Titel: Ueber die Bereitung des Geigenharzes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 54, Nr. XXIV./Miszelle 19 (S. 146–147)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj054/mi054024_19

Ueber die Bereitung des Geigenharzes.

Wenn man bedenkt, schreibt das Journal des connaissances usuelles, an wie wenigen Orten man gutes Geigenharz zum Streichen der Bogen von Violinen erhält, so muß man nothwendig auf die Idee kommen, daß die Bereitung desselben, ihrer Einfachheit ungeachtet, noch sehr wenig bekannt ist. Gutes Geigenharz muß durchsichtig und citronengelb seyn; es darf den Haaren der Bogen keine gelbe, sondern eine weiße Farbe geben; wenn man mit dem Bogen über die Saiten streicht, so muß es als weißes Pulver an den Steg herabfallen, und darf dabei die Saiten durchaus nicht schwarz färben; zwischen den Fingern zerdrükt |147| darf es endlich nicht kleben. Gin Geigenharz dieser Art kann man sich verschaffen, wenn man Fichtenharz in einem neuen, irdenen, glasirten Topfe über einem mäßigen Kohlenfeuer schmilzt, und dasselbe in dem Maaße als es schmilzt, durch ein etwas grobes ungebrauchtes Tuch in einen zweiten, dem ersten ähnlichen Topf seiht, um es dann, nachdem man es einige Augenblike über dem Feuer gehalten, in kleine papierne Rollen oder in Platten zu gießen. Noch schöneres und besserers Geigenharz erhält man durch Destillation von venetianischem Terpenthin. Will man Geigenharz für den Contrebaß bereiten, so soll man dem Fichtenharze gleiche Theile weißes Pech zusezen, und beide Substanzen mit einander schmelzen. – Viele Musiker pflegen das Fichtenharz in Essig auszusieben; dieß ist jedoch ein ganz fehlerhaftes Verfahren, denn Geigenharz, welches auf diese Weise bereitet worden, gibt einen abscheulichen pfeifenden Ton.

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