sich durch vorangegangene Probe mit Queksilber, oder Wasser, dessen erforderliches Volumen hierauf zum Maßstab der geschmolzenen Kittmenge dient.

|314|

Um versichert zu seyn, daß alle Communication zwischen dem Canal des Holzcylinders und der äußeren Fläche desselben innerhalb des Standcylinders aufgehoben ist, und daß auch an dem Loche des lezteren keine Luft ein- und ausdringen kann, daß also die Verkittung vollkommen luftdicht gemacht worden sey, ist die Prüfung dieses luftdichten Zustandes des Apparates vermittelst Auflegung des Fingers auf den Canal des Holzcylinders und gleichzeitiger Ansaugung an der Leitungsröhre nicht hinreichend, vielmehr muß man nach Zuschließung der Leitungsröhre den Standcylinder, in den man etwas Queksilber gegossen hat, in Queksilber oder in Wasser stellen, und dann durch den Canal des Holzcylinders stark einblasen. Zeigt sich dann in den beiden Flüssigkeiten keine Lustblase, noch irgend eine Bewegung, so schließt die Verkittung luftdicht.

|315|

Diese luftdichte Verbindung muß wegen des starken Gegendrukes der Queksilbersäule sehr fest seyn, und fordert theils Verkittung, theils den Gebrauch einer Kautschukröhre.

|315|

Die Rectification des erhaltenen Gasvolumens nach der Normaltemperatur geschieht entweder vermittelst einer Formel, oder mit Hülfe eines Normalaëroscops, wie bei dem Gebrauch eines Wassergasometers.

|315|

Dieser Factor der Berechnung ist wegen des Falls einer gänzlichen Erhebung des Recipienten über den Holzcylinder nöthig.

|316|

Statt das gebrauchte Wasservolumen zu messen, könnte man dasselbe wägen und die Queksilbermenge aus f. spec. Gewicht (= 14,5.) berechnen.

|316|

Diese Formel (aus der die vorhergehende fließt) folgt daraus, daß eine solche Ringfläche = Dq × D/4 – dq × d/4, d.h. dem Unterschied der größeren und kleineren Kreisfläche gleich ist.

|317|

Dieser Glascylinder mit einem Hahn, der am besten von Glas ist (denn einer von Holz oder Eisen taugt in manchen Fällen nicht), kann auch sonst zu manchen Gasversuchen unter Gebrauch von wenig Queksilber in irgend einem anderen Glasgefäß für sich angewandt werden.

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