Titel: Die Boraxsäurefabrikation in Toscana.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 54, Nr. XLII./Miszelle 5 (S. 225–226)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj054/mi054042_5

Die Boraxsäurefabrikation in Toscana.

Aus vielen Spalten der Vulkane in einigen Provinzen Toscanas strömen Dämpfe aus, welche, wie die im Jahre 1778 von zwei italienischen Chemikern angestellte Untersuchung derselben ergab, etwas Boraxsäure enthalten; ein Franzose, Namens Larderel, hat diesen Umstand nun zur Darstellung bedeutender Quantitäten von Boraxsäure benuzt. Zuerst ließ er, um diese nach schwefeliger |226| Säure riechenden Dämpfe mit Wasser zu verbinden, Gruben von 20 bis 25 Fuß Tiefe auf einen Umfang von 100 bis 150 Fuß um die Spalten herum ausgraben, umgab sie mit Mauern und leitete dann süßes Wasser hinein, um sie anzufüllen. Da der Dampf aus den Spalten mit der größten Heftigkeit austritt, so kochte das Wasser wie in einem Kessel und das Thermometer zeigte 75° R. Er ließ dieses Wasser mehrere Tage lang kochen (die so erhaltene Auflösung von Boraxsäure zeigte am Aräometer nur einen Grad) und leitete dann die schlammige und schwarze Flüssigkeit in einen großen Behälter, damit sie sich klären konnte, das klare Wasser wurde hierauf in großen flachen Kesseln, welche man mit Holz heizte, abgedampft. Zulezt brachte er das Wasser in bleierne Gefäße, worin nach 48 Stunden die Boraxsäure auskrystallisirte.

Um diese Fabrikation aber einfacher und ökonomischer zu machen, construirte er besondere Oefen mit flachen bleiernen Kesseln, welche durch den Dampf der Vulkane selbst erhizt wurden, der bei seinem Austritt aus den Spalten der Vulkane 120° zeigt, die Abdampfung geschah auf diese Art in 24 Stunden. Nachdem nun an einem günstigen Erfolge dieser Unternehmung nicht mehr zu zweifeln war, kaufte Hr. Larderel alle Grundstüke an, wo Vulkanspalten vorkamen; er machte ganze Berge eben und grub den Boden bis auf eine große Tiefe um, wodurch er die Anzahl der Dampfspalten noch bedeutend vermehrte, er legte große Straßen an und errichtete nach und nach ungeheure Gebäude, worin sich die Oefen, Kessel, Krystallisationsgefäße und Trokenapparate befinden. Der natürliche Dampf der Vulkane wird für alle diese Anstalten und zu vielen anderen Zweken auch als Triebkraft benuzt. Solcher Fabriken bestehen bis jezt acht, außer einer beträchtlichen Raffinerie von Boraxsäure in Livorno; sie liefern zusammen jährlich 700,000 Kilogr. Boraxsäure, wovon 100,000 Kilogr. in Livorno raffinirt werden. (Le Moniteur universel, No. 203.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: