Titel: Ueber die Wirkung des Gerbestoffes und einiger anderer Substanzen auf die Wurzeln der Pflanzen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 54, Nr. XII./Miszelle 13 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj054/mi054012_13

Ueber die Wirkung des Gerbestoffes und einiger anderer Substanzen auf die Wurzeln der Pflanzen.

Hr. Silvestre der jüngere hatte wiederholt behauptet (vergl. Polytechn. Journ. Bd. LII. S. 398), daß Bäume schnell absterben, wenn ihre Wurzeln mit den Ueberresten der Wurzeln alter ausgehauener Eichenstämme in Berührung kommen. Einige schrieben dieß der schädlichen Wirkung des Gerbestoffes zu, andere hingegen hielten diesen für unschädlich. Hr. Payen suchte diesen Punkt durch directe Versuche zu erörtern, über welche wir hier das Wesentliche mittheilen wollen. Er brachte Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Maiskörner unter ganz gleichen Umständen mit gleichen Quantitäten folgender Flüssigkeiten in Berührung: 1) mit destillirtem, mit Kohlensäure imprägnirten Wasser; 2) mit demselben Wasser, dem jedoch 0,01 seines Gewichtes einer gesättigten Auflösung von |78| kohlensaurem Natron zugesezt worden; 3) mit ebensolchem Wasser, dem nur 0,001 seines Gewichtes der gesättigten Auflösung von kohlensaurem Natron zugesezt worden; 4) mit einer Auflösung, welche 0,001 reinen Gerbestoff enthielt; 5) mit einer Auflösung, welche 0,001 Schwefelsäure enthielt; 6) mit destillirtem, mit Kalk gesättigtem Wasser. In der 1sten, 3ten und 4ten dieser Auflösungen erfolgte das Keimen der Samen in der angegebenen Ordnung; in den drei anderen Auflösungen hingegen fand kein Keimen Statt. Das destillirte Wasser wurde bald schwach säuerlich. Die Entwikelung der Stänge!, welche anfangs in demselben rascher erfolgte, als in der Auflösung von 0,001 kohlensaurem Natron, ließ nach und nach im Vergleiche mit lezterer nach. Wenn das Alkali durch die bei der Vegetation entwikelte Säure gesättigt worden, wurde die ursprüngliche Quantität Alkali wieder zugesezt. In beiden Flüssigkeiten wurden die weißen Wurzeln und die grünen Stängel in 14 Tagen mehrere Centimeter lang. In der Auflösung des Gerbestoffes wurden alle Würzelchen allmählich braun gefärbt; ihre Entwikelung erfolgte langsam und unvollkommen; die Federchen blieben weißlich und trieben keine Stängel, so daß diese Flüssigkeit ein offenbares Hinderniß für die Vegetation bildete. Pflanzen, welche in destillirtem Wasser schon 3–5 Centimeter Höhe und eine eben so große Länge der Wurzeln erreicht hatten, wurden in Gerbestoffauflösung von 0,001 Gerbestoff gebracht; sie wurden darin nach und nach gelblich; die Wurzeln wuchsen beinahe gar nicht, und die Stängel nur höchst langsam weiter, so daß sie nach 10 Tagen gegen die in destillirtem Wasser verbliebenen Pflanzen von gleichem Alter bedeutend zurükgeblieben waren. Aus diesen und anderen Versuchen zieht Hr. Payen folgende Schlüsse: 1) der Gerbestoff wirkt selbst in kleinen Quantitäten auf die Wurzeln mancher Pflanzen nachtheilig; 2) die Säuren schaden selbst in geringen Verhältnissen dem Keimen und der Entwikelung der Pflanzen; 3) die Alkalien sind in geringen Quantitäten der Vegetation günstig; 4) die Sättigung der Säure, welche sich während des Keimens entwikelt, beschleunigt nicht nur das Keimen, sondern begünstigt auch die weitere Entwikelung. Diese Versuche erklären die nüzliche Wirkung des Kalkes, des Mergels, der Asche, und den nachtheiligen Einfluß, welche die Alkalien ausüben, wenn sie in zu großer Menge angewendet oder ungleich vertheilt werden. (Journal de Chimie médicale, April 1834. Wir erlauben uns zu dieser Notiz nur noch die Bemerkung beizufügen, daß der Gerbestoff wenigstens in seinen Verbindungen nicht so nachtheilig auf die Wurzeln vieler Pflanzen einzuwirken scheint. Alle Gärtner wissen z.B., daß wenn die Wurzeln von Pflanzen, die in Lohbeeten gehalten werden, durch die Töpfe in die Lohe dringen, dieß nur einigen schädlich wird, während andere vortrefflich dabei gedeihen. Alte Lohe wird nicht selten als ein mittelmäßiger Dünger verwendet, und besonders im Herbste auf Beeten von Blumenzwiebeln gestreut, wovon wir nie Nachtheile sahen.)

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