Titel: Ueber die Hagelableiter
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 54, Nr. XXIV./Miszelle 21 (S. 147–148)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj054/mi054024_21

Ueber die Hagelableiter

hat Hr. Aristide Vincent im Juniushefte des Journal des connaissances usuelles eine historische Zusammenstellung der Versuche ihres Erfinders, des Hrn. Lapostolle von Amiens, gegeben, welcher auch mehrere von ihm und von Pouillet angestellte Versuche über die Leitungs- und Anziehungskraft des Strohes für die Elektricität, so wie eine Sammlung der in verschiedenen Zeitschriften vorkommenden Beobachtungen beigefügt sind. Wir begnügen uns aus dieser Abhandlung den Schluß auszuziehen, zu welchem Hr. Vincent sowohl |148| nach den Versuchen anderer, als nach feinen eigenen Erfahrungen berechtigt zu seyn glaubt. Er ist nämlich der Ansicht, daß das Stroh wirklich die Eigenschaft besize, die Elektricität zu zerstreuen, und die Gewitterwolken von dem Augenblike an unschädlich zu machen, in welchem die Elektricität das Stroh durchdrungen hat; daß es folglich unnöthig ist, die Strohzöpfe bis auf den feuchten Boden herabzuleiten; daß im Falle der Strohzopf zufällig auf irgend eine Weise eine Verkürzung erlitt, dieß keinen Schaden bringen würde, und daß die Hagelableiter wegen ihrer geringen Kosten leicht überall anwendbar sind. – Auffallend war es unter Anderem in dieser Abhandlung die Behauptung aufgestellt zu finden, daß ein beinahe reifes Getreidefeld nie vom Hagel getroffen wird; was nach Hrn. Vincents Ansicht wahrscheinlich davon herrühren dürfte, daß die langen Grannen einer jeden Aehre eine Menge kleiner Hagel und Blizableiter bilden. Wenn sich Hr. Vincent die Mühe gegeben hätte genau nachzufragen, wo und wann es am häufigsten hagelt, so würde er gewiß nicht zu einer so irrigen Behauptung gekommen seyn; wir glauben nicht nöthig zu haben dieselbe ausführlich zu widerlegen, da man bei uns in Süddeutschland aus trauriger Erfahrung weiß, daß allerdings auch vollkommen reife Felder vom Hagel getroffen werden. Daß dieß seltener der Fall ist, ist richtig, allein der Grund hievon dürfte unserer Ansicht nach darin liegen, daß es um die Erntezeit bei uns schon weit weniger Hochgewitter gibt, als im Junius und Julius, und daß diese späteren Gewitter überhaupt seltener vom Hagelschlag begleitet sind.

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