Titel: Barachin's Anstalt, in welcher Rindfleisch ohne Knochen und Suppe verkauft wird.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 54, Nr. XXIV./Miszelle 16 (S. 145–146)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj054/mi054024_16

Barachin's Anstalt, in welcher Rindfleisch ohne Knochen und Suppe verkauft wird.

Bekanntlich bestand seit einigen Jahren zu Paris eine von holländischen Kaufleuten gegründete Compagnie, welche in allen Theilen der Stadt Niederlagen hatte, in denen man zu jeder Stunde des Tages den Liter Fleischbrühe zu 45 Centimen erhalten konnte. Die Compagnie lieferte vortreffliche Suppe, welche aus Rindfleisch von erster Qualität und keineswegs aus Abfällen bereitet wurde, wie man dieß wohl wahrscheinlich geglaubt haben mochte; sie erhielt sich zwar unter diesen Umständen, allein sie bekam doch nicht den Aufschwung, und fand nicht die Unterstüzung, welche man billig erwarten konnte. Hr. Barachin hat daher nun eine andere Einrichtung getroffen, und eine Anstalt gegründet, welche sich nicht nur gleich bei ihrem ersten Entstehen eines großen Zulaufes zu erfreuen hat, sondern welche auch nothwendig eine gänzliche Umwandlung des Systemes, welches man gegenwärtig in den Fleischereien übt, zur Folge haben muß, – eine Umwandlung, welche nicht nur dem Publikum, sondern auch den Fleischern von großem Nuzen werden wird. Hr. Barachin verkauft nämlich gegenwärtig ganz reines Rindfleisch, aus welchem alle Knochen, Flechsen und sonstigen zum Essen unbrauchbaren Theile ausgelöst sind, und bereitet aus diesen Theilen in einem eigenen, vortrefflich eingerichteten Apparate eine Fleischbrühe, welche der gewöhnlichen Fleischbrühe in Nichts nachsteht, und weit besser ist, als die einfache d'Arcet'sche Suppe aus Knochengallerte. Er liefert das Pfund ausgelöstes Fleisch für 80 Centimen, während man das Pfund gewöhnlichen Fleisches, in welchem gewöhnlich 1/4 Knochen enthalten sind, und zu welchem man überdieß noch eine Portion sogenannte Zuwaage bekommt, für 70 Centimen bezahlen muß, so daß dieses unaufgelöste Fleisch beinahe auf 95 Centimen zu stehen kommt. – Von seiner Suppe, welche er aus dem schlechteren Fleische, den Knochen, den Flechsen etc. bereitet, |146| liefert Hr. Barachin den Liter zu 6 Sous, und wenn man sich auf 5 Liter abonnirt, selbst zu 5 Sous. Der Arme erhält auf diese Weise nicht nur eine sehr wohlfeile und doch gute Suppe, sondern der Bemittelte ist auch im Stande sich immer wohlfeil gutes knochenfreies Fleisch zu verschaffen; er kann seine Suppe gleichfalls in der Suppenanstalt holen, und statt das Fleisch auszusieben, dasselbe auf eine andere nahrhaftere und saftreichere Weise zubereitet genießen. Es scheint uns, daß die Idee dieser Unternehmung eine sehr glükliche ist, und daß dieselbe daher in allen Ländern nachgeahmt zu werden verdiente. Wir werden feiner Zeit über den Fortgang der Anstalt Barachin's Bericht erstatten; eine Notiz darüber findet man im Journal des conaissances usuelles, August 1834, S. 99.

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