Titel: Ueber die Wirkung des Stoßes auf eiserne Balken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1835, Band 55, Nr. XIV. (S. 82–83)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj055/ar055014

XIV. Ueber die Wirkung des Stoßes auf eiserne Balken; von Hrn. Eaton Hodgkinson.

Im Auszuge aus dem Berichte der dritten Versammlung der British Association im Repertory of Patent-Inventions. November 1834, S. 301.

Der Verfasser stellte mehrere Versuche über die Kraft, mit welcher Balken den auf sie einwirkenden Impulsivkräften widerstehen, an. Er nahm zu diesen Versuchen eine 44 Pfd. schwere gußeiserne Kugel, welche mit einem Radius von 16 Fuß an einem Strike von der Deke des Zimmers herabhing. Diese Kugel berührte, wenn sie frei herabhing, gerade einen ebenen Balken aus Gußeisen, welcher an beiden Enden in horizontaler Stellung aufgehängt, und in Entfernungen von 4 Fuß von einander gestüzt war. Auf diesen Balken ließ er bald in der Mitte, bald in der Hälfte des zwischen der Mitte und dem einen Ende befindlichen Raumes die Impulsivkraft wirken, indem er die Kugel zurükzog und sie durch bestimmte Bogen fallen ließ, und wobei er den Balken verschob, wenn die Stelle des Stoßes verändert werden sollte. Die Abweichung des Balkens von der geraden Richtung, welche hiedurch erfolgte, wurde dadurch bemessen, daß man beobachtete, wie tief ein langer, am Rüken des Balkens angebrachter Stift durch den Stoß in eine unter dem Balken befindliche Thonmasse eingetrieben wurde. Die Resultate waren folgende.

1) Die Abweichungen oder Deflectionen verhielten sich beinahe wie die Sehnen der Bogen, durch welche die Gewichte gezogen wurden, d.h. wie die Geschwindigkeiten der Impulsivkraft.

2) Zum Bruche des Balkens war derselbe Stoß erforderlich, der Balken mochte in der Mitte oder in der Hälfte des zwischen der Mitte und dem einen Ende gelegenen Raumes getroffen worden seyn.

3) Wenn der Stoß in der Mitte und der in der Hälfte des zwischen der Mitte und dem einen Ende gelegenen Raumes gleich waren, so verhielt sich die an lezterer Stelle entstandene Deflection zu jener der ersteren wie 3 zu 4, was auch der Fall seyn würde, wenn der Ort der größten Biegung, die durch successive Stöße auf jeden Theil entsteht, eine Parabel wäre.

Diese Resultate fand Hr. Hodgkinson in Uebereinstimmung |83| mit theoretischen Schlüssen, welche von der Voraussezung abhingen: 1) daß ein Balken, der durch kleine Stöße gebogen wurde, dieselbe Form bekam, die er erhalten hätte, wenn er mittelst Druk durch gleiche Räume gebogen worden wäre; und 2) daß die Kugel und der Balken, auf den sie traf, nach dem Stoße sich wie Eine Masse fortbewegten.

4) Die Kraft, mit welcher ein schwerer Balken dem Stoße Widerstand leistet, verhält sich zu der Widerstandskraft eines leichten Balkens, wie die Summe der Masse oder der Inertia des stoßenden Körpers und des Balkens zu der Masse oder Inertia des stoßenden Körpers.

5) Die Zeit, welche zur Erzeugung einer Biegung oder Deflection erforderlich ist, und folglich auch die Zeit des Stoßes bleibt bei denselben Körpern immer auch eine und dieselbe, der Stoß mag groß oder klein seyn. Die Zeit hingegen verhält sich umgekehrt wie die Quadratwurzel der Steifheit des Balkens.

6) Die Resultate der Berechnungen gaben, wenn man den Druk mit dem Stoße verglich, Biegungen oder Deflectionen, welche mit den bei den Versuchen beobachteten bis auf 1/2 oder 1/9 übereinstimmten.

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