Titel: Ueber die Bereitung der Pektinsäure (Gallertsäure) und ihrer alkalischen Salze.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 54, Nr. XII./Miszelle 14 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj054/mi054012_14

Ueber die Bereitung der Pektinsäure (Gallertsäure) und ihrer alkalischen Salze.

Die Pektinsäure und ihre salzartigen Verbindungen, über welche bekanntlich Braconnot schöne Arbeiten lieferte,15) könnte sowohl von Apothekern, als von Zukerbäkern sehr gut benuzt werden, um schnell sogenannte Gelées zu bereiten. Die bisherige Umständlichkeit der Bereitung dieser Substanzen hinderte jedoch bis jezt selbst die unermüdlichen und unerschöpflichen französischen Zukerbäker an der allgemeineren Verwendung dieser Substanzen, was den Hrn. Simonin zu Nancy veranlaßte, ein einfacheres Verfahren ausfindig zu machen. Dieses Verfahren wird im Journal de Pharmacie, August 1834, S. 478 folgender Maßen beschrieben: Man scheidet aus dem Johannisbeerensafte das Pektin oder das durchsichtige Gelée, welches sich nach der Vermengung desselben mit Sauerkirschensaft von selbst bildet, ab; wäscht es aus, um den Färbestoff so viel als möglich zu beseitigen, und kocht es endlich mit einer hinreichenden Menge sehr schwacher äzender Kalilauge, um hierauf die Ueberreste der Johannisbeeren, welche allenfalls noch damit vermengt sind, dadurch abzuscheiden, daß man die stark gefärbte Flüssigkeit, in welcher das pektinsaure Salz enthalten ist, durch ein grobes |79| Tuch seiht. Dieses Salz wird dann zersezt, indem man nach und nach, und unter Umrühren eine hinreichende Menge flüssigen Chlorkalkes zusezt, die Flüssigkeit wird dadurch schnell entfärbt; es bilden sich in ihr weißliche Floken von pektinsaurem Kalke, den man auf einem Tuche sammelt und mit Wasser anrührt, welches schwach mit Salzsäure gesäuert worden, und welches daher den Kalk auflöst. Die auf diese Weise frei gewordene Pektinsäure wird, nachdem sie auf einem Tuche abgetropft hat, sorgfältig und lange Zeit fort mit destillirtem Wasser oder mit Regenwasser ausgewaschen, um allen salzsauren Kalk und alle überschüssig zugesezte Säure wegzuschaffen. Nach diesen Operationen, und nachdem man die Masse, um die größte Menge des Wassers daraus zu entfernen, ausgedrükt, ist die Pektinsäure beinahe farblos, durchsichtig, und von der Consistenz eines diken Gelée; sie verbindet sich sehr leicht mit Alkalien, und einige wenige Tropfen Ammoniak reichen hin, um sie flüssig zu machen und braun zu färben. Will man sich pektinsaures Ammoniak bereiten, so sezt man der Säure so viel Ammoniak zu, daß sie einen klaren Syrup bildet, welchen man durch Papier filtrirt, und in dünnen, auf Porcellan oder Fayence aufgetragenen Schichten im Trokenofen oder an der Sonne troknen läßt. Dieses pektinsaure Ammoniak troknet schnell, löst sich in braunen, durchsichtigen, glasigen Stüken ad, und ist in destillirtem Wasser vollkommen auflöslich. Alkohol und Zuker scheiden die Pektinsäure in Form eines voluminösen Gelées aus dieser Auflösung ab. Mit Natron und Kali kann man auf gleiche Weise ähnliche Salze bereiten. – Das Waschwasser, dessen man sich bei diesen Operationen bedient, darf weder Kalk noch Kalksalze enthalten, indem sich sonst gleich wieder pektinsaurer Kalk bilden würde. Sollte man kein destillirtes Wasser und kein Regenwasser zur Disposition haben, so könnte man auch Brunnenwasser nehmen, nachdem man aus demselben die größte Menge des Kalkes durch kohlensaures Kali niedergeschlagen, ohne das Wasser übrigens dadurch zu sehr alkalisch gemacht zu haben. – 200 Pfund Johannisbeeren geben Hrn. Simonin beiläufig 8 Unzen pektinsaures Ammoniak, womit man einer 500 Mal größeren Menge Wasser eine gallertartige Consistenz zu geben im Stande ist.

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Polytechnisches Journal, Bd. XLIII. S. 60. und Bd. XLVII. S. 57.

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