Titel: Nachtrag zu Faraday's experimentellen Untersuchungen über die Elektricität.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 54, Nr. XLII./Miszelle 2 (S. 223–224)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj054/mi054042_2

Nachtrag zu Faraday's experimentellen Untersuchungen über die Elektricität.33)

Hr. Faraday hat der königl. Societät der Wissenschaften in London nochmals einen Vortrag über seine die Elektricität betreffenden Versuche erstattet, worin er sich besonders über die Elektricität der Bolta'schen Säule, nämlich ihre Quelle, Quantität, Intensität aussprach und ihre allgemeinen Eigenschaften betrachtete. Die Frage, ob die Elektricität der Säule durch die Berührung ungleicher Metalle oder durch die chemische Wirkung auf eines der beiden Metalle hervorgebracht wird, entschied er zu Gunsten der lezteren Ansicht und beweist seine Behauptung durch eben so einfache als überzeugende Versuche. Wenn man z.B. auf irgend einen Theil einer amalgamirten Zinkplatte einen Tropfen verdünnter Schwefelsäure bringt, so wird keine merkliche chemische Wirkung Statt finden; wenn man aber ein Platinstük, welches das Zink an irgend einem entfernten Theile berührt, auch den Säuretropfen berühren läßt, so erfolgt chemische Wirkung; das Zink wird auf Kosten des Wassers der verdünnten Säure oxydirt und in Folge dieser Oxydation wird ein elektrischer Strom verursacht. Wenn man das Platin entfernt und einen Tropfen Jodkalium auf irgend einen anderen Theil des Zinkbleches bringt und das Platin mit diesem und dem Zink gerade so wie vorher bei der verdünnten Säure in Berührung bringt, so erfolgt eine Wirkung und ein elektrischer Strom streicht vom Zink durch die Auflösung zum Platin und so zurük zum Zink. Wenn man aber nun das Platin das Zink nicht berühren |224| läßt, wohl aber zu gleicher Zeit die beiden Tropfen von Flüssigkeit, so findet keine metallische Berührung Statt. Ungeachtet dieses Mangels an Berührung wird jedoch ein Volta'scher Strom erregt und es findet auch eine wahre Volta'sche Zersezung Statt, denn der Säuretropfen erregt einen Strom in derselben Richtung wie er es zuvor that, und da dieser Strom durch die Auflösung von Jodkalium streicht, so verursacht er dessen Zersezung, indem er die Richtung, welche dessen Elemente annehmen würden, wenn sie nur ihrer eigenen Wirkung auf das Zink und Platin unterworfen wären, umkehrt, so daß das Jod gegen das leztere Metall erscheint, anstatt daß es gegen das vorhergehende frei wird.

Durch diese und ähnliche Versuche zeigt Hr. Faraday, daß die erste Erregung des Volta'schen Stromes, so wie auch seine Fortdauer von chemischer Wirkung herrührt. Er führt, wie wir gesehen haben, vor Allem Fälle an, wo ein elektrischer Strom entwikelt wird, und eine Zersezung durch ihn an anderen Stellen als denjenigen, wo er sich entband, bewirkt wird, jedoch ohne daß dabei eine Berührung von Metallen ins Spiel kommt, so daß man weiter nichts als einen einfachen Volta'schen Strom hat. Er zeigt, daß dieser Fall ganz einfach ein solcher ist, wo zwei Reihen chemischer Verwandtschaften im Gegensaz sind, indem die Kräfte der stärkeren wirklich durch die angewandten Metalle und Körper vorwärts geführt und in einer Entfernung erregt werden, indem sie die Kräfte der schwächeren überwinden. Er beweist, daß die Erscheinungen der Volta'schen Säule im Ganzen nur eine Anhäufung oder eine Ausgleichung chemischer Kräfte sind – indem sich die Elemente auf irgend einem Theil bei angehender Zersezung in vollkommener Gleichförmigkeit mit denjenigen bewegen, welche irgend anderswo im Kreislaufe thätig oder in Bewegung sind. Indem er eine Batterie so anordnet, daß selbst in den erregenden Trögen keine chemische Wirkung Statt findet, ausgenommen wenn der Strom vollständig ist, zeigt er, daß die Quantität der circulirten Elektricität genau der Quantität von oxydirtem Zink oder zerseztem Wasser proportional ist, und daß ihre Intensität immer entweder der Intensität der chemischen Wirkung proportional ist oder irgend einer von einer Reihe ähnlicher Plattenpaare, oder der Anzahl von Abwechselungen, welche durch ihre gemeinschaftliche Wirkung den Strom vorwärts zu treiben streben. Er geht dann auf die eigenthümliche Constitution eines Volta'schen Stromes über. Seine Wirkung hängt von einem Theilchen ab, welches schon mit einem anderen Theilchen in Verbindung ist und welches dieses andere verläßt, um sich mit einem dritten zu vereinigen. Die zwei Theilchen, welche zuerst verbunden waren, müssen von solcher Art seyn, und in solchen Verhältnissen, daß sie einen Elektrolit oder einen durch den elektrischen Strom zersezbaren Körper constituiren; das dritte Theilchen muß von einer Substanz seyn, welche nicht nur die Eigenschaft hat, sich mit einer der beiden vorigen zu verbinden, sondern auch die Elektricität fortzuleiten. Daher die Notwendigkeit, Metalle anzuwenden, welche leztere Bedingungen erfüllen und Elektrolyte, deren Elemente der vorhergehenden Genüge leisten. Hr. Faraday stellt dann eine Untersuchung über die Intensität des einfachen Volta'schen Stromes an, und zeigt, daß er direct von der Intensität der ins Spiel kommenden chemischen Wirkung abhängt. Er beweist zunächst, daß Elektrolyte, oder zersezbare Körper erfordern, daß der sie durchstreichende Strom eine gewisse Intensität hat, unter welcher sie der Zersezung widerstehen, obgleich sie leiten. Er betrachtet dann den Fall, wo eine zusammengesezte oder gewöhnliche Volta'sche Säule angewandt wird.34) (Literary Gazette, No. 909.)

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Vergl. Polytechn. Journal Bd. LII. S. 334.

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Wir haben nun die Hauptresultate aller Versuche des Hrn. Faraday mitgetheilt, welche gewiß von allgemeinem Interesse sind. Seine diesen Gegenstand betreffenden und mit seiner gewöhnlichen Weitschweifigkeit abgefaßten Originalabhandlungen erscheinen nach und nach alle im dießjährigen Jahrgange von Poggendorff's Annalen der Physik. A. d. R.

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