Titel: Gegenwärtiger Zustand ihres Industriezweige in Frankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 54, Nr. LXXVI. (S. 479–491)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj054/ar054076

LXXVI. Ansichten verschiedener französischer Fabrikanten über den gegenwärtigen Zustand ihres Industriezweiges in Frankreich, und über die Folgen der Aufhebung des Prohibitivsystemes für ihre Fabriken.

Im Auszuge aus dem Temps und Moniteur universel.

(Fortsezung und Beschluß von Heft 5, S. 479.)

III. Fabrikation von plattirten Waaren.

1. Aussagen des Hrn. Parquin, Fabrikanten plattirter Waaren.

Frankreich erzeugt gegenwärtig Welt mehr plattirte Waaren als früher. Als ich vor zehn Jahren meine Fabrik errichtete, bestanden nur 4 oder 5 Fabrikanten, während sich gegenwärtig deren Zahl auf 20 beläuft; ich machte früher jährlich für 40,000, gegenwärtig aber für 700,000 Fr. Geschäfte. Meine Fabrik erzeugt unter allen übrigen am meisten; denn ich bin beinahe der einzige, der eine namhafte Menge Fabrikat zur Ausfuhr liefert. Ich erlangte diese hohe Stufe hauptsächlich aber nur dadurch, daß ich in den Gefängnissen, wo der Arbeitslohn viel wohlfeiler ist, Werkstätten errichtete. Die Engländer haben einen großen Vortheil vor uns voraus, |480| indem ihnen ihr ausgewalztes Kupfer weit wohlfeiler zu stehen kommt, als uns. Wir müssen uns an die Strekwerke zu Imphy und Romilly wenden; das ausgewalzte Kupfer kostet uns die erste Qualität 44 und die zweite 34 Sous das Pfund, während die englischen Plattirer mit Kupfer arbeiten, welches ihnen nur 26 Sous das Pfund kostet. Wir führen nur Rohkupfer aus England und Rußland ein, und dieses zahlt 2 Fr. per Kilogr. Zoll; es muß aber gereinigt und ausgewalzt werden, was in den Fabriken von Imphy und Romilly geschieht, und was den Preis bedeutend erhöht. Das Kupfer, welches in England 26 Sous kostet, kommt unserem Kupfer zu 34 Sous gleich, während es jenem Kupfer, welches bei uns zu 44 Sous notirt wird, an Güte nachsteht. Wir brauchen bei unseren Arbeiten Kupfer von erster Qualität, well wir mit der Drehebank arbeiten: ein Verfahren, welches vor dem in England gebräuchlichen Ausschlagen den Vorzug verdient. In England kostet das Auswalzen des Kupfers 1 bis 2 Sous per Pfund; in Frankreich hingegen kommt es uns auf 12 Sous. Die Werkstätten, welche ich in den Gefängnissen errichtete, und in denen man mir zu 20 Sous des Tags arbeitet, glichen bisher diesen Uebelstand aus; allein dieß ist gewiß kein natürlicher Zustand.

Fr. Wie viel beträgt Ihre Ausfuhr, und wohin findet sie Statt?

A. Ich fabricire für 700,000 Fr. Waaren, und davonführe ich für 400,000 Fr. aus; die ausgeführten Artikel gehen hauptsächlich nach Süd-America, Buenos-Ayres, Chili, nach der Havannah, und nur sehr wenig in die Vereinigten Staaten.

Fr. Würde es den französischen Fabriken Gefahr bringen, wenn das Einfuhrverbot, womit die englischen plattirten Waaren belegt sind, aufgehoben würde?

A. Es würde uns vielmehr zum Vortheile gereichen, vorausgesezt, daß in England auch die französischen Waaren dieser Art zugelassen würden. In Frankreich werden nämlich jährlich nur für 1 1/2 Mill. Fr. derlei Waaren verbraucht, während der jährliche Verbrauch in England gegen 30 Mill. beträgt; es ist daher sehr wahrscheinlich, daß ich in England weit mehr Absaz finden würde, als die Engländer in Frankreich finden könnten. Die englische Fabrikationsmethode ist alt und kostspielig; wäre die Einfuhr in beiden Ländern frei und ohne alle Einschränkung, so könnten die französischen Artikel wahrscheinlich nicht nur wegen der größeren Mannigfaltigkeit ihrer Formen, sondern auch wegen ihrer Wohlfeilheit den Vorzug erringen.

Fr. Beträgt der Zoll in England wirklich 20 Procent?

A. Ja; und dessen ungeachtet würde ich in London eine Niederlage meiner Artikel errichten, wenn ich nicht schon bei uns hinreichend beschäftigt wäre. Die Engländer sind übrigens nicht so wie wir gebunden, ihre plattirten Artikel mit einer Marke zu versehen; das Gesez, welches uns hiezu zwingt, wurde von Leuten fabricirt, die von unserem Geschäfte gar keinen Begriff hatten.

Fr. Fordert die Verwaltung denn etwas Anderes, als daß Sie Bücher halten und Deklarationen machen?

A. Sie zwingt uns zum Markiren.

Fr. Und wenn Sie dieß nicht thun, kommt man dann in die Magazine, um es zu bewerkstelligen?

A. Wir befinden uns immer unter den Streichen des Gesezes. Ueberdieß ist das Gesez nur illusorisch; denn die Feingehalte, welche auf jedem einzelnen Stüke angegeben werden, können nicht genau seyn. An jenen Artikeln, welche lediglich aus plattirtem Kupfer bestehen, läßt sich die Quantität des darin enthaltenen Silbers allerdings angeben; allein an den andern Artikeln läßt sich |481| das Verhältniß unmöglich bestimmen. Man sollte sich mit der Marke des Fabrikanten begnügen. Das Gesez, welches uns zwingt, jedes Mal den Feingehalt anzugeben, wollte wohl allenfallsige Betrügereien verhüten; allein es bewirkt gerade das Gegentheil, und zwingt uns solche zu begehen. Vor zehn Jahren markirte man zu 1/60, seither wurde die Marke immer erhöht, so daß Gegenstände, die oft nur mit 1/100 fabricirt sind, mit 1/10 markirt werden, indem man sie, wenn dieß nicht geschähe, nicht kaufen würde. Und wenn dieß so fortgeht, so sehe ich nicht ein, warum man im nächsten Jahre nicht bloß Gegenstände, die mit 1/5 markirt sind, kaufen wollte. Die Engländer haben keine solchen Marken, und kennen bloß schlecht und gut plattirtes Gut, während wir eine unendliche Anzahl von Sorten haben. Der englische Fabrikant ist bloß gezwungen, seine Artikel mit seinem eigenen Zeichen zu versehen, und verkauft je nach dem Zutrauen, welches er einstößt, mehr oder weniger.

Fr. Welcher Ansicht sind Sie in Betreff der Zölle?

A. Als Fabrikant plattirter und kupferner Waaren muß ich wünschen, daß das ausgewalzte Kupfer frei gegeben werde; meine Fabrik könnte eine weit größere Ausdehnung erlangen, wenn mich das Kupfer nicht so hoch zu stehen käme. Ich erzeuge gegenwärtig wöchentlich 7 bis 800 Paare kupferner Leuchter; in England sah ich eine Fabrik, welche deren wöchentlich 4000 Paare fabricirte. Ich kann das Duzend Handleuchter nur zu 10 Fr. verkaufen, während man es in England zu 6 Fr. haben kann. So lange das ausgewalzte Kupfer so hoch im Preise bleibt, als es gegenwärtig ist, werden wir uns gegen England immer im Nachtheile befinden. Wir haben nur sehr wenige Kupferwalzwerke, und dieß trägt wesentlich zu der Kostspieligkeit des Materials bei.

Fr. Glauben Sie, daß unsere Kupferwalzwerke in Folge der Verminderung des Zolles, welcher auf ihren Fabrikaten ruht, nicht leiden müssen?

A. Wahrscheinlich würden die Besizer dieser Werke ihre Preise erniedrigen, ihr Capital löschen, oder statt ihrer großen Fabriken in unserer Mitte deren kleinere errichten.

Fr. Welchen Zoll halten Sie für die englischen plattirten Arbeiten am geeignetsten?

A. Ich für meinen Theil wünsche gar keinen, unter der Bedingung der Reciprocität jedoch; denn wenn bei uns auf das englische Fabrikat ein Zoll gelegt wird, so wird man in England auch auf das unsrige einen legen, und ich wünschte, wie gesagt, gar keinen.

Fr. Sie wissen wohl, daß wir zwar bei uns den Zoll herabsezen oder aufheben können, daß sich aber nicht voraussehen läßt, was man in anderen Ländern thun wird?

A. Ich würde nur in demselben Verhältnisse Zugeständnisse machen, in welchem man uns welche macht.

Fr. Glauben Sie nicht, daß sich ungefähr eine Gleichheit der Umstände ergeben würde, wenn gegenseitig ein Zoll von 20% festgesezt würde?

A. Wir haben gegenwärtig schon die Befugniß, unser Fabrikat gegen einen Zoll von 20% nach England einführen zu dürfen; ich sehe also nicht ein, welchen Nuzen wir bei dieser Maßregel haben sollten, sondern glaube vielmehr, daß sie uns von Nachtheil seyn würde.

Fr. Wenn die englische Regierung jedoch den Einfuhrzoll um die Hälfte herabsezen sollte?

A. Nicht der Zoll von 20% ist es, der unsere Ausfuhr nach England hindert; |482| wenn wir unsere Fabrikate nicht dahin verkauften, so geschah dieß bloß, weil wir nicht wollten; ich wenigstens würde, wenn es mir bei uns an Arbeit und Absaz fehlte, gleich für England fabriciren.

Fr. Selbst bei dem Unterschiede im Preise der Rohstoffe?

A. Ja; denn der Preis der Rohstoffe ist bei den gemeineren, wohlfeilen Artikeln allerdings von großer Wichtigkeit; allein bei den schönen und bessern Artikeln ist der Gehalt an Silber immer derselbe, und dagegen der Unterschied im Preise des Kupfers von geringerer Wichtigkeit. Dieser Unterschied beträgt z.B. auf eine Mark Silber von 10 Fr. nur 14 Sous, und aus diesem Grunde behaupte ich, daß ich des höheren Preises des Kupfers ungeachtet dennoch meine plattirten Waaren in England mit Vortheil verkaufen kann. Ich würde z.B. zierlich geformte Leuchter nach England senden, und bin gewiß, daß ich sie wohlfeiler verkaufen kann, als die Engländer die ihrigen. Es ist nämlich wohl zu merken, daß die Engländer alle ihre Artikel ausschlagen, und daß die Matrizen ihnen sehr theuer zu stehen kommen. Es gibt in Birmingham Fabriken, in welchen man an 3 Millionen Matrizen vorräthig hat. Wir hingegen fabriciren Alles mit Formhölzern, wobei ein Arbeiter in einem halben Tage ein Paar Leuchter fertig bringt. Da der Preis der Matrizen, von denen jede auf 4–500 Fr. zu stehen kommt, bei dem Gestehungspreise der Fabrikate in Anschlag kommen muß, so zweifle ich nicht, daß wir, die wir mit der Drehebank arbeiten, unsere Artikel wohlfeiler zu liefern im Stande sind. Die Matrizen, deren sich die Engländer bedienen, häufen sich überdieß in den Magazinen an, und verhindern einen größeren und fortwährenden Wechsel in den Formen; deßhalb findet man unter den englischen Fabrikaten immer auch wieder alte Formen, während wir alle Jahre mit unseren Formen wechseln, und daher immer das Neueste und Eleganteste haben.

Fr. Sie sind demnach bei Luxusartikeln im Vortheile, weil Sie mit mehr Geschmak und schneller arbeiten?

A. Ja; aber unglüklicher Weise haben wir den Zwang der Marke und den hohen Preis der Rohstoffe gegen uns.

Fr. Wenn aber der Zoll auf das ausgewalzte Kupfer erniedrigt werden würde?

A. Der Zoll auf dasselbe sollte nicht höher stehen, als jener auf das Rohkupfer; und wäre dieß der Fall, so bin ich gewiß, daß ungefähr 50,000 Personen mehr mit der Behandlung des Kupfers beschäftigt seyn würden. Ich zweifle keinen Augenblik, daß die Fabrikation von plattirten Arbeiten durch die Herabsezung des Zolles außerordentlichen Aufschwung erhalten würde, obschon sie bei uns kaum je jene Ausdehnung erlangen dürfte, deren sie sich in England erfreut.

Fr. Woher glauben Sie wohl, daß dieß kommen dürfte?

A. In England zahlt das Silber 30 Fr. Controlauflage; in Frankreich hingegen nur 2 Fr. Man kann daher in England eine Mark gearbeitetes und controlirtes Silber nicht unter 110 Fr. bekommen; und da die nicht controlirten Gegenstände dem Verkäufer keine Sicherheit gewahren, so gibt man den plattirten Waaren den Vorzug. In Frankreich hingegen, wo man eine Mark gearbeitetes Silber zu 60 Fr. bekommt, gibt man nicht gern 30–40 Fr. für die Mark plattirter Arbeiten. Aus diesem Grunde fabricirt man in England so viele und so gute Arbeiten dieser Art; man erzeugt deren welche, die aus 1/5 Kupfer und 4/5 Silber bestehen, und bei denen man den Gebrauch des Silbers |483| beinahe ganz umgehen zu können glaubt. Ich wiederhole schließlich, daß ich die Einfuhr englischer plattirten Waaren durchaus nicht fürchte; denn wir werden die neuen Formen derselben bald nachmachen, und sie dann wohlfeiler liefern, als dieß den Engländern möglich ist; ich fürchte, wie gesagt, die Concurrenz nur bei den gewöhnlichen und ordinären Artikeln, wo es mehr auf den Preis der Rohstoffe ankommt.

2. Aussagen des Hrn. Gaudais, Fabrikanten plattirter Waaren.

Fr. Ist Ihre Fabrikation sowohl in Hinsicht auf Quantität, als in Hinsicht auf Qualität und Wohlfeilheit im Fortschreiten begriffen?

A. Ja; wir haben in allen diesen Beziehungen Fortschritte gemacht. Ich betreibe mein Geschäft nun 15 Jahre lang, war anfangs nur Depositär einer Fabrik, und verkaufte jährlich für 25,000 Fr. Waaren; gegenwärtig bin ich selbst Fabrikant, besitze ein Material im Werthe von 300,000 Fr., und mache jährlich für 400,000 Fr. Geschäfte. Es wäre sehr zu wünschen, daß die französischen Kupferwalzwerke mit ihren Preisen herabgingen. Der Rohstoff kommt denselben auf 24 Sous das Pfd. zu stehen, und die Fabrik zu Romilly verkauft uns dasselbe in Platten zu 1 Fr. 70 Cent. Das Kupfer von Imphy taugt nicht für unser Geschäft; wir sind gezwungen unser Kupfer von Niederdruck, einer in der Nähe der Schweiz gelegenen Gießerei, welche ihr Brennmaterial aus der Schweiz bezieht, kommen zu lassen. Dieses Kupfer verdient zwar in Hinsicht auf Feinheit und Dehnbarkeit vor allen übrigen Kupfersorten den Vorzug; allein es kommt uns auch auf 2 Fr. 25 Cent, zu stehen, weil es eine große Streke Weges zu Land verfahren werden muß. – Der Gestehungspreis der englischen und französischen Fabrikate gegen einander läßt sich nur sehr schwer bestimmen. Die Engländer fabriciren mit weit größeren Kosten als wir, um die wir ihnen in dieser Hinsicht voraus sind; allein sie haben so viele Absazwege, daß sie ihre Fabrikate mit mehr Vortheil absezen. Es ist zwar wahr, daß man vor Allem suchen muß, so wohlfeil als möglich zu fabriciren; allein wenn man seine Fabrikate nicht unterzubringen weiß, wird man die Fabrikation auch beschränken müssen. Hat man einen großen Absaz, so entschädigt man sich an der Menge, und daher kann man, wenn man 2000 Stüke fabricirt, jedes einzelne wohlfeiler geben, als wenn man z.B. nur 12 erzeugen würde. Die ersteren Stüke werden dem Fabrikanten allerdings mehr kosten; dagegen werden ihm aber die lezteren auch beinahe gar nichts kosten.

Fr. Dieß bezieht sich auf die Gegenstände, welche ausgeschlagen werden; allein es gibt auch noch andere Artikel, und Sie wissen, daß das ausgewalzte Kupfer in Frankreich theurer ist, als in England?

A. Die Engländer beziehen wie wir ihr Kupfer hauptsächlich aus Schweden und Rußland; ich glaube daher, daß die französischen Kupferschmelzen und Walzwerke bei Verbesserung ihrer Einrichtungen ihr Kupfer eben so wohlfeil geben könnten, als die Engländer.

Fr. Das Conseil hat erfahren, daß es in England Walzwerke gibt, die bloß für die Plattirer arbeiten, und welche wohlfeileres Kupferblech liefern, als die unseren; ist dich richtig?

A. Dieß ist wohl möglich; allein darauf beruht die Wohlfeilheit ihrer Fabrikate gewiß nicht allein.

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Fr. Führen Sie welche von Ihren Fabrikaten aus, und wohin?

A. Nur der dritte Theil meines Fabrikates wird ausgeführt; doch ist die Ausfuhr im Zunehmen; der größte Theil geht nach Südamerika.

Fr. Glauben Sie, daß den französischen Fabriken ein Nachtheil erwachsen würde, wenn man das Einfuhrverbot, womit die englischen plattirten Maaren belegt sind, durch einen Schuzzoll ersezen würde?

A. Ich war anfangs zu Gunsten des Einfuhrverbotes gestimmt; allein seit ich näher über die Sache nachgedacht, habe ich gefunden, daß dieser Egoismus nicht mit den Fortschritten der Aufklärung und der Fabrikation verträglich ist, und daß er sich namentlich nicht mit der Zunahme des Verkehres zwischen England und Frankreich vereinen läßt. Würde das Einfuhrverbot heute aufgehoben, so würde ich morgen zu London eine Niederlage errichten, Ich stimme daher für die Zulassung der englischen plattirten Waaren gegen einen gehörigen Schuzzoll.

Fr. Wie groß soll dieser Zoll seyn?

A. Die französischen plattirten Waaren zahlen in England 20 Proc.; ich würde die englischen Artikel mit einem Zolle von 30 Proc. belegen; oder ich würde den Zoll nach dem Gewichte bestimmen.

Fr. Haben Sie über das gegenwärtig bestehende Gesez in Betreff der Marke zu klagen?

A. Dieses Gesez ist sehr unvollkommen, und verräth volle Unkenntniß mit unserem Industriezweige. Ich wünschte, daß dieses Gesez aufgehoben würde, und dieß könnte um so eher geschehen, als der Stämpel keine wirkliche Garantie gewährt. Wir stämpeln mit 5, 10 und 20, und alle diese Marken sind falsch. Man wollte uns zwingen den wahren Gehalt anzugeben, und doch gibt es viele Artikel, an denen er sich gar nicht angeben läßt. Ein Leuchter z.B. besteht aus 8 bis 10 Stüken, welche sämmtlich verschieden plattirt sind, je nachdem sie mehr oder weniger der Reibung ausgesezt sind. Selbst an den ganz gut plattirten Artikeln, deren Ränder aus Silber bestehen, ist noch ein Unterschied zu machen; denn diese Ränder bestehen nicht immer aus massivem Silber, sondern sie sind innen oft mit Zinnloth ausgefüllt.

Fr. Bestehen in Frankreich noch an anderen Orten, als zu Paris, Fabriken plattirter Waaren?

A. Rein.

Fr. Wie hoch schäzen Sie den ganzen Betrag der französischen Fabrikation, und in welchem Verhältnisse steht die Ausfuhr?

A. Frankreich erzeugt ungefähr für 2 Mill. Franken, und davon wird die Hälfte ausgeführt.

Fr. Man sagte uns, England fabricire jährlich für 30 Mill. Fr.; woher glauben Sie wohl, daß diese große Ueberlegenheit gegen uns herrühre?

A. In Frankreich ist diese Art von Fabrikation noch ganz neu: meine Fabrik z.B. besteht erst seit 15 Jahren; in England hingegen hat sie schon seit 100 Jahren Wurzel geschlagen. England hat seine Arme überall hin ausgedehnt; es hat die Dessins seiner Fabrikate in alle Weltgegenden versandt, und es versieht seit langen Jahren schon das Ausland. Solche herkömmliche Gewohnheiten verlieren sich nicht plözlich; doch ist auch unsere Ausfuhr im Zunehmen, unsere Arbeiter werden gewandter und die Preise unserer Fabrikate sinken.

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Fr. Welche Artikel sind bei der zahlreicheren Classe am meisten im Gebrauche?

A. Leuchter. Man erzeugt gegenwärtig in Frankreich 6 zöllige Leuchter, das Paar zu 3 Fr., welche ehemals 12 bis 15 Fr. kosteten. Freilich kommt bei diesem niedrigen Preise auch etwas auf Kosten der Qualität.

Fr. In welchem Verhältnisse steht bei diesem großen Unterschiede zwischen 3 und 13 Fr. die Verschlechterung der Qualität?

A. Man kann 8/4 der Abnahme des Preises auf Rechnung der Fortschritte der Fabrikation, und 1/3 auf Abnahme der Qualität sezen. Meine Fabrikate von erster Qualität haben von der englischen Concurrenz nichts zu fürchten. Ich bin der erste, der die schönen plattirten Artikel mit silbernen Rändern fabricirte, welche Heuer zur Ausstellung kamen, und bin überzeugt, daß ich in England einen sehr großen Absaz haben werde.

Fr. Welcher Zoll glauben Sie, daß an die Stelle des Einfuhrverbotes gesezt werden soll?

A. Ich glaube, daß man auf die plattirten Artikel erster Qualität einen nach dem Werthe berechneten Zoll legen soll, welcher ungefähr 30 Proc. betragen könnte; daß die gemeinen Artikel hingegen nach dem Gewichte zu verzollen seyn dürften.

3. Aussagen des Hrn. Veyrat, Fabrikanten plattirter Waaren.

Frankreich erzeugt gegenwärtig beiläufig für 6 Mill. Fr. plattirter Waaren, wie ich theils aus den Mauthregistern, theils aus den Angaben verschiedener Fabriken berechnet habe. Man muß vor Allem anerkennen, daß die englischen Fabriken Vieles vor den unserigen voraus haben. Sie sind sämmtlich in großem Maßstabe gebaut, folglich nicht so zahlreich, weßhalb denn auch weniger Concurrenz zwischen denselben Statt findet; sie sind allgemein bekannt und vollkommen classificirt; sie können große Opfer bringen, um sich die schnellsten Fabrikationsmethoden anzueignen; Opfer, vor denen wir zurückschrecken oder die über unsere Kräfte sind. Es mangelt ihnen nie an Capitalien, die sie zu wohlfeilen Bedingungen haben können; die großen und reichen Herren Englands treten gern mit industriellen Unternehmern in Verbindung, oder legen ihre Capitalien zu 2 und 3 Proc. in Fabriken an; in Frankreich hingegen wissen eben diese Herren mit ihrem Gelde nichts Anderes zu machen, als es zum Ankaufe von Ländereien oder zum Börsenwucher zu verwenden; sie glauben noch immer sich etwas zu vergeben, wenn sie sich in industrielle oder commercielle Operationen einlassen.

Es hat sich als unmöglich erwiesen den Gehalt der plattirten Waaren genau zu ermitteln. Die Engländer, welche in dieser Kunst unsere Vorfahrer sind, geben keinen solchen Gehalt an; die französischen Fabrikanten hingegen sind gezwungen, außer ihrem Namen, der in der Münze darauf gedrukt wird, auch noch einen zweiten Stämpel darauf zu sezen, der mit 5,10, 20, 30, 40 kr. den Gehalt angeben soll. Diesen lezteren Stämpel sezen die Fabrikanten selbst nach Belieben darauf, und hieraus ergeben sich nothwendig große Mißbräuche. Eine der ersten Bedingungen Treue und Glauben wieder herzustellen, und unsere Waaren den englischen gleich zu bringen, liegt daher in der Aufhebung dieser Stämpel.

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Die Regierung würde sich sehr irren, wenn sie den gegenwärtigen Zustand und die Fortschritte gewisser Industriezweige und namentlich jene der Plattirkunst lediglich nach den Artikeln beurtheilen wollte, die bei der lezten Industrieausstellung zur Schau gebracht wurden. Dergleichen Arbeiten werden gewöhnlich um schweres Geld für solche Gelegenheiten fabricirt und bleiben dann in den Magazinen unverkauft. Gerade jene Fabriken, welche bei der Ausstellung am meisten glänzten, beschäftigen meistens am wenigsten Arbeiter. Es ist mit gutem Grunde sehr zu befürchten, daß die Engländer, wenn das Einfuhrverbot aufgehoben werden sollte, unsere Fabriken durch augenblikliche Aufopferung von 50 Proc. zu Grunde richten; so machten sie es in Dänemark mit ihren Blechwaaren, in Deutschland mit mehreren gewebten Zeugen, in den Colonien, da wo sie mit uns zusammentrafen, und so machen sie es endlich auch auf den Messen zu Frankfurt und Leipzig. Ein solcher Krieg gegen unsere Fabriken ist ihnen um so leichter, als sie ohne Vergleich reicher sind, als wir, und als bei ihnen beinahe auf alle Artikel, die sie ausführen, hohe Prämien ertheilt werden, während diese Prämien bei uns sehr selten und sehr unbedeutend sind. Ich erlaube mir zur Unterstüzung meiner Angaben folgende, von 34 Fabrikanten unterzeichnete Note vorzulegen.

„Wir haben von der Ansicht des Hrn. Veyrat in Betreff der Zulassung der englischen plattirten Waaren Kenntniß genommen und theilen dieselbe vollkommen. Wir hoffen, daß sich alle unsere Mitgenossen für die Aufrechthaltung des Einfuhrverbotes aussprechen werden, weil uns alle Nachforschungen, die wir über diesen Gegenstand anstellten, zu der Ueberzeugung brachten, daß jede andere Maßregel das größte Unglük über unsere Fabriken herbeiführen würde. Einfuhrzölle, wie hoch sie auch seyn mögen, werden uns nicht gegen die englische Concurrenz schüzen; die große Ausdehnung unserer Küsten gestattet uns keine Aufsicht, bei der wir sicher wären, der Schmuggler habhaft zu werden; während bei dem Einfuhrverbote die eingeschmuggelten Waaren zu jeder Zeit und an jedem Orte ergriffen werden können. Wir zahlen demnach auf den aufgeklarten Geist der Commission, und hoffen, daß dieselbe jede Maßregel zurükweisen wird, welche nicht nur eine große Anzahl von Arbeitern brodlos machen, sondern uns selbst auch um unser Hab und Gut bringen würde.“

Fr. Wie groß ist die Zahl der Plattirarbeiter gegenwärtig, und wie groß war sie vor 10 Jahren?

A. Sie belauft sich gegenwärtig auf 3000, und vor 10 Jahren war sie wohl eben so groß. Zur Zeit der Juliusrevolution, wo die Arbeiten eine momentane Unterbrechung erlitten, haben viele Arbeiter ihre Profession gewechselt; die Cholera raffte deren gleichfalls eine bedeutende Anzahl hinweg, und mehrere der besten Arbeiter wurden in's Ausland gezogen. Gegenwärtig scheint jedoch deren Zahl wieder im Zunehmen.

Fr. Sie schäzen die jährlichen Erzeugnisse der französischen Fabriken auf 6 Mill. Fr.; nach anderen Aussagen betragen sie nur 1 1/2 Mill.?

A. Ich machte meinen Anschlag nach dem J. 1829; und mit diesem Jahre mag die Masse der Geschäfte gegenwärtig ziemlich gleich seyn. Man kann hierüber ein beim Ministerium befindliches Document vom J. 1827 nachsehen. Was die Ausfuhr betrifft, so geben die Schäzungen der Mauth kaum einen sicheren Anhaltspunkt.

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Fr. Was Sie von den englischen Ausfuhrprämien sagten, beruht auf einem Irrthume, denn in England besteht so wenig als bei uns eine solche; man zählt bei der Ausfuhr bloß die für das Inland bestimmte Controlauflage zurück. Sie glauben also, daß die Aufhebung des Einfuhrverbotes den französischen Fabriken nachtheilig werden müsse?

A. Ich bin überzeugt, daß mit dem Freigeben der Einfuhr von unseren 40 Fabriken 30 fallen würden, obschon ich für meinen Theil diese Maßregel nicht fürchten, sondern bei der Annahme derselben in London selbst eine Niederlage errichten würde.

Fr. Wie läßt sich diese Besorgniß aber mit den gestrigen Angaben vereinigen, wonach beinahe die Hälfte unserer Fabrikate ausgeführt wird?

A. Ich weiß zwar, daß es einige Länder gibt, wo man die französischen Tafelgebräuche angenommen, und wo daher die französischen Modelle den Vorzug haben; ich weiß, daß wir einige Artikel erzeugen, weiche in England nicht fabricirt werden; allein ich halte die Ausfuhr doch nicht für so groß, als man sie angab. Ich selbst führe beiläufig die Hälfte meiner Fabrikate aus, und zwar in die spanischen Colonien, nach Deutschland, nach Neu-York, Neu-Orleans, und etwas Weniges überall hin.

Die Engländer arbeiten, um noch Einmal hierauf zurükzukommen, mit wohlfeileren Rohstoffen; deßhalb würde ich aber ihre Concurrenz nicht fürchten, sondern hauptsächlich deßhalb, weil sie ihre Capitale nur zu 3 Proc. verzinsen, während wir sie zu 5 und 6 Proc. verzinsen müssen. Die Arbeiter in den englischen Fabriken werden ganz zu Maschinen, indem jeder derselben immer nur Eine Arbeit zu verrichten hat, und es daher in dieser zur größten Fertigkeit bringt; sie schlagen auch Alles aus, während unsere Arbeiter aushämmern. Endlich sind die Engländer nicht der Gefahr ausgesezt sich ihre neu erfundenen Formen sogleich entzogen zu sehen; ihre Geseze schüzen sie in dieser Hinsicht mehr, als uns die unserigen.

Fr. Haben Sie über das Auswalzen des Kupfers nicht zu klagen?

A. Wir können uns nur mit Schwierigkeiten gute Walzen verschaffen. Ich würde deßhalb nicht die Freigebung der Einfuhr des ausgewalzten Kupfers, sondern jene der Walzen fordern. Wir würden gern 15 bis 20 Proc. geben, um uns solche Walzen zu verschaffen, indem wir das Kupferblech von Imphy und Romilly noch Einmal auf unseren eigenen Walzen behandeln.

Fr. Glauben Sie, daß die Fabrikation plattirter Waaren in Frankreich eine große Ausdehnung erlangen könne, da bei uns die hohe Controle, welche die Engländer bezahlen müssen, nicht besteht, und da bei uns die Silberarbeiten nur um 1/3 mehr kosten, als die plattirten Arbeiten?

A. Ich glaube allerdings, daß eine größere Ausdehnung unserer Fabrikation zu erwarten ist, und daß die plattirten Artikel, namentlich was größere Gegenstände sind, wegen ihrer Wohlfeilheit immer den Vorzug erhalten werden. Ich bin selbst Silberarbeiter, und kann Sie versichern, daß die Arbeit in Silber vier Mal so viel Zeit fordert, als die Plattirarbeit. Ein etwas vollständiges Silberservice kommt auf 50–60,000 Fr. zu stehen; ein ähnliches plattirtes kostet nur 10,000 Fr., und kann, wenn es gut gemacht ist, 20 Jahre dauern, so daß man in wenigen Jahren schon an den Interessen eines Silberservices den Preis eines plattirten Services gewonnen hat.

Fr. Glauben Sie, daß die französischen Fabrikate in England Absaz finden würden, wenn daselbst der 20 Proc. betragende Zoll aufgehoben würde?

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A. Die Artikel, die wir in England unterzubringen im Stande wären, würden gewiß den Nachtheil, den die Engländer uns in unserem Lande zufügen würden, bei weitem nicht aufwiegen. Mit dem Freigeben der Einfuhr würden in Paris sogleich englische Waarenlager erstehen, die unsere Fabriken in Kürze erdrüken würden. Die englischen Modelle sind zwar nicht so elegant, wie die unserigen; allein bei der Anglomanie, welche gegenwärtig bei uns eingerissen, sind wir dessen ungeachtet gezwungen erstere zu copiren.

Fr. Sie haben doch oben gesagt, daß Sie die englische Concurrenz nicht fürchten, und daß sie sogar in London eine Niederlage errichten könnten; dieß beweist doch, daß Sie ihre Fabrik als den englischen voraus betrachten?

A. Nicht alle unsere Fabriken sind im Stande dasselbe zu thun, wie ich.

Fr. Haben Sie über das Gesez, gemäß welchem markirt werden muß, nichts mehr zu bemerken?

A. Ich wiederhole nur, daß dieses Gesez schlecht ist, und bemerke noch, daß Alles vermieden werden sollte, was den Ursprung des Fabrikates beurkundet. Ich will nur eine einzige Thatsache anführen. Die Einfuhr unserer Fabrikate nach Italien ist großen Schwierigkeiten unterworfen, weil in Vicenza eine Fabrik besteht, welche von der österreichischen Regierung nach allen Kräften unterstüzt wird. Unser Fabrikat wurde in Mailand weggenommen, was nicht der Fall gewesen wäre, wenn man es nicht am Stämpel erkannt hätte.

4. Aussagen des Hrn. Balaine, Fabrikanten plattirter Arbeiten.

Die Fabrikation plattirter Waaren gewinnt seit einigen Jahren, besonders was die besseren Qualitäten betrifft, immer größere Ausdehnung; vor wenigen Jahren noch erzeugte man nur leichte Waaren, die größten Theils ausgeführt wurden; erst seit 5–6 Jahren liefern unsere Fabriken auch schöne Fabrikate, die im Lande verkauft werden. Unsere Fabrikation mag im Ganzen 1 1/2 bis 2 Mill. betragen. Wir führen einen Theil nach Holland und Belgien und etwas weniges auch nach den Colonien aus; doch haben wir in früherer Zeit nach den lezteren so viele schlechte Waare versendet, daß unsere Fabrikate daselbst in Mißkredit gekommen sind. Ich selbst arbeite größten Theils für unser Land und führe nur den vierten Theil meiner Produkte aus. Ich erzeuge nur gute und schöne Waaren, weßhalb meine Fabrik sich auch eines ziemlichen Rufes erfreut. Die Aufhebung des Einfuhrverbotes, oder selbst die Vertauschung desselben gegen entsprechende Zölle, würde meiner Ansicht nach, den französischen Fabriken den Untergang bringen, und in Paris gegen 10,000 Arbeiter in Elend stürzen. Die englischen Fabrikate sind seit mehr dann 60 Jahren in ganz England und in dessen Colonien allgemein gebräuchlich, und dieser lange Gebrauch hat deren Ruf außerordentlich befestigt. Der Vorzug, den die plattirten Waaren daselbst vor den silbernen genießen, erklärt sich leicht durch die hohe Auflage, welche auf den Silberarbeiten lastet, und wodurch diese lediglich zu Luxusartikeln werden. Da der Verbrauch demnach sehr groß ist, während die Fabriken nicht zahlreich und mit Capitalien überfüllt sind; da ferner die Fabrikate keinem zu großen Wechsel unterworfen sind, st scheuen die Fabriken, wenn es nöthig seyn sollte, nicht eine Ausgabe von 20,000 Fr., um ein Modell im Großen herzustellen, welches nach 10 Jahren noch neu seyn wird, und |489| dessen Ertrag sie im Voraus mit Sicherheit berechnen können. In Frankreich ist die Fabrikation hingegen noch in der Kindheit; erst seit einigen Jahren brachte man es durch viele Aufopferungen zu den Resultaten, die man bei der lezten Industrieausstellung sah, und die noch nichts weniger, als vollkommen sind. Wenn man bedenkt, daß die Silberarbeiten in Frankreich per Mark nur 2 Fr. 85 Cent. Auflage zahlen, und daß die plattirten Arbeiten anfangs so schlecht waren, daß Jedermann damit unzufrieden war, so wird man sich nicht wundern, daß unsere Kunst nur so höchst langsam an Ausbreitung gewann. Der leichte und Abwechselung liebende Franzose will immer Neues, und daher ist es unmöglich auf die Anschaffung der Modelle große Kosten zu verwenden; aus diesem Grunde und bei dem geringeren Absaze werden wir auch noch lange nicht mit den Engländern Concurrenz halten können. Berüksichtigt man ferner noch, daß man gegenwärtig mit wahrer Wuth für die englischen Formen eingenommen ist, und daß wir dieselben, namentlich was die gothischen betrifft, nicht so wohlfeil nachzumachen im Stande sind, so wird man zu der Ueberzeugung gelangen, daß unsere Fabriken mit der Aufhebung des Einfuhrverbotes zu arbeiten aufhören müßten. Es versteht sich, daß sich diese Bemerkungen nur auf die guten plattirten Arbeiten beziehen, und daß sie sich nicht auf die ganz gewöhnlichen schlechten Fabrikate anwenden lassen. Auf diese lezteren würde man übrigens mit Unrecht einen zu großen Werth legen; denn das Publicum wird dieselben bald zu würdigen wissen, und in weniger dann 5 Jahren werden sie ganz ausgemerzt seyn. Es wäre möglich, daß wir vielleicht in diesen ordinären Sotten mit den Engländern Concurrenz halten könnten; allein auch dieß ist nicht wahrscheinlich, weil die Engländer das Kupferblech, dessen Preis hier doch hauptsächlich in Betracht kommt, um 1/3 wohlfeiler beziehen. Um mit England rivalisiren zu können, müßte man auch bei uns auf die Silberarbeiten eine so hohe Auflage legen, wie in England; denn dann würde auch bei uns der Verbrauch an plattirten Arbeiten eben so zunehmen, wie in England, und wir könnten in Folge dieses größeren Absazes mehr auf die Anschaffung von Modeln und auf die übrige Ausrüstung unserer Fabriken verwenden, und zugleich unsere Waaren auch wohlfeiler liefern.

Wenn es ja ein Mittel gibt unseren Industriezweig bei uns emporzubringen und auf eine Stufe zu heben, auf der er überall mit dem Auslande concurriren kann, so müßte man meines Erachtens folgender Maßen zu Werke gehen. Man müßte vorläufig das Einfuhrverbot auf alle fremde Maren, gegen die wir nicht Concurrenz halten können, ausgenommen die Silberarbeiten würden auch bei uns mit einer hohen Auflage belegt, beibehalten. Dann müßte man das unvollkommene Gesez, dem die Plattirer gegenwärtig unterworfen sind, umarbeiten, und die Fabrikanten hindern nicht ungestraft den Glauben des Publicums durch einen Stämpel zu berüken, der immer höher ist, als der wirkliche Gehalt, den er ausdrüken sollte. Auf diese Weise wird man unsere Fabriken gewiß mächtig heben und ihnen einen großen Absaz sichern, ohne daß die Silberarbeiter dabei beeinträchtigt würden; denn wer Silber haben will, wird doch immer lieber Silber kaufen. Was den Stämpel selbst betrifft, so wäre dessen Aufhebung meiner Ansicht nach ein grober Fehler. So wie er gegenwärtig ist, ist er allerdings illusorisch und bloße Lüge, weil man den Abnehmern dadurch schlechtere Waare für bessere anhängen will. Man sollte eine Einrichtung treffen, gemäß welcher |490| der Stämpel auch wirklich das bewirken könnte, was er bewirken soll; der Fabrikant soll gezwungen seyn neben seinem Namen oder seinem Fabrikzeichen auch den wahren Gehalt anzugeben, und im Falle einer falschen Angabe criminell bestraft werden.

Fr. Wie läßt sich aber ermitteln, daß die Angabe falsch ist, und wie läßt sich an jenen Artikeln, die aus verschiedenen Theilen bestehen, von denen manche, die der Reibung weniger ausgesezt sind, schwächer plattirt werden, der Gehalt bestimmen?

A. Man müßte von 10 bis 12 Stüken eines opfern, und dasselbe von den Probirern, die den Gehalt gegen 75 Cent. angeben werden, untersuchen lassen. Was die zusammengesezten Artikel betrifft, so machen diese kein Hinderniß; denn die Theile, welche der Abnüzung weniger ausgesezt sind, können wohl dünner ausgewalzt seyn, müssen aber doch immer den gehörigen Gehalt haben.

Der wahre Gehalt ließe sich also nur durch Aufopferung der Gegenstände ermitteln. Wie könnte man aber dann auf gesezliche Weise stämpeln? Man müßte sich an die Angabe des Fabrikanten halten, und der Behörde bliebe weiter nichts übrig als diese Angabe durch den Stämpel zu versichern?

A. Ich will nicht, daß die Verwaltung den Fabrikanten in Fesseln lege; man soll jeden derselben arbeiten lassen, sie sollen aber immer unter dem Geseze stehen, und im Falle man eine falsche Angabe entdekt, gestraft werden.

Fr. Dieß ist, bis auf den Umstand, daß Sie eine Criminalstrafe verlangen, auch bei dem gegenwärtigen Geseze der Fall. – Wo beziehen Sie Ihr Kupfer her, und wie hoch kommt es Ihnen zu stehen?

A. Da das Kupfer von Imphy zu brüchig ist, so beziehe ich dasselbe von Hrn. Steffan zu Belfort. Dieses Kupfer ist geschmeidiger, als das englische; es kommt mich aber gegenwärtig auf 4 Fr. 20 Cent. per Kilogr. zu stehen, und nach dem 1. Januar werde ich es wahrscheinlich noch theurer bezahlen müssen.

5. Aussagen des Hrn. Berthelon, Fabrikanten plattirter Waaren.90)

Ich fabricire hauptsächlich Tafelservice und habe meine Fabrik so eingerichtet, daß ich nur Fabrikate erster Classe erzeuge. Ich liefere jährlich für 180 bis 190,000 Fr. Waaren; früher hatte ich 20, gegenwärtig aber nur mehr 10 Proc. Gewinn. Meine Fabrikate eignen sich im Ganzen sämmtlich zur Ausfuhr; doch versende ich nur den vierten Theil, wovon das Meiste nach Spanien, Rußland und Polen geht. Ich arbeite weniger für die Kaufleute, als für meine Abnehmer, die großen Theils aus großen Herren, Ministern, Gesandten etc. bestehen. Der Preis des Kupfers kommt bei meinen feineren Fabrikaten wenig in Anschlag, und es fehlt mir, um meine Fabrik zu erweitern, nur an Capitalien, die bei uns viel schwerer ankommen, als in England, wo aristokratische und demokratische Capitalisten ihre Gelder in industrielle Unternehmungen stecken.

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Fr. Glauben Sie, daß Sie mit einem Schuzzolle die Concurrenz der Engländer aushalten könnten?

A. Ich zweifle sehr daran, besonders am Anfange der Veränderung, indem die Franzosen jezt dem englischen Geschmake huldigen. Da dieser Geschmak jedoch nicht lange dauern kann, so wird man bald wieder auf die französischen Formen zurückommen, und dieser Wechsel wird abermals nachtheilig werden, indem die englischen Modelle in kurzer Zeit unbrauchbar. seyn werden. Ich fürchte überdieß, daß das Streben nach Wohlfeilheit unseren Fabrikaten bedeutenden Schaden bringen wird. Man verkauft gegenwärtig schon plattirte Waaren von 40 Gehalt für solche, deren Gehalt man zu 20 angibt, und dergleichen Betrug sollte verhindert werden.

Fr. Auf welche Weise könnte dieß geschehen?

A. Man müßte zuerst den Stämpel aufheben, und dann die Fabrikanten zwingen ihre Waaren zu dem Gehalte, den sie ihnen beilegen, abzugeben. Dieß ist jedoch bis auf einen gewissen Grad unmöglich.

Fr. Liegt die Garantie des Käufers nicht hauptsächlich in dem Rufe der Fabrik?

A. Allerdings; allein auch dieser ist, ich gestehe es offen, sehr vom Zufalle abhängig. Ich machte z.B. keine sehr guten Geschäfte, weil ich nur zu gut arbeitete; meine Collegen fabricirten schlechtere Waaren und verkauften davon bei niedrigerem Preise mehr und vortheilhafter, weil die Abnehmer durch den Stämpel hintergangen wurden.

Fr. Was können sie über die Quantität der jährlichen Fabrikate und über die Zahl unserer Fabriken plattirter Waaren angeben?

A. Unsere Fabrikation ist auf Paris beschrankt, und kann monatlich auf 100 bis 120,000 Fr. geschäzt werden. Wir haben neun Fabrikanten, die im Großen mit einem Treibwerke arbeiten, und außerdem eine Menge kleinerer Anstalten, in denen man nur eine Drehebank und Formhölzer findet, und welche von Arbeitern, die die Fabriken verließen, errichtet wurden. Diese lezteren verfertigen nur einzelne Gegenstände, wie z.B. Handleuchter, die sie an die Commissionäre abliefern; sie bringen den Fabriken, die ein großes Material haben, großen Nachtheil.

Fr. Es schiene hienach, daß die 34 Fabrikanten, auf die man sich in früheren Angaben bezog, aus solchen Arbeitern bestünden. Geben Sie Ihre mit Fleiß und Sorgfalt gearbeiteten Artikel heut zu Tage wohlfeiler, als vor 10 Jahren?

A. Die Preise sind beinahe dieselben. Ein Paar Leuchter, welches ich früher zu 19 Fr. verkaufte, gebe ich jezt zu 15 Fr. Ich weiß zwar, daß man deren auch zu 7 Fr. verkauft, welche der Käufer kaum von den meinigen zu unterscheiden im Stande ist; allein mein Fabrikat hat 20, und lezteres nur 12 Gehalt.

[Fortsetzung.]

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Die Aussagen des Hrn. Berthelon stimmten im Wesentlichen mit jenen seiner beiden Vorgänger überein; wir heben daher nur jene Stellen aus, die davon abweichen. A. d. R.

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